Wird es irgendwann ein Zeitalter geben, wo die Kirchenglocken nicht mehr läuten?

23 Antworten

Ich muss sagen, dass ich derzeit in eiber Gegend arbeite, wo die Kirchenglocken mehrmals am Tag Sturm läuten. Trotzdem stört mich das in keiner Weise. Ich arbeite momentan in einer ländlichen Gegend und da finde ich, dass ich es eher beunruhigend finden würde, wenn ich da keine Kirchenglocken hören würde. Das gehört einfach dazu, dass man insbesondere in einer ländlichen Gegend Kirchen findet und diese eben auch die Glocken läuten lassen.

Klar war das auch im Mittelalter so, aber da hatte das Kirchengeläut noch einen ganz anderen Wert für die Leute. Heute ist das für viele eher traditionell und von jenen, die zumindest auf dem Papier noch Christen sind, sind viele bestenfalls noch ein- oder zweimal im Jahr in der Kirche, während man im Mittelalter nicht nur schief angesehen wurde, wenn man auch nur einen Gottesdienst verpasst hat. Ich finde daher, dass es da durchaus trotz Kirchengeläut massive Unterschiede zwischen Mittelalter und Gegenwart gibt.

Wenn es nach irgendwelchen Kanthölzern geht, die direkt neben eine Fleischerei oder Bäckerei ziehen und sich dann über den Geruch aufregen oder direkt neben eine Kirche ziehen und sich dann über das Kirchengeläut aufregen und sogar meinen, unbedingt dagegen klagen zu müssen, auch wenn weder die Kirche noch die Bäckerei oder Fleischerei erst später da waren, sondern die neu zugezogenen Kläger, könnte das eventuell geschehen, aber ich hoffe, dass man eher solche Vollpfosten dorthin klagt, ja sogar verbannt, wo diese keine Gründe haben, sich wegen Gerüchen oder Lärm aufzuregen.

Wie die anderen Antwortgeber weiß auch ich nicht, wann die Zeit kommen wird, dass keine Kirchenglocken mehr läuten werden. Aber mir gefällt das Glockenläuten.

Wahrscheinlich fühlst du dich beim Glockenläuten wie im Mittelalter, da du dir denkst, dass längst jeder entweder eine Armbanduhr oder ein Smartphone bei sich trägt, um die Uhrzeit davon abzulesen. Daher meinst du mutmaßlich, dass die Glockenschläge zur vollen, halben, Viertel- und Dreiviertelstunde überflüssig seien. Oder auch das Läuten vor Gottesdiensten erscheint dir als Lärmbelästigung.

Wenn ich in einem Schwimmbad mit Außenbecken trainiere, dann freue ich mich, den Glockenschlag der nahegelegenen Kirche zu hören. Den Blick auf meine wasserfeste Armbanduhr gönne ich mir nämlich nur alle 200 m am Wendepunkt, weil er immer ein paar Sekunden Zeit kostet.

Die Kirchenglocken haben mir außerdem schon mehrfach angezeigt, dass eine kirchliche Trauung ansteht, so dass ich mich in den entsprechenden Gottesdienst spontan dazusetzen konnte. Solche Ereignisse werden der Gemeinde nicht auf anderem Wege bekanntgegeben.

Wenn ich zu einem Gottesdienst ziemlich knapp herangeradelt komme, merke ich am Läuten, dass das Orgelvorspiel noch nicht angefangen hat, bzw., wenn die Glocken ausschwingen, weiß ich, dass ich schleunigst meinen Platz einnehmen muss.

Es stimmt, dass die Christen in einem über Jahrhunderte christlich geprägten Land inzwischen nur noch eine Minderheit sind. Aber ich finde, so lange es noch möglich ist, sollten wir es uns gönnen, auch durch akustische Zeichen nach außen präsent zu sein.

Hallo EiszapfenTreppe,

welche Assoziation hätten wir an Geläut im Mittelalter, welche in der heutigen Zeit?

Mittelalter könnte sich mit Mangel an persönlicher Freiheit unter religionistischem Deckmantel verbinden - aber auch mit sehr viel Ruhe und Einfachheit im Leben.

Heute können Glocken doch gerne mal die Pausetaste in uns drücken - und uns frei jeglicher Teligion und jeglichen Religionismus zum Nachdenken anregen, was Gott wirklich sei.

Vielleicht wird es in einer Zukunft keine Religionen mehr geben - weil ein Glaube sich in Göttlichkeit oder reiner Natürlichkeit - wie ich gerne sage - aufgelöst hat. Dann hätten Gotteshäuser eine andere Bedeutung.

Vielleicht wird es immer Glauben und Religionen geben, und viele Menschen mögen einem Glauben folgen - wobei Glocken dazugehören dürfen; Göttlich oder rein natürlich sein.

Eine Prognose in eine Richtung ist in meinen Augen schwer abzugeben. Ich tendiere aber intuitiv zu Letzterem.

Es ist wieder in meinen Augen Göttlichkeit, die diese Freiheitsgrade erlaubt.

Mit vielen lieben Grüßen

EarthCitizen

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Okay, das will ich etwas aufdröseln um meine Ansicht klar zu machen. Das Problem des Mittelalters ist die Anwendung von Ideologien. Seit 1987 interessiere ich mich für Ideologien und ich habe die ganzen Umstände, die wir Heute haben schon zwei Jahre später (1989) schon vermutet.

Was deine Aussage mich in Zwiespalt versetzt ist deine Erläuterung, dass "man sich wie im Mittelalter" fühle. Und das selber ist sehr Ideologie belastet. Man muss das sehr differenzieren um Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Hexenverfolgung im Mittelalter war natürlich die Katholische Kirche federführend, doch gehört diese Heute zu den fortschrittlichsten Christlichen Vereinigungen der Gegenwart. Und es ist gerade sogar diesbezüglich in positiver Reform. Die katholische Kirche beteiligt sich offensiv in der Wissenschaft und diese Bemühungen unterwerfen sich dem entsprechenden Regeln.

Kreationisten, wie man das bei den Evangelikalen findet (nicht mit der deutschen evangelischen Kirche zu verwechseln), stehen außerhalb des wissenschaftlichen Diskurs. Dabei bedienen sie sich einer Todsünde. Ja, wir haben ein christliches Gebot, was zu Wissenschaft verpflichtet oder eben nichts zu sagen. Zugegeben, es gibt sich mehr Evangelikale, die aus der Bibel zitieren können und daher finden sie Vieles, was sie kritisieren können. Allerdings müssen Sie immer zugeben, dass es nur 10 Gebote sind. Und am dem, dass man nicht falsches Zeugnis wider des Nächsten geben soll, brechen diese unentwegt. Denn, wenn wenn man was nicht weiß, wird mit diesem Wortlaut einen nicht von der Verantwortung genommen.

Das ist übrigens auch das Problem, warum Extremismus oder Verschwörungstheorien nicht Christlich sein kann! Und es ist der sanfte druck des Christentums, was uns nach 2000 Jahre die Moderne eingebracht hat!

Meine Ansicht als interessierten Atheisten!

In der Vergangenheit gab es Tausende Götter und noch sehr viel mehr Geister. Manche sind langlebiger als andere, aber irgendwann sterben sie alle den gleichen Tod. Sie werden vergessen und verschwinden einfach im großen Nichts. Deshalb kannst du dir ganz sicher sein, dass eines Tages keine einzige Glocke mehr zum Gebet rufen wird. Leider sind Menschen sehr leichtgläubig und ich vermute, dass sie nicht alle ohne Religion auskommen. Also werden sie dann wohl einen anderen Gott erfinden.

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