Wird ein erlittener Herzinfarkt unter Umständen nicht als Schwerbehinderung anerkannt?

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4 Antworten

Wie “bitmap“ schon schrieb:

Nach einem Herzinfarkt ist der Grad der Behinderung (GdB) von der verbleibenden Leistungsbeeinträchtigung abhängig! Besteht eine Herzleistungsminderung seit dem Herzinfarkt?

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Für die Bemessung des Grades der Behinderung ist weniger die Art einer Herz- oder Kreislauferkrankung maßgeblich, als die je nach dem vorliegenden Stadium des Leidens unterschiedliche Leistungseinbuße. Es ist grundsätzlich vom klinischen Bild und von den Funktionseinschränkungen im Alltag auszugehen.

Vielleicht hilft Dir dieser Link weiter: http://www.h-baer.de/anhalt-herz.htm

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Ganz wichtig bei Ablehnungen: Grundsätzlich Widerspruch einlegen. Es wird immer zunächst (fast) alles erst mal abgelehnt. Viele geben dann schon auf - darauf setzen die zuständigen Behörden !!! Ansonsten hilft Dir der Sozialverband VdK Deutschland. Er setzt sich für Solidarität, soziale Gerechtigkeit und Erhalt der sozialen Sicherungssysteme ein. Da musst Du allerdings Mitglied werden.

rivabella 13.03.2010, 21:56

Dankeschön für den STERN strahl :o))

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Richtig, früher gab es im Rahmen einer "Heilungsbewährung" einen GdB von 50 für 1 Jahr wegen der Gefahr eines Rezidives. Heute sind die Behandlungsmöglichkeiten so gut, dass u. U. der Herzinfarkt nach 6 Monaten absolut keine Leistungseinschränkung mehr bedeutet und somit auch keinen GdB mehr bekommt.

Hier ist ein Ausschnitt aus dem Buch „Anhaltspunkte zur Bewertung des GdB“

26.9 Herz und Kreislauf Für die Bemessung des GdB/MdE-Grades ist weniger die Art einer Herz- oder Kreislaufkrankheit maßgeblich als die je nach dem vorliegenden Stadium des Leidens unterschiedliche Leistungseinbuße. Bei der Beurteilung des GdB/MdE-Grades ist zunächst grundsätzlich von dem klinischen Bild und von den Funktionseinschränkungen im Alltag auszugehen. Ergometerdaten und andere Parameter stellen lediglich Richtwerte dar, die das klinische Bild ergänzen. Elektrokardiographische Abweichungen allein gestatten in der Regel keinen Rückschluss auf die Leistungseinbuße. Auswirkungen des Leidens auf andere Organe (z.B. Lungen, Leber, Gehirn, Nieren) sind zu beachten. GdB/MdE-Grad Krankheiten des Herzens (Herzklappenfehler, koronare Herzkrankheit, Kardiomyopathien, angeborene Herzfehler u.a.) 1. ohne wesentliche Leistungsbeeinträchtigung (keine Insuffizienzerscheinungen wie Atemnot, anginöse Schmerzen) selbst bei gewohnter stärkerer Belastung (z.B. sehr schnelles Gehen [7-8 km/h], schwere körperliche Arbeit), keine Einschränkung der Solleistung bei Ergometerbelastung; bei Kindern und Säuglingen (je nach Alter) beim Strampeln, Krabbeln, Laufen, Treppensteigen keine wesentliche Leistungsbeeinträchtigung, keine Tachypnoe, kein Schwitzen . . . 0 – 10 2. mit Leistungsbeeinträchtigung bei mittelschwerer Belastung (z.B. forsches Gehen [5-6 km/h], mittelschwere körperliche Arbeit), Beschwerden und Auftreten pathologischer Meßdaten bei Ergometerbelastung mit 75 Watt (wenigstens 2 Minuten); bei Kindern und Säuglingen Trinkschwierigkeiten, leichtes Schwitzen, leichte Tachy- und Dyspnoe, leichte Zyanose, keine Stauungsorgane, Beschwerden und Auftreten pathologischer Meßdaten bei Ergometerbelastung mit 1 Watt/kg Körpergewicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 – 40 3. mit Leistungsbeeinträchtigung bereits bei alltäglicher leichter Belastung (z.B. Spazierengehen [3-4 km/h], Treppensteigen bis zu einem Stockwerk, leichte körperliche Arbeit), Beschwerden und Auftreten pathologischer Meßdaten bei Ergometerbelastung mit 50 Watt (wenigstens 2 Minuten);

bei Kindern und Säuglingen deutliche Trinkschwierigkeiten, deutliches Schwitzen, deutliche Tachy- und Dyspnoe, deutliche Zyanose, rezidivierende pulmonale Infekte, kardial bedingte Gedeihstörungen, Beschwerden und Auftreten pathologischer Meßdaten bei Ergometerbelastung mit 0,75 Watt/kg Körpergewicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 – 70 mit gelegentlich auftretenden vorübergehenden schweren Dekompensationserscheinungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 4. mit Leistungsbeeinträchtigung bereits in Ruhe (Ruheinsuffizienz, z.B. auch bei fixierter pulmonaler Hypertonie); bei Kindern und Säuglingen auch hypoxämische Anfälle, deutliche Stauungsorgane, kardiale Dystrophie . . . . . . . . . . . . 90 – 100 (die für Erwachsene angegebenen Wattzahlen sind auf mittleres Lebensalter und Belastung im Sitzen bezogen) Liegen weitere objektive Parameter zur Leistungsbeurteilung vor, sind diese entsprechend zu berücksichtigen. Notwendige körperliche Leistungsbeschränkungen (z.B. bei höhergradiger Aortenklappenstenose, hypertrophischer obstruktiver Kardiomyopathie) sind wie Leistungsbeeinträchtigungen zu bewerten. Nach operativen und anderen therapeutischen Eingriffen am Herzen (z.B. Ballondilatation) ist der GdB/MdE-Grad von der bleibenden Leistungsbeeinträchtigung abhängig. Bei Herzklappenprothesen ist der GdB/MdE-Grad nicht niedriger als 30 zu bewerten; dieser Wert schließt eine Dauerbehandlung mit Antikoagulantien ein. Nach einem Herzinfarkt ist die GdB/MdE-Bewertung von der bleibenden Leistungsbeeinträchtigung abhängig. Nach Herztransplantation ist eine Heilungsbewährung abzuwarten (im allgemeinen zwei Jahre); während dieser Zeit ist ein GdB/MdE-Wert von 100 anzusetzen. Danach ist der GdB/MdE-Grad selbst bei günstigem Heilungsverlauf unter Mitberücksichtigung der erforderlichen Immunsuppression nicht niedriger als 70 zu bewerten. Fremdkörper im Herzmuskel oder Herzbeutel reaktionslos eingeheilt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0 mit Beeinträchtigung der Herzleistung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . siehe oben 72 GdB/MdE-Tabelle 26.9

Rhythmusstörungen Die Beurteilung des GdB/MdE-Grades richtet sich vor allem nach der Leistungsbeeinträchtigung des Herzens. Anfallsweise auftretende hämodynamisch relevante Rhythmusstörungen (z.B. paroxysmale Tachykardien) je nach Häufigkeit, Dauer und subjektiver Beeinträchtigung bei fehlender andauernder Leistungsbeeinträchtigung des Herzens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 – 30 bei bestehender andauernder Leistungsbeeinträchtigung des Herzens sind sie entsprechend zusätzlich zu bewerten. nach Implantation eines Herzschrittmachers . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 nach Implantation eines Kardioverter-Defibrillators . . . . . . . wenigstens 50 bei ventrikulären tachykarden Rhythmusstörungen im Kindesalter ohne Implantation eines Kardioverter- Defibrillators . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . wenigstens 60

''Nach einem Herzinfarkt ist die GdB/MdE-Bewertung von der bleibenden Leistungsbeeinträchtigung abhängig.''

http://anhaltspunkte.vsbinfo.de/index.html

Halbwissen 13.03.2010, 15:33

Ja, der Grad der Behinderung. Ergo ist ein Herzinfarkt schon mal als Behinderung einzustufen, oder siehst du das anders?

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bitmap 13.03.2010, 15:38
@Halbwissen

Ein Herzinfarkt nicht automatisch.

Ich verstehe das so, das es auf die bleibende Leistungsbeeinträchtigung ankommt. Es gibt ja auch Infarkte, die nicht mal bemerkt werden vom Patienten und sich nur - zufällig - im EKG zeigen.

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Reiswaffel87 13.03.2010, 19:46
@Halbwissen

Warum sollte ein HI eine behinderung darstellen? Nur weil du mal eine, zugegebenermaßen schwere, Erkrankung hattest bist du doch nicht für alle Zeiten eingeschränkt. Das hängt von deinem Zustand bzw. dem Grad der Beeinträchtigung ab und sonst nichts.

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