Wird die Redewendung 'Gott sei Dank!' auch von jenen benutzt, die nicht an Gott glauben?

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Diese Redewendung gehört wohl zu einer der gebräuchlichsten Redewendungen überhaupt. - Legionen von Ungläubigen und selbst Atheisten benutzen oft zu "ihrem eigenen Ärger" dieses Redewendung immer wieder.

Spricht man sie darauf an, reagieren sie meist äußerst betroffen und unwirsch. - Gegenargument nach der Betroffenheitssekunde: "Das sagt doch jeder" - "habe ich nicht so gemeint" und "willst du mich verarschen" sind keine Seltenheit.

Wie sagt da der Schwabe? - "Domm rausgschwätzt isch glei!"

Ha noi!

für die Anderen Nichtschwaben: Nicht verwechseln bitte mit Hanoi

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Teilweise. D. i. aber auch kein Problem.

Wenn man sagt, "Ich glaub, mein Schwein pfeift", drückt man damit nicht aus, der Auffassung zu sein, ein Schwein zu besitzen, welches Pfeiftöne von sich gibt. Die Aussage "Du hast nicht alle Tassen im Schrank" ist keine Feststellung über die Position des Geschirrs des Angesprochenen. Wer sagt, dass es hier wie bei Hempels unterm Sofa aussieht, hat in den meisten Fällen keine konkrete Vorstellung vom Zustand des Raumes unter dem Sofa einer Familie Hempel. "Du hast doch einen Vogel" weist den Angesprochenen nicht auf die Existenz eines gefiederten Haustiers hin, usw.

Dementsprechend vermittelt die Aussage "Gott sei dank" nicht per se, dass man der Auffassung ist, ein Wesen namens Gott existiere, oder sich bei diesem bedankt. Sie kann daher verwendet werden, ohne im Widerspruch zu einer atheistischen Auffassung zu stehen. Der Satz "Gott sei dank gibt es keinen Gott" ist also z. B. widerspruchsfrei.

Danke für den späten Nachtrag.

Worauf ich hinaus wollte, war zu erfahren, inwieweit Menschen Dingen aussprechen, ohne deren Inhalt zu erfassen. Wenn ich kein Schwein besitze, dann ist eben diese Floskel ein Unsinn, weil es dem Inhalt nicht entspricht. Das Eigentümliche daran ist, dass im Grunde alle Aussagen die z.B. von den Wissenschaften oder von einem selbst in diesem Portal getätigt werden, bis ins kleinste Detail zerpflückt werden und entgegen gehalten wedren ob womöglicher Ungenaueigkeiten und Ungreimtheiten. Aber bei 'Redewendungen' sieht man über deren Inhalt hinweg. Auch Dein als Beispiel gebrachter Satz "Gott sei dank gibt es keinen Gott" ist für mich nach ihrem Inhalt schon sehr widersprüchlich. Wenn ich 'Gott' mit 'Mensch' tausche ('Mensch sei Dank gibt es keine/n Mensch/en') bedeutet dies, dass es vorher Menschen gegeben haben muss, der sich selbst 'dezimiert' hat. So etwas sagt aber kein Mensch, logisch. Eher noch z.B. 'Dir sei Dank', womit einer realen Person gedankt wird; weshalb auch Gläubige sich bei Gott bedanken. Aber wieso dann jene, die nicht an Gott glauben; weil sie gerne etwas unsinniges, unlogisches von sich geben?

Man sagt vieles, ohne über den Inhalt nachzudenken; man plappert einfach drauflos und meint dann am Ende aufgrund einer Erklärungsnot: 'Das sagt man halt so'; ' Ist ja nur eine Floskel oder Redewendung' etc.

MfG Fantho

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Natürlich benutzen alle diese Redewendung. Sie ist ja nicht als Gebet gemeint, sondern als Ausdruck der Erleichterung. Redewendungen sind Wendungen, die man nicht wörtlich meint.

Wenn es ein Ausdruck der Erleichterung ist, weshalb bedanken sie sich dann bei Gott, obwohl sie nicht an eine Gottes-Existenz glauben? Ist hier nicht doch viel mehr im Spiel, als jene ahnen, oder geben jene des Öfteren etwas 'Sinnloses' von sich?

Danke für Deine Antwort

MfG Fantho

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@Fantho

Da magst du schon Recht haben. Ich kenne jedenfalls durchaus dieses Gefühl der Dankbarkeit, das manchmal geradezu ein tiefes (religiöses) Gefühl sein kann. Das hat nichts damit zu tun, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin oder damit, was ich über "Gott" (für mich besser: "die Liebe") denke.

Trotzdem ist es ja so, dass eine Redewendung eine sprachliche Wendung ist, die nicht wörtlich gemeint ist, die aber jeder versteht. Und natürlich ist sie auch irgendwann in einer Zeit entstanden, die anders war als die heutige Zeit, aber von ihren Ursprüngen koppelt sich eine Redewendung auch gern ab.

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Ja, ich benutze die Redewendung auch ab und zu.

Warum auch nicht?

Es ist nur eine Redewendung, dahinter steckt keine tiefere, religiöse Bedeutung.

Ist in etwa vergleichbar mit einem Taschenspieler, den man als "Zauberer" bezeichnet. Natürlich hat der Kerl keine Zauberkräfte, aber man sagt es halt trotzdem, weil es sich so eingebürgert hat.

Und - ganz ehrlich - aufgrund meiner atheistischen Weltanschauung werde ich nicht versuchen, alle übernatürlichen Begriffe aus meiner Sprache zu verbannen. Das wäre...

1) ... albern.

2) ... unnötig.

3) ... verdammt aufwendig.

4) ... Sprachverarmung.

Versuch mal das Buch von Carsten Frerk/ Michael Schmidt-Salomon "Die Kirche im Kopf" zu bekommen, ISBN 3.86569024-6 zu bekommen. Zu diesem Buch steht auch einiges im Internet.

Danke für den Hinweis, aber was, bitte schön, hat Gott mit der Kirche zu tun?

Oder bezieht sich das Buch auf bestimmte (kirchliche, 'göttliche') Gedanken, die man hat und auch (gedankenlos) ausspricht, obwohl man nicht der Kirche angehört bzw. nicht an Gott glaubt?

MfG Fantho

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@Fantho

Fantho, mir brauchst du den Unterschied zwischen Gott und Kirche nicht zu erklären. Den Autoren war wahrscheinlich der Titel "Die Kirche, Gott, Aberglaube, Religion, Engel, Teufel (usw., usf) im Kopf" zu lang.

Besorg es Dir - "göttliche" Kurzweil garantiert!

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