Wird der Westen immer gottloser?

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23 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Du hast die Antwort schon selbst gegeben. Ein Materialist kann nicht zugleich ein Christ sein. Er ist automatisch wenn nicht Atheist, so doch Agnostiker. Und wie hat sich der Materialismus in Deutschland und Europa ausgebreitet! Jeder wird nur nach seinem (Geld-) Einkommen gemessen; überhaupt ist Geld der Maßstab, nach dem der Wert eines Menschen gemessen wird. Wer wenig Geld hat oder überhaupt keins, der gehört zu den "Viel-zu-vielen", wie Nietzsche einmal sagte, oder wie der französische Präsident Hollande (angeblich) gesagt haben soll: zu den "Zahnlosen" (die sich nicht einmal ein  Gebiss leisten können). Übrigens hat Nietzsche den Nihilismus prophezeit, und den haben wir z.Z. (weitestgehend) in Deutschland.

Erstaunlich nur, dass die Gleichberechtigung der Frauen, die Abschaffung der Sklaverei, die Erklärung der Menschenrechte, die Einführung der Kranken- und Sozialversicherung, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Schulpflicht usw. gerade in diese "gottlose" Zeit fallen...

Jaja, Kreuzzüge, Hexenverbrennung, Leibeigenschaft, christliche Prunkbauten und die schlichte Erklärung, dass Armut, Krankheit und Elend nicht nur gottgewollt sondern oft sogar göttliche Strafen waren - das war noch echte Nächstenliebe! Schade, dass diese Zeiten vorbei sind! Vielleicht solltest du konvertieren - es soll ja Religionen geben, die die alten Traditionen noch hochhalten!

DH.

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Ich kann mich diesen Ausführungen ebenfalls anschließen, gerade weil ich mich als gläubigen Menschen begreife.

Entscheidend ist aus meiner Sicht nicht, wie oft man am Tag betet, sondern wie verantwortungsbewusst man sein eigenes Leben führt.

Religionen können eine Orientierung geben, Gemeinschaft spenden und emotional hilfreich sein, deshalb bin ich nicht gegen Religion.

Allerdings muss die Lehre und noch vielmehr die Praxis der Religion, den Notwendigkeiten des modernen Lebens entsprechen.

Wer eine extrem konservative Haltung vertritt, muss sich nicht wundern, wenn er nicht in die heutige Gesellschaft zu passen scheint.

Ein solch konservativer Zeitgenosse trägt dann extreme ideologische Scheuklappen und sieht überall nur Sünde und Unzucht.

Er ist dann wirklich "nicht mehr von dieser Welt", sondern projiziert seine ideologischen Vorstellungen nach außen.

Die Realität, dass eine Gesellschaft auch ohne von der Religion bestimmt zu werden, positive Entwicklungen durchlaufen kann, wird von Radikalen meist einfach ausgeklammert.

Dass auch ohne - und sogar gegen den Widerstand organisierter Religion - in großem Maßstab gute Dinge  geschehen können, scheint für manche unvorstellbar.

Die vom Fragestelle postulierte Kehrtwende zum Schlechten sehe ich persönlich definitiv nicht gegeben.

Die moderne Leistungs- und Konsumgesellschaft hat meiner Meinung nach ernste Probleme - aber Glaube alleine wird sie auch nicht lösen. Dafür bedarf es sozialer Veränderungen.

Es ist meiner Meinung nach sehr einfach und bequem, alle Krisen und Probleme auf "Gottlosigkeit" und "moralischen Verfall" zurückzuführen.

Dass wir durch unser Handeln selbst zu diesen Krisen beitragen und man, statt die mangelnde Religiosität zu beklagen, aktiv die Welt mitgestalten könnten, ist eine oftmals unangenehme Wahrheit.

Es bedeutet nämlich, dass wir unser Stammtisch-Niveau-Gequengel und Klagen bei Gott einstellen und stattdessen selbst tätig werden müssten.

"Es ist besser, das kleinste Licht anzuzünden, als über die große Dunkelheit zu klagen..."

Manchen Menschen fehlen offenbar die Streichhölzer - sicher auch, weil sie teilweise stattdessen Weihrauch und Myrrhe, oder aber gleich das Haus des andersgläubigen Nachbarn anzünden.

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Was sagst Du denn da für Sachen?

und dabei hat die Bibel und das Christentum Europa und die USA über Jahrhunderte geprägt

Was für Jahrhunderte meinst Du denn? Meinst Du die Jahrhunderte, als die europäischen Einwanderer in Amerika und in Australien die meisten Ureinwohner ermordeten, den Rest in Reservate einsperrten und ihnen ihr Land stahlen? Als sie mit Militärgewalt China und Indien zu gehorsamen Kolonien machten?

Oder meinst Du die Jahrhunderte, als die Europäer in Afrika auf Menschenjagd gingen und die gefangenen Leute an die Farmer in der Karibik und in den USA verkauften? Farmer, die sogar einen eigenen Kirchenverband gründeten, damit ihnen sonntags keiner predigte, daß ihre Sklaverei Sünde war...

Oder meinst Du die anderthalb Jahrhunderte, die nun vergangen sind, seit die Sklaven in den USA freigelassen wurden, ohne einen Cent Entschädigung für ihren Dienst und für ihre Gefangenschaft zu erhalten? Anderthalb Jahrhunderte, in denen sie verachtet und ihre Kirchen vom KKK angezündet wurden?

Aber seit den Sechzigern ist eine fatale Kehrtwende zur Selbstliebe, Materialismus und Egoismus zu beobachten.

In den Sechzigern wurden endlich einige der Naziverbrecher, die in Auschwitz Menschen gequält und ermordet hatten, in Deutschland vor Gericht gestellt. Der Holocaust-Planungschef Adolf Eichmann wurde aus seinem Versteck geholt und von dem Volk, das er hatte ausrotten wollen, gerichtet.

In den Sechzigern haben die Nachkommen der afrikanischen Sklaven in den USA angefangen, die Bürgerrechte einzufordern, die ihnen zustehen, und erst daraufhin wurden Gesetze erlassen, die ihren Zugang zu diesen Rechten verbessern.

Seit den Sechzigern haben sich junge Leute der westlichen Gesellschaften von Selbstliebe, Materialismus und Egoismus abgekehrt. Sie verweigerten das Anhäufen von Geld und Macht und die Teilnahme am Konkurrenzkampf und zogen in Gemeinschaften zusammen. Sie folgten der Regel Liebe statt Krieg, standen gegen die Herrschaft der Kriegerkaste auf verweigerten den Kriegsdienst. Etliche gingen dafür ins Exil und ins Gefängnis.

Ich habe zunehmend den Eindruck, dass Gott für immer mehr Menschen tot ist oder bestenfalls noch ein Mythos ist

Mein Eindruck ist, daß viele derer, die sich zum Glauben an Gott bekannten, so lebten, als sei er tot oder ein Mythos.

Mt 7,21: Es werden nicht alle, die zu mir sagen: HERR, HERR! ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.


Mt 7,21: Es werden nicht alle, die zu mir sagen: HERR, HERR! ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.

Wow, ich glaube das ist bis jetzt das einzige Bibelzitat, dass ich gut finde.

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