Wird Charakter vererbt oder durch die Sozialisation erworben?

3 Antworten

Die Ausbildung von Charaktereigenschaften unterliegt einer komplexen Wechselwirkung. Menschen mit genetischen Anlagen treten in Interaktion mit einer Umwelt, in die sie hineinwachsen. Geerbte Dispostionen (z. B. eher mutig oder ängstlich, extrovertiert oder introvertiert) können bei der Verarbeitung dieser Einflüsse eine Rolle spielen, andererseits kann auch die Sozialisation die Dispostionen modifizieren. Vererbung bestimmt nicht abschließend die Charaktereigenschaften, sondern läßt einen weiten Rahmen offen, in dem eine geistig-seelische Entwicklung stattfinden kann. Auch das Inividuum kann sich zwar nicht einfach nach Wunsch völlig umformen, aber durch neue Einsichten und Gewohnheiten verändern.

Im Deutschlandfunk habe ich vor kurzem eine Sendung über Gene und Verhalten gehört (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wib/628951/). Danach beeinfussen in manchen Fällen Gene das Verhalten, ohne es aber festzulegen. Beim Bindungsverhalten spielt der Umgang von Eltern mit ihren Kindern eine Rolle. Überholt ist die Vorstellung, einzelne Gene verursachten eindeutig bestimmte Eigenschaften.

Ich bin tief beeindruckt. Vielen Dank

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Wenn ich mir meinen kleinen Sohn so anschaue, dann hat er sein Temperament und einige Charaktereigenschaften schon mitgebracht. Er ist empfindlich gegenüber Stimmungen, er wird schnell ärgerlich, wenn man sich nicht schnell und effektiv genug um ihn kümmert (vom ersten Tag an!), er kann sich stundenlang mit einem Ding beschäftigen, es ertasten und angucken, er ist ein Sonnenschein, lacht gern und viel seitdem er lächeln kann, dabei war sicher auch für ihn die Schwangerschaft gar nicht lustig.

Die Epigenetik sagt, dass bestimmte Eigenschaften wie z.B. Mut oder Ängstlichkeit durch die Sozialisation in den ersten Jahren durch die Eltern auf den Genen festgelegt wird. Das ist interessant: man kann also mit dem Verhalten Gene beeinflussen. Kinder, die viel getragen werden und viel Körperkontakt bekommen, entwickeln sich zu mutigen, selbstbewussten Kindern. Wo das fehlt, entwickelt sich eine Ängstlichkeit.

Die Epigenetik - kannst ja mal danach googlen - sagt ebenfalls, dass Ernährung Einfluss auf die Gene und damit auf das Verhalten und den Stoffwechsel hat. Schon in der Schwangerschaft, aber auch danach. So bekam die Nachkriegsgeneration alle Fähigkeiten mit, im Kriegsfalle zu überleben. Steht ausführlich auch in der Geo.

Diese hervorragende Antwort ist ein extra Lob wert. Vielen Dank.

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Auch von mir DH !!!

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Mal von einem Sozialwissenschaftsschüler: natürlich wird es nicht vererbt, denn der Mensch kommt prinzipiell Roh auf die Welt. Es kommt auf das Umfeld an, welches in erster Linie Mutter und Vater sind. Dadurch wird der Grundcharakter gelegt und es scheint, als würde der Charakter vererbt. Mit der Zeit lernt das Kind logischerweise Freunde bzw Freundinnen kennen. Dadurch wird ein Soziales Umfeld gemacht. Das Kind lernt von anderen Kindern und der Charakter verändert sich.

Falls dies nicht ganz so ersichtlich ist, ein Extrembeispiel: Die Jugend. Beispiel: Ein Junge mit guten Noten in der Schule, immer korrekt gekleidet und Nett. Er lernt neue Freunde kennen und manche Rauchen. Dies zieht ihn mit. Er fängt an zu Rauchen und zu trinken, der Charakter verändert sich, weil er "Assi" wird. Durch das Treffen mit den Freunden und den anderen Aspekten wird sein Charakter beeinflusst und die Noten schlechter, auch sein Kleidungsstil wird anders, gruftiger.

Ich hoffe, ich konnte etwas helfen.

Grüße, Brian (16, Gymnasiast)

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