Wird Anarchie zu Unrecht generell verurteilt?

12 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich denke, die Menschheit muss noch etwas heranreifen und die Ideale von Selbstbestimmung und Selbstverwaltung müssen sich noch weiter verbreiten, bevor wir reif dafür werden, so etwas wie eine anarchistische Ordnung in größerem Stil umzusetzen.

Ansätze gibt es ja durchaus, und Du musst nicht weit fahren, um sie Dir anzugucken: Zum Beispiel Ökodörfer, Bauwagenplätze, besetzte Häuser und Kommunen (guckst Du z.B. nach dem Mietshäuser Syndikat), die in Strukturen organisiert sind, die in etwa dem entsprechen, was viele Anarchist:innen fordern. Auch anarchistische Kollektivbetriebe schießen gerade wie Pilze aus dem Boden.

Ein größeres aktuelles Projekt sind die selbstverwalteten Gebiete in Chiapas / Mexiko, die von der EZLN 1994 befreit wurden. Es gibt einiges an Literatur zum Thema, und nach meinem Dafürhalten scheinen die auf einem guten Weg zu sein.

Ich denke allerdings, dass es hier und heute nicht in erster Linie darum gehen sollte, blind gegen den Staat anzukämpfen, sondern eher darum, möglichst jetzt schon in allen Lebensbereichen selbstverwaltete Strukturen aufzubauen - und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass in den Parlamenten Menschen das Sagen haben, die solche Strukturen unterstützen, oder sie zumindest nicht demontieren, bzw. räumen lassen.

Man sollte sich finde ich von der Vorstellung verabschieden, schlagartig die ganze Welt "entobern" zu können, sondern stattdessen an lokalen anarchistischen und radikaldemokratischen Strukturen arbeiten, und dafür sorgen, dass diese schleichend immer mehr Einfluss gewinnen können. Ob es dann irgendwann einen "Großen Knall" gibt, ist eine andere Frage - aber ich denke heute nicht die entscheidende. Und selbst auf diesen Knall oder Kollaps wäre man mit guten Strukturen besser vorbereitet.

Oder um etwas polemisch zu werden:

 - (Recht, Psychologie, Politik)

Danke für das Sternchen, AntiProhibition!

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viele denken, dass es Regellosigkeit ist, dass es quasi wie ein totaler Bürgerkrieg wird, jeder gegen jeden.
Das man solche begriffe falsch nutzt ist aber auch nicht selten, viele nutzen auch den Begriff "Kommunismus" falsch oder ähnliches.
Sehr schade drum.

Persönlich denke ich nicht, das Anarchie funktioniert,
da solch eine Gesellschaft nach der Revolution direkt von anderen Ländern zerstört werden würde,
wie z.B. am Anfang der Sowjetunion, dass dort verschiedene Länder eingreifen um dagegen anzukämpfen, wird das auch beim Anarchismus passieren, dort gibt es aber keinen Staat der schnell handeln könnte.

Es gab ja nach der Russischen Revolution ein großes anarchistisches Experiment in der Ukraine. Das waren die Machnowschtschina.

Den Bolschewiki waren sie zuerst willkommen, weil sie gegen die Weißen gekämpft haben - und dann haben sie die Bewegung blutig niederschlagen lassen.

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@FraterJosephus

so funktioniert leider Herrschaft, das ist der Nachteil.
Machtgier, Korruption und Totalitarismus, ist das Ergebnis einer jeden Diktatur, der Traum der meisten Politikern und etwas was auch im Marxismus bekämpft werden muss, damit er funktionieren kann.

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Die Anarchie ist von der Grundidee an sich nicht schlecht aber sie stellt gleichzeitig ein Vakuum an Macht dar, das (wie jeder weiß) sich recht schnell wieder füllen wird.

Ich traue eh keinem Revoluzzer der behauptet Anarchie oder ein sozialistisches oder religiöses Rechts-System wäre was gutes, weil eigentlich will er doch nur die Machtverhältnisse zu seinen Gunsten ändern.

Es gibt einige buddhistische Mönche, die so selbstlos sind, dass ich ihnen das zutrauen würde.

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Wenn es so gut funktionieren würde, wäre es sicher schon öfter mal ausprobiert worden. Wahrscheinlich wurde es auch ausprobiert, und da es anschließend schon in einem kleinen Maßstab gescheitert ist, hat man davon im großen Maßstab nicht mehr viel gehört.

Man nehme nur mal einen Verein mit 100 Mitgliedern. Denkst du, der würde ohne einen aktiven Vorstand funktionieren?

Ich denke der Verein würde noch besser funktionieren, so lange es kein Verein ist, der wirtschaftliche Interessen hat.

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@AntiProhibition

Ja, es gibt auch Vereine ohne solche Interessen.
Ich bin nur 2.Vorsitzender eines Schachvereins. :)

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Es gibt diese Theorie auch in Form von privaten Städten. Die Regeln werden in homogenen Gruppen geführt. Mir persönlich reicht eine direkte Demokratie. Diese Städte haben wenig Erstrebenswertes. LG

Woher ich das weiß:Hobby – Bewunderer Nietzsches Philosophien.

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