Wir wissen alle nicht mehr weiter!?

... komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Teilen wir die Frage doch mal auf:

(1) Tabletten

Wogegen hat er bisher Tabletten bekommen? Es gibt ja kein Mittel gegen Autismus. Nur in schlimmen Fällen behandelt man einzelne Symptome medikamentös. So gibt es für ganz schwierige Autisten z.B. Tabletten gegen Zwangshandlungen oder gegen Ängste.

Wenn die Tabletten nach einigen Jahren nicht mehr wirken, kommt das damit unterdrückte Symptom eben zurück. Dann rächt sich, dass man Pillen verabreicht hat, statt das Symptom früh mit einer Psychotherapie in den Griff zu bekommen.

(2) Wutanfälle

Er ist in der Pubertät. Da ist schreien, Türen knallen und ständige Wut ... nun ja, eigentlich normal für Jungen. Nur die Intensität ist bei ihm krasser.

Er macht das nur zu Hause? Dann bietet sich an, dass er in eine betreute Wohngruppe zieht. In größeren Städten gibt es betreutes Wohnen speziell für Autisten. Dort bekommt er ein WG-Zimmer und regelmäßig Besuch von einem Betreuer.

(3) Einweisung

Nein, das wäre kontraproduktiv. Damit würdet ihr das letzte Bisschen Vertrauen zerstören. Wie soll die Klinik ihm auch helfen? Wie gesagt, es gibt kein Medikament für ihn.

Wenn er keine Psychotherapie will, hilft nur ein ruhiger Zufluchtsort mit stabilem Sandsack (und irgendwann die Zeit mit Lebenserfahrung). Kann er jederzeit irgendwohin flüchten? Das ist sehr wichtig. Wenn ihn zu Hause alles wütend macht, muss er jederzeit nach draußen rennen können. Wenn er Streit mit euch hat, muss er ein stilles Zimmer für sich haben.

(4) Polizei

Ja, ruft notfalls an! Dann wird er aus der Wohnung abgeholt - er ist ja nur zu Hause so, nicht wahr? Außerhalb der Wohnung wird er sich beruhigen, bei der Polizei erst Recht.

Dann bekommt er endlich HIlfe vom Jugendamt und darf mit etwas Glück bald in eine betreute Autisten-Wohngruppe.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie belastend das für euch als Familie und speziell für dich ist. Pubertät an sich bringt Familien oft an Grenzen und wenn ein autistisch strukturierter junger Mensch, dessen Verhalten sowieso fremdartig wirkt, pubertiert, kann einen das sicher an den Rand des Machbaren bringen.

Da ihr schon viele Möglichkeiten getestet habt, kann ich dir auch keinen wirklichen Rat geben. Aber mir scheint, ihr als Familie bräuchtet mal eine Auszeit, um wieder zur Ruhe kommen zu können und Kraft zu tanken. Vielleicht findet ihr eine Möglichkeit der Kurzzeitbetreuung für deinen Bruder und fahrt alle mal ein bisschen weg, um euch zu erholen. Das käme sicher auch deinem Bruder zugute.

Ich wünsche dir und deiner Familie auf jeden Fall viel Kraft und Durchhaltevermögen. Und eins noch: Nichts bleibt, wie es ist. Alles verändert sich ständig. Alles kann sich zum Guten verändern.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von randomuserr
11.11.2016, 19:29

Danke! Diese Hoffnung habe ich auch!

0

Hallo Randomuserr,

ich kann mir gut vorstellen, wie belastend diese Situation für alle Beteiligten ist. Meine Frage daher: Habt Ihr schon mal versucht, eine Einrichtung zu finden für einen Tagesplatz? Dort wäre Dein Bruder gut untergebracht, ohne dass gleich ein Gefühl von 'Abschieben' entsteht und Ihr als Familie hättet einen Freiraum, um wieder Kraft zu tanken. Ich habe da mal etwas gegoogelt:

https://www.google.de/search?q=tagespflegeeinrichtung+n%C3%A4he+freiburg+f%C3%BCr+autisten&ie=utf-8&oe=utf-8&client=firefox-b&gfe_rd=cr&ei=EvkoWLaLCYuT8Qe2lp_gBg

Zumal er sich ja anderswo nicht so 'aufführt', wie Du geschrieben hast, halte ich das für einen guten Lösungsansatz. Falls das nicht möglich ist, scheint m. E. langfristig die Unterbringung in der Psychiatrie unausweichlich. Ich würde es daher auch nicht auf die 'lange Bank' schieben.

Falls Du Fragen hast, schreibe gerne :)

Alles Liebe und Gute für Dich und Deine Familie

Buddhishi

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von randomuserr
14.11.2016, 18:39

Danke für deine Mühe! :)

0

Es ist bekannt, dass bei Jungs (mit Asperger) das schwierigste Alter zwischen 14+30 ist und bei Mädchen zwischen 12+25 (auch bei mir traf das auch exakt zu). Sicher ist das eine Aufgabe ein autistisches Kind zu erziehen. Wenn meinen Eltern die Worte ausgingen dann gabs Schläge, half aber auch nicht, ich tat trotzdem was ich wollte. Medikamente nutzten bei mit 0 und ich bekam rund 15 verschiedene Präparate. Deine Eltern (inkl dir) solltet euch eine Selbsthilfegruppe für Angehörige suchen oder durch den Bundesverband Autismus Deutschland. Es gibt auch ein Forum aspies.de auch dort könnte ihr euch mit Betroffenen und Angehörigen auseinandersetzen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Hätte er denn schonmal einen stationären Aufenthalt und hat das was gebracht? Klar ist das nicht leicht für euch, aber nur weil er in der Psychiatrie ist, heißt das ja nicht, dass man den da total abschiebt oder ruhig stellt, sondern nur, dass ihr mal Entlastung habt und dass er rund um die Uhr von Menschen umgeben ist, die genau wissen, wie sie mit ihm umgehen müssen. Und er muss ja auch nicht gleich in eine geschlossene Anstalt oder so, wenn er sich außerhalb nicht so aufführt.
Wenn es keinen Sinn hat, ihn daheim zu pflegen und behandeln, werdet ihr wohl keine andere Wahl haben.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von randomuserr
11.11.2016, 19:19

Ja hatte er. Hat aber leider gar nichts gebracht. Danke für deine Hilfe!

0
Kommentar von mexp123
11.11.2016, 19:28

Hm das ist natürlich sehr schwer dann. Habt ihr schonmal den Psychiater gewechselt? Ist nicht leicht mit einem psychisch kranken Familienmitglied kann ich mir vorstellen, vor allem weil man sowas nicht "sieht" und nicht immer von jedem damit ernstgenommen wird.

War er denn unzufrieden mit seinem klinikaufenthalt? Wenn es ihm "egal" ist, könntet ihr euch zuliebe natürlich auch mal an eine einweisung, vielleicht in eine andere Psychiatrie, nachdenken.
Versuch deine Eltern zu unterstützen wo du kannst. Ist nicht leicht, wenn das Kind die komplette nervliche Kapazität in Anspruch nimmt (für dich ists natürlich auch nicht leicht, weil der Fokus natürlich selten auf dir liegt). Macht mal nen Urlaub oder so, tut bestimmt gut, egal ob alle zusammen oder während dein Bruder in der Klinik ist.

Wünsch euch alles Gute und viel Kraft und Zusammenhalt.

0
Kommentar von randomuserr
11.11.2016, 19:34

Er wollte gar nicht dorthin gehen. Dort hat er nur mehr Schimpfworte von anderen gelernt, anstatt dass ihm dort geholfen wurde (liegt vlt. auch daran, dass alle anderen nie sehen wie er wirklich drauf ist). Denn so wie in der Frage beschrieben ist er nur Zuhause, so aggressiv etc. Das mit der anderen Psychiatrie wäre mal eine Idee. Danke! Urlaub machen wir jedes Jahr, nur ist das oft eine Qual und kein Urlaub mehr. Dort läuft es zwar meist ein bisschen besser aber erholsam ist definitiv was anderes. Dankeschön!

0
Kommentar von mexp123
11.11.2016, 19:45

Es gibt ja auch Kliniken, die einen hohen Schwerpunkt auf Autismus legen, mir fällt da Freiburg ein, aber gibt ja noch mehr Kliniken, einfach mal googlen, oder den Psychiater oder Hausarzt fragen, welche Kliniken die kennen und empfehlen können.

0
Kommentar von randomuserr
11.11.2016, 20:14

Danke für den Tip mit Freiburg! Das ist auch nicht allzu weit weg.

0
Kommentar von mexp123
12.11.2016, 12:46

Tatsächlich ist ein stationärer klinikaufenthalt immer noch ein einschneidendes Ereignis und dann kann man auch die Erwartung haben dass sich da was tut und hoffen dass die Situation sich ein bisschen bessert, auch wenn die Krankheit nicht heilbar ist.
Verstehe nicht, warum man angehörige dann auch noch anfeinden/anmotzen/anmachen muss. So jemand kann keinen stark pflegebedürftigen oder psychisch kranken Verwandten haben, denn dann würde er verstehen, dass man sehr wohl diesen Menschen lieben kann und natürlich bei sich haben will aber trotzdem fertig mit den Nerven sein kann.

0
Kommentar von randomuserr
13.11.2016, 21:33

@gunnar90 Der Schritt, dein Kind oder deinen Bruder in ein Heim zu geben, ist nicht gerade einfach. Das müsstest du verstehen können. Die Situation ist sehr belastend und meine Eltern ziehen das oft in Erwägung aber es ist einfach was anderes, sich das vorzustellen oder das wirklich durchzuziehen und sein Kind in ein Heim zu stecken. Danke für deine nicht Hilfe zu diesem Thema.

0
Kommentar von randomuserr
13.11.2016, 21:34

@mexp123 Eben, Danke das du es verstehst!

0

Ich kann mir vorstellen, dass es sehr schwierig ist, wenn zuhause, wo man sich entspannen will, eine ständige Anspannung herrscht.

Du als Bruder bist allerdings nicht derjenige, der hier irgendwie Verantwortung übernehmen muss. Du brauchst die Energie für Dich und Dein Leben. Natürlich kannst Du auch gelegentlich helfen. Aber lass Dich nicht zu sehr reinziehen, oder Dich gar noch als der Retter instrumentalisieren. Deine Eltern sind zusammen mit den Ärzten (und Deinem Bruder natürlich) aufgefordert, eine erträgliche Situation zu schaffen.

Wenn es Dir zuviel wird, hol Dir selbst therapeutische Hilfe.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von randomuserr
11.11.2016, 19:28

Das weiß ich. Ich fühle mich nicht verantwortlich aber ich wollte mal hören, ob jemand ähnliche Situationen kennt und vlt. ein paar Tipps hat. Ich und der Rest kann das ständige Geschrei einfach nicht mehr ertragen. Mir ist auch bewusst, dass er dafür nichts kann etc. aber so es geht eben trotzdem nicht mehr. Die erträgliche Situation, gibt es leider irgendwie nicht. Auch wenn sich alle bemühen, diese hinzugekommen.

0

Hallo erstmal,

vergiss nicht, dein Bruder hatt eine Krankheit die ihn das machen lässt. Das ist alles nicht seine Absicht. Denke da immer dran. Denke das aus Humaner nicht aus Psychischer sicht ok? Es ist Anstrengend und das glaube ich auch ohne Worte... aber er hatt am wenigsten Schuld daran...

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von randomuserr
11.11.2016, 19:22

Das weiß ich, dass er das nicht steuern kann und es nicht seine Absicht und mir ist auch klar, dass er dafür nichts kann aber es geht mit ihm einfach nicht mehr so weiter. Es ist auch keine bewusste Absicht, dass er alles kaputt schlägt aber so geht es eben trotzdem nicht mehr. Wir wissen einfach nicht mehr was wir machen sollen, wie wir an ihn rankommen sollen bzw. wie wir ihm helfen sollen. Er hört nicht mehr und lässt sich auch nicht helfen. Danke trotzdem!

1

Du kommst offensichtlich nicht klar damit, dass du einen behinderten Bruder hast. Deine Eltern scheinen das aber zu akzeptieren, denn sonst hätten sie ihn schon in eine Behinderteneinrichtung gegeben. Ich frage mich nur, warum du dann immer von "wir" sprichst. Dein ganzer Text passt nämlich vorne und hinten nicht zusammen. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von randomuserr
11.11.2016, 19:17

Doch, das passt alles. Genau so passiert es und ich komme damit klar. Aber danke, das du meinst, das alles so nicht sein könnte, obwohl du nie dabei warst. Ich habe nur langsam echt kein Bock mehr. Meine Eltern wissen auch nicht mehr weiter. Meine Mutter kommt mit meinem Bruder noch am besten klar aber selbst sie sagt, dass es langsam einfach nicht mehr geht und sie echt keine Kraft mehr hat.

0

Was möchtest Du wissen?