Willst Du in Deiner eigenen Immobilie leben, wenn Du alt bist?

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Die Frage wurde im Rahmen der Aktion „Wahl-Special“ von einem ausgewählten Politiker an die gutefrage-Community gerichtet. Ab Montag, den 13. September 2021, bis Freitag, den 17. September, stellen Spitzenpolitiker und angehende Parlamentarier Fragen an ihre potentiellen Wähler auf gutefrage.

Weitere Informationen zur Aktion findest Du hier: https://www.gutefrage.net/aktionen/wahlspecial/

48 Antworten

Sehr geehrte Frau MdB Weidel,

danke, dass Sie sich hier den Fragen stellen. Gern schildere ich Ihnen meine Situation bzw. meine Gedanken zu Ihrer Frage.

Meine Frau und ich, wir sind jetzt 35 und 31 - und es ist uns nicht wert, ein Leben lang für ein Haus zu sparen/zu verzichten und allen erzählen zu können, dass wir ein Haus haben an dem uns je nach Tilgung der Raten bestenfalls ein paar Einrichtungsgegenstände, selber angebaute Gartenpflanzen, Dekoartikel, Fußmatten und abgestellte Autos usw. gehören. Wir brauchen das nicht fürs Ego - außerdem stammen wir beide aus "Mieterfamilien" und wissen gar nicht wie das ist. Ich denke man kann nichts vermissen, das man nicht kennt. Diese "mein Haus, mein Garten, mein Hund"-Mentalität ist unsere nicht.

Ein Haus bedeutet, dass immer irgendwas zu machen ist. Das kostet Geld, aber auch Arbeit. Ich bin kein Hobby-Gärtner und will mein Wochenende entspannt verbringen, nicht aber im Garten oder beim dauernden Reparieren - ein Haus ist wie ein Auto und altert mit der Zeit; je älter es wird, umso teurer wird es, nur ist ein Haus eine ganz andere finanzielle Liga als meinetwegen ein alter VW-Golf, an dem mal hier für 50 Euro was zu reparieren ist und mal hier wieder was für einen Hunni gemacht werden muss. Das Geldausgeben geht ja weiter und was in die Miete fällt, das wird beim Haus für Instandhaltung ausgegeben. Dass es einem irgendwann gehört, ist kein Argument für uns - man hat bis dahin Jahrzehnte auf alles Mögliche verzichtet und ist alt und grau, wenn es einem gehört, dann gibt es vielleicht gesundheitliche Probleme oder was auch immer. Man weiß es nie. "Wir werden alt und bleiben gesund" ist ein frommer Wunsch.

Wir kennen zudem abschreckende Fälle, wo große Häuser gekauft oder gebaut wurden und am Ende die Kinder doch nicht da geblieben sind oder die Leute gesundheits- und altersbedingt kaum noch in der Lage waren, Haus und Grundstück zu bewirtschaften, ehe es über die Jahre verwildert und zugewuchert ist - und mein Großonkel, der wirklich Kohle hatte sagte immer, er will es seinen Erben nicht zumuten, dass ein Haus aufgelöst werden muss bzw. sich die Leute um eine Immobilie streiten. Als er 2016 mit 84 Jahren starb, haben wir tatsächlich nur sein Auto verkauft, die Wohnung ausgeräumt und den nötigen Notariats-Schriftkram erledigt - es lief alles sauber ab und keiner war übervorteilt. Bei einem Haus wäre es sicher viel mehr Ärger gewesen.

Außerdem wollen meine Freundin und ich eigentlich nicht unser Leben lang an den selben Ort gebunden sein. Wer weiß, wo es uns beruflich noch hinzieht, wir sind erst Ende 2019 umgezogen. Und das wäre bei einem Haus nicht gegeben bzw. wir brauchen ehrlich gesagt auch den Platz nicht und unsere kompakte, gut geschnittene Dreizimmerwohnung reicht völlig aus. Von mir aus können wir da noch lang bleiben, es passt einfach, auch mit Vermieter und Umfeld.

Wenn überhaupt Eigentum, dann nur eine überschaubare auch im Alter pflegbare Eigentumswohnung mit Hausmeisterservice und Garage, aber sicherlich kein "Häusle" im Grünen mit Garten, ach so freundlichen neugierigen Nachbarn, Siedlergemeinschaft und sonstigen Drumherum.

Wir stammen zudem beide nicht aus "Eigentümerfamilien". Vielleicht können wir daher nichts vermissen, das wir nicht kennen, wir sind beide in der Platte großgeworden und fanden es da unterm Strich okay. Ich denke es kommt drauf an, wo man herkommt. Einige aus unserem Bekanntenkreis haben auch so im Bereich 26-32 Häuser gebaut oder gekauft - aber die wurden schon durchweg in eigene Häuser reingeboren und kannten es gar nicht anders.

In unserer Heimat haben wir uns auch mal zwei, drei Häuser angesehen und uns das einige Zeit lang echt überlegt, ob es nicht doch besser wäre -----> aber irgendwie hatten wir da immer das Gefühl, in diese Welt mit Vor- und Nutzgarten, Heckenschneiden und "geselliger" Nachbarschaft nicht reinzupassen. Wie gesagt, es kommt halt auf die Welt an, aus der man stammt und wir sind es gewohnt, die Nachbarn eher oberflächlich zu kennen/auf freundlicher Distanz zu sein (was ja auch ganz gut so ist - da fühlt man sich nicht so beäugt) und dass die Grünanlage alle paar Wochen ein Gärtner der Baugenossenschaft macht.

Mit freundlichen Grüßen!

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Ich hatte das Glück immer im eigenen Haus bei meinen Eltern zu leben als ich jung war. Jetzt wohne ich in einem Haus zur Miete. Warum kein Kauf? Zeitpunkt verpasst und der Lebensweg war nicht gradlinig.

Wenn ich mir nur das Geld ansehe welches ich für Miete bezahlt habe, dann wäre Eigentum sicherlich besser gewesen. Aber hätte ich wirklich die "richtige" Immobilie gekauft? Mit Wertzuwachs?

Heute bin ich ganz froh, dass ich mich nicht an Eigentum gebunden habe. So bleibe ich flexibel. Nervt mich der Garten und das Haus über 4 Etagen, dann zieh ich um. Geht das Dach kaputt, dann rufe ich den Vermieter an. Der übrigens so nett ist und hat seit 14 Jahren die Miete nicht erhöht hat. Warum nicht: er hat zuverlässige Mieter die sein Eigentum behandeln als wenn es ihr Eigentum wäre. Und ihn nicht bei jeder Kleinigkeit nerven.

Und wenn es mir im Alter noch möglich ist, dann würde ich eh ans Meer ziehen wollen. Ob die Rente reicht?! Man wird sehen...

Hallo,

es wäre auf jeden Fall wünschenswert, später nicht auf Mietkosten etc. angewiesen zu sein.

Daher wäre es definitiv gut.

Aber bis ich alt bin, sind es noch einige Jahrzehnte, man muss sich die Entwicklungen anschauen. Aber ich bin der Ansicht, dass eine linkere Koalition die Sache schon besser hinbekommen wird.

LG

Woher ich das weiß:Hobby – Habe mich viel mit Corona befasst und bin vollimmunisiert

Wenn deine Vorstellungen vom Eigenheim über den Besitz einer Wohnung in einer Berliner Platte hinausgehen, solltest du wohl keine linke Partei wählen.

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Von Experte rotesand bestätigt

Deutschland ist was Immobilienbesitz betrifft weit hinter vielen Staaten der EU zurück, in denen Immobilienkauf der Regelfall ist.

Man bezahlt über Jahre seine Hypothek ohne Erhöhungen wie bei der Miete ab, bis man Eigentümer ist.

Die Bewirtschaftungskosten sind meist gering, werden oft durch die Mietergemeinschaft in Eigenleistung erbraucht.

Ihre Frage hat aber auch eine andere Facette, wenn meist die Ehefrau im Haus einzige Bewohnerin ist, dieses Instandhalten muss, was bei einer Witwenrente oft zu Instandhaltungsrückstand führt, weil Handwerkerkosten nicht inkludiert werden können.

Dann ist das Haus der Klotz am Bein, den man in ländlicher Lage schlecht loswird.

Dann ist das Haus der Klotz am Bein, den man in ländlicher Lage schlecht loswird.

Stimmt alles und das ist ein weiteres Problem: Wer kauft denn bitte eine Immobilie in einer Gegend, die mit Brettern vernagelt ist? Ich war froh, dass ich für meine frühere Eigentumswohnung einen Käufer aus der Verwandtschaft hatte nachdem klar war, dass ich nie wieder in meine Heimatstadt zurückziehen werde.

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@rotesand

Ahrtal und andere ländliche Hanglagen der Region sind nahezu unverkäuflich geworden. Was da grotesk ist; Unversicherte bekommen 80 % des Schaden ersetzt. Da ist doch derjenige der jahrelang sein Immobilienbesitz versicherte dumm dran, weil dieser auch nicht mehr als Zeitwert bekommt, aber immer Versicherungsbeiträge zahlte.

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@stormy

Ich wohne woanders und war da noch nie, aber ich kann mir vorstellen, dass das so ist. Und ich habe mit meinem Geld ehrlich gesagt Besseres zu tun, als es in einem Haus und vor allem dessen Unterhaltung zu stecken. Es geht uns zwar gut, aber ich will wie gesagt auch mal Freizeit haben und ein Haus sorgt immer nur für Arbeit.

Ich bin kein Hobby-Gärtner und will mein Wochenende entspannt verbringen, nicht aber im Garten oder beim dauernden Reparieren - ein Haus ist wie ein Auto und altert mit der Zeit; je älter es wird, umso teurer wird es, nur ist ein Haus eine ganz andere finanzielle Liga als meinetwegen ein alter VW-Golf, an dem mal hier für 50 Euro was zu reparieren ist und mal hier wieder was für einen Hunni gemacht werden muss. Das Geldausgeben geht ja weiter und was in die Miete fällt, das wird beim Haus für Instandhaltung ausgegeben. Dass es einem irgendwann gehört, ist kein Argument für uns - man hat bis dahin Jahrzehnte auf alles Mögliche verzichtet und ist alt und grau, wenn es einem gehört, dann gibt es vielleicht gesundheitliche Probleme oder was auch immer. Man weiß es nie. "Wir werden alt und bleiben gesund" ist ein frommer Wunsch.

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Du hast anscheinend die klare Frage ein wenig aus den Augen verloren.

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Das ist für uns keine Frage des Wollens...

Unsere Eltern waren die letzte Generation,die es ohne hoch dotierten Job schaffen konnte eigenes Wohneigentum zu generieren. Da hatte man mit einem Lohn/Gehalt der einen nicht zu den Wohlhabenden zählen ließ noch genug zum Sparen übrig,und es gab auch noch Renten für Sie,die wesentlich namhafter waren als unsere eigenen zu erwartenden...von den Plus-Zinsen damals,die den Namen verdienten,ganz zu schweigen... Danke,Deutschland!! 😡

Außerdem nötigte deren notwendig gewordenen Pflegeheimplätze einem dazu,letztlich Ihr Haus zu veräußern. Die laufenden Einkünfte allein waren zu wenig dafür...

Einzig positiv daran ist,man ist "zur Miete" flexibler in Punkto "Wohnortwechseln".

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

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