Will die Versicherung eine Rechnung haben nach Kostenvoranschlag?

10 Antworten

Hatte selbst so einen Fall gerade. Mir ist jemand in die Stoßstange gefahren und hat ein paar hässliche Kratzer hinterlassen. 

Hab dann die Versicherung angerufen, es gab zwei Möglichkeiten: Einmal den Rundum-Service (Auto wird abgeholt, Ersatzwagen gestellt, Reparatur wird durchgeführt und ich bekomme das Auto gereinigt zurück) oder Auszahlung des Schadens. 

Ich habe mich für letzteres entschieden. Dafür bin ich dann, nach Rücksprache mit der Versicherung, zu einem Gutachter gefahren. Der hat sich das Auto angeschaut, ein paar Fotos gemacht und dann ein Gutachten über den Schaden erstellt. Die Kosten für die Erstellung hat er direkt mit der Versicherung abgerechnet.

Und dann hat mir die Versicherung ein paar Tage später das Geld netto überwiesen.

Dafür konnte ich mir dann einen neuen Satz Reifen und Bremsen kaufen, die fällig waren. Fand ich cooler, als eine neue Stoßstange.

Du kannst das Geld auch nehmen und die Reparatur woanders durchführen lassen. Aber bedenke: Die Versicherung zahlt dir nur den netto-Wert der Reparatur aus. Hier könntest du also eventuell draufzahlen. 

Wenn du es machen lässt und die Versicherung rechnet direkt ab, dann zahlt die Versicherung alles. 

Wenn dein  Bruder unschuldig ist, sollte er sich einen Anwalt für Verkehrsrecht nehmen. Der übernimmt den ganzen Schriftkram, beantwortet ihm seine Fragen, holt das Maximum an Geld raus und sorgt dafür, dass du von der Versicherung nicht über den Tisch gezogen wirst, weil dir irgendein dummer Fehler unterlaufen ist. Und diesen Rechtsanwalt muss auch die gegnerische Versicherung bezahlen.

Es ist aber im Prinzip ein völlig üblicher Vorgang, sich die Kosten der Reparatur in bar auszahlen zu lassen (ohne Mehrwertsteuer) und das Fahrzeug gar nicht oder privat reparieren zu lassen. Aber auch wie das genau funktioniert, kann am besten ein Anwalt erklären.

Dein Bruder kann grundsätzlich mit seinem Auto machen was er will.
Ein Kostenvoranschlag genügt zunächst.  Dein Bruder hat Anspruch auf ein Gutachten eines unabhängigen Sachverständigen seiner Wahl wenn der Schaden 3.000 EUR übersteigt oder weiterreichende Schäden an zb. Fahrwerk oder Lenkung, Rahmen usw. zu vermuten sind oder ein Wertverlust unterstellt werden kann. Egal ob KVA oder Gutachten bekommt dein Bruder den Nettobetrag ohne MwSt erstattet sofern nicht ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt.  Übersteigt die spätere Reparatur brutto die vorherige netto Regulierungssumme können die höheren Kosten innerhalb von 6 Monaten nachgefordert werden. Wechselt dein Bruder innerhalb von sechs Monaten das Kfz und kauft sich ein mindestens gleichwertiges Fahrzeug,  kann die MwSt nachgefordert werden. Ausserdem steht deinem Bruder eine Entschädigung für den Nutzungsausfall  und anwaltliche Hilfe zu

Ist dein Bruder vorsteuerabzugsberechtigt erhält er grundsätzlich nur die netto Regulierungssumme ohne MwSt

Den Anspruch auf einen unabhängigen Gutachter erst bei 3.000,- € festzumachen ist aber sportlich. Ansonsten, tolle Antwort!

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@VolkerKlarmann

Bedenke das ein gerissener, lackierter Stoßfänger zusammen mit einem Scheinwerfer bei den meisten Fahrzeugen bereits weit über 2000 Euro kostet. Dazu braucht es nur einen leichten Anprall der keine weiteren Schäden hinterlässt. Da sind die Versicherer zu recht sauer wenn man darüber ein Gutachten erstellen lässt. Bei  Verdacht auf Schäden an Lenkung, Fahrwerk, tragenden Teilen oder Wertverlust natürlich nicht.

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