Wieviel Stressresistenz ist für ein Hundeleben überhaupt notwendig?

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11 Antworten

Hallo,

das ist eine schwierige fragen. Mein erster Hund, kam von einem Züchter mttem im Wald. Ein Traum für jeden jagdhund, nur hat er leider nichts kennen gelernt, waas in einer normalen Kleinstadt so vorkommt (Autos, laute Menschen, Flugzeuge a. Himmel, etc.). Er hat (relativ schnell) gelernt die ganzen Alltagsgeräusche zu ignorieren, in größeren Menschenmengen war er jedoch nie entspannt, war aber auch nie notwendig.

Ich denke man sollte soweit an dem Problem arbeiten, dass der Hund in seinem täglich Umfeld entspannt leben kann. Das heißt, wenn du mit ihm selten bis nie für ihn stressauslösende Orte besuchen musst - würde ich mich mit dem Übungsziel zufreieden geben. Anders würde es aussehen, wenn ein Hund der Angst vor Menschenmengen hätte, jeden Tag durch eine belebte ZOne laufen müsste. Dann MUSS gehandelt werden. Auch das Alter und der Gesundheitszustand spielen eine Rolle. Der oben erwähnte Hund ist inzwischen 17 Jahre alt, ich würd ein dem Alter nie auf die Idee kommen mit ihm noch an für ihn kritischen Situationen zu arbeiten, die werden immer Umgangen.

Bei einem jungen Hund/Welpen und in der Grunderziehung eines Hundes "ohne Vorgeschichte" sollte das Ziel sein, einen entspannten sicheren Hund zu haben, der die wichtigen Sachen im Leben der zivilisation kennt. Also das man auch mit einem Hund, der auf dem Land lebt, Stadtbesuche übt.

Es kommt ja auch nicht immer auf Außenreize an, viele Hunde haben nie gelernt Frustration auszuhalten. Das man das übt, finde ich fast noch wichtiger. Denn was nützt dir ein Hund, der gegen Umweltreize absolut immun ist, aber nen halben Nervenzusammenbruch bekommt, wenn das Futter nicht um 18:00 Uhr sondern um 18:05 hingestellt wird.

Es kommt, wie überall, immer auf die Verhältnisse an. Wenn dem Hund ohne weiteres üben ein stressfreies Leben ermöglicht werden kann und die Chancen das sich seine Nervosität in den anderen Situationen noch stark bessert, würde ich es für das Wohle des hundes, und dein eigenes einfach so lassen wie es ist. Klopf dir auf die Schulter für das was du erreicht hast und gut ist :)

NoradieHexe 29.08.2013, 14:06

Lieben Dank! Du hast mir sehr geholfen mit deiner Antwort! Es ist mir klar, dass es eine sehr schwierige Frage war, dafür hast du wirklich perfekt geantwortet.

Es ist auch nicht mit ja oder nein zu beanworten, das ist mir klar! Daher ging es mir auch um "persönliche Meinungen".

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Wenn wir einem Hund zuviel an Umweltreizen zumuten - nach dem Motto "Da muss er durch, daran muss er sich gewöhnen" können wir häufig beobachten, dass wir beim Hund genau das Gegenteil erzielen.

Das bedeutet nicht selten - weniger ist mehr!

Ein Hund muss die Umweltsituationen bewältigen lernen welche in seinem und unserem Leben immer wieder vorkommen.

Hat er in solchen Situationen durch Übertreibungen seitens des Menschen ein zuviel an Stressreizen erfahren kann sich das negativ auswirken.

Ein Hund braucht Sicherheit, dass der Halter Situationen souverän meistert. Dazu braucht er positive Umweltkontakte - also sollten wir den Hund nur positives in der Umwelt erleben lassen. Jede Übertreibung schadet.

Gerade bei Angsthunden kann es sinnvoll sein Angst auslösende Umwelt nur noch sanft wenn es sein muss einwirken zu lassen, Ausgehgebiete ganz zu wechseln - wenn Hund sich dort umweltsicherer Fühlen und Verhalten sollte. Dieses Stressfreiere Bewegen in der Umwelt kann Angsthunde dazu befähigen dann auch gelegentlich andere Situationen welche er sonst meiden würde oder nur mit extremen Stress bewältigt hat - besser auszuhalten.

Normale Hunde sollten im nicht übertriebenen Rahmen an Umweltbedingungen heran geführt werden ohne Stress aufzubauen und ohne jede Übertreibung. Mit diesem Grundgerüst an Vertrauen in den Halter kann ein Hund alle Umweltsituationen bewältigen, das muss man auch nicht üben!

Du gehst ja mit deinem Hund raus, damit er sein Geschäft machen kann und sich bewegt. Rein theorethisch würde es natürlich reichen, wenn du mit ihm auf die Felder oder in den Wald gehen würdest. Aber falls es mal zu der Situation kommt, das er mit in die Stadt muss, große Menschenmengen um sich hat, etc, sollte er darauf auch "trainiert" sein, und einen kühlen Kopf bewahren. Denn sonst ist das weder für seine Gesundheit, noch für seine Psyche bzw euch gut.

NoradieHexe 29.08.2013, 12:29

Na das mit dem "kühlen" Kopf ist ja das hüpfende Komma! Dazu wird es nie kommen! Ein paar Gehirnzellen "verbruzzeln" wohl immer bei so einer Aktion! :))

Wohin ich meinen Hund mitnehme ist ja steuerbar und es klappt ja für Notfälle auch.

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Je unanfälliger ein Hund auf Stress reagiert, umso gesünder ist das für ihn, ganz klar. Wir haben bei unserem Hund auch den Fehler gemacht, ihn in Watte zu packen, und als ich ihn mal mit ins Büro nach Hannover nehmen musste, war die Aufregung groß. Für unseren Kleinen war es schon stressig, im Auto mitzufahren, obwohl er das von Welpenalter an kannte. Mittlerweile hat sich das gelegt, insbesondere nach einem Fahrzeugwechsel. In der City von Hannover hatte er allerdings auch so seinen Stress, obwohl wir über den ganzen Tag verteilt den gleichen Weg gegangen sind.

Ich weiß nicht, ob Dein Hund gesundheitliche Konsequenzen zu befürchten hat, wenn er längere Zeit einer Stresssituation ausgesetzt ist, Unser Donny hat Epilepsie, und da müssen wir schon immer etwas vorsichtiger sein. Aber bei einem gesunden Hund dürfte ein bisschen Stress nicht schaden, insbesondere wenn er den Stress nicht tagtäglich hat und auch im Nachhinein gut verarbeiten kann.

NoradieHexe 29.08.2013, 13:56

Wenn ich ganz ehrlich bin, halte ich ihn "gesundheitlich" nicht für 100 % belastbar, auch wenn so wirklich noch nichts festgestellt wurde. Epi hat er zwar nicht, aber eine "reine Auswirkung" der Deprivationsschäden und der Rassebedingten Besonderheiten sehe ich in seinem Verhalten nicht. Da muss es noch eine unentdeckte Grauzone geben. Daher frage ich mich, ob die mühsam erworbenen "Gehirnzellen" bei solchen stressigen Aktionen "geopfert" werden müssen. Sorgenkind bleibt Sorgenkind! Und ein Umzug nach Hannover ist auch nicht geplant , lach..

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Muss etwas ausholen.... Für mich kommt als erstes bei einem neuen Hund (die meist von einer "Straße" oder wahlweise aus einer Mülltonne im Süden sind) die Beziehung zwischen mir und dem Tier. Von der ersten Sekunde an. Signale, die ich gebe. Rituale, die Erfahrung für das Tier, dass ich in jedem Moment ruhig und locker bin und es sich an mir orientieren kann.

Das Locker bleiben musste ich lernen. Schon während meiner ersten Ausbildung.. Aber wenn ein 1300kg schwerer Charolais Bulle sich mit dem Nasenring in der Kuhbürste verfängt, bringt es herzlich wenig, unruhig und hysterisch zu werden. Irgendwie lernt man das mit der Zeit. Soo...

...das ist die Grundvoraussetzung. Vertrauen in meine Fähigkeiten.. Von Seiten des Hundes. Wenn das stimmig ist, kann ich überall mit dem Tier hin und es wird sich an mir orientieren und nicht übermannt werden vom Stress. Welcher Art der Stress ist und wie das alles so genannt wird, ist mir schnuppe. Ich sehe meinen Hund und wie dieser sich an mir orientiert und das es "ok" ist..

Ohne dass man selbst das ausstrahlen kann und den Hund "führt", wird man nie einen stressfreien Hund in menschengemachter Umgebung haben, wenn eben dieser Hund zu einer "anfälligen" Rasse gehört. Da kann ich noch so sehr üben und machen und tun. Der Hund durchschaut aufgesetzte Ruhe und vermeintliche Gelassenheit locker.

Vielleicht solltest Du die Orte mit Deinem Hund aufsuchen, die auch Du magst. Wenn Du selbst Kaufhäuser meidest, warum sollte sich Dein Hund dann dort wohlfühlen? Warum sollte er das müssen?

Meine Hündin (im alten Leben Panikhenne) ist da, wo ich bin: Wald, Feld, Buchladen im Shoppingcenter, Autobahn, Büro, Park, Innenstadt..... ich übertreibe es nicht, habe es langsam gesteigert... und jetzt kann sie selbst in großen Menschenmengen zwischen den Füßen von etlichen Leuten so abschalten, dass sie liegt und schläft...

Nur der Nachbarshund ist ihr ein Gräuel ;)

aotearoa01 29.08.2013, 23:37

Natürlich gibt es auch Momente, wo Meine "Schwierigkeiten" hat. Z.B. glatte Fliesen und dann noch Treppen.. Aber auch das schafft sie und ich freue mich mit ihr ;). Bei uns läuft doch auch nicht immer alles rund, also mich ficht das dann nicht weiter an, wenn der Hund etwas Muffe vor glatten Fliesen hat.. beim nächsten Mal klappts noch mal besser.

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NoradieHexe 30.08.2013, 12:25
@aotearoa01

Hi, hi!

Da haben wir eher das "umgekehrte" Problem. Wenn er "zu gestresst zum Denken" ist, macht er gerne mal was er "von Frauchen verstanden hat", ohne nochmal richtig selbst nachzudenken. Er saß auch schon mal auf einem "Stromkasten" weil ich mir "versehentlich" mit dem Finger ein paar Haare aus dem Gesicht gestrichen habe! Er ist auch schon mal fast über eine Brücke gesprungen, weil er was missverstanden hat! Gut, dass unser Abbruchsignal so gut klappt!

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Hallo :-)),

oh wie mir das bekannt vorkommt. Wir haben zwar einen anderen Hund aber dennoch.

Unser kommt aus dem Ausland. Er hat Stress bei anderen Menschen bei Fahrrädern, bei Wind und so weiter. Das war vom ersten Moment an so.

Gleich am 2. Tag stellten wir allerdings fest, dass er im Feld ein ganz anderer Hund ist. Er lacht er spielt er rennt rum und er nimmt uns wahr.

Auf den Strassen und im Umfeld allerdings änderte sich nur wenig.

Also habe ich mit ihm geübt durch Strassen laufen, auf Supermarkt Parkplätze und so weiter. Und was war nichts einfach nichts. Er orientierte sich an mir aber mehr auch nicht. Mike hatte Stress einfach nur Stress.

Dann waren wir jetzt im Urlaub. Da ist einfach nur Landschaft und mehr nicht. Ganz wenig Menschen. Und was soll ich Dir sagen? Der Stress ging weg. Der Juckreiz ging weg, sein Fell wurde besser.

Und weißt Du was ich nun mache? NICHTS !! ich mache nichts.

Ich lasse den kleinen Kerl genau so wie er ist. Keine Stadt mehr nicht mehr da wo viele Menschen sind im Regen und Wind nur solange wie er es will.

Und weißt Du was das Ergebniss ist?

Ein Hund der immer und überall da wo wir gehen entspannt ist.Ich gehe nur noch da wo es ihm gefällt. Er ist entspannt er schaut nach mir seine Unruhe und Angst wird weniger immer mehr jeden Tag. Er spielt mit mir sein Juckreiz ist auch hier weg und er hat einfach nur Spaß.

Weißt Du oft läuft er neben mir und schmiegt seinen kleinen Boder Collie Mix Kopf an mein Bein und schmust mit mir. Einfach so mitten auf dem Weg.

Da bin ich so gerürht dass ich heulen könnte.

Ich würde also nichts mehr machen nicht mehr in den Stress gehen.

Dir alles Liebe und eine super Klasse tolle Frage. ♥

NoradieHexe 29.08.2013, 22:07

Ja, du hast Recht! Es ist ein tolles Gefühl einem Lebewesen Halt zu geben!

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Oh NoradieHexe ich finde das ist eine super gute Frage ;-)

Also Stress ist etwas, was jeder Hund braucht, auch jeder Mensch oder besser jedes Lebewesen. Nur unterscheidet man ja Stress in Di- Eustress und neutralen Stress.

Neutraler Stress ist nicht schädlich und insofern sogar nötig, denn bestimmte Reize müssen ja vorhanden sein um den Ausbau und Umbau des Gehirns zu gewährleisten.

Eustress ist Stress, welcher sich auf Umgebungsveränderungen zurückführen lässt, ansich nicht schädlich, sondern eventuell auch wie neutraler Stress, vorteilhafte Effekte haben kann.

Beim Distress allerdings ist das Tier nicht in der Lage sich bei inneren oder äußeren Veränderungen adäquat zu verhalten. Dieser Stresstyp kann das Wohlbefinden des Tieres nachhaltig beeinträchtigen.

Die Frage ist, wie Du das "ruhig" neben Dir in der Stadt laufen aufgebaut hast, hast Du es per Gegenkonditionierung oder per Habituation aufgebaut, hast Du auch die eventuell nötige Individualdistanzgrenze beachtet und hast Du die Distanzierung in kleinen Schritten minimiert?

Wenn Dein Hund nach 20 Min. deutliche Stresssymptome zeigt, würde ich mein Training eventuell noch einmal überdenken und die Messlatte vielleicht ein weniger niedriger setzen. Die andere Sache ist allerdings, wenn Du es nicht als zwingend notwendig erachtest, dass Dein Hund mit in die Stadt muß, dann würde ich persönlich es dabei belassen und ihm die Stadt ersparen ;-)

Liebe Grüße Anda

NoradieHexe 29.08.2013, 23:02

Deine Frage lässt sich nicht so leicht beantworten, da es kein entweder oder gab! Mehr mit Habituation, allerdings in erster Linie mit Fördern eigener Entscheidungen und gegenseitigem Vertrauen, nur in bestimmten Situationen mit Gegenkonditionierung. Aber das würde ein Roman werden! ja, lach, kleinschrittig habe ich sehr wohl gearbeitet! Bis auf den Mond, den habe ich ausgelassen - wegen der langen Anreise - grins! Aber gleich danach haben wir begonnen...

Nein, "deutliche Stresssymptome" zeigt er nicht mehr! Du würdest es merken, aber die anderen Passanten merken es nicht. Viele zusätzliche Stressoren kann er dann nicht mehr gebrauchen, dann wird er nur noch übermütig, aber nicht mehr gefährlich!

Die Messlatte habe ich so hoch gehängt um der Umwelt zu beweisen, dass auch die hoffnungslosesten Fälle Vertrauen verdienen und damit die Menschen in meiner Umgebung merken, dass sie in die falsche Richtung laufen!

Allerdings habe ich das Gefühl, dass ich an Letzterem gescheitert bin! Wenn Menschen feststellen, dass 99 % besser geworden ist, nehmen sie trotzdem nur noch das 1 % fehlende Prozent wahr! Traurig aber wahr!

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Anda2910 30.08.2013, 00:55
@NoradieHexe

Womit hast Du belohnt, also ich denke mal Dein Ziel ist es, in der Stadt einen "relativ" entspannten Hund zu haben, oder?

Ich hätte es vielleicht so gemacht, dass ich die einzelnen Auslöser aufklamüser und diese einzeln gegenkonditioniere, je nach Wohngebiet ist das ja möglich, hier z.B. ist das mit einem Hund wie meiner Hündin relativ schwierig, denn sie hat vor allem Angst und hier gibts eben alles, denn hier ist direktes Stadtgebiet, dazu bieten sich dann eventuell ruhigere Gegenden an, trotzdem muß ich ja auch zu diesen erst gelangen, d.h. ich kann immer erst mit wirklich effizientem Training anfangen, wenn ich diese Stellen erreicht habe, dort ein Entspannungstraining durchführe und dann erst anfange mit der eigentlich Gegenkonditionierung.

D. h. Du hattest schon einen Hund, der Aggression gezeigt hat, dass hab ich nun richtig verstanden? Hat er das während des Trainings getan oder schon vorher?

Ja NoradieHexe, dem kann ich nur zustimmen, die kleinen positiven Dinge werden nicht gesehen, nur die negativen und wenn sie noch so wenig an Anteil betragen, dann möchten sich die Menschen genau daran festhalten. ;-(

Darf ich fragen, was Du als Alternativverhalten genutzt hast, für z.B. ruhiges hinschauen?

Liebe Grüße Anda

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Anda2910 30.08.2013, 01:08
@Anda2910

Hmm, ich finde den Fall recht interessant, gerade auch, weil Du geschrieben hast, dass auch die hoffnungslosesten Fälle Vertrauen verdienen.

Ich hatte mal ähnlich gedacht, möchte jetzt nicht Deine Methodik verteufeln also bitte nicht falsch verstehen, aber Flooding ist oftmals eben die Methodik, die nicht zum gewünschten Erfolg führt, dass Endergebnis bestätigt es ja mehr oder weniger.

Natürlich nehmen die wenigsten Leute wirkliche Anspannung oder Erregtheit bei einem Hund wahr, gerade bei Hunden, die in der erlernten Hilflosigkeit leben, wird der Stress der dort vorhanden ist und der Hund im Endeffekt innerlich brodelt, so gut wie gar nicht wahr genommen, fällt der Hund dann in unkontrollierbare Aggression kommt der Satz:"Das hat er ja noch nieeee gemacht!" Natürlich nicht, wie sollte er denn auch... Auch hier möchte ich Dir nichts unterstellen, auch bitte nicht falsch verstehen, aber das ist zumeist das alltägliche Bild, welches man auf den Straßen bezüglich der Hundehaltung sieht.

Ich denke, dass es mir persönlich viel wichtiger ist, dass mein Hund irgendwann einmal es schafft, mit mir in einen Bus einzusteigen, einen Spaziergang durch die Stadt zu machen oder auch nur in einem Cafe zu sitzen und dort ein Glas Wasser zu trinken, in Begleitung meines Hundes.

Wir haben hier auch genug Leute, die meine Hündin kennen und oftmals kam dann auch schon die Frage, wie es denn möglich sein kann, dass ich mit meiner Hündin durch eine beengte Gegend mit vielen Leuten, viel Musik und schreienden und lärmenden Kindern gehen kann, sie aber gleichzeitig, wenn sie von der Leine ist immer noch eine gewisse Distanz zu den Leuten hält. Die Erklärung ist doch eigentlich ganz einfach, sie wählt in erster Linie immer selbst ihre Distanz, insofern das möglich ist, ist das mal nicht möglich, traut sie mir soo viel Verstand zu, dass ich die Lage einschätzen kann und sie SICHER durch diese SO bedrohliche Ansammlung von Stressoren führen kann, womit ich nicht ausdrücken möchte, dass ich mich als "Rudelchef" oder ähnliches präsentieren möchte, sondern nur, dass sie mir absolutes Vertrauen schenkt, denn für möglich hätte ich das zum Anfang des Trainings mit ihr überhaupt nicht gehalten.

Ich denke man sollte eher darauf setzen, dass die Menschen unseren Tieren gegenüber ein bischen mitfühlender und verständnisvoller werden, als das wir unsere Tiere versuchen, insofern so stark zu beeinflussen das wir den Menschen beweisen können, dass Vertrauen in einen eventuell hoffnungslosen Fall etwas bringt, denn bringen tut es immer was, nur für welchen Preis ist doch da immer die Frage. ;-)

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NoradieHexe 30.08.2013, 08:04
@Anda2910

Oh, sorry! Nein, mit Flooding habe ich nicht gearbeitet! Da kam mein letzer Satz falsch rüber! Ich kann jeden "Buchstaben" den du schreibst, unterstreichen! Exakt das ist das Verhältnis, welches ich mir bei allen Hundehaltern wünsche.

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YarlungTsangpo 30.08.2013, 11:22
@Anda2910

Flooding hat bei Angsthunden und Stresshunden noch nie geholfen, so dass man einen zu 100% zuverlässigen Hund bekommt. Deinen Beitrag möchte ich mit 1000 DH unterstreichen!!!

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NoradieHexe 30.08.2013, 12:18
@Anda2910

Nein, mein "End"-Ziel war die Einstellung: Wir finden Stadt beide doof, aber wir kriegen es gemeinsam hin! :) Das kriegen wir wie gesagt inzwischen auch gut hin. Wenn wir die "gefährliche Zone" passiert haben, rennen wir uns die Stresshormone ab! Ich persönlich lass dann die Aktion - im Acker wälzen weg - !, macht sich auf "meinem Fell" nicht so gut, grins.

Das mit den "ruhigen Gegenden" war eben das Problem, es gab "keine"! Der Mond war mir ja zu weit! Ganz ehrlich, ich hab` seitdem keinen vergleichbaren Hund mehr gesehen! Doch 1! Aber der sitzt in "Einzelhaft" und ohne Übernahme hat er keine Chance!

Ja, du hast mich richtig verstanden, er war recht heftig im Aggressionsverhalten, aber ich habe ihn schon so bekommen.

Manchmal hat er auch während der Zeit - oder Training - plötzlich reagiert, aber das war nicht "einschätzbar"! Klitzekleiner Zusatz-Stressor und - bum! Auf diese Art und Weise lernt man eben, wie man mit einer "baumelnden Handgranate" Gassi geht! Jetzt ist nichts mehr, er findet Menschen inzwischen richtig nett! Netter als ich, denn wir diskutieren ständig über die "Unberechenbarkeit von Menschen" :)

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Ich würde nie am Streßauslöser selber arbeiten, sondern immer am Hund, bzw. an der Beziehung als solcher.

Schau, ein Mensch, der Höhenangst hat, verliert diese mit Sicherheit auch nicht, selbst wenn Du jeden Tag mit ihm über eine Autobahnbrücke gehst. Auch nicht, wenn Du sie nur halb überquerst.

Ich selber bin ganz schnell gestresst. Ist so. Meine beste Freundin macht 20 Termine an einem Tag und scheint dabei gar nicht gestresst. Dafür hat sie ständig Migräne.

Bei einem Hund wie Deinem würde ich gerade daran arbeiten, dass DU ihm besonders viel Ruhe vermittelst, so dass das Beisammensein bei Dir für ihn immer wie ein "Ankommen" ist.

Ich vermeide grundsätzlich Streßauslöser bei meinen Tieren, und wenn es sich wirklich nicht vermeiden läßt, dann fahre ich selber in solchen Situation noch extra ein paar Gänge runter. Für mich und für meine Tiere.

NoradieHexe 29.08.2013, 18:53

Danke für deine Meinung! Ich finde es toll, dass hier so viele in diese Richtung denken. Ich bin jetzt schon froh, dass ich es bestätigt bekomme.

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Dies kommt wohl auch sehr auf die Rasse an. Es gibt Hunde die wirken einfach zappelig und nervig, obwohl es zu ihrer Natur gehört und sie sind auch nicht wirklich gestresst, sondern einfach aufgeregt.

Wenn er den Schwanz nicht zwischen die Beine klemmt, dann hat er zumindest keine Angst. Und ein bisschen Aufregung gehört dazu.

NoradieHexe 29.08.2013, 13:59

Nein, wie gesagt! Er ist nicht sichtbar aufgeregt, aber hinterher gestresst. Und keine Angst zu haben hat er gelernt.

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YarlungTsangpo 30.08.2013, 11:23

Die Rasse hat mit zappelig und nervig, sowie Aufregung so wenig zu tun wie eine Kuh mit dem Flugverkehr.

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Das kommt natürlich auch ein klein wenig auf die Rasse an. Meine Dobi-Dame hat z.B. (noch) eine recht niedrige Reizschwelle. Rasse- und auch Altersbedingt (7 Monate) ist sie noch recht hibbelig und zappelig.

Nach vielen "Ortsversuchen" haben wir gemerkt, dass sie in der Stadt weniger ein Problem hat, aber dafür umso mehr am Kanal, wo viele Radfahrer, Jogger und natürlich auch freilaufende Hunde anzutreffen sind. Das hat sie immer verunsichert - vor allem Nordic Walker" die mit ihren Stöcken arbeiten. So habe ich mich anfangs auf eine Bank gesetzt und die verschiedenen Leute einfach an uns vorbeiziehen lassen. Immer und immer wieder, bis sie ganz ruhig und entspannt liegenblieb. Dann habe ich begonnen, mit ihr die Wege abzulaufen - zunächst "bei Fuss", später mit der Schleppleine.

Das ist alles natürlich Arbeit und dauert länger, aber ich halte nicht viel davon, Hunde die eh schon Stress zeigen, in Situationen zu zwingen. Das steigert den Stress eigentlich nur.

Da wir immer auf die gleichen Hundehalter treffen, bilden wir manchmal eine Gruppe. Es stellen sich alle im Kreis auf und lassen die Hunde neben sich abliegen oder -sitzen. Es geben sich alle die Hand (kann für einen Stresshund auch bedrohlich aussehen) und laufen dann weiter und überholen uns immer gegenseitig. Oder es bilden sich 2 Gruppen, die sich gegenüber aufstellen und laufen uns dann mit den Hunden entgegen. Durch das viele Üben bleibt selbst mein hibbeliger Dobermann dabei mittlerweile ganz souverän und ruhig.

Aber du kannst ja selbst entscheiden, an welchen Situationen du mit deinem Hund arbeiten möchtest.

Je mehr dein Hund kennenlernt und beobachtet, dass du alles im Griff hast, desto mehr wird er sich auch an dir orientieren.

Radfahrer - (Gesundheit, Hund, Stress) Mensch/Hund-Begegnungen - (Gesundheit, Hund, Stress)
NoradieHexe 29.08.2013, 21:48

Was du beschreibst, ist ein anderes Problem, aber trotzdem danke.

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Biggi1963 29.08.2013, 22:22
@NoradieHexe

Wieso? Es geht um Stressanzeichen an bestimmten Orten, oder? Und ob und wie man daran arbeiten sollte/könnte. Was ist daran "ein anderes Problem"?

Übertragen gesehen hiesse es doch nur, dass du dir z.B. in der Stadt einfach mal ein ruhiges Fleckchen suchen könntest und deinen Hund einfach schauen lässt. Auch da kannst du später dann ähnliche Übungen machen, die deinem Hund helfen, die Stadtgänge nicht mehr als bedrohlich oder unangenehm zu sehen.

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sophia40 29.08.2013, 23:30
@Biggi1963

Guck mal Biggi NoradieHexe schreibt:

und danach ein "deutliches" Stressverhalten sichtbar ist und eine Verbesserung vermutlich nicht mehr erzielt werden kann,

Eine Verbesserung vermutlich nicht mehr erzielt werden kann.So wie bei meinem Mike der ein Strassenhund ist und nicht mehr damit umgehen kann. Also der Hund kann seinen Stress nicht mehr bewältigen weil er sozusagen schon seine Muster wie was ist im Kopf hat. ER hat also seine Umwelt in seinem Kopf schon Katalogisiert. Also Menschen sind schlimm, Autos geht so , Fahrräder muss man sich in Acht nehmen und so weiter.......... ( Nur als Beispiel)

Deine Hündin ist als Welpe zu Dir gekommen. Was Du beschreibst ist also unter dem üblichen Begriff Sozialisierung zu verstehen.

Ich würde es eher gewöhnen an die Umwelt nenen. Dein Hund lernt immer mehr kennen und gut ist es irgendwann so wie Du es schreibst. Deine Hündin hat noch keinen Plan im Kopf wie was ist. Du gewöhnst den Hund der Stress geht runter. :-))

Der Hund der hier beschrieben wird, kann aber nur bis zu einem gewissen Grad weniger Stress haben und sich an die Umwelt " gewöhnen". Ab einem gewissen Punkt hat er immer noch Stress und wird es immer haben.

Die Frage ist nun, macht man da weiter obwohl man weiß, das Lerntechnisch nix mehr zu machen ist.Oder läßt man es sein eben weil nichts mehr zu machen ist lerntechnisch und nimmt dem Hund somit den Stress.

Meine Güte hoffentlich ist das nun richtig!! :-)) :-))

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sophia40 29.08.2013, 23:34
@sophia40

Noch zur Ergänzung. Ich habe mich entschieden nicht weiter zu üben weil Mike nicht durch die Stadt muss.Ich habe nur so viel gemacht wie er sozusagen ertragen muss auf den Wegen wo wir gehen. Wohnt man in der Stadt und muss zum Gassi Weg da durch muss man dann leider was tun. So ist das denke ich gemeint. :-))

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Biggi1963 29.08.2013, 23:44
@sophia40

Ja, Sophia - da gebe ich dir recht. Ich habe aber ja auch noch meine Norle (mittlerweile 15 Jahre alt). Und die war ein ebenso stressanfälliger Hund aus dem Tierschutz mit schlechten Erfahrungen aus ihrer Vergangenheit. Sie hatte anfangs selbst vorm Tageslicht Angst. Und mit ihr habe ich durch das "einfach beobachten lassen aus ausreichender Entfernung" gaaanz ruhig große Fortschritte sehen können.

Was sie aber bis heute nicht ab kann, ist großer Rummel. Daher gebe ich dir recht, dass man irgendwann an seine Grenzen stösst und es einfach gut sein lässt, indem man diese Situationen dann meidet.

Grüßlein....;-)

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sophia40 29.08.2013, 23:47
@Biggi1963

Jaa, ich denke auch alles geht nicht. Mein Mike wird auch nie nie sich an großen Rummel gewöhnen . Aber wir haben Glück und müssen da auch nicht hin :-)).

Grüßlein zurück :-)

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NoradieHexe 30.08.2013, 07:56
@sophia40

Perfekt Sophia, genau so habe ich es gemeint! 100 x DH! Mir ging es in erster Linie nicht um die Frage wie ich es erreiche, dass mein Hund durch die Stadt geht, sondern, wie notwendig oder sinnvoll ist es, es zu tun.

Vielleicht war ja die Frage auch ein bisschen blöd! Hätte ich gefragt: In welchem Verhätlnis steht Vergnügen und Alkohol trinken, wäre es wohl aufs gleiche hinausgekommen. Damit "zerschießen" wir uns auch Gehirnzellen und tun es ab und zu! Allerdings ist es dann auch "unsere eigene Wahl" - zumindest wenn man vom Gruppenzwang absieht :)

Ich seh schon, du kannst mir in den Kopf schauen....richtig unheimlich...;-)

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sophia40 30.08.2013, 08:16
@NoradieHexe

:-)) Achhhh Nora ich bin ja so froh, dass ich es richtig verstanden habe.

Hatte schon im Nachhinein gedacht wie blöd ich war darauf zu Antworten und evtl ne riesen Debatte aus zu lösen.

Neee die Frage war schon gut so gestellt.

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YarlungTsangpo 31.08.2013, 12:31
@NoradieHexe

Ja, Nora & Sophia.....

Wie sinnvoll ist es - Angst- und Stressverhalten "wegüben" zu wollen - indem man die Situation immer wieder herbeiführt.

Ich musste lernen = Erfolg ist gleich Null....

Mein Maxe war in einem gewissen Areal (groß, alles mit dem PKW anzufahren, aber zusammenhängende Areale) in der Peripherie und dem Zentrum einer Großstadt aufgewachsen, er lernte ab der 8. Woche (viel zu früh übernommen, wg. Einer Quetschung an der Schnauze, nicht positive Sozialisierung) dieses als seine Umwelt kennen - wenig Probleme....

Mit 2,5 Jahren ist er mir Nachts in diesem Areal - freilaufend (DoKhyi,HSH) in der Nacht wg. Einem Mitternachtsfeuerwerk "ausgewildert"

Diverse Einfangversuche, angeheiterter Stadtbesucher & Festivalbesucher haben ihn erst recht noch verstört - anschließend hatte er panische Angst in vielerlei Situationen!

Sein vermehrtes Urinieren, Kot hoch am Baum absetzen hatte ich nicht einordnen können (heut bin ich schlauer = Schock, Stress) Heute weiß ich der Besuch Tierarzt mit Schockbehandlung wäre besser gewesen....

Nun ab da hatte er in diversen Situationen Panik, vor Menschen, Autos mit offenen Türen, Gelächter mit Musik, Baumaschinen, Polizei-PKW, und einem ....Geruch....den ich nicht eingrenzen könnte.

Alles Üben, alles "Desensiblisieren" half nicht. Er war im Stress der nur "übertüncht" war - aber es fehlte seine ihm typisch stoische Gelassenheit - an einen Freilauf war nicht mehr zu denken.

Erst als ich das Ausgehareal komplett wechselte, ihn solchen Situationen nicht mehr aussetzte - kam seine ruhige, stoische Gelassenheit wieder und - er konnte bis an sein Lebensende wieder überall freilaufend mich begleiten, was für einen Do Khyi schon eine Leistung ist.

Manchmal ist das "Löschen" durch "Vergessen" der richtige Weg um negative Erfahrungen und Traumatisierungen dann endlich durch positives Erleben abarbeiten zu können - also der umgekehrte Weg - Reizüberflutung kann Lernen vollständig verhindern, dann Schaden wir unseren Hunden mit solchen "Gewöhnungssituationen" nur.

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sophia40 01.09.2013, 12:43
@YarlungTsangpo

Mensch Yarlung wie ich Dich verstehen kann. Sehr gut sogar. Ich habe die gleiche Erfahrung mit unserem Mike gemacht.

Je weniger desto besser für ihn,desot mutiger und selbstbewusster wird er .

Und er entspannt immer mehr in Situationen die ihm sonst Angst machen.

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NoradieHexe 07.09.2013, 14:44
@YarlungTsangpo

Klar! Verstehe ich, denn wenn ich keine Chance habe so "winzig" bei der Desensibilisierung anzufangen, hat er den Kopf stresstechnisch nicht frei! Dann lernt er logischerweise auch nichts. Oh Mann, da können sich unsere "beiden" ja wirklich die Pfote geben! Die haben beide schon recht viel durch...

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nun,..was klein Hänschen nicht lernt---lernt hans.......schwer.

wenn du sagst--euer ziel ist erreicht, dann hat es sowieso keinen sinn weiter zumachen, da du nicht mit "Einsatz" arbeiten würdest. der Hund spürt das dann natürlich auch genau.

sicher wäre es in einigen ( möglicherweise kommenden ) Situationen besser für den Hund , wäre er stress sicherer.

ich würde trotzdem auch weiterhin "so plätze" besuchen mit ihm,..vielleicht öfter--aber dafür von der zeit her kürzer. dadurch sollte sich der Hund auch leichter tun,..... du könntest ja zb mit 10-15 min beginnen,.. dafür eben öfter in de Woche,..... und dan wenn er mal WIRKLICH 15 min. entspannt neben dir geht--erhöhen auf 20,....usw.....

NoradieHexe 29.08.2013, 12:32

Während er neben mir läuft "wirkt" er entspannt! Würde ich 30 Personen in der Stadt fragen, würden wohl alle sagen, dass er "entspannt" ist! Allerdings zeigt er - wenn wir das Übel hinter uns gelassen haben - Überspungverhalten!

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spikecoco 29.08.2013, 14:08
@NoradieHexe

Ich würde immer weiter üben, gehe oft in diese Situation, verweile dort indem du dich vielleicht auf eine Bank oder in ein Strassencafe setzt. Ich habe mit einer Herdenschutzhündin die nichts kannte auch im Einzeltraining bis zur Vergasung geübt, es hat sich gelohnt. Es hat fast ein 3/4 Jahr gedauert, aber der Erfolg war sichtbar. Das du in dieser Situation total relaxt und gelassen bleibst, muss ich dir ja nicht sagen. Viel Glück

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