wieviel % konnten im mittelalter lesen und schreiben?

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5 Antworten

Das Lesen und Schreiben war praktisch nur gebildeten Geistlichen und Moenchen bekannt. Selbst die Mehrzahl der Adligen konnte das nicht, was u.a. dazu fuehrte, dass selbst Koenige und Kaiser Ihren Schriftkram von den Moenchen erledigen liessen, was sich nach dessen Tod manchmal positiv auf ueberraschende Schenkungen an die Kirche ausdrueckte...:-)

Lesen konnte man uebrigens nicht viel, da alle Buecher handschriftlich verfasst wurden und zudem das meiste auch noch in Latein und Altgriechisch vorlag. Das aenderte sich erst mit der Erfindung des Buchdrucks im !5 JH. durch Gutenberg.

Die Ausbildung der gutsituierten Buerger und des Adels wurde meist (wenn ueberhaupt) durch Privatlehrer und Klosterschulen erfuellt, dabei war es ueblich, dass zumindestens ein Sohn in den Moenchs- oder Priesterdienst eintrat. Die Situation veraenderte sich erst im 13 Jh. mit der Gruendung zahlreicher Universitaeten in ganz Europa...

Im Mittelalter konnten nur wenige Leute lesen und schreiben. Es waren vor allem die Mönche, die in den Klöstern die Bibel abschrieben. Damit waren sie manchmal ein ganzes Leben lang beschäftigt, weil sie langsam und sehr sorgfältig arbeiten mussten. Auch Burgherrinnen beherrschten die Kunst des Lesens und Schreibens, weil sie in Abwesenheit des Burgherrn alleine die Geschäfte führten. Außerdem mussten sie in der Lage sein Kräuterrezepte zu lesen, nach denen Medizin hergestellt wurde. Später gab es Schreibmeister, die für Kaufleute und Juristen Rechnungen, Urkunden, Wappenbriefe oder Geschlechterbücher schrieben. In den Stadtschulen unterrichteten sie auch die Kinder. Aber nur die Reichen konnten sich eine solche Schule leisten.

riara 11.12.2009, 19:27

Burgfraeunlein fuehrt die Geschaefte? Wohl eher nicht, die Feudalordnung lies das sicher nicht zu, weiterhin ist das herstellen von Medizin wohl eher irgendwelchen Kraeuterweibern und ALchimisten vorbehalten. Schreiber gab es, allerdings stellten die sicher keine Urkunden aus, das war den Reichsgerichten und Fuersten vorbehalten. Stadtschulen gab es nicht, reiche Leute unterrichteten Ihre Kinder mit Privatlehrehrn oder schickten sie in die Klosterschulen...

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cadovius 11.12.2009, 22:57
@riara

Es kommt ganz darauf an, von welcher Gegend du redest und von welcher Zeit während der langen Periode des Mittelalters. Selbstverständlich gab es in vielen Städten Schulen für die Söhne der Handelsherren, da es unbedingt nötig war, zumindest rechnen und schreiben zu können um z.B. im Fernhandel zwischen Brügge und Riga zu bestehen. In allen großen Hansestädten und wichtigen Handelsplätzen des Spätmittelalters gab es Bürgerschulen, ja zum Teil schon Universitäten. Da ging damals nämlich nicht der Adel hin, dem die Erziehung in allen Waffen- und Kampftechniken viel wichtiger war als rechnen, schreiben, lesen. Luther z.B. war kein Adeliger und hatte ursprünglich auch nicht das Ziel, Mönch zu werden und besuchte doch Schulen und die Universität.

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cadovius 11.12.2009, 23:50
@cadovius

Noch eine Ergänzung: selbstverständlich wurde von jeder verheirateten Frau erwartet, dass sie über einige Kenntnisse in Bezug auf Wundbehandlung und Krankenbehandlung verfügte. Jede Frau, die einem Haushalt vorstand, musste Bescheid wissen, wie man z.B. Mittel gegen Durchfall oder Verstopfung herstellte und andere häufig gebrauchte Mittel herstellen können. Oft waren bei Kämpfen die Frauen diejenigen, die als einzige schnell zur Behandlung zur Hand waren. Auch bei leichten Erkrankungen gab es jede Menge Hausmittel, da man zum Teil nicht über das Geld verfügte, einen Bader oder Quacksalber zu bezahlen oder einfach niemand schnell greifbar war, der helfen konnte. Auch war es die Pflicht der Herrin eines Lehens, sich um die Gesundheit der Leibeigenen und Pächter zu kümmern!! Natürlich gab es auch Fälle, in denen das größere Wissen heilkundiger Mönche oder der Kräuterfrauen gefragt war, die oft über sehr altes hergebrachtes Wissen verfügten, aber wie gesagt, bei den alltäglichen Zipperlein war erstmal die Hausherrin gefragt.

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riara 12.12.2009, 06:55
@cadovius

Also da wuerden mich die Quellen interessieren...Die Heilung speziell ist ein sehr trickreiches Thema, da man schnell in den Ruf Hexe/Hexer geraten konnte. Die Aufzeichnungen der Hildegard von Bingen zeigen, dass nur sehr wenige das Wissen der Kraeuterheilung besassen, Hildegard war da sicher eine Ausnahme. Wie gesagt Gegenbeweise sind willkommen, allerdings findet sich kaum ein Beweis Deiner These und ausser dem Kochen, findet sich kein Hinweis im Zusammenleben von Mann und Frau...

Das mit den Handelsschulen ist nicht belegt, zumindestens gab es keine solchen Aufgaben in der Hanse, die wohl vorherschende Handelsunion im MA. Schulen entwickelten sich erst im 15 Jh., vor allem durch den Bezug der Rennaissance auf Antike, die ja bereits Gymnasien kannte (nicht wie heute, aber eher eine allgemeinbildene Schule)...

Martin Luther besuchte die Stadtschule und spaeter die Domschule, diese Einrichtungen wurden von der Kirche betrieben...Allerdings ist Luther ein Kind der Rennaissance, den das MA endete zum Ende des 15. Jh...

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also meist nur die adligen also bestimmt nur so 3% würd ich sagen

5% mehr nicht.

nur der adel und klerus! kannstes dir ja dann in etwa ausrechnen

Amducias 11.12.2009, 19:10

ja und mehr als die Hälfte konnten nicht rechnen. Das sind weniger als 50% ;)

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Stoeckl 12.12.2009, 11:50

Von wegen Adel! Die überwiegende Mehrzahl konnte weder - noch, und auch im Klerus war solches Wissen den dafür ausgebildeten Spezialisten (z.B. Bibliothekare, Kopisten u.a.)vorbehalten.

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