Wie viel Kapital brauche ich, um einen Dekoartikel-Laden zu eröffnen?

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1 Antwort

Hi Gaby,

es gilt als erstes einige Missverständnisse zu klären. Erst dann kann man auf die Frage eingehen.

Die Zahlen von anderen Gründungen haben in der von Dir erwarteten Richtung keinerlei Aussagewert. Dabei ist es ganz einfach die für Dich geltenden Zahlen nicht zu schätzen, sondern sie korrekt zu ermitteln.

Beispiel Ladenfläche. Allein durch die Anordnung von Waren kann man nicht nur die Umsätze unter den einzelnen Preisgruppen beeinflussen, sondern auch den Umsatz an sich.

Gerne werden Schaufenster für größere Skulpturen verwendet. Sieht oft total schön aus. Nur blöd, wenn es passiert was die Regel ist: Die Leute schauen auf diese Ausstellungsstücke gucken aber nicht mehr dahinter. Wo nämlich die Sachen stehen, die sie tatsächlich irgendwo stehen haben wollen.

Gleicher Aufbau und zwei Personen sollen verkaufen. Der einen Person gelingt es an der Kasse die richtigen Bons zu erledigen. Die andere Person findet für Kunden die unschlüssig sind, noch die richtige Idee. (Ich rede nicht von Aufschwatzen sondern von guter Beratung)

Diese Person hat auch die Phantasie zu erkennen, ob es noch eine nette Ergänzung geben soll. Für jetzt oder später zu kaufen.

Die erste Person bedankt sich für den Einkauf. Die andere bedankt sich ebenfalls und spricht die Einladung für einen neuerlichen Einkauf aus.

Mal ein anderer Punkt zum Thema Willkommenskultur.

So kann natürlich der Umsatz der beiden so auseinander liegen, dass man nicht mehr vergleichen kann. Oder man beantwortet Deine Frage in soweit falsch, dass man sagt: Beide können davon leben oder keiner von den beiden kann davon leben. Aber bitte: Wie wird es bei Dir?

Einen Laden wie Du in andeutest, den kann man nur in einer 1A-Lage machen. Aber auch die Größe der Stadt muss hierzu passen. In einer Kleinstadt wird es schwer, da die Leute nämlich gar nicht davon ausgehen Dekoartikel im Ort zu finden.

Bei Deko übrigens noch so ein begriffliches Problem. Da kann die Ware sehr stark einem Bastelartikel-Laden entsprechen oder aber ausschließlich aus kleinen 'Schmuckgegenständen' bestehen. Will hier gar keine Wertung vornehmen, wäre auch falsch.

Was werden Deine zukünftigen KundInnen suchen und wofür werden sie pro Person wie viel Geld im Laden lassen?

Wer hier geschickt allgemeine Zahlen, mit Zahlen vor Ort kombiniert kann dieses ziemlich genau schätzen. Das bedeutet aber auch: Entweder Sortiment nach Kunden ausrichten oder bestimmtes Sortiment bilden und dafür die Kunden suchen.

Dabei dann auch die Frage: Lieber junge Leute, die öfter mal was haben wollen oder ältere, die sich das eine oder andere hochpreisige Stück hinstellen wollen?

Was sinnvoller ist, hängt auch wieder von vielen Faktoren ab. Von Dir und Deinen Einstellungen und Vorlieben, aber auch von der Laufkundschaft und Deinen Kenntnissen und Deinem Können bei der Kundenbindung.

Ich habe schon angedeutet: Allgemeine Zahlen sind wichtig, sie ergeben aber nur dann einen Sinn, wenn man sie runter bricht. Das geht so weit: Wie viele Personen müssen Mo - Sa den Laden betreten. Wie viele Personen gehen ohne Kauf wieder raus und kommen nie wieder. Wie viele Personen kaufen im unteren Umsatzbereich, im mittleren, im gehobenen und hohen Bereich.

Wie bereits angedeutet mit jungen Leuten usw.

Dabei kann man natürlich auf hohe Warenumschlagshäufigkeit setzen oder auch diese gering fahren. Wer mehr Umsatz macht ist eine Standortfrage. Wer mehr Gewinn macht, dass ist aber noch einmal gesondert zu betrachten.

Lasse diesen Laden auf alle Fälle sausen. Nimm Dir die Zeit und beobachte nicht nach Mieten die Lagen. Sondern zähle die Publikumsfrequenz. Und zwar kann man da aber auch unterscheiden. Zum Beispiel bei modernen Einkaufszentren nach Etage und Flügel.

Aber natürlich nicht nur die Frequenz entscheidet sondern auch die Zielgruppenfrequenz und ob sie an dem Ort kaufen würden. Wer Steinskulpturen bieten will, der wird ganz dicht am Laden einen Parkplatz brauchen.

Selbst wenn man einen Plattenwagen hat und den Leuten das sonst drei km durch die Stadt fährt - So etwas verschreckt und verändert die Zielgruppe enorm.

Stromverbrauch und andere Nebenkosten kann man zuverlässig schätzen.

Aber auch die Kosten für die Ausstattung. Braucht man fünf Schütten wie im Euro-Laden oder braucht man Stahl- oder Holzregale oder sind Vitrinen zu bevorzugen?

Was für ein Kassensystem erfüllt die gesetzlichen Vorschriften und welches Kassensystem entspricht aus dieser Gruppe den eigenen Vorstellungen?

Kann man den Laden selber planen oder zielt man lieber auf einen Ladeneinrichter. Aber wie immer gilt: Das Ergebnis kann natürlich nur so gut werden, wie die Informationen. Aber auch, wie man in der Lage ist, diese Informationen in klare Handlungen zu übersetzen.

Was ist mit der Erfüllung sonstiger gesetzlicher Bestimmungen? Also soll es eine Internetseite geben? Wie passt die in das Marketingkonzept? Welche rechtlichen Vorgaben sind zu erfüllen?

Wer übernimmt die inhaltliche Überarbeitung? Wer übernimmt die technische Seite und wer die Gestaltung?

Angemessenheit der Rechtsform. Wie wird am besten Fahren und reichen die Kapazitäten die Besonderheiten der jeweiligen Form zu erfüllen? Welche Kosten, welche unterschiedlichen/zusätzlichen Aufgaben? Aber auch welche Nutzungen können aus der einen oder anderen Rechtsform entstehen?

Das sind jetzt alles nur ein paar der Entscheidungen die sich vor einer Gründung ergeben. Mal wild in den Raum gegriffen. Aber eine qualifizierte Vorbereitung ist das A und O Deines Vorhabens.

Vor zehn oder mehr Jahren hätte ich auch noch anders gehandelt. Grober Blick, ob es schon was in der Richtung gibt? Kann man da als Konkurrenz bestehen? Wie kann man Sortiment sinnvoll ergänzen?

Hätte nach einem Blick in die bisherigen Steuererklärungen gesagt GmbH oder Einzelunternehmen. Fertig.

Das kann man heute nicht mehr bringen.

Was daraus resultierte will ich gar nicht verheimlichen. Man hat nicht einmal belastbar festgestellt, ob bei vollständigem Aufbau des Unternehmens auch überhaupt genug Geld über bleiben kann. Zum Leben und für die Vorsorge.

Weiter Folgen dieser 'altmodischen Gründungsüberlegungen' sind heute mit Erfolgsaussichten gleich Null zu setzen. Planung kostet Zeit und Geld. Wer das nicht machen will, der bezahlt an einer anderen Stelle. Nämlich durch eine falsche Gründung. Mit dem Hintergrund: Zu wenig Umsatz und Vollverlust aller Investitionen.

Übrigens zieht Geld ja auch Geld nach sich. Das bedeutet, wenn ich mit einem Monatsumsatz von 1.000 Euro anfange, dann brauche ich auch länger, bis ich 25.000 erreiche. Im Gegenzug bei einem Start mit 2.000.

Dabei meine ich aber nicht nur das Resultat einer besseren Lage oder besseren Verkauf zu liefern. Nein, es geht auch um die früheren abgeschlossenen Investitionen. Es geht darum ob man aus betrieblicher Sicht steuern kann (also nach Bedarf) oder ob man gucken muss, wann was in der Kasse ist um was dann bitte sinnvoll zu machen.

So haben dann nicht erst 1.000 Euro eine enorme Auswirkung, sondern bereits wenige hundert Euro.

Man kann natürlich auch ein Unternehmen wie einen Lottoschein behandeln. Die Chancen sind aber dann tatsächlich vergleichbar. So habe jedenfalls noch keinen Erfolg erlebt.

Eine in meinen Augen korrekte Planung, in Deinem Fall kann in sechs bis acht Wochen erledigt sein. Dann werden die daraus resultierenden Umsetzungsschritte gemacht.

Folge auch, dass die Anlaufzeit verkürzt ist. Zwar hat man bei einem Laden immer eine Zeit, wo man mit der Einrichtung beschäftigt ist. Ob dieses aber in einer Woche passieren kann oder in drei Wochen ist der Unterschied von zwei Wochen Umsatz.

Dazu kommen noch die Verhandlungsmöglichkeiten, ab wann man mieten muss.

Und vieles andere mehr.

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