Wieviel hat der Arzt Beruf tatsächlich mit den Naturwissenschaften zu tun?

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7 Antworten

Hallo,

was auch immer du persönlich davon hältst, die ersten Semester wirst du dich mit Physik und Chemie für Mediziner auseinandersetzen müssen und das ist ein schönes Stück mehr, als Basiswissen in den Schulfächern. Das wird nämlich als vorhanden vorausgesetzt und eben dann in Richtung Medizin darauf aufgebaut. Zum Beispiel besteht die österreichische Zulassungsprüfung zu einem Gutteil aus diesen Fächern. Das, was du in den Anfangssemestern da lernst wieder zu vergessen, wäre nicht sehr günstig, denn du wirst auch später immer wieder damit konfrontiert und das Wissen ist in praktisch allen Fachrichtungen nötig. Auch angewandte Mathematik für Mediziner ist ein Fach, dessen Inhalte dich interessieren sollten, denn du wirst es immer wieder brauchen. Selbst Computertechnik und Informatik sind sehr wichtig geworden.

Was stellst du dir außerdem unter "Chirurgie" vor? Das ist inzwischen eine dermaßen umfangreiche Fachrichtung, dass es "den Chirurgen" schon längst nicht mehr gibt. Oder meinst du, dass der "Handwerker" heute einem Kind den Blinddarm entfernt, morgen  jemandem eine künstliche Hüfte einsetzt, übermorgen eine gynäkologische OP vornimmt, dann schnell eine Wirbelsäule und einen Gehirntumor operiert und im nächsten Dienst ein paar Unfallopfer im Alleingang zusammenflickt? Solche "Allroundgenies" kommen nur im Fernsehen vor und wenn man wirklich etwas zum Lachen sehen will, muss man nur dienstags "In aller Freundschaft" einschalten. Das hat mit der Realität genauso wenig zu tun, wie "Auf Streife" mit Polizei- und Rettungsdienst und "Dance Academy" mit einer Ausbildung für Berufstänzer.

Aber ein heißer Tipp: Jeweils zu Immatrikulations- und Inskriptionsbeginn, bieten die Universitäten Studienberatungen an. Dort sitzen keine Bürohengste, sondern Studenten höherer Semester, die das ehrenamtlich machen und Studienanfänger aus der Praxis für die Praxis informieren und alle Fragen beantworten. Du wärst nicht der erste und wirst nicht der letzte angehende Studiosus sein, der sich dann von seinen romantischen Vorstellungen verabschiedet und sich entweder mit der beinharten Realität konfrontiert sieht, oder sich lieber doch einem anderen Studium zuwendet. Nicht umsonst ist auch die Ausstiegsquote in den ersten Semestern, gerade im Medizinstudium eine der höchsten überhaupt - und das, trotz des enormen Numerus clausus in Deutschland und einer verdammt schwierigen Zulassungsprüfung in Österreich.

Versteh' mich bitte nicht falsch, um ein guter (!) Arzt zu werden, braucht es natürlich viel mehr, als theoretisches Wissen und - später - handwerkliches Geschick (nicht nur in der Chirurgie). Aber zuerst muss man diese Hürden erst nehmen können und das, was man sich dabei aneignet, auch anwenden können. Mein Rat daher an dich: Informiere dich sehr gut und überlege dir noch besser, ob das wirklich der geeignete Beruf für dich ist. Erst wenn du davon wirklich,  mit allen Konsequenzen, überzeugt bist, solltest du dich ans Medizinstudium wagen, inklusive Physik, Chemie, Pharmazie, Mathematik, Computertechnik, etc.

Ich wünsche dir eine erfolgreiche und zufriedenstellende Zukunft in einem Beruf, der wirklich zu dir und deinen Interessen passt! Sollte es tatsächlich die Medizin sein, dann alles Gute auf deinem Weg!

Liebe Grüße

Lilly "Tanzistleben"

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Es geht auch darum, ob Du bestimmte Gedankengänge folgen kannst. Und ja- auch für Röntgen, Ultraschalluntersuchungen, physikalische Therapien, Lasertechniken, Dialyse, Geräte für Schlüsselloch-Ops  usw. usf.

Wenn Du Dich von Deinen Schulfächern löst:

bist Du körperlich  belastbar? Schichtarbeit? Handwerklich geschickt? Teamfähig und kannst Du Dic hin Hierachien einfügen? Wie sieht es mit der Ekeltoleranz aus? Manches riect auch nicht wirklich gut. Ein Milzriss ist ürbigens eine ziemliche Schweinerei ;) Und wie kannst Du mit Misserfolgen umgehen? Wie sieht es mit Zeitdruck aus? und ganz wichtig: magst Du Menschen, denen es nicht gut geht und die entsprechend schlecht zufrieden sind?

Aus Erfahrung kann ich Dir sagen: einige entdecken im Studium ihr Herz für eine andere Fachdisziplin. Z.B. Karidologie oder Nephrologie, Amästhesie oder Laborarbeit. Es ist ein riesiges Feld!

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Kommentar von brownies8
20.11.2016, 06:55

Aber Röntgen, Ultraschall, Laser etc. muss ich doch nciht physikalisch verstehen!? Von wegen, was für Wellen dort gestrahlt werden, mit welcher Schwingung sie auf dem Körper auftreffen o.Ä.. Das einzige was der Arzt tut, ist doch zu sehen, dass auf dem Röntgen Bild bspw. ein kleiner schwarzer Strich ist = ein Riss im Knochen. Nichts Physikalisches.

Schichtarbeit: keine Ahnung, noch nie gemacht. Aber ich bin öfter nachts wach und, solange ich am nächsten Tag ein wenig ausschlafen kann (was bei Schichten ja der Fall sein sollte), macht mir das gar nichts aus. Benötige also keinen allzu regelmäßigen Schlafrhythmus

handwerklich geschickt: ja, schon. Bin sehr genau und fein in sowas. Hierarchien einfügen eher nicht so meins.

Ekel meistens kein Problem (kann das Ekeln sofort abstellen, wenn ich es will) - nur bei Kotgeruch klappt weniger gut

Misserfolg:kein Problem

Zeitdruck: Dann häng ich mich total in die Arbeit rein und streiche mein ganzes sonstiges Leben (kann also eher nicht wirklich gut damit umgehen)

Den Satz verstehe ich nicht:

"und ganz wichtig: magst Du Menschen, denen es nicht gut geht und die entsprechend schlecht zufrieden sind?"

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Kommentar von brownies8
21.11.2016, 16:20

Ich danke dir erstmal für deine ausführliche Antwort und den Kommentar! Das ist wirklich schön, dass es Leute gibt, die fremden Menschen so umfangreich helfen wollen Mit Menschen in extrem Situationen kann ich, soweit ich das bisher einschätzen kann, gut umgehen. Ich lasse mich dadurch nicht aus der Ruhe bringen und gehe aber trotzdem noch auf sie ein Zahnmedizin ist nicht so meins

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Viele beschweren sich eher, dass der Arztberuf nach gar nicht so langer Zeit zur Routine wird und sie sich eher wie überqualifizierte "Gesundheits-Handwerker" fühlen. 

Man hat zwar schon die moralische Verpflichtung, sich in seinem Feld weiterzubilden, wenn man allerdings nicht forscht, hat man als Arzt mit ein paar Jahren Berufserfahrung soweit ich weiß eher weniger mit den Naturwissenschaften zu tun. 

Und bezüglich "Studiumschaffen": Die Leute, die mit sehr schlechtem Abischnitt über Wartesemester an einen Studienplatz gekommen sind mögen die NaWi's in der Regel auch nicht. Sie haben allerdings den unbedingten Willen, Medizin zu studieren - und das ist wichtiger. 

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Also auf jeden Fall brauchst du Biologie, dazu gehört auch ein Basisverständis von Chemie, Physik brauchst du auch ein wenig, um die technischen Untersuchungen zu verstehen und Lateinkentnisse um die ganzen medizinischen Fachbegriffe gut erlernen zu können. Mathe brauchst du nicht unbedingt.


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Kommentar von brownies8
20.11.2016, 06:46

Also auch das klingt ziemlich beruhigend, denn z.B. "Basisverständnis von Chemie" hört sich nach genau so viel Chemie an, dass mein Interesse noch dafür ausreichen könnte - einfach nur die Chemie, die man nunmal für einige Aspekte der Biologie benötigt

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Nein, du musst selten mit Formeln hantieren. Du bist auf dem richtigen Weg, mach Medizin!

Ob du Naturwissenschaften in der Schule nicht mochtest, ist hierfür vollkommen irrelevant.

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der Professor wo ich gearbeitet habe sagte immer :"Ich bin ein Handwerker nicht mehr und nicht weniger."

Er war mit Leidenschaft Chirurg.

Ein Fleißiger - Gott hab ihn seelig.

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Kommentar von brownies8
20.11.2016, 06:44

danke, solche Aussagen beruhigen mich z.B. sehr, da sie mir das Gefühl geben, dass mein Gedankengang nicht völliger Schwachsinn ist

Professor, wo du gearbeitet hast bedeutet Professor an der Uni oder wie? :)

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