Wieso wusste Brzeziński schon 1997 was im Jahr 2014 ff in der Ukraine abgehen wird?

... komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Brzezinski ist einer der einflussreichsten Vordenker US-amerikanischer Außenpolitik der sich in besonderem Maße dem Kampf gegen die Sowjetunion und später gegen Russland verschrieben hatte.

Das resultiert nicht nur aus seiner Biografie als Kind adliger polnischer Emigranten, die ihre Wurzeln im früheren Ostpolen, also der heutigen Westukraine haben, das resultiert auch aus seiner politischen Sozialisation die ihn zu einem unversöhnlichen Gegner der Sowjetunion und später Russlands machte.

Das korrespondierte mit den globalen Ambitionen der USA, weshalb Brzezinski spätestens seit Jimmy Carter in der US-Außenpolitik mitmischt. Für die Außenpolitik Obamas gilt er als Spiritus rector.

Was jetzt konkret den Ukraine-Konflikt betrifft, so ist es weniger hellseherische Fähigkeit als vielmehr Ergebnis politischer Analyse, wonach die Ukraine von entscheidender strategischer Bedeutung im Kampf gegen Russland ist.

Das wusste man übrigens schon vor über hundert Jahren im Reichsaußenministerium in Berlin, wo man beschloss, im Kampf gegen Russland und zur Ausweitung des deutschen Einflusses nach Osten, den ukrainischen Nationalismus zu befördern und antirussisch auszurichten. Das gipfelte in dem bekannten Ausspruch von Paul Rohrbach, "Wer Kiew hat, kann Russland zwingen."

Um diese strategische Bedeutung weiß nicht nur Washington, sondern eben auch Moskau. Die NATO unmittelbar an der russischen Südwestflanke, wenige hundert Kilometer von Moskau und anderen russischen Zentren, ist für Russland eine nicht hinzunehmende Bedrohung.

Aus diesem Grund wurde mit der Orangenen Revolution in der Ukraine das westliche Engagement zur Herauslösung des Landes aus dem russischen Einflussbereich forciert. Mit dem erfolgreichen Maidanputsch fand das seinen vorläufigen Höhepunkt und die Einbindung in den US-amerikanisch dominierten Einflussbereich wird fortgeführt.

Den Ukraine-Konflikt vorherzusehen, war für Brzezinski also eher die logische Konsequenz aus der von vorausgedachten Politik.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von PeVau
03.05.2016, 11:07

edit: ... Konsequenz aus der von ihm vorausgedachten Politik.

9
Kommentar von MrMcSauerkraut
03.05.2016, 11:12

Vielen Dank! Wenn Brzezinski aber politischer Berater ist, warum erklärt er denn mit seinem Buch der Allgemeinheit diese Entwicklungen? Das ist doch gerade für Anti-Amerikaner ein gefundenes Fressen?

Ich zumindest habe außerdem den Eindruck, dass der Ukraine-Konflikt plötzlich ausgebrochen ist. Oder gab es nach dem Zerfall der Sowjetunion und 2014 auch Konflikte in der Ukraine?

1
Kommentar von PeVau
06.05.2016, 20:14

Danke für den Stern!

3

Das war nicht schwer. Gegenfrage: Wo haben die USA aus machtpolitischen Gründen ihre Finger nicht drin? Es gibt keinen Weltkonflikt seit 1945, in dem die USA nicht beteiligt waren. Das Treiben von deren Geheimdiensten, die offensichtlich nicht immer die Regierungspolitik verfolgen - zumindest nicht die propagierte - ist doch in den letzten Jahren erst wieder offengelegt worden. Wenn Kriege ausbrechen, haben die Geheimdienste doch schon Jahre vorher unterminiert, geschmiert und Terroristen mit Waffen ausgerüstet, die uns dann, wenn es in die Propaganda passt, als "demokratische Opposition" präsentiert wird. Das war mit den Taliban so und mit dem IS ebenso. Was wissen wir über die schmierigen Geschäfte von Erdogan und dem IS, zwischen SaudiArabien und dem IS, Verbündete der USA, mit denen die z.B. einen Bombenkrieg im Jemen führen, über deren Opfer hier keiner berichtet von den Gutmenschenmedien? Welcher einfache Leser hier kann denn hinterfragen, wer uns heute in den Medien als "Menschenrechtsorganisation" vorgestellt wird, der morgen anderer Leute Köpfe kürzt. Ich glaube der Film Rambo III ist es, wo Rambo in Afghanistan kämpft gegen die bösen Russen - da werden die Taliban als quasiheilige Freiheitskämpfer vorgestellt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von MrMcSauerkraut
03.05.2016, 09:06

Die Frage ist ja, wie Brzezinski da hineinpasst, was seine Rolle ist.

0
Kommentar von earnest
03.05.2016, 09:29

Ach, du mal wieder mit deinen "Gutmenschenmedien" ...

Seltsamerweise habe ich meine Informationen über die Bombardierungen im Jemen aus, nun ja, aus "Gutmenschenmedien" - um deine Terminologie zu benutzen. 

Und warum du "Menschenrechtsorganisation" derart ironisierst, wird wohl auch dein Geheimnis bleiben.

Was die machtpoltischen Operationen der USA betrifft, bin ich ganz deiner Meinung.

4
Kommentar von LordFantleroy
03.05.2016, 10:53

Es gibt eine ganze Menge Konfliktherde, bei denen die USA ihre Finger nicht im Spiel haben, nach 1945 bis 1990 gab es etwas, das man einen Kalten Krieg nannte, aus dem heraus beide Seiten versuchten ihre geostrategischen Vorteile zu erzielen, da waren die Sowjets keinen Deut besser und wie man an den Kriegen in Tschetschenien, und den Konflikten in Berg-Karabach und Süd-Ossetien und an dem gegenwärtigen Krieg gegen die Ukraine sehen kann, sehen die Russen es ebenfalls nach wie vor als ihr gutes Recht an, Konflikte in ihrem Einflussbereich zu schüren und vom Zaun zu brechen,

Aber wann wurden uns die Taliban und der IS jemals als demokratische Opposition verkauft?

1
Kommentar von LordFantleroy
03.05.2016, 11:38

@ Expertenantwort:

nicht nur, dass Du offenbar den Film Rambo III nicht richtig gesehen und verstanden hast, Dir ist offenbar auch entgangen, dass die Sowjets in den 1980er Jahren nicht gegen die Taliban, sondern gegen die Mudschaheddin gekämpft haben. Man sollte schon wissen, dass Rambo III kein Dokumentarfilm war, sondern ein grottenschlechter Kriegsfilm mit schlechten Schauspielern und hanebüchener Handlung.

Die Taliban sind erst mitte der 1990er Jahre im Zuge des Bürgerkrieges auf der Bildfläche erschienen, lange Jahre nach dem Abzug der Sowjets. Sie waren außerdem ein Produkt der Außenpolitik Pakistans, die ihre Kämpfer aus den Madrassas der afghanisch-pakistanischen Grenzregion rekrutierte.

0

Peter Scholl -Latour sagte schon voraus das die langfristige Strategie der USA die Weiten des Eurasischen Raumes sind. Die werden froh sein das dieser Nörgler nicht mehr lebt! Weltherschaftsansprüche und Größenwahn kennen wir aus der deutschen Geschichte.Dominosteine zum Ziel sind Georgien und Ukraine.Deutlich wird es nur wenn man die Karte Europas von der russischen Seite sich betrachtet. Brzezinski außenpolitischer Berater von Reagan und Bush Senior plaudert jetzt zu viel.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von MrMcSauerkraut
03.05.2016, 09:04

"Brzezinski außenpolitischer Berater von Reagan und Bush Senior plaudert jetzt zu viel."

Also mischt er Deiner Meinung nach jetzt nicht mehr politisch mit?

0

Hallo, MrMcSauerkraut.

Der Herr Brzezinski ist einer der Schachspieler, sagt doch schon der Titel seines Buches Das Grosse Schachbrett. Er stellte die Figuren mit auf, die nun von anderen nach seinem Plan geschoben werden.

Der Plan dahinter ist New World Order..., lG.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von MrMcSauerkraut
02.05.2016, 23:41

Ja, aber wieso konnte er das so genau vorhersagen? Welche Rolle spielte er, und spielt er noch immer eine Rolle?

0
Kommentar von LordFantleroy
03.05.2016, 10:43

Entschuldigt mal, aber die New World Order ist ein Schreckgespennst von Verschwörungstheoretikern.

0

Russland hat völkerrechtlich die Krim besetzt und anschließend einen Krieg vom Zaun gebrochen, nicht die USA.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von MrMcSauerkraut
03.05.2016, 00:23

Die Frage ist aber doch, welche Rolle Brzezinski hier hat. Er erwähnt ja die Ukraine-Krise in seinem Buch. Wieso konnte er das? Offensichtlich hat er da irgendwie die Finger mit im Spiel, oder?

0
Kommentar von PeVau
03.05.2016, 15:14

Kurz, knapp, falsch!

Politisch-historisch gesehen, ist die Sezession der Krim und ihr anschließender Beitritt zur Russischen Föderation folgerichtig und von der überwältigenden Mehrheit der Krimbevölkerung getragen.

Völkerrechtlich ist das Selbstbestimmungsrecht der Völker über dem Recht auf Territoriale Integrität anzusiedeln. Das hat der Internationalen Gerichtshofs in Den Haag auf Antrag der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum völkerrechtlichen Status des Kosovo am 22. Juli 2010 bestätigt.

Über die weiter völkerrechtliche Beurteilung dieses Vorgangs kannst du hier bei Prof. Merkel nachlesen:

http://www.faz.net/-gsf-7o5ps

Den Krieg im Donbass hat Kiew angefangen. Die haben diesen Krieg begonnen, um den Osten des Landes, der den Putsch in Kiew nicht akzeptierte zu unterwerfen. Hier ist das gut erklärt, so dass ich mir die Mühe einer eigenen Darstellung erspare:

https://www.jungewelt.de/2016/05-02/013.php

Der Aufstand im Donbass nach der Machtergreifung des Euromaidan in Kiew [hat] sich spiegelbildlich dessen Methoden zunutze gemacht. So wie die Faschisten im Januar und Februar 2014 in der Westukraine Rathäuser und Polizeiwachen gestürmt und die dort aufbewahrten Waffen übernommen hatten, so machten es die Bewohner des Bergbau- und Industriegebiets zwei Monate später auch. Ihnen kam zugute, dass die Staatsstrukturen dort im Frühjahr 2014 gelähmt waren. Personell waren die von der "Partei der Regionen" des gestürzten Expräsidenten Wiktor Janukowitsch geprägt wie Bayern von der CSU, doch die einstige Regierungspartei war nach dem Regimewechsel zerfallen. So gab es es faktisch niemanden, der gegen die Übernahme der  ukrainischen Staatsstrukturen im Donbass hätte Widerstand leisten können. Es bedurfte also zu diesem Zeitpunkt keiner "grünen Männchen aus Russland", wie sie die Propaganda der Kiewer Herrscher sofort zu beschwören begann. Der ukrainische Staat war im Donbass durch den Zusammenbruch der "Partei der Regionen" implodiert.

[...]

Die "Föderalisierung" der Ukraine, die die Mehrheit im Donbass anstrebte, hatte einen kulturellen und einen wirtschaftlichen Aspekt: Der regionale Status des Russischen als faktisch zweite Staatssprache, den die siegreichen Maidankräfte mit einem Federstrich abgeschafft hatten, sollte bewahrt werden, und das Steueraufkommen der Region im Donbass verbleiben. Von einem Anschluss an Russland war damals kaum die Rede, auch wenn manchen prorussischen Aktivisten das Beispiel der Krim als leuchtendes Vorbild vor Augen gestanden haben mag. Doch Moskau hat im Donbass nie versucht, die Region zu übernehmen. Man war sich im Kreml klar darüber, dass es hierfür in der ansässigen Bevölkerung, anders als auf der Krim, keine Mehrheit gab.

Aus Kiewer Sicht war die Entwicklung aber auch so maximal bedrohlich. Die Armee war zu diesem Zeitpunkt weder kampfbereit noch willig, gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen. In mehreren Orten war es zu Verbrüderungen der Soldaten mit der Bevölkerung gekommen, in einem Fall ging sogar ein ganzes Panzerbataillon der ukrainischen Armee auf die Seite der "Volkswehr" über. Aus dieser Perspektive war es naheliegend, dass Kiew grünes Licht für den Einsatz des "Rechten Sektors" an der sich bildenden Frontlinie gab, wie es jetzt Jarosch in seinem Interview berichtet hat. Es gab niemanden außer der Bürgerkriegstruppe vom Euromaidan, um den Anspruch der neuen Machthaber auf das ganze Land durchzusetzen.

3

Und ich sage dir ziemlich genau voraus, dass sich die Mullahs im Iran nicht langfristig halten können. Und dass es in Audi-Arabien massiven Ärger geben wird.

So ist das nun einmal mit Voraussagen: Einige treffen ein.

Wie wäre es, wenn du das Buch erst einmal liest?

Gruß, earnest


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von MrMcSauerkraut
03.05.2016, 09:01

:-) Das Buch kaufe ich mir heute. Einen großen Erkenntnisgewinn erwarte ich mir, zumindest hinsichtlich der Hintergründe, also WESHALB er das alles wusste, nicht.

Willst Du sagen, dass es mehr oder weniger nur eine Annahmne Brzezinskis war und er damit nun einmal richtig lag?

0

Was möchtest Du wissen?