Wieso wurden die Menschen in Deutschland vertrieben/umgesiedelt? Welche Folgen hatte das?

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4 Antworten

In Deutschland wurde nach dem Zweiten Weltkrieg niemand vertrieben oder umgesiedelt. Allerdings sind rund 14 Millionen Reichsdeutsche aus den den Ostprovinzen des Reiches und Volksdeutsche in den deutschen Siedlungsgebieten in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa in der Endphase des Krieges in Richtung Westen geflüchtet oder nach dem Kriegsende vertrieben bzw. deportiert worden.

Den größten Teil machten mit rund sieben Millionen die Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemals deutschen Gebieten östlich von Oder und Neiße aus. Als nächstgrößere Gruppe folgten knapp drei Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus der Tschechoslowakei. Hinzu kamen 1,4 Millionen aus dem Polen der Vorkriegsgrenzen, 300.000 aus der bis 1939 unter der Verwaltung des Völkerbunds stehenden Freien Stadt Danzig, knapp 300.000 aus Jugoslawien, 200.000 aus Ungarn und 130.000 aus Rumänien.

Es gab keine gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge und Vertriebenen. Ländlich geprägte Gebiete mussten weitaus mehr Menschen aufnehmen als die vor allem durch Luftangriffe häufig schwer zerstörten städtisch-industriellen Ballungsräume. Die Wohnungssituation und die Versorgungsmöglichkeiten mit Lebensmitteln schienen in den Landgemeinden und ländlichen Kleinstädten besser zu sein. Insgesamt war der Osten Deutschlands stärker betroffen als der Westen.

Die Probleme der Integration dieser Massen von Zuwanderern schienen in dem durch massive Zerstörungen gekennzeichneten, verkleinerten und übervölkerten Nachkriegsdeutschland kaum lösbar. Immerhin waren am Ende des Krieges mehr als vier Millionen Wohnungen ganz oder teilweise zerstört. Das entsprach mehr als einem Fünftel des gesamten Vorkriegsbestandes. Hinzu kamen die Probleme der Nahrungsmittel- und Güterversorgung.

Erst die anhaltende Hochkonjunktur des "Wirtschaftswunders" seit Anfang der 1950er-Jahre ermöglichte die wirtschaftliche und soziale Integration der Flüchtlinge, Vertriebenen und der mindestens 2,7 Millionen Zuwanderer aus der DDR zwischen 1949 und dem Mauerbau 1961. Umgekehrt bildeten sie gemeinsam zugleich ein qualifiziertes Arbeitskräftepotential, das das "Wirtschaftswunder" in erheblichem Maße mittrug.

(Aus: "Zwangswanderungen nach dem Zweiten Weltkrieg" von Prof. Dr. Jochen Oltmer, Bundeszentrale für politische Bildung, http://www.bpb.de/themen/CNSEUC,1,0,Zwangswanderungen_nach_dem_Zweiten_Weltkrieg.html#art1)

VielesNeu1968 14.03.2012, 20:43

Irgendwie kann ich das Ausmass dieser Katastrophe nicht fassen.

Die Vertreibung der Juden ist hier leider nicht erwähnt. Auch wenn der Begriff "Umsiedlung" hier nicht passt, so sind diese Menschen doch aus ihrer Heimat vertrieben worden und danach schlicht verschwunden.

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Isegrimm 14.03.2012, 20:52
@VielesNeu1968

Vollkommen richtig. Aber ich glaube nicht, dass man diesen Völkermord, den Hoocaust und den Antisemitismus, unter Vertreibung oder Umsiedlung subsummieren würde und ich hatte die Frage so verstanden, dass sie sich auf die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bezog.

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Um es kurz zu machen. Die Sowjetunion hat damals zusammen mit Deutschland, Polen überfallen und unter sich aufgeteilt. Deutschland bekam den Westen und die Sowjets den Osten. Nach dem Krieg wollte die Sowjetunion aber den Osten nicht mehr her geben, bzw. stand es, soweit ich weiß, nie zur Debatte. Stattdessen hat man die Ostgebiete vom Deutschen Reich unter polnische Verwaltung gestellt und die Ländereien wurden von den vertriebenen Polen aus dem ehemaligen polnischen Osten besiedelt. Die letzten Volksdeutschen, die noch nicht geflohen waren, wurden ins heutige Deutschland vertrieben.

Weil die Menschen zur damaligen Zeit vor der Roten Armee geflüchtet sind. Die Folge war das im Westen Deutschlands viele Flüchtlinge lebten. Diese sind in den ländlichen Gebieten dann oft bei Bauern untergekommen. Dafür haben sie dann den Bauern geholfen.

Bin Zeitzeuge. Wo hätte man die Polen lassen sollen, die aus den Ostgebieten Polens vertrieben wurden? Die Deutschen aus den Ostgebieten wurden im Restdeutschland aufgesogen. Die Polen aus den polnischen Ostgebieten in die ostdeutschen Gebiete umgesiedelt.

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