Wieso wurde im Mittelalter alles in bildlicher Darstellung verfasst?

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9 Antworten

Deine Fragestellung enthält einen sachlichen Fehler: "alles in bildlicher Darstellung verfasst". Das trifft nicht zu.

Zum Thema "Bilder im Mittelalter" hier ein längeres Zitat aus einem Vortrag (mit Bildern), den du hier nachlesen kannst:

https://www.fernuni-hagen.de/HISTOR/spurensuche/hildegardis/macht\_der\_bilder.pdf

"Diese Eigenart hat mit dem Umstand zu tun, daß die Menschen anders gesehen haben. In ihren Augen besaßen die Bilder eine eigene Kraft. Über viele Jahrhunderte hielt sich die Vorstellung, daß im Bild ein Teil von Wesen der dargestellten Person zugegen war. 

Ganz besonders gilt dies für das Kultbild, aber auch im Wandbild, in der Miniatur und im Siegel steckte etwas von der virtus und der praesentia des abgebildeten Menschen. 

Bilder wie diese waren imagines, die den Menschen als das vorstellten, das er nach christlicher Vorstellung in erster Linie war: Geschöpf Gottes und geschaffen nach seinem Bilde (ad imaginem Dei). 

Aus dieser Kraft bezogen Bilder ihre gesellschaftliche Macht, die sich in öffentlichen, symbolhaft-rituellen Handlungen entfaltete.

Wir pflegen heute gerne zu betonen, daß die Menschen der Vergangenheit sich der Bilder für ihre meist recht weltlichen Ziele bedienten. 

Dies ist sicher nicht ganz falsch, wir dürfen aber
nicht vergessen, daß den [sic!] mittelalterlichen Menschen davon überzeugt waren, daß die Bilder selbst diese Macht besaßen – nicht lediglich als Instrumente menschlichen Tuns, sondern als Objekte eignen Rechts."

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Von Andreasolar's guter Erklärung der mystischen Bedeutung von Bildern abgesehen wurde überhaupt nicht "alles" bildlich verfasst.

Wie auch heute gab es verschiedene "Genres" von Texten und Büchern.
Die allermeisten überlieferten Dokumente sind Urkunden, die ganz ohne Bilder daherkommen. 

Auch in den allermeisten erhaltenen Büchern findet sich wesentlich mehr Text als Bebilderung, die meisten Bilder in Büchern sind halbseitige oder ganzseitige Illustrationen oder aber großflächig ausgeschmückte Anfangsbuchstaben einer Seite oder einer Sinneinheit.
Diese Illustrationen wurden meistens sehr aufwändig und mit teuren Farben ausgeführt, manchmal mit Blattgold komplettiert, um ein sowieso schon sehr teures und wertvolles Buch zusätzlich im Wert zu heben.

Nur in solchen Büchern, die wir heute Sachbuch nennen würden, wurde zur Verdeutlichung des Textes wesentlich mehr illustriert, z.B. in medizinischen oder alchimisten Büchern, aber auch in Werken zu Architektur oder Ingenieurswissenschaften wie etwa Wasserbau, Hydraulik, Metallurgie.
Hier fallen die Illustrationen sehr oft wesentlich schlichter aus, häufig nur als Federzeichnungen in schwarz und weiß.

Daneben gab es die so genannten Hausbücher, Sammelbände mit Texten zu allen Bereichen des Alltags, die abends der (wohlhabenden) Familie vorgelesen wurden. Sie waren tatsächlich häufig reich bebildert, da sie nicht nur der Erbauung dienten, sondern auch der Unterhaltung.
Hausbücher existierten in verschiedenen Ausführungen und Gestaltungen, je nachdem, wieviel der Auftraggeber bereit war anzulegen.

Die häufigste bildliche Darstellung fand sich aber auf Kirchenwänden im Innenraum, hier wurden biblische Ereignisse und vor allem das Leben Jesu und sein Leidensweg bildhaft dokumentiert.
Und vor allem hier greift AndreaSolar's umfassende Erklärung.
Durch die bildhafte Symbolik der Darstellungen erhielten die Betrachter den Eindruck, Jesus Christus persönlich befände sich auch in dieser gerade besuchten Kirche, beschreite gerade jetzt zum Zeitpunkt der Betrachtung die Via Dolorosa und erleide den Tod am Kreuz in genau dem Moment, zu dem die Darstellung davon betrachtet wurde.

Das ist eine Form des magischen Denkens:
Weil ich jetzt gerade ein Bild betrachte, findet das dargestellte Ereignis auch genau zu diesem Zeitpunkt statt, denn durch meine Betrachtung wird eine Art spirituelle Verbindung zwischen mir (dem Betrachter) und den dargestellten Personen gebildet.
Und weil das so ist, kann der gemalte Jesus an der Kirchenwand auch mich beim Beten beobachten, ebenso die geschnitzte Madonna, die auf mich blickt, während ich vor ihr kniee und um ihren Beistand bitte.

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Es gab keine Einheitssprache und die Schriftsprache war vorwiegend Latein. Lesekundige Menschen mussten das gelesene zusätzlich Übersetzen. Da Vorleser bereits durch hinzufügen und weglassen manipulieren können, können es Übersetzer noch besser. Ein Bild ist ehrlicher.

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Kommentar von ROMAX
12.06.2016, 11:44

abgesehen davon waren die wenigsten Menschen lesekundig

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Weil nicht alle Menschen lesen konnten.

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Wer konnte damals schon lesen und schreiben? Einige wenige.

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Kommentar von Franz1957
14.06.2016, 12:17

Sich ein Buch leisten konnten auch nur einige wenige.

Ich vermute: Diejenigen, die sich ein Buch leisten konnten, waren solche, die lesen und schreiben konnten.

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Nicht viele Leute konnten lesen.

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Kommentar von Hefeback
12.06.2016, 11:17

danke des ist schon mal einer aber bräuchte so min 4 gute

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Ganz einfach:

Die meisten konnten weder schreiben noch lesen! Das war wenn überhaupt den Reichen vorbehalten!

Bilder hingegen versteht jeder!!!


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Kommentar von Franz1957
14.06.2016, 12:19

Auch Bücher zu haben war den Reichen und der Bildungselite in Klöstern und Universitäten vorbehalten.

Ich meine, man darf davon ausgehen, daß die, die Bücher hatten, sie auch lesen konnten.

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Wann wurde der Buchdruck erfunden? Gab noch nicht viele Bücher mit Texten. 

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Kommentar von Pudelcolada
15.06.2016, 02:00

Sorry, aber das ist zum Großteil Unsinn.

Selbstverständlich gab es Bücher mit Texten, und es ist wesentlich günstiger, weil weniger zeitaufwändig, zu schreiben als zu malen.
Außerdem war die revolutionäre Erfindung Gutenbergs der Letterndruck und nicht der Buchdruck.

Schon Jahrhunderte vorher wurden Bücher mit Holzstöcken in Kleinserien von bis zu 100 Exemplaren gedruckt.
Das Problem war nur, dass jeder Druckstock einzeln geschnitzt werden musste und sich schnell abnutzte.

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Ich weiss nicht wo man sich noch drei weitere Gründe aus der Nase ziehen soll.

Im Prinzip haben wir heute wieder das selbe. Bei einem Text mit mehr als 10 Zeilen fangen die meisten Leute zu Stöhnen an.

Darum werden heute alle Tätigkeiten als Video erklärt.

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