Wieso wurde folgender lateinischer Satz so übersetzt?

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2 Antworten

Wie so häufig bei den lateinischen Klasikern hat der Autor hier das "esse" eingespart, weil er die Konstruktion als seinem Publikum verständlich erachtete. Was er sagen wollte, ist:
"Ipsum exsulem (esse) iudicaverunt."             Das ist ein AcI.
Sie urteilten, dass er selbst ein Verbannter sei.

In einer freien Übersetzung hätte man dann:
"Ihn selbst verurteilten sie zur Verbannung."

Vermutlich im Gegensatz zu seinen Anhängern, die wahrscheinlich sämtlich der Todesstrafe (damals Kreuzigung) anheimfielen. Denn die adligen Anführer, in der Regel Patriziersöhne, waren ihrer Beziehungen wegen nicht so leicht umzubringen. So etwas konnte einem irgendwann einmal schaden.

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Die wörtliche Übersetzung müsste lauten:

Sie befahlen, dass er selbst verbannt (ist/sei).

Eigentlich müsste im Lateinischen Satz noch ein "esse" stehen (ipsum exsulem esse iudicaverunt), das wurde hier aber ausgelassen.

Das kann man im Deutschen umstellen zu

=>"Sie befahlen ihm selbst seine (eigene) Verbannung"

oder zu

=>"sie verbannten ihn selbst".

Das "befehlen" fällt hier weg, da der Sinn auf dasselbe hinausläuft (egal ob sie befehlen, dass er verbannt wird, oder ob sie ihn verbannen - nach römischen Maßstäben kommt das auf das selbe heraus: er wird verbannt)

Wichtig ist, dass mit ipsum nicht die Täter (diejenigen, die verbannen) gemeint sind, sondern derjenige, der verbannt wurde. Die Übersetzung "Sie selbst verbannten ihn" wäre also falsch, und auch bei der Übersetzung "sie verbannten ihn selbst" ist es nicht eindeutig, wer hier gemeint ist.

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