Wieso wurde die Romantik von der Modernen abgelöst?

2 Antworten

Du solltest Dir die musikgeschichtliche Entwicklung vor Augen führen. Berücksichtigen wir einmal nicht das Altertum und das Mittelalter, für Deine Frage sind sie weniger von Bedeutung, dennoch möchte ich etwas weiter ausholen:

Es hat eine kontinuierliche Entwicklung der tonalen mehrstimmigen Musik seit dem späten Mittelalter gegeben: über die Renaissance und den Frühbarock, bereits mit großen Meisterwerken, bis hin zu Bach und Händel.

In dieser Zeit wurde die Musik zunehmend komplizierter und komplexer, bis eine stringente Weiterentwicklung nicht mehr möglich war und von den Hörern nicht mehr nachvollzogen werden konnte: Mit Bach fand der von Generalbaß und Kontrapunkt geprägte "gelehrte Stil" seinen Abschluß.

Bach wurde gleichermaßen "links überholt", denn schon 20 Jahre vor seinen späten Werken wurde die Mannheimer Klassik die Musik ihrer Zeit und löste den "gelehrten Stil" ab. Sie vollzog mit ihrer Melodik, Einfachheit und neuen Ausdrucksmitteln nicht nur den Bruch, sie bereitete auch die Wiener Klassik mit den großen Komponisten vor, die Du kennst.

Wieder begann eine kontinuierliche Entwicklung, etwa über zwei Jahrhunderte: Von Stamitz über die Wiener Klassik, die Frühromantik (Schubert, Mendelssohn), die Hochromantik (Brahms, Bruckner) bis zur Spätromantik (Mahler, Richard Strauss). Und wieder kam eine Entwicklung an ihr Ende. War es im frühen 18. Jahrhundert die Polyphonie, war es jetzt die Harmonik, die, bis an ihre Grenzen, immer reicher geworden war und nun nur noch in Atonalität weitergeführt werden konnte.

Einer widersetzte sich: Richard Strauss, der zuvor schon progressiv modern komponiert hatte, schrieb mit seinem Spätwerk Rosenkavalier noch einmal eine romantische Oper, als sich die klassische Moderne bereits etabliert hatte - dafür erntete er Kritik.

Doch die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten: Mit der "Neuen Wiener Schule" (Schönberg, Berg, Webern) zerbrach die Tonalität.

Es passierte etwas, das es zuvor nie gegeben hatte. Es setzte mit der Zwölftontechnik (Dodekaphonie) wieder eine neue Entwicklung an, als Initialzündung wird gerne Schönbergs Pierrot Lunaire (1912) genannt.

Neu ist, daß erstmal in der Geschichte der westlichen Welt (etwas pathetisch ausgedrückt, aber es ist ja so) sich die die Kunstmusik von ihrer Hörerschaft verabschiedet. Es vollzieht sich eine Spaltung in drei Zweige:

Zunächst ist da die Minorität der selbsternannten Avantgarde, die die Moderne im Bereich der "ernsten Musik" begründet. Sie existiert bis heute.

Daneben gibt es erstmals eine Popularmusik, die stilistisch mit der "ernsten Musik" nichts mehr zu tun hat, ja, gegensätzlicher kaum sein könnte. Auch sie existiert bis heute und ist dabei sehr vielschichtig geworden.

Und es gibt - auch wiederum erstmals - eine Zuhörerschaft, die vorzugsweise oder gar ausschließlich nicht mehr die Musik ihrer Zeit hören will und hört - und einen Musikbetrieb, der vorzugsweise die Musik vergangener Epochen zur Aufführung bringt.

Danke für deine Arbeit! Hast du wirklich schön erklärt👍🏻

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Weil Richard Wagner den "Tristan" komponiert hat.

Der "Tristanakkord" ist im Grunde der Beginn der modernen Musik.

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