Wieso wird eine Substanz als BTM gewertet?

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6 Antworten

Das hat mit wirtschaftlichen, rassistischen, ethischen und anderen innerpolitischen Themen zu tun. Bis ins 19 Jahrhundert waren alle heute verbotenen Substanzen mehr oder weniger legal. Zunächst gerieten chinesische Einwanderer ins Visier, es wurde auch nur die von ihnen praktizierte Form des Opiumrauchens in den USA verboten, andere Opiate oder Verwendungsformen von Opium blieben unangetastet. Etwas später gerieten Schwarze und Latinos ins Visier der Antidrogenlobby. Das hatte viel damit zu tuen das junge Schwarze die Farmen im Süden der USA verließen um im Norden in den Städten in der Industrie zu arbeiten. Afroamerikaner wurden nun mit Kokainkonsum und Marihuanakonsum in Verbindung gebracht, welche unter dem Einfluss dieser Substanzen zu Straftaten neigten wie etwa: Einem weißen in die Augen zu sehen, die Straßenseite nicht zu wechseln wenn ein weißer kam usw. Es wurde behauptet das schwarze unter dem Einfluss von Kokain ihre "satanische" Voodoomusik hörten (Jazz) und dann weiße Frauen vergewaltigten (was natürlich frei erfunden war). Später war es dann Marihuana. Dies hatte vorwiegend mit der Heast-Presse zu tun. Diese (bzw. der Besitzer) hatte im spanisch-amerikanischen Krieg viel Land verloren und startete dann eine mediale Hetzkampagne gegen "cannabis-rauchende" Mexikaner. Hanf war zu dieser Zeit eine weit verbreitete Pflanze, welche vielseitig nutzbar war. Als ende der 1930er Jahre dann automatische Erntemaschienen auf den Markt kamen drohten den großen Papier und Kunststoffproduzenten (Kunstfasern) große Verluste. Dann ernannte Andrew Mellon, Herry J. Anslinger (seinen Neffen) zum Leiter der amerikanischen Drogenbehörde, welcher einen beispiellosen Feldzug gegen Cannabis startete. Er brachte Cannabis mit Gewaltverbrechen in Verbindung, sagte z. B. vor dem Kongress der USA: Marihuana ist die gewalterzeugenste Droge der Welt. Später schwenkte er dann um und behauptete Marihuana mache die Menschen so Pazifistisch das die Kommunisten es verwenden würden, um die Kampfmoral der amerikanischen Armee zu untergraben. Durch die Anstrengungen der USA wurde erreicht das Marihuana weltweit verboten wurde. Die deutsche Drogenpolitik ist im wesentlichen gekoppelt an internationale Verträge, welche wie gesagt hauptsächlich durch die Amerikaner initiert wurden.

An sich richtet sich die Verbotspolitik nicht an der gefährlichkeit der Substanzen aus. Es waren eher wirtschaftliche, religiöse, moralische, kulturelle, rassistische und andere politische Gründe bestimmte Substanzen zu verbieten. Auch heute wird eher mit moralischen und gesundheitlichen Argumenten begründet warum einige Substanzen verboten gehören. Wobei wenn es wirklich um die Gesundheit ginge sicherlich andere Problem vorrangig wären. Legale Drogen, ungesunde Ernährung, Medikamentenmissbrauch, multiresistente Keime usw, verursachen sicherlich größeren Schaden für die so bezeichnete Volksgesundheit.

Insgesamt geht mit dem Verbot bestimmter Substanzen auch ein Krieg gegen bestimmte Lebensstile einher. Der Drogenkonsum wurde gerade in der Protestbewegung der 1960er Jahre populär, welche gegen den Status quo rebellierten. Diese gegen die bürgerlichen Normen protestierenden Menschen waren den Herrschenden halt ein Dorn im Auge. Da wurden dann die von diesen konsumierten Substanzen erneut zu einem Ansatzpukt gegen diese Minderheiten vorzugehen.

Dies bestimmt allein der Gesetzgeber in dem jeweiligen Land, daher sind in Deutschland einige Dinge verboten welche in anderen Ländern erlaubt sind und umgekehrt.

Alkohol hat eine sehr lange Tradition in in ganz Europa. Es wird nicht nur als Genussmittel verwendet, sondern auch als Gewürz zum verfeinern von Speisen, aber auch als Reinigungsmittel etc. wobei es sich dann natürlich um vergältes Ethanol handelt.

Cannabis hat da es hier nicht so gut wächst wie in Lateinamerika und früher hier auch gar nicht vor kam nicht diese Geschichte.

Zum anderen gibt es natürlich zahlreiche Argumente gegen die Legalisierung von Cannabis. Wie unteranderem natürlich - bei Veranlagung - das auslösen von psychischen Erkrankungen sowie Herzkreislauferkrankungen.

Der frühe Konsum dieses Rauschmittels kann bei Minderjährigen zu einer starken Reifeverzögerung führen - viel ausgeprägter als bei Alkohol. Doch nicht nur bei Minderjährigen bestehen dahingehende Risiken. Es ist nachgewiesen, dass Kiffer schlechter - im Schnitt - schlechter rechnen können.

Zudem lässt sich dieses Suchtmittel einfach in den Alltag integrieren und es fehlt an Mitteln zur genauen Kontrolle. Damit ist gemeint wenn jemand angehalten wird, es nicht so einfach feststellbar ist - wie z.B. beim Promilletest - wie "cannabisiert" ein Fahrer ist.

Es ist die Rede davon, dass Cannabsi als Einsteigerdroge gilt, wobei dieses Problem durch die Legalisierung verschwinden würde - da Konsumenten sich dann nicht in einschlägige Millieus begeben müssen. Doch trotzdem wird dieses Argument verwendet.

Auch könnte ein Risko bestehen Cannabis und Alkohol gleichzeitig zu erlauben, da die Wechselwirkungen - bei gleichzeitigen Konsum - nicht unerheblich sein können.

Wobei das Hauptargument doch sein dürfte, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Legalisierung ist.

Was jetzt genau eine Droge ist und was nicht entscheidet auf internationaler Ebene die WHO und auf regionaler Ebene natürlich die einzelnen Länder oder Staatenzusammenschlüsse.

Alkohol ist natürlich auch eine Droge, genauso wie Zigaretten oder Medikamente. Jede Substanz die eine direkte Wirkung aufs zentrale Nervensystem hat ist eine Droge.

AamonAamarth 26.08.2015, 19:43

Cannabis hat Kulturgeschichte bei uns und ist früher in ganz Deutschland wild Gewachsen. Wurde nur alles unter den Tisch gekehrt und ausgerottet. 

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Mondmayer 26.08.2015, 21:57
@AamonAamarth

^^ Da tut sich bei mir eine Bildungslücke auf. Das es Hanf überall gab ist mir zwar bekannt, aber ist das Zeug THC-haltig?

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john201050 27.08.2015, 01:27
@Mondmayer

selbstverständlich war das thc haltig. und wurde auch als medizin und genussmittel verwendet.

natürlich nicht so viel thc wie moderne züchtungen, aber die thc freien hanf sorten sind genau so unnatürliche züchtungen.

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scatha 28.08.2015, 19:36
@john201050

Genau, und bevor Amerika uns eroberte, hat sich auch keiner darum geschert. War ja auch nicht doller als eine Tasse Kaffee.

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geld und ideologie bestimmen welche drogen man überall verherrlicht und im supermarkt für kleines geld bekommt und welche illegal und "böse" sind.

schäden und risiken für den konsumenten und der schutz der gesellschaft sind dabei leider vollkommen irrelevant. anders ist unsere veraltete drogenpolitik leider nicht zu erklären.

Substanzen die bestimmte Gefühle wie Angst, Hunger, Durst aufheben können oder abhängig machen gelten in der BRD als BTM.
Aber nur wenn sie in den Anlagen 1-3 des BtMG aufgelistet sind. Was da aufgelistet ist, wird regelmäßig überarbeitet.

john201050 27.08.2015, 01:28

ääääh nein.

was als btm verboten wird, ist vollkommen unabhängig der risiken und schäden auf den konsumenten.

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scatha 18.09.2015, 15:10
@john201050

...richtig. Ich glaube was die im Grunde versuchen zu verbieten ist der Rausch. Jedenfalls wenn es ein zu irgendwas "Brauchbarer" Rausch ist. Es geht um die Wirkung. Eher wären solche Stoffe mit starker Wirkung erlaubt WENN sie gleichzeitig gefährlich sind, wie z.B. die Nachtschattenpflanzen.

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garfield0383 27.08.2015, 08:18

was hab ich zu risiken und schäden geschrieben...? ausser dass ggf eine Abhängigkeit hervorgerufen werden kann...

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Mondmayer 27.08.2015, 09:18
@garfield0383

Substanzen die bestimmte Gefühle wie Angst, Hunger, Durst aufheben können oder abhängig machen gelten in der BRD als BTM.

Wäre dies so, dann würden viele Medikamente und Alkohol auch unter BTM fallen. Dem ist aber nicht so.

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scatha 18.09.2015, 15:08
@Mondmayer

und umgekehrt gibt es einige Stoffe die im BTM stehen und NICHT abhängig machen.

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Das hat politische Gründe. Das meiste wurde der Welt von den USA aufoktroyiert, alles "zu unserer Sicherheit" ;)

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