Wieso wird eine soziale Phobie eigentlich als Krankheit gesehen?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Das ist aber eine traurige Wahrnehmung....ich dachte es geht bei Menschen um Kommunikation, Beziehung und gegenseitigem Respekt.

Grundsätzlich ist aber auch zu beachten, dass es bei einer sozialen Phobie ja auch nicht darum geht, ob man die Menschheit eher als negativ oder positiv wahr nimmt, sondern dass sich da eine Angst verselbständigt hat und irrational wird. Wenn man sich nicht vor die Tür traut, hat das nichts damit zu tun, dass objektiv gesehen die ganze Welt da draußen asozial und schlimm ist. Wenn man sich nicht mehr traut sich irgendwo in eine Gruppe zu begeben....egal obs der Bibelkreis oder das Feuerwehrfest ist....dann hat das nichts damit zu tun, dass die Menschen, die man dort treffen könnte, so schlimm sind, sondern man hat eine irrationale Angst entwickelt, die man nicht mehr kontrollieren kann. Und das gilt als Krankheit, weil es denjenigen, den es betrifft, massiv an der gesellschaftlichen Teilhabe hindert und es ihm auch nicht gut damit geht. Wenn so was therapierbar ist, dann ist es nur gut, wenn die Leute die Möglichkeit haben, es auch therapieren zu lassen und die Krankenkasse dafür aufkommt, weil es nun mal einen Krankheitswert hat.

"Grundsätzlich ist aber auch zu beachten, dass es bei einer sozialen Phobie ja auch nicht darum geht, ob man die Menschheit eher als negativ oder positiv wahr nimmt,"

Das ist wahrscheinlich der ausschlaggebende Unterschied.

Was kann man denn machen, wenn man in seiner Familie misshandelt wird (und bloß nichts davon erzählen darf !!) und in der Schule gemobbt wird und sich zum Schutz vor erneuter Gewalt eine ängstliche Körpersprache und -haltung zugelegt hat und man deshalb für sozialphobisch gehalten wird, obwohl man es nicht ist, sondern nur (berechtigte) starke Angst vor seiner Familie und den Mobbern aus der Schule hat?

0
@lutiaki

Zwischen sozialphobisch sein und dafür gehalten werden, gibt es natürlich einen Unterschied.

Das was du da beschreibst ist erst mal ja keine Sozialphobie, sondern die defensive Haltung eines Mißbrauchs- und Mobbing-Opfers.

Du fragst was man da machen kann: gerade wenn man in der Familie misshandelt wird, sollte man sich Hilfe suchen.

Ich habe das hier schon oft verlinkt, weil das eine Möglichkeit ist mit Leuten zu reden, die sich (hoffentlich) auskennen und weiteren Rat, an wen man sich wenden kann geben können....und man muss eben nicht erst irgendwo hingehen, sondern kann einfach anrufen:

https://www.nummergegenkummer.de/kinder-und-jugendtelefon.html

Es gibt auch noch den Kinderschutzbund, der für Kinder- und Jugendliche auch Hilfezentren hat, wenn sie zu Hause, körperlich, seelisch oder sexuell misshandelt werden. Da könntest du mal gucken, was in deiner Nähe ist....ich habe da beim Googlen jetzt spontan was aus NRW gefunden (wahrscheinlich weiß Google wo ich wohne).

Du hast auch das Recht dich beim Jugendamt beraten zu lassen....wenn du willst, auch ohne, dass deine Eltern was davon erfahren...allerdings müssten sie schon involviert werden, wenn sich wirklich was ändern soll. Aber das kann dir das Jugendamt auch erzählen.

Was das Thema "niemanden was erzählen" angeht: vergiss es....das ist das übliche, was man Missbrauchsopfern (egal ob es um körperliche, seelischen oder sexuellen Missbrauch geht) erzählt. Du hast ein Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit! Und du musst auch nicht schweigen, um jemanden zu "schützen". Wer dir weh tut braucht keinen Schutz....DU (falls es um dich geht) brauchst den Schutz.

Was Mobbing in der Schule angeht: im Normalfall würde ich sagen, dass du zu Lehrern und Eltern gehen solltest....in deinem Fall würde ich sagen: rede vielleicht mit den Lehrern.

Ich glaube, wenn du zu Hause Probleme hast, ist es am Wichtigsten, die zu erst zu lösen.....bitte suche dir Hilfe, du kannst dann auch beides erzählen....also was zu Hause los ist und in der Schule.

2
@Glasdach

Und was ist, wenn man sich nicht berechtigt dazu fühlt, sich Hilfe zu holen, weil man sich selbst für so einen schlechten Menschen hält, der keine Hilfe verdient hat?

Und außerdem nicht wirklich mit anderen Menschen außer seiner Familie klarkommt, obwohl diese ihn misshandelt?

0
@lutiaki

Dann ist genau das gleiche....niemand wird dir den Schritt abnehmen können. Aber du schreibst doch hier....bei der Nummer gegen Kummer gibt es auch eine email-Beratung, guck dich mal auf der HP um. Vielleicht fällt dir der Schritt über die email erst mal leichter.

Im Übrigen: selbst wenn du der schlechteste Mensch der Welt wärst (was du sicherlich nicht bist) hättest du Hilfe verdient. Man verdient Hilfe, wenn man welche braucht. Und du brauchst doch welche.

Wenn du mit anderen Leuten nicht gut klar kommst, ist das erst mal so. Aber das ist kein Grund sich keine Hilfe zu suchen.

2

Bei jemandem, der „nur“ vorsichtig und mißtrauisch ist, würde man keine soziale Phobie diagnostizieren. Damit es als Krankheit angesehen wird, muß das Verhalten des Betroffenen eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellen ‑ im Extremfall eine nahezu vollständige soziale Isolation. Das wäre dann auch ungewöhnlich, da Menschen keine Einzelgänger sind (die sich ausschließlich zwecks Fortpflanzung zusammenfinden), sondern schon eher Herdentiere. Darüber hinaus leiden die Betroffenen im allgemeinen auch selbst unter der Situation, da sie ja meist nicht ernsthaft den Wunsch haben, sich komplett abschotten zu können, sondern sie soziale Situationen in erster Linie aus Angst vermeiden. Dabei können Ängste vor Konkurrenzdenken, Ablehnung und Erniedrigung eine Rolle spielen, allerdings wünschen sich viele Betroffene trotzdem soziale Kontakte, denen sie vertrauen können.

Und wenn derjenige wirklich keine Kontakte will und beim Auferzwingen derselben Gewaltfantasien gegen die Personen entwickelt oder sogar heimlich Gewalt ausübt.

Dürfen die Therapeuten ihn dann immer noch zu sozialen Kontakten zwingen?

0
@lutiaki

„Zwingen“ ist relativ. Eine Therapie ist meist sinnlos, wenn man dazu gezwungen wird und wenn jemand wirklich keine Kontakte möchte, wird er sich nicht in Behandlung begeben. Bei einer sozialen Phobie ist es zudem nicht üblich, gegenüber anderen gewalttätig zu werden ‑ Betroffene vermeiden ja eher jegliche Interaktion.

2
@SIGCONT

"Bei einer sozialen Phobie ist es zudem nicht üblich, gegenüber anderen gewalttätig zu werden."

Und wenn das daran liegt, dass der Betroffene sich durch die auferzwungenen Sozialkontakte derart eingeengt, geradezu "vergewaltigt" fühlt und sich daher wehren will?

0
@lutiaki

Dann ist das der Punkt, über den man bei der Therapie reden müsste....das wird ja durch irgendwas ausgelöst. Natürlich hat jeder Mensch seine eigenen Grenzen.....aber wenn das schon so ist, dass man gar keine Kontakte mehr haben möchte und das ganze im Zusammenhang mit seelischem Missbrauch steht, dann sollte dieser Missbrauch aufgearbeitet werden.

1

Die "Phobie" stellt eine Erkrankung dar, und nicht ab und an auftretende Angstgefühle in den von dir geschilderten Situationen.
Eine Phobie ist ein ausgeprägter Angstzustand, der schon bei für die meisten Menschen normalen sozialen Situationen auftreten kann und dies dann sehr häufig tut, so dass die Person darunter massiv zu leiden hat.

Und als was könnte man es dann bezeichnen, wenn ein Jugendlicher heimlich von seinem Elternteil missbraucht wird, aber auf gar keinen Fall darüber reden darf, so dass es keiner wissen kann und er sich deshalb scheinbar ohne Grund ängstlich verhält?

0
@lutiaki

Meinst du 'sexuell missbraucht' , oder in anderer Weise?

1
@Tamtamy

Ich meine hauptsächlich seelischen Missbrauch, also dass der Jugendliche von dem Elternteil bestraft und erniedrigt wird, wenn er seine eigene Meinung äußert, seinen eigenen Modegeschmack hat, eine andere sexuelle Orientierung hat usw..

Außerdem enthält der seelische Missbrauch auch, dass Lügen (auch im sexuellen Bereich, z.B. dass man angeblich pädophil sei) über einen erzählt werden.

Also kurz gesagt, je mehr man sich dagegen wehrt, desto schlimmer wird der Missbrauch.

0
@lutiaki

So etwas kann man eine 'vergiftete familiäre Atmosphäre' nennen.
Oder eben 'emotionalen Missbrauch' seitens der Eltern. Eine üble Sache, wenn das so ist.

2
@Tamtamy

Hat es etwas mit der Dummheit des Jugendlichen zu tun, wenn er sich nicht aus dieser Familie befreien kann?

0
@lutiaki

Das hat mit 'Dummheit' nichts zu tun!
Es handelt sich um eine verdammt schwierige Situation.
Kinder sind nun mal in hohem Maße von ihren Eltern materiell und gefühlsmäßig abhängig. Die Eltern sind im großen Ausmaß die 'Bestimmer'.
Es gibt Kinder/Jugendliche, die unter solchen miesen Bedingungen eine richtige Psychose bekommen haben. - Du wirkst mir diesbezüglich (Psychose) allerdings nicht auffällig. Und dumm wirkst du auf mich schon gar nicht.

1

Starke soziale Phobie schränkt mein komplettes Leben ein?

Hallo Leute ... Was soll ich tun? Mir geht es richtig sch... Ich bin 18 Jahre alt und leide unter einer sehr starken Sozialen Phobie. Ich bin den ganzen Tag in meinem Bett und vegetiere vor mich hin oder flüchte in die virtuelle Welt (facebook, whatsapp) ... Mich macht die Soziale Phobie total kaputt! Ich habe keine Lust mehr zu leben.. die Welt dreht sich und Ich verpasse mein ganzes Leben aus Angst! Denn das Leben könnte so schön sein hätte ich nicht diese sch.. Ängste vor allem und jedem.. Ich würde so gerne eine ein normales Leben haben, mit Freunden treffen, arbeiten gehen, eine Beziehung haben usw. Aber es geht nicht! Egal was ich probiert habe, alles scheitert .. Selbst der Kontakt zu meiner Familie besteht nur aus dem nötigsten Gesprächen.. Hat ihr mir Tipps wie ich da raus komme? Die Krankheit macht mich fertig. ..

...zur Frage

Was möchtest Du wissen?