Wieso wird die Koseform eines Namens zur abfälligen Bezeichnung?

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7 Antworten

Heinrich (mitsamt verwandten Namensformen wie Heinz und Hinz) war früher ein sehr häufiger Name. Er ist auch als allgemeiner Bezeichnung männlicher Personen angewendet worden, deren eigentlichen Namen man nicht kannte oder nicht nennen mochte bzw. sich zu nennen fürchtete.

Ausgangspunkte für eine Verwendung als abfällige Bezeichnung (pejorative Konnotation) können ein Bezug auf eine Bevölkerungsgruppe, die als eher dumm und ungeschickt galt („eine Äußerung „blöder Heini“ zu jemand Einzelnen daraus kann sich aus einer Situation heraus ergeben), oder ein Bezug zu Kobolden, die zum Teil nicht gutwillig war, sondern Schabernack betrieben, Menschen ärgerten und ihre Arbeit zerstörten, gewesen sein.

Heinz Küpper, Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache. Band 4: Haut – Kost. Stuttgart – Klett, 1983, S, 1237 zu Heini:

Irgendein Name; irgendein Händler; dummer, einfältiger Mann; ungeschickter Mann; Versager; Schimpfwort. Entweder wiederaufgelebt aus dem Koboldnamen in der Mythologie, den man nicht gern bei seinem eigentlichen Namen nannte, oder fußend auf der schon in Landsknechtszeit üblichen Verspottung der Schweizer wegen ihres ungewandten Auftretens. Auch war „Heinie“ in der englischen Soldatensprache die Bezeichnung für die deutschen Landser des Ersten Weltkrieges. Das Wort hat den Beigeschmack des Ungeschickten und Minderwertigen. Anscheinend erst um 1930/35 aufgekommen.

Lexikon der Redensarten : Herkunft und Bedeutung deutscher Redewendungen. Herausgegeben von Klaus Müller. München : Bassermann, 2005, S. 240 zu Hein:

Heinrich ist mit seinen Nebenformen gut geeignet gewesen, als Hüllwort oder Tabuwort Wesen zu bezeichnen, die man nicht bei ihrem richtigen Namen nennen wollte. So sind die Heinzelmännchen eigentlich Kobolde, die im Haus ihr Unwesen treiben.

telegramsam 11.10.2010, 22:34

Ich bin begeistert!!!

Eine so tolle Antwort habe ich nicht mehr erwartet. Tolle Lexika - so was brauche ich auch.

Gruß

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vielleicht hießen mal zu viele "Hinter-Dörfler" "Hein", so dass der Name einen tumben, hinterwäldlerischen Ruf bekam.

Eigentlich ist der Name ja auch Heinrich und Heeeiin ist ja schon die Verkürzung für Leute, die nicht so lange durchhalten ;-)

Den Kurznamen noch mal zu verniedlichen, soll dann wohl andeuten, dass mehr auch nicht von der Person erwartet werden kann

Andererseits kenne ich hochintelligente, erfolgreich und beliebte Männer, die auch Heini gerufen werden, bei denen ich nicht an solche negative Belegung dieses Namens denke.

Verniedlichungen werden meistens bei Kindern vorgenommen.

Als dann jemand mal begonnen hat, auch einen Erwachsenen als Heini zu bezeichnen, sollte das wahrscheinlich nichts weiter als "Kindskopf" o.ä. heißen.

Das hat sich dann so eingebürgert, dass man jeden,. der sich eigenartig oder nicht erwartungsgemäß verhält, als Heini (Blödian, Döskopp) bezeichnet.

"Heini" kann auch ironisch liebevoll gemeint sein, immer aber ein wenig abwertend.

Wahrscheinlich hat sich mal ein Heinz so daneben benommen, dass er sprichwörtlich wurde

wahrscheinlich hat ma jemand gesagt "Der Heini is ja voll der Horst" und das wurde dann zum Running Gag

oder sowas in der Art

Vielleicht ist es einfach nur ne Verniedlichung?

das wurde zur gewohnheit. früher waren ein paar heinis halt nicht gerade die schlausten.

Heini soll die Koseform von was sein?

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