Wieso wird der IS mit dem Islam gleichgestellt?

21 Antworten

Ich würde das nicht gleichstellen. Aber der Terror des IS spielt für die überwiegend negative Meinung, die ich über die Religion habe auch nur eine untergeordnete Rolle.

Ich finde die Grundlagen des (friedlichen) fundamentalistischen Islams, seine Forderung nach Unterwerfung an einen Gott, bei dem ich keine Moral und keine Barmherzigkeit erkennen kann, mindestens ebenso entsetzlich, wie den Terror.

Ein Gott, der mir vorschreiben will, wie ich mich zu kleiden habe, was ich zu essen oder zu trinken habe (und was nicht), welche Musik ich zu hören habe (wenn überhaupt), wie oft ich zu beten habe (und wie ich mir vorher die Hände und die Nase zu waschen habe) und diverse andere Dinge wird von mir nun einmal nicht akzeptiert.

Wenn man sich die Geschichte des Islam anschaut, so wurde er häufig mit "Feuer und Schwert" verbreitet und die Besiegten vor die Wahl gestellt, dem Islam beizutreten, sich durch eine Art "Steuer" Duldung zu erkaufen - oder zu sterben.

Das Konzept der Unterwerfung durch das "Freikaufen" ist zwar vergleichsweise liberal - dennoch dominiert das Bild eines Islam, der sich durch Gewalt verbreitet hat.

Auch hat die Scharia einige grausame Körperstrafen, die nach modernem, westlichen Denken schlichtweg unmenschlich sind - etwa die Verstümmelung von Dieben durch das Abhacken der Hand. Es sehen also einen grausamen Hintergrund.

Wenn heute Muslime solche Gewalt ablehnen und womöglich sogar für westliche Werte eintreten, dann finde ich das begrüßenswert - aber es ist eben letztlich eine Art "Soft-Islam", der mit dem ursprünglichen Vorgehen nichts zu tun hat.

Im Judentum und Christentum gab es teilweise umfassende Reformen, die zu einer Liberalisierung dieser Religionen geführt haben, so dass sie heute weitaus besser mit unserem demokratischen Verständnis von Recht in Einklang zu bringen sind.

Das Christentum wird zwar auch mit den Kreuzzügen in Verbindung gebracht, aber die geistige Verbindung zwischen den "Hasspredigern" der Kreuzzüge und modernen Christen ist durch diese geistige Erneuerung deutlich weniger vorhanden.

Im Islam stehen diese Reformen noch aus - und so entbehrt die Behauptung, die Terrororganisation "Islamischer Staat" vertrete eine Art "Ur-Islam" nicht gänzlich einer Grundlage.

Ihr letzer Satz sagt aus, dass zwischen einem Ur-Islam und dem Islam des "Islamischen Staat" ein Unterschied ist, auch wenn die Behauptung, es wäre dasselbe, nicht ganz falsch sei. Aber damit auch nicht ganz richtig. Was sind denn die Unterschiede zwischen dem Ur-Islam und dem Islam des "Islamischen Staat"?

0
@Monaco110

Ich bin kein Experte für islamische Theologie, aber es gibt innerhalb des Islam verschiedene Strömungen, mit jeweils abweichenden Deutungen in einigen Fragen, etwa was die Nachfolge des Propheten Mohammed angeht (Sunniten, Schiiten..).

Bereits dadurch, dass es diese Aufspaltung in verschiedene "Denkschulen" gibt, kann meiner Meinung nach nicht eindeutig festmachen, wie die ursprüngliche Lehre des Islam aussah - wir können nur nach Berichten bewerten.

Das kriegerische Verhalten von Muslimen im Altertum weist Ähnlichkeit mit dem Terror des IS auf - die damaligen Krieger folgten aber womöglich nicht der gleichen Auslegung, wie dies heute der IS für sich in Anspruch nimmt.

Der Wahabismus entstand meines Wissens nach erst im 18. Jahrhundert und der Salafismus womöglich noch später, da sind sich Historiker offenbar nicht einig.

Wenn der IS sich also aus Ideen bzw. Islam-Interpretationen dieser Strömungen speist, dann folgen sie nicht der gleichen Lehre wie die Krieger der vorangegangenen Jahrhunderte, sondern moderneren Lehren.

Ihr kriegerisches Verhalten ist also ähnlich (es erinnert an den "alten Islam"), die zugrunde liegende Ideologie des IS jedoch offenbar jünger.

0
@Enzylexikon

Unterschiede zwischen dem Ur-Islam und dem Islam des "Islamischen Staat" wären zum Beispiel die Art der Tötungswaffen. Im Koran steht einiges zum Abschlagen von Nacken / Köpfen mit Messern und Schwertern, aber nichts davon, mit russischen Sturmgewehren die Menschen zu erschießen.

0
@Monaco110

Das ist aber lediglich ein methodischer Unterschied. Hätte der Prophet Mohammed damals Panzerfäuste gehabt, hätte er sie sicher auch zum Einsatz gebracht. Ich sehe den eigentlichen Unterschied wirklich in der ideologischen Grundlage.

Mohammeds Gewalt war ideologisch anders begründet als die Gewalt moderner Terroristen, weil sie sich auf Auslegungen berufen, die es damals noch nicht gab.

Somit mögen Mohammed und der "Islamische Staat" die gleiche Gewalt ausüben und womöglich sogar ähnliche ideologische Grundlagen haben - aber eben nicht absolut identische. Allerdings bin ich keim Imam.

0
@Enzylexikon

Dann wäre noch ein Unterschied zwischen dem Ur-Islam und dem Islam des "Islamischen Staat" die Burka- bzw. Nikab-Pflicht. Dazu steht nichts im Koran.

Hingegen die Haar- und Barttracht der IS-Männer sowie die Genitalverstümmelung (Chitān) steht so 1:1 im Koran.

0

Der Islam wird eigentlich nicht mit dem IS gleichgestellt, das tun nur Leute die keine Ahnung vom Weltgeschehen haben oder verhetzt und voll Hass sind.

Dein Glaube, also dein Islam, ist wahrscheinlich ein "gemäßigter", aber damit wärest du klar in der Minderheit. Denn Islam bedeutet Koran, Sunna UND Scharia. Und eben das ist es war der Europäer nicht haben will, darum auch die allgemeine Ablehnung.

Du sagst, dass Frau und Mann gleichgestellt sind, nicht aber nach der Scharia. Ehe- und familienrechtlich bleibt sie dem Mann nachgeordnet, der laut Schariarecht in vielen Bereichen Weisungsbefugnis über sie hat. Dies ist vor allem im Ehe- und Scheidungsrecht der Fall, im Erb- und Kindschaftssorgerecht sowie im Zeugenrecht vor Gericht, das laut Koran die Aussage eines Mannes nur von zwei Frauen aufwiegen lässt (Sure 2,282).

Sure 4,34: "Die Männer stehen über den Frauen, weil Gott sie [vor ihnen] ausgezeichnet (oder: bevorzugt) hat" - So etwas geht bei uns überhaupt nicht. Und: "Und diejenigen, deren Widersetzlichkeit' ihr befürchtet, - ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie." Nie sind das Worte Gottes!

Aber wenn du so etwas glaubst, dann glaubst du prinzipiell das Gleiche wie die Leute von dem IS, du verstehst?

Manche gemäßigte Muslime möchten diesen Vers gerne anders übersetzen, so dass er den Deutschen besser gefällt, dann steht dort vielleicht: "und straft sie", aber der "normale" Muslim versteht diesen Vers eben so wie es da steht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sure_4:34

"allgemein rückständigen Frauenbild in weiten Gesellschaftsteilen des arabischen Sprachraums"

Von Muhammad ist überliefert: "Der Prophet sagte: Schlagt nicht die Mägde Gottes. Da kam Umar [der zweite Kalif, regierte 634-644 n. Chr.] und sagte:"O Gesandter Gottes, die Frauen rebellieren gegen ihre Gatten'. So erlaubte er, sie zu schlagen."

Von Schiiten wird zudem die "Zeitehe" (oder "Genuß"-Ehe) praktiziert, eine Art Nebenehe, die über die erlaubten vier Frauen hinaus für einen begrenzten Zeitraum - z. B. für eine Reise - auch ohne Wissen der Ehefrau(en) geschlossen werden kann.

Der Koran ist nicht das "Wort Gottes", auch ihr wurdet getäuscht wie die Christen auch.

1. Ich glaube jeder Muslim, der den Glaube wirklich praktiziert weißt, dass Koran, Sunna und die Scharia zum Islam gehört. Scharia bedeutet übersetzt: ,,Weg zu Lebenspendenden Wasserquelle". Sie besteht aus fünf Teilen und zwar aus Moral, Verhalten, Sitte; rituelle Anbetung; Glaube; Geschäfte und Verträge und Bestrafung. Die Scharia verbietet auch das Auszwingen des Willens/ Glaubens. Darum darf die Scharia nur eingeführt werden, wenn man bereit ist, sich an die Regel zu halten. Zwar wird in islamischen Ländern die Scharia Gesetze aufgezwungen, aber es gibt keinen Zwang im Glauben. ( siehe Sure 2:257) Der Koran bevorzugt keine bestimmte Regierungsform, aber verlangt, dass sie Gerecht ist. 2.Doch die Frauen sind vor Gericht mit den Männern gleichgestellt. (siehe Sure 24:6,7,8,9; Sure 24: 4; Sure 65:2) Die Sure, die du gezeigt hast, ist eine Ausnahme. Darum geht es um das Warenverkehr und um das leihen von Geld. Nur da ist die Frau nicht wirklich gleichberechtigt. Aber damals galt das als Revolution, weil Frauen früher in der Regel nicht mehr Wert als Ware galten. 3. Das Vers wird von anderen Muslimen anders übersetzt, weil sie sich wirklich mit dem Islam beschäftigt haben! Weil es ein krasser Wiederspruch ist, zu anderen Koranversen , denn Prophet Mohammed sagte: ,,Die Frauen sind die Zwillingshälften der Männer. Gott erlegt euch auf, eure Frauen gut zu behandeln, denn sie sind eure Mütter, Töchter und Tanten. Die ihre Frauen schlagen, handeln nicht gut. Gib deiner Gattin gute Ratschläge und Schüler sie nicht wie einen Sklaven. Die Rechte der Frau sind heilig. Sorge dafür, dass ihr die Rechte gegeben werden, die ihnen zustehen.

0

Was möchtest Du wissen?