Wieso werden wir von den Deutschen nicht akzeptiert?

29 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Ich bin ein Deutscher mit türkischem Migrationshintergrund.

mir gefällt dein Selbstbild und ich habe per se nichts gegen dich!

ich finde die türkische Kultur leider in einigen Punkten problematisch, weil sie zum Teil zu sehr religiös geprägt ist (z.B. fasten zu Ramadan macht gesellschaftliche Probleme)

wenn ich hier z.B. lese, dass ein schwuler Deutsch-Türke seine Sexualität nicht ausleben darf wegen seiner Kultur und seiner Familie, oder dass Mädchen sich das Jungfernhäutchen reparieren lassen, weil sie vor der Ehe Sex hatten, dann macht mich das sehr, sehr ärgerlich!

Vielen Dank für deine kompetent und konstruktive Antwort. Es ist sehr selten, dass man auf dieser Plattform so eine geschätzte Antwort bekommt.

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Deine Frage ist wirklich nicht leicht zu beantworten. Die Gründe, warum gerade Türkischstämmige sich in Deutschland nicht willkommen und akzeptiert fühlen, sind sehr vielfältig. Sie gehen alle auf Fehler und Missstände zurück, an denen beide Seiten eine Schuld tragen.

Überhaupt dass es zwei "Seiten" gibt ist das Problem: Viele Türkischstämmige sehen sich in ersten Linie als Türken. Dass sie in Deutschland geboren sind, hier zur Schule gingen, hier arbeiten, Steuern zahlen und oft nur noch den deutschen Pass haben, ist zweitrangig, wenn es um die kulturelle Identität geht. Die ist und bleibt türkisch. Und auch wenn sie bereits in der fünften Generation hier leben, unterscheiden sie - auch von sich aus - unter "sich" und "den Deutschen". Das tust du in deiner Frage auch: Ich habe nirgends ein "wir" gelesen, aus dem deutlich wurde, dass du dich mit Deutschland wirklich identifizierst. Und auch in anderen Fragen lese ich oft von "Deutschen" und "Muslimen".

Dass die Türkischstämmigen diese Unterscheidung schon von sich aus und das ganz freiwillig vornehmen, ist der erste wichtige Grund für die Segregation. Dieses Phänomen gibt es bei Einwanderern mit italienischen oder russischen Wurzeln selten bis gar nicht. Somit würde ich die Kultur als Hauptgrund benennen, und diese Kultur ist maßgeblich geprägt durch den Islam, der von den Türkischstämmigen sehr oft in einer fundamentalistischen Auslegung ausgelebt wird.

Mit einer solchen religiösen Gesinnung wird einem schon von klein auf eingetrichtert, "anders" zu sein als "die Deutschen". Deutsch zu sein ist etwas schlechtes, weil Deutschsein heißt, ein Ungläubiger zu sein. Deshalb haben die meisten Türkischstämmige, besonders in urbanen Ballungszentren, auch nur selten Freunde außerhalb ihres Kulturkreises - man bleibt lieber unter sich. Liebesbeziehungen zu den "Einheimischen" - vor allem zwischen türkischstämmigen Mädchen und deutschstämmigen Jungen - sind tabu und werden seites der Eltern oft nicht akzeptiert. Alles wegen des religiösen Hintergrunds.

Ich sage es mal ganz direkt, so wie ich das sehe: Muslimische Fundamentalisten sind größtenteils Rassisten, die etwas gegen Deutsche haben und nicht etwa umgekehrt. Sie leben doppelmoralisch und heuchlerisch in einem Land, in dem sie viel verdienen, aber dessen Werte sie verabscheuen und mit deren Einwohnern sie nichts zu tun haben wollen. Und da rund 60% der Türken in Deutschland zumindest fundamentalistische Grundtendenzen haben (was sozialwissenschaftlich belegt ist), ändert sich das auch nach über 50 Jahren nicht. Und auch, dass Erdogan unter den deutschtürkischen Wählern eine so deutliche Mehrheit an Stimmen bekommen hat, bestätigt dieses Bild.

Ein wichtiger Grund für das Fehlverhalten von deutscher Seite sind die Versäumnisse bei der Integrationspolitik, wie sie schon vor 50 Jahren gemacht wurden. Man hätte schon von Beginn an Sprachkurse zur Pflichtauflage für jeden Gastarbeiter machen müssen - und wer die Deutsche Sprache nach zwei Jahren immer noch nicht ausreichend beherrschte, hätte gehen müssen. Man hätte die Moscheen genauso unter staatliche Ordnung stellen müssen wie die christlichen Kirchen - ein Imam oder Hoca hätte nur mit einer entsprechenden Ausbildung / Studium eine Erlaubnis bekommen dürfen, als solcher tätig zu sein. Man hätte darauf achten müssen, die türkischstämmigen Jugendlichen in Förderprogramme und Jugendaktivitäten zu integrieren, sodass sie Freundschaften auch mit Einheimischen schließen. Man hätte entschieden und mit aller gesetzlichen Härte gegen jede religiös motivierte Straftat vorgehen und die Täter sofort und mit einem lebenslangen Rückkehrverbot abschieben sollen. Man hätte deutschtürkischen Idolen und Jugendvorbildern, die sich entschieden gegen eine Integration stellen, verbieten müssen, in der Öffentlichkeit aufzutreten - und zum Beispiel das Mitsingen bei der Nationalhymne für Gestalten wie Mesut Özil unmittelbar fordern müssen. All das wurde versäumt, sodass dem Entwickeln einer Parallelkultur Tür und Tor geöffnet wurden.

Dass du dich nicht akzeptiert fühlst und auf Ablehnung stößt, tut mir leid - aber zu einem großen Teil hast du das tatsächlich den vielen integrationsunwilligen Einwanderern zu verdanken, die sich leider nicht als Deutsche sehen - und Erdogan wählen. Und diese Leute bringen dann auch jeden anderen Deutschtürken in Verruf. Richte deinen Vorwurf also besser an sie - denn wenn man von Deutschitalienern, Deutschrussen, Deutschpolen, Sudetendeutschen, Deutschalbanern und Deutschkroaten diesen Vorwurf so gut wie niemals liest oder hört, muss es in Deutschland für andere Migranten doch eigentlich echt schön sein. ;-)

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium der Geschichts- und Religionswissenschaften

Wow so eine lange Antwort und nicht mal einer antwortet darauf.

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DEM ist kaum etwas hinzuzufügen !!!

Gut und durchdacht argumentiert - 100 PUNKTE !!

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Danke ihr beiden. :-)

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Solche ähnliche Behauptungen tragen dann dazu bei, dass türkischstämmige Menschen Hass auf deutsche Werte entwickeln, mit den Gedanken sowieso keine Akzeptanz in der Gesellschaft zu finden, egal was sie tun.

Soll ich dir mal sagen, wie ich das sehe....?

Ich sehe, daß hier mal wieder offensichtlich die angeblich sooo leidgeprüften Türken ein weiteres Mal einen bequemen Weg suchen, um jeden anderen außer sich selbst für ihre Lebensumstände verantwortlich zu machen.

Ich habe fast dreißig Jahre in einer Firma mit fast 1500 Mitarbeitern gearbeitet, der Migrantenanteil war extrem hoch.

Allein in meiner Abteilung gab es unter 44 Kollegen neun verschiedene Nationen.

Ich habe von den indischen, koreanischen, italienischen, griechischen, kroatischen, vietnamesischen oder polnischen Kollegen extrem selten ein böses Wort über die Art und Weise gehört, wie sie hier als Migranten behandelt werden. Sie haben ihren Job gut gemacht, haben Häuser gebaut, Kinder großgezogen und sind ein Teil der sozialen Gemeinschaften geworden, in denen sie sich aufgehalten haben. Insbesondere die Kinder der Inder, der Vietnamesen und der Koreaner haben ausnahmslos studiert und allesamt hervorragende Abschlüsse hingelegt. Die Kinder der Kroaten, Italiener und Griechen haben oft handwerkliche Jobs gelernt, sich danach weiterqualifiziert und nicht selten eigene Firmen gegründet. Kaum eines der Kinder ist durch Gewalt, Kriminalität oder soziales Fehlverhalten aufgefallen.

Es gab allerdings eine Gruppe unter den ausländischen Kollegen, die permanent für schlechte Stimmung gesorgt hat.....: Türken.

Keine andere ethnische Gruppe ist so oft durch Gejammer darüber, wie schlecht man sie doch ständig behandelt aufgefallen. Ganz große Meister auch darin, nicht zu seinen Fehlern zu stehen, sondern immer irgendwelche bösen Umstände oder andere Personen dafür verantwortlich zu machen. Auch sowas wie ein " running-Gag " bei Türken....: das ständige " beleidigt sein " aus den nichtigsten Gründen. Hinzu kommt noch ein sehr verbreitetes Geltungsbedürfnis, meist völlig fehlende Kritikfähigkeit und die Neigung, ständig irgendwelche Sonderbehandlungen einzufordern.

Irgendwann hatten wir dann auch einen fast rein-türkischen Betriebsrat, der sich dann natürlich vorwiegend um die Befindlichkeiten seiner Landsleute gekümmert hat....: sprich Gebetsräume, Einteilung auf besonders leichte Arbeitsplätze im Rammadan, die aus ihren Heimatländern gewohnten Hock-Klos, Dolmetscher bei den Betriebsversammlungen ( natürlich nur türkische ) obwohl die meisten der türkischen Kollegen schon seit Jahrzehnten im Betrieb waren, oder auch bevorzugte Übernahme von Kindern türkischer Kollegen als Azubis.

War dann ziemlich leichtes Spiel für die Geschäftsleitung, unbequeme Änderungen gegen die Mitarbeiter durchzudrücken...: man mußte bloß dem türkischen Betriebsrat seine Sonderwünsche durchgehen lassen, dann gab bei Überstunden, Lohnkürzungen, oder Sonderschichten keinen Wiederstand.

Meine weiteren Lebenserfahrungen mit türkischen Mitbürgern unterscheiden sich übrigens nicht wesentlich von dem, was ich fast 30 Jahren im Betrieb mitbekommen habe.

Ob jemand Erdogan-Anhänger ist oder nicht ist mir insofern egal, als daß mir bislang alle die Türken die sich als solche Anhänger zu erkennen gegeben haben menschlich und charakterlich sowieso völlig zuwieder waren, als daß ich mit ihnen intensivere persönliche Kontakte haben möchte.

Meist ist das tatsächlich so, daß man jemanden kennenlernt...., feststellt das er menschlich unsymphatisch ist und dann zusätzlich noch mitbekommt, daß er zum einen Türke und zum anderen Erdogan-Fan ist. " Passt " dann eben.....

Und ich denke mal....: viele Deutsche stellen einfach die Verbindung zwischen einem Türken her , der sich hier eben so benimmt wie das insbesondere bei Türken die oft unangenehm auffallen zum normalen Ton gehört und einem türkischen Despoten, der exakt die gleichen Verhaltensmuster an den Tag legt, wie die zahlreichen türkischen jugendlichen " ...ey was guckst du..." - Großschnauzen hierzulande.

Und gleichzeitig hört und sieht man von den ja angeblich sooo zahlreichen integrierten, angepassten, modernen Türken nix....nada....niente....

Ihr überlasst doch den Erdogan-Hinterwäldlertürken hier in Deutschland den öffentlichen Raum...

Wie anders, als mit stiller Zustimmung soll man euer Verhalten deuten...?

Ach, die Menschen haben eben gegen alles, was anders ist, Vorurteile. Nicht nur den Deutschen, obwohl es ihnen schon recht extrem ist. Nicht bei allen, wie du schon sagtest.

Ich bin deutsche Muslima ohne jegliche Migrationshintergründe und ich werde auch oft schief angesehen. Nicht nur von Deutschen, sondern auch von Muslimas anderen Ursprungs.

Für die Deutschen bin ich zu muslimisch und für einige Muslimas bin ich zu deutsch. Ich kenne leider genug Muslime, die leider auch rassistisch sind und/oder nationalistisch und die die Deutschen hassen. Obwohl ich Deutsche bin, bin ich selbst kein riesen Fan von vielen Deutschen. Und es gibt auch einige Dinge, die ich an Deutschland kritisiere. Aber ich verstehe nicht, dass einige Menschen hier herkommen und die Vorteile ausnutzen, die sie hier haben und trotzdem auf der anderen Seite so ein Hass auf Deutschland haben. Traurig, dass es solche auch unter Muslimen gibt. Und gerade der Islam ist strikt gegen Nationalismus und Rassismus.

In Deutschland läuft so einiges schief, aber man muss gerecht bleiben.

Also du siehst, es ist nicht nur ein Phänomen unter den Deutschen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Autodidakt Islam seit 2010 und Fernstudium

Da prallen zwei sehr unterschiedliche Kulturen aufeinander.Bei den Deutsch-Türken gibt es große Unterschiede.Manche passen sich schnell an, manche kaum, was sicher etwas mit der Herkunft in der Türkei, der Bildung, dem Beruf ,der Sozialisation , der Persönlichkeit,zu tun hat.Auch Deutsche sind nicht alle gleich.

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