Wieso werden umweltbewusste Menschen oft belächelt/nicht ernst genommen?

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9 Antworten

Meine Überlegung dazu:

TL, DR:

Umweltzerstörung verursacht keine Kosten in € und daher wird dem Umweltbewusstsein ein sehr geringer Stellenwert zugeschrieben und Leute die versuchen es zu haben+leben belächelt. "Die Irren (glaub Grüne) wollen 5€ / Liter, wer soll das zahlen, gefährdet doch Arbeitsplätze!"
Lange Version:

Was kostet die Abholzung eines Baumes eines kompletten Waldes tatsächlich ?
Was kostet es ein anderes Lebewesen (Nutztiere) zu versklaven?
Was kostes es eine Tierart komplett auszurotten (Bienen z.B)?
Was kostet ein überfahrener Hase auf der B XY?
Was kostet die Elbvertiefung ?
Was kostet die Verbrennung von 1 Liter Rohöl?

Antwort: Material + Lohn + Energie + Sonstiges

Die ersten 3 kann man gut beziffern aber Sonstiges = Effekt auf Umwelt wird gerne rausgestrichen bzw. man weiss es nicht! Deswegen ist der Preis ja auch so gering.

Ein Dozent von mir hat gesagt "Es gibt zwei Dinge die die meisten Menschen nicht begreifen können. 1. Nichtlinearität und 2. Fernwirkung (Räumlich und Zeitlich).

Umweltverschmutzung ist zunächst eine Fernwirkung und von Haus aus nichtlinear. Eine geringe Verschmutzung hat kaum Nachteile für das Leben der Leute. Denken sie sich "doppelt so viel geht locker".

Dann wird es doppelt so viel und der Effekt wesentlich schlimmer (Nichtlinearität) und in Bereichen die man vorher nicht beachtet hat (Fernwirkung). 

Insekten

So z.B. beim Einsatz von Chemie in Landwirtschaft die die Erträge maximieren soll. Leider gehen die Bienen am verteilten Insektengift ein und können die Blüten nicht mehr bestäuben. Was die Landwirtschaft negativ beeinflusst.

Der Effekt muss aber erst einige Jahre wirken bis die Auswirkungen nicht mehr zu leugnen sind. Wäre die Landwirtschaft unbeeinflusst würde man wahrscheinlich noch viel weniger machen. Artensterben ist ja normal.

Ich denke umweltbewusste Menschen werden belächelt da Umwelt immer als externer Faktor betrachtet wird und in allen Investitions-Gewinn Theorien vernachlässigt wird.

Kümmern um Umwelt macht ja nur Kosten eine ganz schlechte Investition.

Zur Umwelt zählt die Natur, Tiere und auch die Menschen sofern sie kein Produktionsfaktor sind.

Holzwirtschaft

Man kann beispielsweise einen Wald komplett abroden, das Holz verkaufen und kräftig kassieren. Das es hunderte Jahre braucht um den Wald wieder zu generieren und dass ein ganzes Biotop vernichtet wird taucht in keiner Rechnung auf. Die Kosten dafür sind vernachlässigbar. "Welche Kosten ? Bäume wachsen doch von alleine" würden viele Holz-Lobbyisten herunterspielen.

Leider können wir Bäume nicht einfach so produzieren. Sie müssen selber wachsen und es dauert Jahrzehnte.

Öl

Man kann auch das ganze Öl aus der Erde pumpen und verkaufen und gerne vernachlässigen das es (nach gängigen Theorien) mehrere Millionen Jahre braucht bis wieder ein ähnliches Vorkommen irgendwo auf der Welt generiert wird.

Die Kosten für ein Liter Öl sind demnach nicht im Cent Bereich angesiedelt sondern eher im Millionen/Milliarden € Bereich /Liter beachtet man die langen Zeitskalen zur Produktion von 1 Liter Rohöl.

Und auch wenn das Fehlen dieser Ressource von künftigen Generationen den heutigen in Rechnung gestellt werden würde. Wir können Öl leider nicht in den benötigten Massen herstellen und wenn würde es viel mehr Energie benötigen als wird durch die Verbrennung herausholen würden.

Solange die Umwelt nicht als ein Produktionsfaktor angesehen wird auf diese kaum geachtet.
Plastikmüll.

In allen großen Wirbelströmungen auf der Erde enstehen gigantische Plastikstrudel. Nun fühlt sich dafür keiner zuständig und verantwortlich. So lange es die Fischereigebiete nicht allzu negativ betrifft macht man fröhlich weiter. Das allerlei Getier am Plastik eingeht (Plastikmägen bei Vögeln) stört die Industrie nicht.

Sie produzieren ja keine Vögel, verkaufen sie nicht und bei Fischen wird der Mageninhalt sowieso weggeschmissen, ist doch egal wieviel Plastik drin ist.

Verbraucher

Als Verbraucher hat man es auch leicht. Man kauft, verbraucht und entsorgt die Verpackung im Gelben Sack. Aus den Augen aus dem Sinn. Wo das landet, was damit weiter passiert, ach egal "wird schon". Ja das machen alle so und es landet in den Weltmeeren.

NedomOgNord 13.06.2017, 00:23

Super, vielen Dank für die gehaltvolle und ausführliche Antwort!

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Nicht-Umweltbewusste Menschen wären sonst konstant mit einem negativen Gefühl belastet.

Sich über umweltbewusste Menschen lustig machen ist für solche Leute eine Strategie um ihr unbewusstsein  zu "ertragen".

https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Dissonanz


Jemand weiss beispielsweise, dass Fleisch-Essen schlecht für die Umwelt ist, kann sich das aber nicht eingestehen weil er dann selber kein Fleisch essen dürfte. Um diesen Konflikt aufzulösen, beleidigt er dich, stellvertretend für die Idee Vegetarisch zu leben.

Wer schon einmal mitbekommen hat, wie sich ein Gesundheitsfanatiker auf dem Fahrrad sitzend durch dichten Stop-and-Go-Berufsverkehr geschlängelt hat, wer schon einmal vom Fahrer eines räuchernden Diesel-PKWs darüber belehrt wurde, wie schädlich das Rauchen ist, oder wer einen Plastiktütengegner beobachtet hat, der in Jute-Beuteln seine in Kunststoffflaschen befindliche Wochenration an Getränken transportiert, sieht die Dinge etwas gelassener, neigt aber auch leicher zu Verallgemeinerungen.

Ebenso ergeht es manch einem, der einen emsigen Jogger jeden Vormittag einen Weg entlanglaufen sieht, und ihm später in einem Supermarkt begegnet, wo sein Einkaufwagen mit Fastfood und Süßigkeiten vollgepackt ist.

Umwelt- und Gesundheitsbewußtsein ist ja per se eine gute Sache, aber bei beobachteter skurriler Inkonsequenz, aber ebenso auch bei maßloser Übertreibung bishin zur Sinnfreiheit wird man automatisch nachdenklich und fängt an zu überlegen, wie hoch der Anteil derer wohl tatsächlich sein könnte, die sich mit dem Aushängeschild Öko & Co. in die eigene Tasche lügen.

Hallo!

Das dürfte damit in Zusammenhang stehen, dass umweltbewusste Menschen gelegentlich weltfremd, belehrend, intolerant und radikal auftreten und mit ihrem Gedankengut auch andere Menschen "missionieren" wollen.

Weil das eben das gesellschaftliche Klischee dann auch ist und viele nicht wissen, dass umweltbewusste Menschen ganz normal sein können und völlig unauffällig bzw. tolerant, da sie das in den Medien breitgetretene Klischee vor Augen haben, kommen solche Denkweisen zustande.

Ansonsten gibt es auch Menschen, die sich über alles echauffieren, das in irgendeiner Weise neben einer nicht näher definierten Norm befindet.

Das war schon immer so. Der Spruch Öko Tussi ist nicht neu. 

Es ist einfach immer noch nicht die Norm, sich über gewisse Dinge nicht nur Gedanken zu machen sondern auch danach zu leben. 

Das lieg wohl teilweise an unseren kaptalistischen Wertesystem, das auf WACHSTUM und der Ausbeutung der dritten Welt und fossiler Energieträger setzt.
Da zählt eher der SUV als ein Smart oder das Fahrrad.

Das würde ich nicht verallgemeinern. Jeder kann das alles gerne tun, ich versuche auch umweltbewusst zu leben.

Aber Menschen, die mir hundert mal erzählen, dass sie Vegetarier sind, gehen einem einfach mega auf nie Nerven... Ich erwähne doch auch nicht in jedem Satz wie lecker Steak ist. Genauso ist es bei anderen Dingen bei denen man dann die volle Background Story bekommt warum sie "xy" nicht tun/haben wollen, weil "das und das" daraus resultiert... Es interessiert einfach nicht und es ist nervig. Ein "Nein, danke" reicht in den meisten Fällen aus...

NedomOgNord 12.06.2017, 17:02

Ich habe keineswegs verallgemeinert sondern nur erwähnt, dass mir dieses Verhalten des Öfteren schon aufgefallen ist. 

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Weil sie nicht selbst zufrieden damit sind, sondern auch Mitmenschen immer wieder überzeugen wollen, wie gut ihr Verhalten ist. Lächeln über Veganer ist erklärlich, da sie vollkommen falsch liegen mit ihrer Meinung, den Tieren nicht schaden zu wollen. 

NedomOgNord 12.06.2017, 17:03

Oh, erläutere doch bitte, inwiefern Veganer mit ihrer Einstellung falsch liegen?

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Liesche 12.06.2017, 17:35
@NedomOgNord

Weil sie keine Eier essen, was wird aus den Eiern, die die Hühner ja legen müssen, weil sie im Körper entstehen. Sollen sie alle befruchtet werden, und alles junge Hühner entstehen, was soll damit werden? Kühe, deren Milch nicht mehr von den Jungtieren getrunken wird, würden kranke Euter bekommen, wenn sie nicht gemolken werden, usw. Auch Frauen, die nach der Geburt zu viel Milch haben, müssen die Milch abpumpen, damit sich die Brust nicht entzündet, so ist es eben bei den Kühen auch. Also hilft kein Veganer Tiere zu schützen.

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NedomOgNord 12.06.2017, 18:32
@Liesche

Sorry, aber das ist falsch. Nun denn. Allein in der Schweiz legen die Hennen der Eierindustrie jährlich 700 Millionen Eier. Von Natur aus würde eine Henne zwei Mal jährlich höchstens 12 (!) Eier legen und diese ausbrüten. Nimmt man der Henne aber Eier aus dem Nest, wird sie neue Eier legen, damit ihr Nest voll ist. 

Diesen natürlichen Mechanismus nutzt die Eierindustrie aus, indem den Hennen einfach immer alle Eier weggenommen werden. In Hallen mit Tageslicht- und Wärmelampen wird ihnen zudem vorgegaukelt, es sei Frühling und somit Legezeit. Auch den Bruttrieb hat man schlicht weggezüchtet. Nur durch diese Massnahmen ist es möglich, dass eine Henne bis zu 300 Eier im Jahr legt, was eine unglaublich extreme Belastung für sie darstellt. Die Folge ist ein völlig ausgezehrter Hennenkörper: Das Kalzium, das für den Aufbau der Eierschalen benötigt wird, entzieht der Körper den Knochen. Diese werden folglich brüchig. 

Man kann sich mit etwas Verstand vorstellen, wie sich dieser künstlich erzeugte, permanente Brutkreislauf auf den Körper auswirkt. Nach 15-18 Monaten endet das Leben der Hennen im Schlachthof oder durch andere Tötungsmethoden.

Und du weißt sicher, dass die männlichen Küken in der Industrie instant getötet werden, da sie "unbrauchbar" sind? Und lass dir eins gesagt sein: diese Tötung ist alles andere als schmerzlos.

Außerdem: Ein Huhn sollte in der Käfighaltung laut Gesetz 600 Quadratzentimeter Platz haben. Allein das ist schon lächerlich gering, ob dieses Mindestmaß jedoch überhaupt eingehalten wird, ist mehr als fraglich. 

Übrigens wurde durch einen Blick hinter die Kulissen sogenannter "Bio-Hühnerfarmen" aufgedeckt, dass die Hühner auch in den sog. alternativen Haltungsformen zur bloßen Produktionseinheit degradiert werden. Die Grausamkeit, die die Tiere dort tagtäglich erdulden müssen, steht der in den von der Gesellschaft und dem Gesetz geächteten Käfighaltungen in kaum etwas nach. 

Du kennst sicher die Bilder von dem wahren Leben der Hühner in der Industrie, oder? Tiere, die sich gegenseitig zu Tode picken aufgrund von Panik wegen des Platzmangels, ausgemergelte, federlose, halbtote Hennen neben mit Kot beschmierten Kadavern. Das spricht schon für sich.

In der Milchindustrie ist es quasi dieselbe Sache: Kühe geben nicht von alleine Milch. Wie alle Säugetiere produzieren sie diese nur für ihren Nachwuchs. Um die produzierte Milchmenge hoch zu halten, werden die Kühe ab ihrem zweiten Lebensjahr regelmässig zwangsgeschwängert, sie gebären somit immer wieder Kälbchen. Diese werden ihnen üblicherweise zwei bis drei Tage nach der Geburt weggenommen, da die für sie gedachte Milch für den Menschen bestimmt ist.

 Die Mutterkühe und Kälber rufen nach einander und die Kälber saugen an den Fingern und anderen zitzenähnlichen Gegenständen. Beides zeigt die Verzweiflung der Tiere deutlich auf. Die von der Mutter getrennten Tiere werden meist in sogenannte Kälberiglus gesteckt, unter anderem damit sie sich nicht gegenseitig besaugen. Gegenseitiges Besaugen gilt aus veterinärwissenschaftlicher Sicht als Verhaltensstörung, die insbesondere darauf zurückzuführen ist, dass die Kälbchen mit einem “Milchaustauscher” versorgt werden, statt bei der Mutter zu saugen. 

Der Großteil der Kühe verbringt übrigens die meiste Zeit in Anbindehaltung und bekommt nur während der vorgeschriebenen 90 Tage im Jahr Sonnenlicht zu sehen.

Da männliche Kälber nicht für die Milchproduktion zu gebrauchen sind, erwartet sie in der Kälbermast bereits nach einem halben Jahr der Tod. Ein Teil der Kälber ist für die Rindermast bestimmt und wird nach etwa einem Jahr getötet. Die weiblichen Tiere folgen ihren Müttern, sie erwartet ebenfalls ein Leben als Milchkuh. 

Die Euter der heutigen “Hochleistungskühe” produzieren ein Vielfaches der Milchmenge, die ein Kalb benötigen würde. Das führt dazu, dass ein grosser Teil der Tiere an Mastitis (Euterentzündung) erkrankt. Sowohl in konventionellen als auch in Bio-Betrieben leidet rund ein Drittel der Tiere an Euterentzündungen.
Zu den üblichen Krankheiten gehören auch Rückenbeschwerden und Klauenerkrankungen durch dauernde Stallhaltung. 

Bereits nach etwa fünf Jahren ist eine Kuh dermassen ausgezehrt, dass ihre Milchleistung nachlässt. Da es nicht mehr rentabel wäre, sie weiterhin am Leben zu behalten, wird sie geschlachtet, obwohl eine Kuh 20 Jahre alt werden kann.

Diese Probleme werden auch durch Biologische Landwirtschaft oder das Ausweichen auf andere Tiere (Ziegen, Schafe) nicht vermieden.
Auch “Biokühe”, Schafe und Ziegen werden einer permanenten Schwangerschaft unterzogen.
Sie sind überzüchtet und leiden daher häufig an Stoffwechselstörungen, Lähmungserscheinungen und Euterentzündung.
Ihre Kälber werden ihnen weggenommen und sterben einen frühen Tod in der Fleischproduktion oder werden nach einem Viertel ihres natürlichen Lebens in der Milchproduktion geschlachtet.

Auf die ökologischen und gesundheitlichen Aspekte kann ich nun aufgrund der Zeichenbegrenzung nicht mehr eingehen. 

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Liesche 12.06.2017, 18:40
@NedomOgNord

Du siehst es wohl doch etwas zu problematisch. Es gibt viel Kühe, die normal gehalten werden bei den Bauern, ebenso wie die Hühner. Warst Du schon einmal auf einen normalen Bauernhof, das ist oft ein sehr friedliches Bild.

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NedomOgNord 12.06.2017, 21:48
@Liesche

Nein. Ich sehe es lediglich realistisch. Die idyllischen Bauernhöfe mit glücklichen Kühen existieren praktisch nur noch in Gedanken. Es muss doch klar sein, dass die Milchprodukte und Eier in den Supermärkten nicht dem heimischen kleinen Bauernhof von nebenan entstammen...

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NedomOgNord 15.06.2017, 10:14

Irrtum: Bio auch nicht. Ich habe das in meinem langen Text oben ausführlich erläutert.

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Liesche 15.06.2017, 18:01
@NedomOgNord

Kannst mich trotzdem nicht von Deiner Meinung überzeugen. Das was Veganer so essen, ist für mich utopisch. Ich brauch nun mal Butter, Milch und Käse, auch Wurst und Fleisch. 

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Weil viel von dem ganzen Ökogequatsche auch Müll ist, z.B. das Abgase an der Erderwärmung Schuld seien. Meine Meinung 

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