Wieso werden ökonomisch schlechter gestellte Menschen als 'sozial schwach' bezeichnet?

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ein sozial schwacher Mensch kann die Gesamtheit der Teilnehmer an der Gesellschaft nicht unterstützen, sondern muss vielmehr von der Gesamtheit der Teilnehmer gestützt werden. Der Begriff des "sozial Schwachen" resultiert aus den Zeit der Begründung des Sozialstaates.

Danke. Die Antwort scheint mir zunächst einleuchtend, jedoch nur auf den ersten Blick. Schließlich ist es doch durchaus denkbar, dass es an dem wirtschaftlichen, politischen und sozialen System liegt, dass die 'sozial schwache' Person überhaupt erst in die Situation geraten ist. (vgl. hierzu siehe u.a. die Überlegungen von Fresco, Marx, Mises) Schließlich wird nicht differenziert zwischen 'sozial schwachen Opfern des Systems' und 'sozial Schwachen, die für ihre wirtschaftliche Situation selbst zur Verantwortung gezogen werden können'. Weiterhin gibt es zur Genüge 'sozial Schwache', die das System und die Gesellschaft stützen. Man denke an die Arbeiter aus dem Dumping- und Niedriglohnsektor, die ihre Steuern zahlen und keine Stütze vom Staat erhalten.

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@Frank57

Moment Kollege, Du gehst jetzt aber sehr ins Detaill. Wir haben uns nur über den Begriff an sich unterhalten. Wenn Du die Auswirkungen und die Ursachen beleuchten möchtest, dann sind wir hier auch sehr schnell beim Schreiben eines Buches. Wenn Du derartig in die Tiefe gehen willst, dann musst Du als erstes mal differenzieren auf welches Spektrum die soziale Schicht gesehen wird, da wir in der Staatengesamtheit unterschiedliche Sozialstaaten und Sozialmechanismen haben, bzw. hatten.

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@Taflie1961

Selbstverständlich gehe ich ins Detail, das ist sehr richtig. Ich bin, wie gesagt, an einer Erklärung interessiert, was m.E. Etymologie und Definition des Begriffs mit einschließt. Ich stimme Ihnen völlig zu - die Antwort impliziert Querverweise auf gegebene Mechanismen, andere Begrifflichkeiten, usf. Mir genügt momentan der Bezug auf das deutsche Wirtschaftssystem. Ich versuche, die Begrifflichkeit 'sozial schwach' zu verstehen, da bleibt so manches Detail nicht aus. Ich würde mich über mehr Detail zu Ihrer Position freuen, daher die Nachfrage.

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@Frank57

Ich darf mich entschuldigen, aber ich habe mich erst jetzt wieder eingeklinkt. Unter sozial schwachen Menschen verstehen wir hier in Deutschland nicht unbedingt die Herrschaften in Jogginghose, Schlappen, Unterhemd und Bierflasche. Sehr viel mehr Menschen sind sozial schwach, ohne das es in der Gesellschaft offensichtlich wird. Hierzu gehören z.B. auch Rentner, die sich in ihrer Arbeitszeit zwar über Wasser halten konnten, die aber jetzt im Rentenalter vorne und hinten nicht klar kommen. Gleichsam Eltern die mit den steigenden Kosten zur Kindeserziehung Probleme haben, und die hier eine Unterstützung in Form von Kindergeld erhalten. Für solche Menschen, natürlich jetzt nicht speziell Rentner oder Eltern, haben wir hier in unserem einstigen Sozialstaat Unterstützungen wie Wohngeldförderung eingerichtet. Der Hintergrund der Unterstützung ist dabei, dass es für die Geselschaft nicht einsehbar ist, dass Menschen die Leistungswillen und Bereitschaften zeigen und gezeigt haben, aufgrund von Mindereinkünften ausserhalb der Gesellschaft stehen. Erst in den letzten 20 Jahren haben wir dann vermehrt sozial schwache Menschen, die weder eine Leistung vollbracht haben, noch eine Leistungsbereitschaft an den Tag legen. Hierzu bedurfte es eines Umdenkens in der Unterstützungsstruktur, die leider aufgrund der Unfähigkeit unserer Politiker in HartzIV gipfelt. Wie das weiter gehen soll, weiss der liebe Gott.

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Sozial kommt als Begriff aus socius, das bedeutet‚ gemeinsam oder verbunden, verbündet.

Wer sozial ist, ist also mit anderen gemeinsam verbündet, gerade auch in ökonomischer Hinsicht.

Aus dieser Ansicht heraus bedeutet das, dass der sozial ist, wer durch eigene Leistung zum Wohlstand für alle beiträgt.

Da jemand, der ökonomisch eher inaktiv ist, eben dieses nicht oder nur sehr begrenzt tut, wird dieser dann als "sozial schwach" bezeichnet, da er eben nicht zum Wohlstand für alle beiträgt.

Das Adjektiv "sozial schwach" ist demnach ein Euphemismus für "arm".

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Nicht zu verwechseln mit Unsozial oder Asozial, jedoch schwingten diese Begriffe bei der Nennung von "sozial schwach" immer unterbewusst zumindest mit.

Und da diese mitschwingen, halte ich es für äußerst unglücklich, diese Wortwahl so anzuwenden.

Ich bitte mich nicht mißzuverstehen, ich habe hierbei versucht, den eigentlichen Begriff zu erklären, ohne eine Wertung abzugeben.

Das man dadurch Menschen, die nichts dafür können, in wirtschaftliche Not geraten zu sein, die gerne Arbeiten würden, teilhaben würden, dann doch eher diffamiert werden, der Begriff "sozial schwach" klingt doch sehr unschön, ist meine persönliche Meinung dazu, welche in einer Erklärung jedoch nichts zu suchen haben mag.

Danke, auch für die Meinung (eine solche ist in dieser Art Forum sicher nicht unangebracht). Nichtsdestotrotz verweise ich auf meinen Kommentar zur Antwort von 'Taflie1961Ä (oben). Mir scheint noch immer der Ausdruck, neben seiner negativen Konnotation usw., stark unreflektiert zu sein. Schließlich tragen gerade die oftmals als 'sozial schwach' Bezeichneten zum Wohlstand (aller und anderer) bei. Nochmals der Verweis auf die tausenden Arbeiter, die 40-60 Stunden die Woche arbeiten und weniger Lohn erhalten, als jemand, der meinetwegen Harz IV erhält. Diese Menschen zahlen Ihre Steuern ohne Steuergesetze zu biegen und zu hintergehen. Auch erlauben diese Menschen (willentlich oder nicht) den Wohlstand weniger. Insofern leisten diese mehr für das Gemeinwohl als andere (wie bspw. Michael Schuhmacher, wenn mir diese sarkastische Anspielung auf 'Muxmäuschenstill' erlaubt ist). Daher würde ich auch 'sozial schwach' nicht mit 'ökonomisch inaktiv', sondern eher mit 'ökonomisch benachteiligt, da Geringverdiener' beschreiben.

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@Frank57

Du gibst eine persönliche Wertung ab, welcher ich mich voll und ganz anschließe.

Jedoch geht es in der Frage eigentlich nur um die reine Begriffsherkunft, warum das so verwendet wird.

Es spricht natürlich Bände... in Sachen Weltbild der Leute, welche diesen Begriff geprägt haben.

Eigentlich sollte man das als Unwort deklarieren, auch und gerade deshalb!

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