Wieso werden immer noch Ferkel in der ersten Lebenswoche blutig kastriert ohne Betäubung, obwohl es Alternativen gibt, die nahezu schmerzlos sind?

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8 Antworten

Ich versuche es nochmals, weil meine andere Antwort offensichtlich gelöscht wurde. Sollte sie doppelt erscheinen, tut es mir leid.

Solange der Verbraucher sich nicht schämt, für ein kg Schweinehack 0,39 Euro pro Lio auszugeben, wird sich da nichts ändern. Nur der Verbraucher hat es in der Hand.

Stell Dir mal vor, ein Bauer hat 9 Ferkel, er ruft den TA, der legt das erste in Narkose, macht die OP, während das 2. durch einen Assistenten narkostisiert wird. Wenn die beiden schnell und effektiv arbeiten, im Knieen und Stehen in der Schweinebox, dann können sie in 3 Stunden fertig sein. Und das bei 9 Fernkeln. Ich habe keine Ahnung, wie viele Ferkel pro Wurf durchschnittlich auf die Welt kommen. Am Narkosemittel dürfte es nicht scheitern, das ist nicht das Teuerste. Aber glaubst Du, der Bauer zahlt Stundenlöhne für TA und Assisten? Und was passiert, wenn eines dieser furchtbar empfindlichen Ferkel stirbt? Schweine sind sehr streßanfällig.

Wenn Du siehst, wie lange Vorschriften und Gesetzesvorschläge für den Tierschutz brauchen, um im Parlament durchgesetzt zu werden, dann kommen Dir die Tränen. Als es um die Abschaltung von Atomkraftwerken ging, waren unsere Politiker schnell, so schnell konntest Du gar nicht gucken.

Seit Ende der 90er Jahre liegen z. B. Gesetzesvorlagen vor, daß freilebende Katzen nachweislich kastriert und markiert werden sollten, um die Katzenflut einzudämmen. Allein in und um Berlin soll es mehr als 100.000 freilebende verwilderte Hauskatzen geben. Was hat sich getan? Nichts! In einigen Gemeinden wurde eine entsprechende Verfügung mehr oder minder halbherzig eingeführt, nur um wenige Monate später wieder ausgesetzt zu werden, weil sich einige der fürsorglichen Katzenhalter nicht damit einverstanden erklären konnten, ihren armen Tieren dies anzutun. Also bekommen sie weiterhin munter Nachwuchs und jeder schreit nach dem Tierschutz, wenn irgendwo Not am Mann ist.

Nebenbei: Kleine Schaflämmer bekommen kurz nach der Geburt Gummiringe um die Schwänze gelegt, damait diese absterben, die Kleinen könnten sonst mit ihren langen Schwänzen im Dreck liegen und nicht mehr schön aussehen!

Nur wir Menschen können eine solche Haltung ändern. Da aber alles reine Geldmacherei ist, wird es wahrscheinlich nicht dazu kommen. Ein Bauer ist ein Mensch, der VON Tieren lebt und nicht MIT ihnen.

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Burgilali 31.12.2015, 16:07

Hallo Negreira, vielen Dank für Deine Antwort. Den Verbraucher als solchen gibt es nicht. Es gibt viele unterschiedliche Verbraucher. Da fast 50 % der deutschen Schweinefleischproduktion exportiert werden, bestimmt der Weltmarktpreis wieviel der Schweinemäster erhält. Wäre der Preis für Hackfleisch ohne Alternative höher würde der Verbraucher mehr zahlen oder sich beim Kauf erst mal zurückhalten. Grundsätzlich wird die Kastration nicht in der Schweinebox, weder im Knien noch im Stehen, sondern auf dem Gang zwischen den Boxen, oder bei der Kastration mit Inhalationsnarkose, ein Narkotikum für eine andere Applikationsart ist derzeit auf dem Markt nicht erhältlich, in einem anderen, gut durchlüfteten Raum durchgeführt. Guck mal bei Neuland. Außerdem handelt es sich um eine vom Tierarzt erbrachte Leistung, die nach GOT bezahlt wird. Die GOT, Gebührenordnung für Tierärzte, ist eine Bundesverordnung und genauso gültig, wie z.B. die Strassenverkehrsordnung. Im übrigen braucht der Bauer nicht den Tierarzt rufen für die Ferkelkastration in Narkose, weil die Immunokastration kann der Schweinemäster nach Anleitung des Tierarztes selbst durchführen. Die Immunokastration ist eine beinahe homöopathische Vorgehensweise, ohne Warztezeit, die seit über 20 Jahren in verschiedenen Teilen der Welt, z.B. Brasilien, Neuseeland, Australien, Spanien, durgeführt wird. Das einzige Gegenargument, das immer wieder angeführt wird von Vertretern der Landwirtschaft und des Handels ist deren Mutmaßung, dass diese wahrlich tierschonende Vermeidung des Ebergeruchs in unserer Bevölkerung abgelehnt würde. Es werden in der Sauenhaltung Fruchtbarkeitshormone eingesetzt, es werden bundesweit tonnenweise Antibiotika an Mastschweine verfüttert, ohne dass jemals ein Bauer oder ein Vertreter des Handels uns gefragt hätte, ob wir das wollen.

Wir haben ein sehr gutes Tierschutzgesetz des Bundes; allerdings liegt der Vollzug in den Händen der Bundesländer. Die Veterinärverwaltung der Bundesländer ist leider personell unterbesetzt und hat daher eine so hohe Dienstbelastung, dass die Überwachung der Einhaltung unserer Tierschutznormen im Argen liegt. Das Kupieren der Lämmerschwänze mit Gummiringen ist ein Verstoß gegen § 6 Abs. 1 Satz 1 Tierschutzgesetz, sofern es nicht einen vernünftigen Grund gibt, der den Eingriff im Einzelfall bei der Nutzung des Tieres zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerlässlich macht. Wenn Du also davon Kenntnis hast, dass ein Schäfer dies tut, dann informiere das zuständige Veterinäramt davon, möglichst mit konkreten Angaben von Ort und Zeit Deiner Beobachtung. Der Amtstierarzt ist verpflichtet Tierschutzvergehen abzustellen und neue Straftaten zu verhindern. Der Schäfer muss gegenüber dem Amtstierarzt glaubhaft darlegen, warum er die Lämmerschwänze kupiert. Das wird ihm sehr schwer fallen, weil die hygienischen Probleme der Lämmer eine ausschließliche Folge seiner Managementfehler sind.

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Negreira 31.12.2015, 16:36
@Burgilali

Vielen Dank für Deine Infos. Ich habe bis vor 10 Jahren ein Tierheim gehabt und mich jeden Tag mit Bauern, Schaf-und Ziegenhaltern und anderen Menschen angelegt, die sich angeblich tagtäglich um die Belange von Tieren kümmern. Ich hatte keine Ahnung über die Kastrationsweise von Schweinen, weil ich mich damit noch nie befaßt habe, aber die Sache mit den Schafen kenne ich aus eigener Anschauung, es gibt ja auch immer noch Schäfer, die ihre Böcke ohne Narkose kastrieren. Glaub mir, würde ich das bei einem sehen, ich wäre schneller am Telefon, als der gucken könnte.

Leider habe ich mich immer mit den Amtsvets angelegt. Ich weiß, daß die hoffnungslos unterbesetzt sind, und verstehe auch, daß sie nicht jedem Kinderkram hinterher laufen können. Da sie aber die einzigen, wirklich wirksamen Ansprechpartner sind, um etwas helfen zu können, sind sie unverzichtbar. Dadurch, daß die Leute immer sofort nach dem Tierschutz schreien, wenn es aber darum geht, hier mal vielleicht den einen oder anderen Euro locker zu machen, damit dieser sich auch um die Tiere, die ihm anvertraut sind, kümmern kann, entsteht immer der Eindruck, der Tierschutz wolle nichts tun. Der Tierschutz KANN nichts tun, nur die Veterinäre. Und wenn dann monatelang nichts passiert, bis Tiere aus einer besch..... Haltung geholt werden, dann kann man schon verrückt werden. Fleisch in der Tiefkühltruhe, das auch von den Vets. kontrolliert wird, ist bereits tot, aber manche Tiere leben noch, wenn man sie aus schlechter Haltung herausholt.

So lange man nicht immer wieder auf die schlechten Lebensbedingungen der Tiere hinweist, wird sich da nichts ändern. Man erreicht immer nur einige Leute in seinem Leben, leider nicht alle.

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Weil der Großteil der Verbraucher lieber 15 Liter Sprit durch das SUV jagt, als sich 3 Euro mehr pro Kg für ein vernünftiges Stück Fleisch zu leisten.

Heute bei Real: http://prospekt.real.de/wochenangebote-nach-kategorien/lebensmittel/fleisch/angebote/anzeigen/schweinehackfleisch-oder-hackfleisch-gemischt.html

Ob die schmerzfreie Kastration von männlichen Hybridschwein-Ferkeln vor dem Hintergrund eines 27-Wochen CAFO-Zyklus (concentrated aminal feeding operation in Kastenständen mit 45-60 cm Liegeplatz und Fütterungsautomatik) einen wirklichen Quantensprung darstellt, wage ich zu bezweifeln.

Der Rest ist Kapitalismus.

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Burgilali 31.12.2015, 14:26

Hallo lastgap! Woher hast Du den CAFO-Zyklus. Davon habe ich noch nie gehört. Die Haltung von Schweinen in Kastenständen ist ohnehin nur für Zuchtschweine nach dem Absetzen ihrer Ferkel für einen Zeitraum von ca. 4-6- Wochen erlaubt. Für die Ferkel wäre es tatsächlich ein Quantensprung, weil ihnen die mit der blutigen Kastration verbundenen Schmerzen, Leiden und Schäden erspart blieben. Der Ferkelerzeuger würde sich die Arbeitszeit sparen.

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Weil ein Großteil der Kunden immer noch extrem billiges Fleisch kaufen will. Der Verbraucher zwingt den Hersteller überall wo es nur geht, Kosten einzusparen. Es ist ja so einfach, über die bösen Landwirte zu schimpfen, die ihre Tiere quälen und sich im gleichen Atemzug über die zu hohen Preise aufzuregen.

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Womöglich weil es denen Zu Teuer wäre :-(

kann man nicht fassen was es so für Menschen gibt!

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Aliha 31.12.2015, 13:45

Nicht "denen" ist das zu teuer, sondern dem Kunden der billige Schnitzel kaufen will.

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weil das kostet und das will man nicht ausgeben dafür, leider !

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Burgilali 31.12.2015, 13:46

Hallo Otilie1, Dankeschön für Deine Antwort. Wer isr "man"?

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Otilie1 31.12.2015, 13:50
@Burgilali

na ja, eben jeder der den tieren sowas antut. rechne mal aus was das kostet wenn so ein schweinezüchter alle seine ferkelchen betäuben ließe um sie zu kastrieren. das sparen die sich lieber !

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Weil es Menschen gibt, denen das Wohl der Tiere Sch... egal ist.

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Burgilali 31.12.2015, 14:03

Hallo Engelchen1213 ich möchte Deine Antwort dahin korrigieren: ...weil es Bauern und Politiker gibt, die NUR von Tierwohl reden...

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Aliha 31.12.2015, 14:10
@Burgilali

Weil es Verbraucher gibt, denen niedrige Preise über das Tierwohl gehen!

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Weil alternativen schlicht und einfach zu teuer wären.

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Burgilali 31.12.2015, 13:45

Hallo Diggea, Dankeschön für Deine Antwort. Wie sehen denn die Alternativen aus, die Du für zu teuer hältst?

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Digggaa 31.12.2015, 13:59
@Burgilali

da kann man lange drüber diskutieren, denn die liste ist praktisch endlos. ich habe einen Schweinebauern in der Bekanntschaft und der hat sich schon vor langer Zeit nach Alternativen umgeschaut. allerdings sind diese immer so teuer gewesen, dass die Schweinezucht nicht mehr lukrativ genug gewesen wäre und deswegen muss er leider Gottes immer noch auf herkömmliche weise Kastrieren. wobei er nun am überlegen ist die Zucht komplett aufzugeben, weil ihm das alles zu viel wird und er auch keine Tiere mehr "quälen möchte"

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Burgilali 31.12.2015, 16:13
@Digggaa

Hallo Diggea, verzeih mir wenn ich Dir widerspreche. Es gibt nur drei Alternativen zur blutigen Kastration.

1. Die Ebermast

2. die Immunokastration

3. Die Betriebsumstellung bzw. Aufgabe.

Mit Ausnahme von Nummer 3  betrifft keine der Alternativen den Sauenhalter unmittelbar.

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Sarriii 31.12.2015, 13:57

ich denke weil Betäubungsmittel zu teuer wäre, oder weil die andere Haltung zu aufwendig wäre.

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Nur aus Kostengründen.

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Burgilali 31.12.2015, 13:47

Hallo Lohne, Dankeschön für Deine Antwort. Wer hätte die Kosten zu tragen, und wie hoch sind die denn?

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lohne 31.12.2015, 13:55
@Burgilali

Die Kosten hätte der Landwirt tragen müssen. Wieviel der Tierarzt dafür verlangt kann ich nicht sagen. Aber bedenke das Tier muss örtlich betäubt werden, etwas warten, und dann schnipp. Schätze mal, so rd. 6 - 8 €. Da der Ferkelerzeuger sowieso nur sehr wenig verdient, wäre das für ihn höchstens ein Nullsummenspiel.

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