Wieso werden depressionen so komisch behandelt?

7 Antworten

Hallo Dreadon, Deine Strategie finde ich grundsätzlich gut, bis auf einen Punkt: "notfalls hald irgendwelche rauschmittel die einem motivieren "

Ich denke, dass ist genau der falsche Weg, Rauschmittel "trainieren" Dich darauf, mit Ihrer Hilfe Probleme zu lösen. Und so wirst Du abhängig.

Modernere Antidepressiva, etwa Serotonin Hemmer wie Fluexetin, Citalopram oder Paroxetin, die inzwischen 20 Jahre in der Anwendung sind, haben kaum Nebenwirkungen und unterstützen dabei, die Ursachen der Depression wie Konflikte, Ängste, Antriebslosigkeit selbstbestimmt zu bewältigen. Das ist nachhaltig.

1. Das Beseitigen des Stressfaktors kann im schlimmsten Fall den gegenteiligen Effekt haben, weshalb in einer Therapie dazu geraten wird, den Stressfaktor zu akzeptieren (was in den seltensten Fällen funktioniert, aber nun gut). Selbst wenn ein solcher Stressfaktor gefunden würde, hätte dies nur temporär Erfolg, da die Ursache von Depressionen nicht existiert. Es gibt mannigfaltige Gründe, weshalb man einen depressiven Zustand erleidet, jedoch hat die Krankheit in dem Sinne keine direkte Ursache. Damit will ich sagen, dass sich die Krankheit dann schlicht einen neuen Grund "raussucht" und sei er noch so nichtig.

2. Das ist leichter gesagt als getan, da man als depressive Person selbst Aktivitäten, die einem gefallen keinen Spaß mehr machen und findet man etwas Neues, dass einem tatsächlich Spaß macht, ändert sich das in spätestens einem Monat erneut. Der Vorschlag mit den Rauschmitteln ist mehr als nur unbedacht. Als Depressiver, sollte man unter keinen Umständen Bewusstseins verändernde Substanzen einnehmen (sei es nun Alkohol oder LSD). Selbst unter ärztlicher Aufsicht sind Behandlungen mit Medizin recht riskant (auch bei Anti-Depressiva).

3. Dies ist teil der üblichen Therapie, jedoch einer der schwersten Aufgaben für einen Depressiven.

Das Beseitigen des Stressfaktors ist schlecht? Für Depression gibt es keine Ursache? Du scheinst jemand zu sein, von dem ich Neues lernen könnte! Könntest du mir ausführlicher erklären, was du damit meinst, damit ich es verstehe? Ich hätte schon angenommen, dass Depression eine Ursache hat. Wieso meinst du nicht? LG

1
@deephelp

-Der Patient muss sich mit dem Stressfaktor arrangieren. Das schlichte Entfernen ist ein Provisorium, dass im Endeffekt mehr Schaden anrichtet, als repariert.

-Das habe ich nicht behauptet...  Depression hat Ursachen, jedoch nicht "Die" Ursache. Es kulminieren verschiedenste Situationen und Angelegenheiten in einem solchen Zustand (Ich habe ehrlich gesagt keine Lust auf die Neurologie einzugehen).

-Nein, sicherlich nicht.

1
@XibalbaDerBaum

Bezüglich des Stressfaktors bin ich skeptisch, da wie du ja selbst gesagt hast, diese Methode nur in den seltensten Fällen funktioniert - wieso also sollte es gut sein, wenn es nie funktioniert? Natürlich muss ein Mensch mit belastenden Situationen umgehen können, aber manche Situationen wie Mobbing oder Familiendramen sind so schwer zu bewältigen, wieso sollte man diese Situation aufrecht erhalten? Zumindest könnte man den Stress reduzieren, oder?

Was den anderen Punkt betrifft, hatten wir dann wohl einfach ein Missverständnis. Ich bin auch der Ansicht, dass mehrere Ursachen anteil haben. Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass eine "traumatische" Erfahrung in der Familie die ursprüngliche Ursache und jede weitere "traumatische" Erfahrung als Wiederholung dieser Anfangsverletzung untergeordnet werden kann. Was hältst du davon? Schade, dass du nicht auf die Neurologie eingehen möchtest, hätte mich sehr interessiert. :) LG

0

Hallo Dreadon,

du hast mit dem was du schreibst gleichzeitig Recht und Unrecht. Erstmal das Negative: Glaubst du ernsthaft Vorgehensweisen werden so gestaltet, dass sie einen hohen Entertainment-Faktor besitzen? Ich weiß nicht worauf du hinaus willst! Therapie und Reden sind erwiesenermaßen die beste Methode, um neue Lebenskraft und Selbstbewusstsein zu finden. Depressionen werden auch nicht "wegtherapiert" sondern geheilt - das ist ein RIESEN Unterschied. Es wird nicht Krankheit beseitigt, sondern der Mensch aufgebaut und von seiner verzerrten Sicht und Denkweise abgebracht. Therapie ist so etwas wie eine Vernunft als Ausgleich zu all den gehässigen emotionalen Kommentaren oder Taten aus der Vergangenheit, sodass man auch wieder zu positiven Gedankengängen kommt. Gerade bei Schuldgefühlen, Trennung oder Mobbing als Hintergrund ist eine Therapie sehr wertvoll.

Jetzt zum Positiven: Ja klar, deine Vorschläge sind gut. Aber sie lassen sich teilweise gar nicht in die Tat umsetzen oder helfen nicht ausreichend gut:

  • Vorschlag 1: Beseitigung des Problems - führt bei Mobbing zu ständigen Schulwechseln, in denen sich das ähnliche Szenario wieder und wieder wiederholt; führt bei Familienproblemen zum Aufwachsen ohne Eltern und wieder anderen psychischen Problemen (ist aber ansich eine gute Idee in manchen Fällen, nur der Staat schafft nicht die Möglichkeiten dazu); ist bei Trennungen gar nicht möglich, da das Problem die Beseitigung selbst ist
  • Vorschlag 2: Biochemische Motivation. Wird bereits gemacht. Ist allerdings nur eine Übergangslösung und keine Dauerlösung. Hilft alleine nicht. Sollte Kindern eigentlich gar nicht verschrieben werden. Rauschmittel die einen motivieren? Bin gespannt auf deine Vorschläge! Ich bleibe lieber bei bewährten Serotoninreglern als irgendein Rauschmittel zu nehmen.
  • Vorschlag 3: Langfristiges Ziel. Eine sehr gute Idee. Gerade junge Menschen sind allerdings noch in der Identitätsfindung und wissen daher gar nicht, wohin sie einmal im Leben möchten. Arbeiter sind in ihrer Routine gefangen. Als Depressiver hat man generell nur ein Ziel: Sterben.

Ich gebe dir völlig Recht - nur reden bringt gar nichts. Das Reden ist ja eigentlich dafür gedacht, dass Leute aktiv etwas an ihrem Leben verändern. Therapie soll auch zum Sport ermutigen, eine Lebensentscheidung fördern, das nötige Selbstbewusstsein schaffen etc. - Das grundlegende Problem bei dir ist: Du denkst lösungsorientiert. In Wahrheit macht es aber nur ein Mix aus problem- und lösungsorientiertem Denken. Da unsere Gesellschaft immer mehr den Fokus auf lösungsorientiertes Denken legt, tust wohl auch du das. Ich halte jedenfalls nichts davon. Psychische Probleme sind in einem selbst. Wird man den Verursacher los, müsste man sich auch selbst loswerden. Hasst man seine Familie, dann auch sich selbst, denn man ist genetisch und sozial ähnlich. Hasst man Kinder, dann auch das Kind in einem selbst. Dinge sind kompliziert in der Psyche und das braucht Zeit. Nur davor wegzulaufen führt dann zu gar nichts. LG :)

grundliegend find ich ja das du irgendwie recht hast aber der erste punkt lässt mich noch nicht so wirklich ganz schlafen ^^

was bringt es wenn man zb. Gemobbt wird und man nichts dagegen macht? Bei dem ständigen schulwechsel würde eine gewisse chance bestehen das es irgendwann mal aufhört.

und klar wird es problematisch bei tieferliegenden problemen aber da kann man doch auch wieder irgendwie an sich arbeiten.

bei punkt 2-3 hab ich eigentlich nicht viel einzuwenden😂

jedoch zu punkt rauschmittel. Gewisse drogen kann man ja unter "Party drogen" abstempeln. Zb. Ecstasy. Diese wiederum schaden eigentlich kaum und heben einfach nur eine gewisse hemmschwelle auf. Das wär vor allem bei schüchterne Menschen von Vorteil. Jedoch ist da dann wieder die Gefahr der abhänigkeit.

 

und: Als depressiv anfällige Person hat man nicht unbedingt das Ziel zu sterben... Es wird hald als einzige Lösung gesehen. Wenn man wieder was gefunden hat woran man sich festklammern kann wird die Option erstmal wieder in den Hintergrund geschoben. (meistens)

0
@Dreadon

Hey Dreadon,

also weiter zu Punkt 1, der ja eigentlich auch von anfang an dein einziger neuer Punkt war. Die Beseitigung des Problems. Ich denke wie gesagt, es gibt ein paar Probleme dabei:

  • Fast jede Beseitigung inkludiert auch gleichzeitige Verluste, jede Umstellung benötigt Kraft
  • Vor allem davon zu rennen, löst viele Probleme nicht, da sie dich verfolgen werden, da du sie mit dir trägst (geringes Selbstwertgefühl führt immer zu Problemen egal welcher Art)
  • Unsere Gesellschaft lässt es ganz einfach nicht zu, unser Leben ist zu kompliziert, zu viele Abhängigkeiten, ganz besonders als Kind, aber auch finanziell später
  • Wahre Freundschaften, die eine Therapie ersetzen könnten fehlen in der heutigen Zeit, alleine ist es schwer

Bewusstseinsverändernde Substanzen sind riskant, können Angstzustände hervorrufen, die verringerte Hemmschwelle kann zu Selbstmord führen und die hohe Suchtgefahr hast du selbst schon genannt. Eine psychische Abhängigkeit wäre auch schlecht. Und schüchterne Menschen sollten schüchtern akzeptiert werden.

Stimmt, Depressive wollen nicht immer sterben. Aber wie du richtig erkannt hast, sind sie sehr suchtgefährdet. Drogen lassen sich einfach vermeiden, Liebe allerdings nicht. Sucht nach Liebe führt zu Klammern -> Klammern führt zu Bedürftigkeit und das wiederrum zum Scheitern einer Beziehung, wenn man zu bedürftig und uninteressant wirkt -> weiters ist man gekränkt und will wieder sterben... Psychotherapie stoppt genau solche zerstörerischen ewige Kreisläufe und Spiralen nach unten

2

Was möchtest Du wissen?