Wieso werden Antibiotika so häufig vorschnell verschrieben?

5 Antworten

Die meisten Ärzte wollen jeden Patienten "schnell durchschleusen", damit sie mehr Patienten zur gleichenZeit "behandeln" (und somit mehr Geld verdienen). Ausserdem vergütet die Krankenkasse eine Rezeptausstellung noch zusätzlich. Aber oft liegt es auch am Patienten: er will "schnellstmöglich" wieder Gesund werden, da kann ein Antibiotikum helfen (verhindert die Bakterienbesiedlung der durch Viren geschädigten Schleimhäute). Bleibe also lieber bei deinem Arzt.

Woher ich das weiß:
Studium / Ausbildung

Fällt mir auch auf....was mich am meisten stört, ist, wenn mich Ärzte fragen, ob ich ein Antibiotikum haben will. Und zwar, obwohl sie scheinbar glauben, es wäre nicht nötig, bzw es gar nicht raus ist, dass Bakterien im Spiel sind (ich habe oft Erkältungskrankheiten, bzw Bronchialprobleme).

Ich will das nicht gefragt werden. Ich will, dass Mediziner, die lange für ihren Beruf studiert haben, mir sagen, was ich tun muss, um gesund zu werden. Und ob Bakterien im Spiel sind, sollten SIE doch wissen....ich habe das nicht studiert, woher soll ich das wissen?

Wenn ich dann zurück frage, ob Antibiotika denn nötig ist und als Antwort "nein" erhalte, zieht es mir innerlich immer wieder die Schuhe aus. Warum wird das dann überhaupt vorgeschlagen? Wir haben sowieso schon genug Probleme damit, dass immer mehr Bakterien resistent werden. Wir müssen es doch nicht noch verschlimmern, indem wir unnötig Antibiotika unters Volk verteilen.....

Sorry....ist keine wirkliche Antwort auf deine Frage. Ich weiß es einfach auch nicht.

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Deine nachvollziehbare und differenzierte Einstellung zu dem Thema kann ich verstehen. Allerdings lässt du außer acht, dass viele Patienten heute nicht mehr von einem paternalistisch agierenden Arzt behandelt werden möchten. Der Arzt ist in der Regel nicht in der Rolle des alleinbestimmenden Fachmanns.

Vielmehr fordert die Gesellschaft zunehmend, dass Patienten vom Arzt als Fachmann dahingehend beraten werden, dass sie Pro und Contra einer Therapie beurteilen können und die Therapieentscheidung gemeinsam mit dem Arzt treffen oder gar selbst treffen. Dies nennt sich Shared-Decision-Making bzw. Informed-Decision-Making.

Hier hast du eine gute Übersicht darüber:
https://www.uniklinik-duesseldorf.de/fileadmin/Datenpool/einrichtungen/abteilung_fuer_allgemeinmedizin_id39/dateien/wadmed_psych_giessen_2005_sdm.pdf

Es ist lange bekannt, dass die Therapietreue des Patienten ("wie lange zieht der Patient die Therpie wirklich durch?") unmittelbar mit dem Verständnis der Krankheit, dem Verständnis für die Dringlichkeit der Behandlung und dem Vertrauen in die Sinnhaftigkeit der Behandlung abhängt.
Die Therapietreue ist deutlich geringer, wenn der Arzt die Therapie allein bestimmt. Ein Großteil der verordneten Medikamente, wird entweder gar nicht erst in der Apotheke gekauft oder schon nach wenigen Tagen nicht mehr eingenommen.

Es ist natürlich naiv zu glauben, dass man die oben genannten Konzepte so einfach bei jedem Arzt-Patienten-Kontakt erfolgreich anwenden könne. Die intellektuellen und motivationellen Voraussetzungen, die Patienten mitbringen, sind so unterschiedlich, dass man nicht jeden Patienten an der gleichen Stelle abholen kann. Auch die Fähigkeiten des Arztes, sich auf die individuelle Ebene des Patienten einzulassen und dort zu arbeiten, sind sehr unterschiedlich.

Um bei deinem Beispiel zu bleiben:

Der Arzt informiert dich darüber, dass ein Antibiotikum deine Genesung möglicherweise beschleunigen kann. Darüber hinaus kann ein Antibiotikum einen schwereren Verlauf der Krankheit eventuell abwenden. Der Arzt kann aber nicht in die Glaskugel gucken. Wahrscheinlich wirst du auch ohne ein Antibiotikum schnell wieder gesund.

Während einige Patienten erwarten, dass der Arzt ihnen zügig hilft und medikamentöse Unterstützung erwarten, wollen andere möglichst wenig Medikamente einnehmen.

Viele Patienten wollen zwar gern ein Rezept haben, stehen Antibiotika aber äußerst kritisch gegenüber. Ohne jedoch zu wissen, was diese Stoffe im Körper und mit Krankheitserregern eigentlich tun.

Dies stellt deinen Arzt nun vor ein Problem:

  • Verschreibt er dir ein Antibiotikum für einen recht harmlosen Infekt, dann ist das eigentlich übertrieben und nicht ärztliche Kunst. Bist du ein kritischer Patient, der Medikamente gut abäwgen möchte, findest du das nicht gerade prickelnd.
  • Verschreibt er kein Antibiotikum, kann es passieren, dass du in einigen Tagen mit einem deutlich schwereren Krankheitsbild da sitzt und dich fragst, ob der Arzt die Lage falsch eingeschätzt hat.

Wenn der Arzt umsichtig ist, dann muss er also herausfinden, welcher Typ Patient du bist und wie viel Gesundheitskompetenz zu besitzt.

Bist du ein intelligenter, zuverlässiger und motivierter Patient, dann kann er dir mitteilen, dass er ein Antibiotikum für momentan noch nicht indiziert hält und dich aufklären, unter welchen Umständen du umgehend wieder in die Sprechstunde kommen sollst. Wenn die leichte Bronchitis sich nämlich verschlimmert, muss man manchmal sehr schnell handeln. Für die Beurteilung, ob eine Verschlechterung stattfindet, bist du dann zu Hause selbst verantwortlich.

Bist du ein einfach gestrickter Mensch mit geringer Gesundheitskompetenz, dann kann sich der Arzt erfahrungsgemäß nicht darauf verlassen, dass du tatsächlich sofort kommst. Es besteht die Gefahr, dass du übers Wochenende eine Lungenentzündung entwickelst und dann noch bis Mitte der Woche wartest. Und dann liegst du möglicherweise im Krankenhaus mit einem sehr gefährlichen Infekt.

Fazit:

Dein Arzt macht eigentlich sehr viel richtig: er bezieht dich in die Entscheidung der Therapie ein, weil er beide Wege für vertretbar hält. Offensichtlich ist es ihm aber nicht gelungen, dir den Hintergrund dieser gemeinesamen Entscheidungsfindung zu vermitteln.

Ich denke, du hast einen guten und umsichtigen Arzt erwischt. Wenn du solche Fragen nicht verstehst, frag ihn einfach. Er wird dir das sicherlich erklären.

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@Maxxismo

Danke für den Kommentar. Da besteht aber ein Mißverständnis: das letzte Mal als mich ein Arzt das fragte, ging er selbst davon aus, dass die Erkältung viral bedingt ist.

Und da wüsste ich jetzt nicht, welchen Nutzen Antibiotika haben sollten.

Zwischen Halbgott in Weiß und "ich lasse mal den Patienten entscheiden was er haben möchte", sehe ich durchaus noch das, was mir früher eher begegnete als heute: klare Aufklärung über die Möglichkeiten und dann wird das gemacht.

Sorry, aber ich habe so schlechte Erfahrungen damit zu viel Antibiotika bekommen zu haben....mir fehlt wirklich jedes Verständnis dafür, wenn mich jemand fragt, ob ich welches haben will ohne überhaupt nachgeprüft zu haben, ob es nötig wäre.

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@Glasdach

Grundsätzlich besteht auch bei einer viralen Infektion manchmal die Indikation zur antibiotischen Prophylaxe wegen der Gefahr einer Superinfektion. Das ist aber Abwägungssache und beim jungen Patienten, der nicht chronisch erkrankt ist, eigentlich nicht der Fall.

Vielleicht hat der Arzt tatsächlich nicht kritisch genug abgewägt. Vielleicht hatte er aber auch einen Grund, den du nicht kennst.

Wir werden das hier nicht klären können.

Dass Antibiotika von vielen Ärzten zu unkritisch verschrieben werden, ist natürlich auch richtig. Da sind wir in Deutschland allerdings noch wesentlich besser als die meisten anderen Länder der Welt. Dennoch sind wir lange nicht da, wo wir sein könnten, wenn Ärzte sich diesbezüglich mehr Zeit und mehr Mühe geben würden. Aber der Trend geht in die richtige Richtung. 😉

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