wieso vermisse ich meine magersucht und meine traurigkeit so sehr?

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3 Antworten

Lass mich vorweg sagen,antoniasdeamons, dass ich keinerlei Erfahrungen mit Essstörungen habe und auch von Deiner Generation sehr weit entfernt bin.

Aber die Erfahrung der Traurigkeit, nach der wir uns gar sehnen mögen, begleitet mich mein Leben lang. Deshalb möchte ich Dir sagen, dass Du Dein Erleben bitte nicht nur im Zusammenhang früherer Erkrankung sehen solltest.

Für mich ist Melancholie ein Lebensgefühl, das die Wirklichkeit unseres Lebens vielleicht treffender abbildet, als jeder vorgeschobene Optimismus und Aktionismus.

Uns in dieses Gefühl versinken zu lassen, uns erstarrend ihm
zu überlassen, führt zu Zuständen, mit denen Psychiater ihr Geld verdienen.

Aber es gibt ja auch diese zugewandte Haltung, die unsere Kreativität befördert.

Für mich gibt es einen engen Zusammenhang zwischen dem
melancholischen Erleben einerseits Kreativität und auch Spiritualität auf der anderen Seite.

Mein melancholisches Seelchen fühlte sich immer hingezogen zu „Künstlern der Melancholie“.

Leonard Cohen war für mich einer von ihnen, der mich über Jahrzehnte begleitet hat.

Ich schicke Dir den Link eines seiner bekanntesten Songs.
Mag sein, dass er Dich und Deine Generation mit „Halleluja“ nicht erreichen kann. Aber dann kannst Du vielleicht die Künstler finden, die in Deiner Generation die melancholische Sehnsucht Ausdruck geben kann.

Ich möchte Dich nur ermutigen, Dein Erleben nicht immer gleich in die Ecke des Pathologischen zu drängen.

Unser Erleben stammt auch aus unbewussten Regionen, kann uns durch Erfahrungen erreichen, die wir Intuition nennen mögen.

In Deinem Alter meldet sich oft zum ersten Mal die Gewissheit der Vergänglichkeit all unseres Tuns. Diese Gewissheit mit der Liebe zum Leben ergreifen – das ist für mich der Grund melancholischen Erlebens mit dem wir diese zerbrechliche Welt zu umarmen suchen.

Nachgeschobene Korrektur:

Aber dann kannst Du vielleicht die Künstler finden, die in Deiner Generation der melancholische Sehnsucht Ausdruck geben können.

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Das kann ich wirklich nachvollziehen. Ich hatte eine Phase in der ich mich ausschließlich mit dem Thema Essen beschäftigt habe. Und dann fing es auch an, dass ich mir den Finger in den Hals gesteckt habe. Das ist nun auch schon länger her. Ich denke man hat durch eine Essstörung täglich eine Aufgabe und konzentriert sich nur auf die Ernährung. Das lenkt einen vom "wahren" Leben ab und kann ein Ventil sein. Der Mensch gewöhnt sich an Situationen, verändert sich etwas fängt man an, die Gewohnheit zu vermissen.

das ist völlig jormal. irgendwann glaubst du, diese Krankheit wäre Teil deines Wesens. was du machen kannst? Bestätigung durch andere Eigenschaften erlangen aus durch Mitleid und Selbstleid aufgrund der Krankheit. un du musst Geduld haben. du bist in einem komplizierten Alter

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