Wieso stimmten viele Abgeordnete dem Ermächtigungsgesetz zu?

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6 Antworten

Die meisten Menschen waren enttäuscht von der Entwicklung und besonders ab dem schwarzen Freitag im Jahre 1929 gab es viele Frustwähler, die sich von den Kommunisten und den Nationalisten eine positive Veränderung versprachen, daher wurden sie gewählt und die NSDAP hatte zusammen mit Stahlhelm und einer anderen zusammen 18% im Parlament und bildete damit eine große Schicht. Auf den Straßen tobten die Kriege zwischen den Kommunisten und den Nationalisten und die Parlamentarier wurden immer weniger und hatten immer weniger zu sagen. Am Ende konnte nur eine der beiden Seiten gewinnen und da die Nationalisten die "Straßen" unter Kontrolle hatten, war es am Ende doch recht eindeutig.

Weil es so schön einfach und praktisch war.

Im nachhinein betrachtet, ist es einfacher zu sagen warum. die Geschichte hat bereits stattgefunden. Speziell zu den Ermächtigungsgesetzen müssen aber wohl 2 prinzipielle Anmerkungen gemacht werden.

  1. Das Ermächtigungsgesetz war keine Erfindung der nationalsozialisten zur Durchsetzung ihrer Ideen. Es gab in der Weimarer Republik schon mehrere Vorläufer. Sie waren schon vorher als Instrument eingesetzt worden, um bestimmte Forderungen, die nicht über eine parlamentarische Mehrheit verfügten, durchstzen zu können. In diesem Sinne haben die Nationalsozialisten ein legitimes Mittel, welches in der Verfasssung verankert war unter eigendlich demokratischen Richtlinien genutzt.
  2. Bedenklich ist jedoch der 2. Punkt. Die große Zustimmung. Um diese zu Erreichen, scheuten die Nationalsozialisten vor keinen Maßnahmen zurück, um diejenigen Abgeordneten an der Abstimmung zu hindern, die gegen das Gesetz stimmen würden. Andere wurden derart, mit verschiedensten Mitteln, unter Druck gesetzt, damit sie für das Gesetz stimmten.dies hatte es in der Form vorher noch nicht gegeben.

Die eigentliche Schwäche war schon in der Weimarer Verfasung verankert. Auch war eine gewisse Unbedenklichkeit des zeitlich begrenzten Gesetzes durch entsprechende Anwendung vorher scheinbar legitimiert. Bei aller Abscheu vor dem Nazi regime, ich unterstelle nicht allen Abgeordneten, die für das Ermächtigungsgesetz stimmten, daß es ihnen bewußt sein konnte, was man damit im negativen Sinne anstellen kann und würde.

Angst wovor? Der Antisemitismus der Nazis war damals nicht so offenkundig, der hier nicht zu nennende Führer war einfach der grosse starke Mann, der alle drängenden Probleme dem Anschein nach lösen konnte. Ausserdem hatte man noch keine langjährigen Erfahrungen mit der parlamentarischen Demokratie, erst recht nicht mit extremen Parteien.

Die politische Stimmung im Volk war begeistert von der neuen Idee,dass war nun mal so. Wir können ja heute alles besser wissen. Die Weimarer Republik wollten die Mehrheit nicht mehr haben.Dann waren die Umstände durch den Reichstags Brand günstig -Ein kommunistischer Putsch steht offenbar bevor - so die Meinung- so stimmten die Abgeordneten im Sportpalast zu,der Reichstag war ja teilweise durch den Brand nicht zu benutzen. Der Sender Phönix sendete Anfang 2010 darüber.

Hi, das Ermächtigungsgesetz war so ähnlich wie unser Notstandsgesetz. Und ein kommunistischer Aufstand war denkbar. Die Zeiten der Münchner Räterepublik war erst kürzlich, Straßenkämpfe gabs auch. Dazu der Reichstagsbrand, der voon einem jüdischen Kommunisten ausging. Quasi etwas vergleichbar mit sowas wie der "Aufstand der (un-) Anständigen" 1933. Manche meinen heutzutage, wäre die SPD damals aus dem Parlament gezogen, wäre keine Beschlußfähigkeit gewesen bzw. sie wäre anfechtbar gewesen. Zumindest ein Zeichen wäre aber gesetzt worden. Gruß Osmond http://de.wikipedia.org/wiki/Erm%C3%A4chtigungsgesetz Zitat: Dem Gesetzesentwurf mussten der Verabschiedung zwei Drittel der anwesenden Abgeordneten zustimmen. Des Weiteren war erforderlich, dass zwei Drittel der gesetzlichen Mitglieder des Reichstages bei der Abstimmung anwesend waren. Von den 647 Abgeordneten mussten also 432 anwesend sein. SPD und KPD verfügten über 201 Abgeordnete. Um die Gültigkeit der Abstimmung zu verhindern, hätten also neben diesen 201 Abgeordneten lediglich 15 weitere Abgeordnete der Abstimmung fern bleiben müssen (647 − 216 = 431). Um das zu verhindern, beantragte die Reichsregierung eine Änderung der Geschäftsordnung. Danach sollten auch diejenigen Abgeordneten, die ohne Entschuldigung einer Reichstagssitzung fernblieben, als anwesend gelten. Zu diesen „unentschuldigt“ Fehlenden zählten auch die vorher in „Schutzhaft“ genommenen oder vertriebenen Abgeordneten. Obwohl die SPD ausdrücklich auf die Gefahr des Missbrauchs hinwies, stimmten außer ihr alle Parteien dieser Änderung der Geschäftsordnung zu.

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