Wieso sterben wir Menschen?

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Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen: Es heißt nicht umsonst "TrauerJAHR". Und bei einem nahen Verwandten wie Deinem Vater wird die Trauer nach einem Jahr nicht ganz vorbei, aber anders sein. Ganz überwindet man so einen Verlust nie.

Wut ist am Anfang normal, gerade in Deiner Situation. Du kannst auf die Ärzte wütend sein, die seine Krankheit nicht diagnostizieren konnten. Selbstvorwürfe sind am Anfang auch normal, hätte ich doch noch dies und das gesagt oder anders gemacht.

Bei meinem Bruder, der auch sehr plötzlich an einer langen, nicht diagnostizierten Krankheit (jedenfalls nicht zu Lebzeiten) starb, war es so, dass wir die letze Nacht mit ihm im Krankenhaus verbrachten. Wir wussten, dass es vermutlich die letzte war, weil entschieden worden war, die Sauerstoffmasken etc. wegzulassen. Wir waren also die ganze Nacht da und die Ärzte sagten anfangs, es dauere ungefähr noch 2 bis 5 Stunden. Am Morgen waren wir alle fertig - aber er lebte noch, war aber nicht bei Bewusstsein - und wir Kinder fuhren nach Hause, um ein paar Stunden zu schlafen, meine Eltern sollten den Raum verlassen, weil er gelagert werden sollte und gingen ins Foyer. Genau in dem Moment ist er gegangen - keine halbe Stunde, nachdem wir gegangen waren. Meine Eltern haben das so interpretiert: Er wollte keinen bevorzugen, ist gegangen, als keiner sich einen Vorwurf machen konnte, dass er nicht da war.

Danach haben wir vieles aufgeschrieben: Typische Redewendungen, Erlebnisse etc. und Sachen von ihm gesammelt, die er geschrieben oder gezeichnet hatte. Immer wieder trafen wir Leute, die uns kleine, unbedeutende Dinge über ihn sagten, die wir aber noch nicht wussten. Und am Anfang gab es auch jede Menge "Zeichen", komische Zufälle, so fand meine Mutter etwa in der Adventszeit 2 Streichhölzer, die exakt wie ein christliches Kreuz übereinander geklebt waren (mit Kerzenwachs, das an einem haftete). Oder zwei Verwandte, die fast gar keinen Kontakt hatten, hatten innerhalb eines Monats fast den gleichen Traum von ihm.

Wir haben uns ein Heft gekauft, in das jeder Erinnerungen, Träume, Zitate, die ihm noch einfallen schreiben kann und ein Fotobuch für jeden aus der Familie erstellt. Und jeder hat eine Kleinigkeit von ihm, die er im Portemonnaie oder am Körper tragen kann: Eine Kette, ein Ring, sein Handy, ein kleines selbstgemaltes Bild, seine Armbanduhr etc. Einer trägt seinen Mantel weiter. 

Vielleicht findet Du ja auch so etwas, das Du von Deinem Vater weiterverwenden kannst, um ihn quasi immer bei Dir zu haben. Ich wollte das im ersten halben Jahr nicht und habe es erst nach einem dreiviertel Jahr angenommen.

Mein Bruder starb im Oktober, und beim ersten Weihnachtsfest bin ich fast zusammengebrochen, als ich im Supermarkt an den Weihnachtssüßigkeiten vorbei kam: Davon hätte ich ihm sonst mal eine Kleinigkeit geschickt oder mitgebracht. Dieses Jahr, nach zwei Jahren, ist es schon anders, aber ich kam dann an einem Cola-Truck-Adventskalender vorbei, der genau richtig für ihn gewesen wäre: Cola- und Fantadosen im roten Papptruck.

Im ersten Jahr passierte es mir oft, dass ich, wenn ich gerade nichts zu tun hatte und nicht zu Hause war, meinen Bruder oder "Teile" von ihm spontan vor mir sah: Wie er auf einem Stuhl im Wartezimmer saß, seine Füße, als wenn er neben mir hergeben würde, seine Hände, als wenn er mich beim Sitzen von der Seite antippen würde.

Das passierte aber immer nur, wenn ich gar nichts anderes zu tun hatte, oft im Wartebereich (Bank, Arzt, Kirche) oder beim Spazierengehen. Beim Spazierengehen abends habe ich dann auch manchmal so richitg losgeheult oder es kamen mir plötzlich Sätze an ihn über die Lippen (freundliche), die ich normalerweise nicht laut gesagt hätte. Einmal sah ich abends beim Spazierengehen immer seine Augen vor mir. Ich rief dann meine Mutter an und sagte ihr das und sie hatte in der gleichen Woche allerdings zu Hause im Schlafzimmer nachts die gleiche "Vision" gehabt. Wenn also irgendetwas in der Art passiert, erzähle es ruhig Deiner Familie (und schreibe es auf), vielleicht haben andere ähnliche Erlebnisse.

Wir haben uns im ersten Jahr Weihnachten zusammengesetzt und Erinnerungen/ Anekdoten über ihn ausgetauscht. Es war erstaunlich, woran sich einige (nicht mehr) erinnerten und wir hatten so eine Möglichkeit, das erste Weihnachtsfest zu überstehen.

Alles Gute und viel Kraft für Dich!

Suche ggf. mal nach einer Trauergruppe in Deiner Nähe oder einem Trauerforum, um Zuspruch zu bekommen oder einfach Erinnerungen an Deinen Vater und ggf. Sorgen, Gefühle etc. an der richtigen Stelle (mit-) zu teilen.

Übrigens gibt es so eine spirituelle Theorie: Man stirbt, wenn man sein Leben beendet hat. Der eine erlebt in einem kurzen Leben sehr viel und bewegt sehr viel, hinterlässt Spuren, der andere hat ein langes, ereignisloses Leben ohne große Spuren zu hinterlassen. Man muss auch bedenken - und das fällt einem in der Trauer erst mal schwer - dass gerade Menschen, die krank waren, vielleicht noch hätten leiden müssen.

Vor kurzem stieß ich auf einen Artikel über eine Reporterin, die Hugh Jackman ein Bild schenkte, das ihr verstorbener Bruder, der ebenfalls am Downsyndrom litt, von seiner Actionfigur gemalt hatte.

http://themighty.com/2015/09/how-hugh-jackman-honored-a-fan-with-down-syndrome-who-passed-away/

Als ich das gesehen habe, ist mir erst mal die Kinnlade runtergefallen: Mein Bruder, ebenfalls mit Downsydrom, starb auch im Herbst 2013, an letztendlich Sauerstoffmangel. Und genau dieser Trachealschlauch (?), den der junge Mann in dem Artikel trägt, stand auch bei ihm zur Diskussion - wir entschieden uns dagegen, da er dann nciht mehr hätte reden können und nicht zur Verständigung hätte schreiben etc. können, also sich nicht mehr hätte verständigen können. 

Dieser junge Mann in dem Artikel bekam jetzt unvorhergesehen sehr viel Publicity, weil seine Geschichte durch Hugh Jackman bekannt gemacht wurde. Witzigerweise hat mein Burder zwar keinesfalls in dieser Qualität gemalt, war aber auch Fan einer Actionfigur: Hulk, den er noch in der Woche vor seinem Tod zur Selbstanfeuerung nachahmte. 

Bei meinem Bruder konnte wir jedenfalls sagen, dass er, wenn er weitergelebt hätte, mit so einem Schlauch hätte weiterleben müssen und das wäre für ihn extremst schwierig geworden. Oder er hätte permanent eine Sauerstoffflasche mit sich herumtragen müssen und wäre im Rollstuhl gelandet.

Vielleicht ist es wirklich so, dass einige Menschen zu einem Zeitpunkt sterben, der ihnen einiges erspart. Dein Vater wusste nicht, dass er krank war. Vielleicht war das besser für ihn, es kam plötzlich, er musste nicht lange leiden. Mein Bruder musste in den 3 Wochen im Krankenhaus aufgrund mangelnder Sensibilität vieler Mitarbeiter noch sehr leiden, zwar oft nicht böse gemeint, aber für ihn extrem belastend.

Man kann sich wirklich fragen: Was blieb Deinem Vater evtl. erspart, das er nur schwer hätte ertragen können?

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Mein Beleid! Und von Herzen alles Gute!

Es ist leider so, dass wir nicht für die Ewigkeit bestimmt sind. Menschen sterben! Die einen durch einen Unfall, die Anderen durch eine Krankheit, einige durch Selbstmord und mache einfach "spontan".

Das gehört einfach zum Leben dazu! Man wird geboren, man stirbt!

Und weil Du "Gott" erwähnt hast, mag ich erwähnen, dass das unsere Kultur ist. In anderen Ländern (=Kulturen) feiert man den Tod eines (gebliebten)  Menschen! Und ob Du es glaubst oder nicht - die feiern 3 Tage lang und scheuen keine Kosten! Das hängt natürlich auch vom Glauben ab.

Natürlich scheint es nicht fair zu sein, dass geliebte Menschen sterben. Eltern, Freunde, Bekannte... ist aber leider so!

Wissen wir, dass wir sterben? Und wann und wo? Nein!

Vier meiner besten Freunde sind schon tot... mein Freundin ist gestorben (mit 24) ... fair? Nein! Tut weh? Ja!

Aber mann kann es nicht ändern!

Freu Dich einfach, dass sie schöne Zeiten hatten und las los! Dein Papa war auch mal verliebt, auch mal auf Kirmes oder ein Konzert... das Leben (auch wenn es Dir kurz erscheint) hat er genossen.

Das solltest Du auch tun! Genieße Dein Leben und nimm es einfach hin!

Ich drück' Dich und wünsche Dir ALLES GUTE!

Die Sache mit dein Vater tut mir Leid, mein Beileid. Warum ausgerechnet solche Menschen streben müssen weiß ich auch nicht. Das habe ich mich bei meiner Oma auch damals gefragt (sie war erst 60). Man kann es eigentlich so sehen wie man will. Dass wir zuviele Menschen sind, dass welche gehen müssen um neues entstehen zu lassen, dass die Erde eine Art Prüfung ist wo man jede Gefühlslage ertragen muss, um für das danach gewappnet zu sein (ka was da kommen soll, aber denke mal, dass es dann noch nicht vorbei ist) und noch einiges mehr. Letzen endes wissen wir es nicht.

Mir hatt es geholfen damals als ich damit mit anderen geredet habe und hatte mich dann auch ausgeheult (das wirkt befreiend), also halte dich nicht zurück und lass raus was raus muss. Wann auch immer du das Bedürftnis hast darüber zu reden, rede mit jemanden und behalte es nicht für dich.

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