Wieso steht in unseren Dokumenten bei Staatsangehörigkeit immer "deutsch" und nicht "Deutschland"?

5 Antworten

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Du irrst dich. Zufällig hast du gerade die wenigen europäischen Ausweise erwischt, in denen die Staatsangehörigkeit mit dem Staatsnamen ausgedrückt wird. Das fand ich zwar auch immer etwas logischer, ist aber eher unüblich. Wenn du mal in einem Ausweis von Schweden, Dänemark, Luxemburg, Frankreich, Polen, Spanien, Italien, Irland usw. (das sind nur die, von denen ich es sicher weiß) nachschaust, dann wirst du sehen, dass dort überall das Adjektiv verwendet wird.

Ich fand "Staatsangehörigkeit: deutsch" auch immer etwas seltsam. Grammatikalisch ist es aber korrekter. Denn in der Rubrik steht ja nicht "Staat: " sondern "Staatsangehörigkeit", und die ist eine Eigenschaft. Die Aussage "Es gibt keinen Staat Deutsch" wird gerne im Internet herumgereicht, aber was soll mir das sagen? Bin ich deshalb kein Deutscher, sondern Bundesrepublikdeutschländer? Gibt es keine französische Regierung (es gibt auch keinen Staat namens "Französ"). Ist ein eher dämlicher Witz, ehrlich gesagt. "Deutsch" ist das Adjektiv zu Deutschland, und daher hast du die deutsche Staatsangehörigkeit. Das kann aber jeder Staat handhaben, wie er möchte. Russland schreibt eben den Staatsnamen rein.

Nun zu Irrtum 2: Nationalität kann sowohl Volkszugehörigkeit als auch Staatsangehörigkeit heißen. Deshalb steht auf deutsch im Ausweis auch ausdrücklich "Staatsangehörigkeit", und nicht Nationalität. Im Russischen heißt nacional'nost' sogar eher Volkszugehörigkeit. Im Englischen dagegen bedeutet es meist Staatsangehörigkeit, im Gegensatz zu "ethnicity". Im Übrigen ist durch ein europäisches Übereinkommen die Eintragung irgendeiner "Volkszugehörigkeit" im Pass verboten, weil das oft zur Diskriminierung von Minderheiten geführt hat.

"Deutsch" ist sowohl eine Staatsangehörigkeit als auch eine Volkszugehörigkeit. Der deutsche Zoll heißt nicht so, weil er Lederhosen trägt und deutsche Volkslieder singt, sondern weil er zum Staat Deutschland gehört. Ob man sich seine Volkszugehörigkeit frei aussuchen kann, darüber kann man streiten. Wenn ich behaupte, ich bin Nigerianer oder Klingone, weil ich mich der Kultur verbunden fühle, dann kann man mir das wohl nicht verbieten. Es wird mir nur niemand glauben. Und natürlich führt eine bloße Behauptung nie dazu, dass man eine Staatsangehörigkeit bekommt.

Sehr gute Antwort! DH! Du hast meinen Gedanken "richtig" erfasst und verstanden.

Trotzdem hat die Bezeichnung "Zollbehörde der Bundesrepublik Deutschland" international einen anderen Wert als "deutscher Zoll".

Und Deutschland macht es nicht alleine so, was mich etwas "beruhigt". Aber ich finde trotzdem "Deutschland" wäre klarer und richtiger an dieser Stelle, als "deutsch".

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Vielleicht einfach weil man sagt "Meine Staatsangehörigkeit ist deutsch" und nicht "Meine Staatsangehörigkeit ist Detuschland".

ganz einfach, du "bist deutsch" und du "bist" doch nicht deutschland! vielleicht wurde ja einfach auf die grammatik geachtet :P

Bist kommt von dem Verb seien. Mit diesem Verb wird die Nationalität ausgedrückt.

Ich bin deutsch. Meine Natinalität ist deutsch, aber meine Staatsangehörigkeit müsste Deutschland seien. Ist ja in zich anderen Ländern auch so, nur in DE hat man sich an das "deutsch" so gewöhnt, dass man bei "Staatsangehörigkeit: Deutschland" in der Regel den von dir geschrieben Satz hört.

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@domdo

Bist kommt von dem Verb seien. Mit diesem Verb wird die Nationalität ausgedrückt.

Nein. Die wird mit dem Adjektiv 'deutsch' ausgedrückt.

Meine Natinalität ist deutsch, aber meine Staatsangehörigkeit müsste Deutschland seien.

Beide Begriffe kann man synonym verwenden, im übrigen sollte man ganz einfach mal in Artikel 116 GG gucken:

Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt

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