Wieso sind bei Querschnittsgelähmten die Reflexe noch vorhanden?

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2 Antworten

Wie du schon ganz richtig geschrieben hast, gibt es ein erstes Motoneuron, das seinen Zellkörper im motorischen Cortex der Großhirnrinde hat, und ein zweites Motoneuron, das sich im Rückenmark befindet. Das erste Motoneuron ist zuständig für den Impuls zur willkürlichen Bewegung. Dieser Impuls wird an das zweite Motoneuron übertragen und dann von diesem an den Muskel weitergeleitet.

Es gibt noch ein weiteres System, das von oben kommend den Muskel beeinflusst. Dies sind hemmende, nicht zur Willkürmotorik gehörende Nervenfasern, die man als extrapyramidalmotorisches System bezeichnet. Es ist wichtig für die Feinregulierung von Bewegungen, außerdem reguliert seine  hemmende Wirkung den normalen Muskeltonus direkt am Muskel, um Verkrampfungen oder überschießende Bewegungen bei zu hohem Grundtonus zu vermeiden. Die Fasern des Extrapyramidalmotorischen Systems begleiten in der Regel das erste Motoneuron, laufen im Rückenmark dann aber an anderer Stelle entlang und werden auch ganz anders umgeschaltet (polysynaptische Umschaltung).

Hierdurch erklärt sich, wieso bei einer Schädigung des 1. Motoneurons es zu einer spastischen Lähmung kommt: Bei einer Schädigung des 1. Motoneurons besteht auch immer eine Schädigung des begleitenden extrapyramidalmotorischen Systems. Dadurch fehlt dessen hemmende Wirkung auf den Muskel, dessen Tonus erhöht sich, es kommt in der Folge zu einer Spastik. Da die Gliedmaße ja wegen gleichzeitigem Ausfall des 1. Motoneurons gelähmt ist, reden wir von einer spastischen Lähmung. Der Ausfall des Extrapyramidalmotorischen Systems ist auch der Grund für gesteigerte Reflexe - auch hier felt plötzlich der hemmende, beruhigende Einfluss und die Reflexe können aus dem erhöhten Grundtonus heraus verstärkt auftreten.

Ist das zweite Motoneuron von einem Querschnitt betroffen, ist das extrapyramidalmotorische System nicht beeinflusst. Der beruhigende Effekt auf den Muskeltonus besteht weiter, die Lähmung bleibt schlaff. Allerdings kommt es im Verlauf durchaus zu einem zunehmenden "Herunterfahren" des Extrapyramidalmotorischen Einflusses auf den Muskel, dadurch kann eine schlaffe Lähmung nach längerer Zeit dennoch zu einer spastischen werden.

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Die Fragen gehen teilweise Hand in Hand wobei 2. schon selbst beantwortet wurde, die Lokalisation ist wichtig. Was das andere betrifft Querschnittsgelähmt bedeutet nichts anders als dass das Rückenmark im Querschnitt durchtrennt sind und zwar im Normal fall in Lenden oder Halsgegend aber auch Brustwirbelsäule ist möglich. Glaube so exakt ist das nicht erforscht aber eine Gängige Theorien sind zum einen Dass es distal (also abseits der Durchtrennten Wirbelsäule) neue Verknüpfungen zwischen den Nerven zustande Kommen die sich spontan entladen können bzw den Reiz bei Reflexauslösung weiterleiten ohne motorische Kontrolle zu ermöglichen. Und die andere Theorie ist, dass die synaptische Hemmung über höher Gelegenee Zentren wie Hirn/Hirnstamm / Basalganglien/Kleinhrin fehlen da ja keine Verbindung ist. Es wird von beidem etwas dabei sein.

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Kommentar von NoSense123
01.03.2017, 23:36

und was eben die 2. betrifft, ist der 2. Nerv durchtrennt bringt eine Verknüpfung im RM auch nix da ja der distale nerv beschädigt ist also ncihts ankommen kann. Ist der 1. also im Rückenmark beschädigt kann sich weiter Unten beim Übergang auf den 2. Nerv ein anderer verknüpfen.

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