Wieso sehen sich so viel Spätaussiedler/Russlanddeutsche als Russen?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Tja, warum sehen sie sich als Russen??? Gute Frage!

Die Volksdeutschen in Russland hatten nach dem Krieg in Russland kein leichtes Leben. Es wurde ihnen vorgeschrieben wo sie zu leben haben, ihre Muttersprache deutsch, wurde ihnen verboten, und bei ihren russischen Nachbarn, waren sie alles andere als beliebt.

In Russland waren es keine richtigen Russen, und hier sind sie für viele keine richtigen Deutsche. Ist echt ne Zwickmühle, und nicht schön.

Ist vermutlich eine Frage der Identität. Das Russische gibt Halt, und Identität, in einer Leistungsgesellschaft, die auf Menschen die etwas anders sind, oft mit Vorurteilen und Ängsten reagiert. 

Und natürlich ist es auch Heimat, wenn man dort aufgewachsen ist. Das Essen, die Kultur, aber auch die Sprache, auch wenn man sie nicht mehr so gut beherrscht.

Wir nehmen sie ja als "Russlanddeutsche" wahr, und nicht als "Deutsche". Also machen sie das Beste draus, würde ich denken.

Wobei man da nichts verallgemeinern darf. Es gibt ja viele die Deutscher als Deutsch sind, und man gar nicht merkt, dass sie aus Aussiedlerfamilien stammen.

Ich verstehe nur wieso sich  die Leute russisch fühlen die dort aufgewachsen sind ... aber wieso die hier geborenen Kinder ... vielleicht haben diese einfach Probleme eine Identität zu finden und sagen dann einfach "ich bin Russe"? Es ist echt eine Zwickmühle 

1
@barch

Auch wenn du dann hier geboren bist, hast du natürlich Eltern, die vielleicht Jahrzehnte in der russischen Kultur gelebt haben, und diese auch zu Hause leben, und an die Kinder weitergeben.

In der heutigen Zeit unter Putin, mag es auch cool sein, russisch zu sein. Russland tritt ja wieder sehr selbstbewusst auf, und das ist vermutlich für viele interessanter als ein im Ton, moderates und bescheidenes Deutschland.

Findet man ja auch bei vielen Türkisch stämmigen, obwohl teilweise ihre Eltern schon hier geboren sind.

Aber wie gesagt, es hat auch viel damit zu tun, dass sie von vielen in der Gesellschaft auch nicht als "richtige" Deutsche gesehen werden.

1

ich kenne ganze Familien die in Russland, Kasachstan ... fast nur deutsch geredet haben... aber hier in Deutschland fast nur russisch reden.... es gab zB. in Kasachstan ganze deutsche Dörfer....

4
@Muromez

Vielleicht ist es auch immer eine Sehnsucht, nach dem was man gerade nicht hat.

1
@Muromez

Genau das ergibt nicht so ganz Sinn  dieses hier Russe da Deutscher spielen ...

0

Wahrscheinlich weil sie in Deutschland so "freundlich" empfangen wurden..Ich kann mich noch dran erinnern, als wir 1989 nach Deutschland kamen..Da wurdest du als Russlanddeutscher sogar von den Beamten,Lehrern regelrecht angepöbelt .."Wieso können sie kein Deutsch? Sie sind doch ein Russlanddeutscher? Obwohl schon ein Blick ins Lexikon vollkommen ausreicht um sich selber diese frage zu beantworten..Was würde den passieren wenn jemand  so was zu den heutigen Flüchtlingen sagen würde oder damals zu den Türkischen Gastarbeiter..Denn die hetze gegen Russlanddeutsche kann man unter Umständen in Deutschland sogar für Linke Positionen verkaufen.Man denke dabei an die SPD und die Grünen die eifrig gegen Aussiedler gehetzt haben und es heute noch tun..

Ich vermute mal, dass viele der von Dir beschriebenen Spätaussiedler gesellschaftlich nicht gerade am Anfang der bundesdeutschen Nahrungskette angesiedelt sind. 

Da besinnt man sich dann schon gerne mal auf die Einzelheiten, die einen vom verachteten System trennen und das sind dann eben Herkunft, starke Männer a la Putin, einfache Problemlösungen usw. usw.

Was möchtest Du wissen?