Wieso sagt man "Germanistik" und nicht "Deutschistik?

13 Antworten

An deiner Beanstandung des Terminus Germanistik ist durchaus etwas dran. Man könnte meinen, dass sich ein Fach, das so heißt, mit allen germanischen Sprachen beschäftigen würde - ähnlich der Romanistik. Trotzdem wird, zumindest in Deutschland (wie es anderswo ist, weiß ich nicht), nur die deutsche Sprache und Literatur gelehrt. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber es zeigt mal wieder, dass es mit der Bedeutung von Wörtern nicht so einfach ist, wie man manchmal meint.

Übrigens umgehen viele Unis dieses "Problem" und benennen ihr Studiengänge "Deutsche Philologie"; was ein wenig eindeutiger ist.

Okay. Danke.

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WORTBILDUNG

  • Die Wortbildungsregeln im Deutschen bevorzugen sehr stark bei Fremdwörtern die Bildung aus lateinischen und griechischen Stämmen ohne deutsche Anteile. Wenn eine lateinisch-griechische Wurzel gebraucht wird, dann werden auch die weiteren Bestandteile entsprechend gewählt.
  • Mischungen aus deutschen und lateinisch-griechischen Stämmen treten innerhalb eines Wortes so gut wie nie auf. Allerdings werden Komposita mit deutschen Bestandteil gebildet (z.B. "Literatur:wissenschaft")
  • Vor den Endungen "-ismus/-istik" stehen daher nahezu ausschließlich immer lateinische oder griechische Bestandteile oder zumindest solche, die so wirken als ob.
  • Entsprechend heißt es eben Germanistik, Anglizistik, Romanistik.

INHALT

  • Germanistik beschränkt sich zwar inhaltlich sehr oft auf die deutsche Sprache, aber prinzipiell umfasst das Fach im weiteren Sinne auch andere germanische Sprachen und nicht nur Deutsch.
  • Manchmal heißt das Fach aber auch "Deutsche Philologie" oder "Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft".

Es gibt aber "Amerikanistik" und "Anglistik", so weit ich weiß.

Danke!

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@Pfiati

Richtig, Anglizistik habe ich ja sogar ausdrücklich erwähnt. Beide deine beispiele passen doch zu meiner Erklärung.

Man sagt doch Anglistik und nicht "Englischistik" oder so. Man verwendet also lateinisierte Silben.

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@Kajjo

Was soll dann "Amerikanistik" alles umfassen?

Nord- / Mittel- / und Suedamerika?

Und alle Inseln und Sprachen?

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@Pfiati
Wikipedia: Die Amerikanistik, auch Amerikakunde oder Amerikastudien, englisch American studies, ist die akademische Disziplin, die sich mit der Literatur, Sprache und Kultur sowie Politik und Gesellschaft der Vereinigten Staaten und Kanadas befasst.

Amerikanistik ist regelhaft eine Teildisziplin von Anglistik. Auch "Amerikanische Literatur" wäre ein Teilgebiet der Anglistik mit ähnlichem Schwerpunkt.

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Vor den Endungen "-ismus/-istik" stehen daher nahezu ausschließlich immer lateinische oder griechische Bestandteile oder zumindest solche, die so wirken als ob.
  • Franzistik
  • Russistik
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@Piinguin123

Ja, es gibt einige Ausnahmen, aber bei den meisten Lesern widersprechen sie auch krass dem Sprachgefühl.

Franzistik habe ich zum Beispiel noch nie gehört und hätte gewettet, dass es ausgedacht ist, aber immerhin 7000 Google-Hits. Nicht viel natürlich. Alle Universitäten in Deutschland bieten dies nur als Teilgebiet der Romanistik an.

Russistik ist geradezu absurd, es heißt überall Russische Sprachwissenschaft und in Deutschland ist es Teilgebiet der Slawistik.

Aber wie gesagt, Ausnahmen bestätigen die Regel. Über 99% aller Fremdwörter bestehen nur aus lateinisch-griechischen Silben und enthalten keine deutschen Bestandteile (außer als Kompositum).

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1) weil die Kombination eines germanischen Wortes ("deutsch" nicht zur lateinisch-griechsichen Endung -istik passt.

2) (und dies ist das Entscheidende), weil ein Germanistik-Studium eben NICHT nur deutsche Sprache und deutsche Literatur umfasst, sondern auch Kenntnisse in anderen germanischen Sprachen (Niederländisch, Englisch, Friesisch, Schwedisch usw) und in den Beziehungen und Unterschieden zwischen den germanischen Sprachen.

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