Wieso reimen sich die Gegenstücke der Fragewörter?


24.02.2021, 08:51

Oder auch Englisch: What 🢡 That, Where 🢡 There, When 🢡 Then usw.

Polnisch: Kiedy 🢡 Wtedy, Kto 🢡 To, Jak 🢡 Tak, Jaki 🢡 Taki usw. (nicht mehr so regelmäßig, aber trotzdem fühlbar)

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Ja, die passen zusammen, das ist auch kein Zufall. Joseph Greenberg spricht von einem "interrogativen k" in den indogermanischen Sprachen (und einem "demonstrativen t"). Am einfachsten kann man das in den baltischen und slawischen Sprachen erkennen.

Kas ieško, tas ir randa. (Litauisch)
Wer sucht, der findet auch.

Fragewörter beginnen oft mit einem k- in den baltischen und slawischen Sprachen, die Gegenstücke (die Demonstrativpronomen o.ä.) oft mit einem t-.
kada? tada = wann? dann (Litauisch)
kiedy/wtedy
kto/to (Polnisch) passen auch dazu.
когда? тогда = wann? dann (Russisch)

Im Germanischen gab es mal *hwat und *þat (was und das)
(die erste Form entspricht Latein quod).

Mit hw- begannen die Fragepronomina,
mit þ- die entsprechenden Demonstrativpronomina.

Aus dem hw- wurde ein w- im Deutschen (und ein wh- im Englischen)
und aus dem þ- ein d- (und ein th- im Englischen, siehe auch when? then und
what? that).

Nicht immer wurde das ganz regelmäßig beibehalten, es gibt zahlreiche Ausnahmen und Abwandlungen ("solche" ist auch nicht ganz regelmäßig). So heißt "wann" im Niederländischen "wanneer", im Schwedischen nur "när". (Isländisch "hvenær" mit hv-, sehr nahe an der alten Form mit hw-). Einige Pärchen im Deutschen sind noch ziemlich regelmäßig.

Auch hängen einerseits hw-/qu-/k- (und w-) zusammen [Fragen] und andererseits þ-/t- (und th-/d-) [Antworten darauf, Demonstrativpronomina]. In indogermanischen Sprachen kann man oft solche "Pärchen" bilden, aus Fragen und Antworten darauf.

Auch in anderen Sprachfamilien findet man solche Pärchen, hier Finnisch:

milloin?  silloin  wann? dann
miksi?    siksi    warum? darum
millaisia? sellaisia welche? solche
miltä?    siltä    wovon? davon

Nur sind die Fragepronomina hier ganz anders (mi-), die Antworten beginnen mit (si-). Auch ungarische Fragen beginnen oft mit m-, so etwa merre oder miért.

Polnisch hat noch zusätzliche Fragepronomina mit j-, aber auch dazu passen die Antworten mit t- zum obigen indogermanischen Schema (tak, taki).

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