Wieso macht jeder das gleiche Geräusch beim Nicken und Kopfschütteln?

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5 Antworten

Ich denke, du meinst dieses "mhm" (ja) oder "m?m" (nein) (wobei Tonhöhe und Betonung eine Rolle spielen). Das m?m wird mit einer deutlichen Pause gesprochen.

Das sind Interjektionen. Und dies sind meiner Ansicht nach Wörter (ebenso wie die "normalen Wörter"). Sie haben eine bestimmte Lautung und eine bestimmte Bedeutung. Insofern haben sie dieselbe "Gleichheit", wie z.B. jeder Deutsche "Baum" zu einem Baum sagt. Oder "ja" für die Zustimmung. Oder "nein" für die Ablehnung. Sie werden erlernt wie andere Wörter auch.

Und Interjektionen können - wie andere Wörter auch - je nach Sprache verschieden sein. Deutsch "igitt" entspricht Polnisch "fu" (was aber "pfui" nahekommt) und English "yuck".

Interjektionen sind phonetisch interessant. Oft haben sie Laute, die in der Sprache sonst nicht vorkommen.
English "ugh" (wie dt. "ach" gesprochen) - der Konsonant kommt sonst im Englischen nicht vor (aber im Deutschen oder Russischen)
Deutsch (2x dentaler Klick) - "schade" oder für das Locken von Tieren benutzt - diese Konsonanten kommen in Khoisan-Sprachen (Südwestafrika) vor.

Auch das "m?m" ist phonetisch interessant, es ist eine Abfolge mit zwei Konsonanten, die aber "vokalisch" verwendet werden. Damit ähnelt dies z.B. eigentlich vokalfreien Silben, wie sie z.B. im Tschechischen vorkommen "Vltava" mit einem vokalischen "l". Oder Kroatisch "vrhunski" mit einem vokalischen "r". In normalen deutschen Wörtern fehlen solche phonetischen Abfolgen.

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Kommentar von Goodquestion42
03.08.2017, 20:54

Ist ja ulkig. Wenn ich nicke, mache ich dazu eher m? - und beim Kopfschūtteln m-m. Beim positiven Laut geht die Stimme also hoch wie bei einer Frage, beim negativen ist das zweite m immer tiefer als das erste, und zwar ca. eine Terz. Würdest Du mich zB am Telefon richtig verstehen?

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Das ist genau wie mit den Worten "Ja" und "nein" - eine kulturelle Sache. Schwer, die Anfänge davon zu finden. Schon innerhalb Deutschlands kann es hier Missverständnisse geben. Das sächsische "nu" oder "nü" als Zustimmung kann von einem Berliner zB leicht als Verneinung gehört werden.

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Kommentar von OlliBjoern
03.08.2017, 19:24

"ja" war bereits Bestandteil von proto-Germanisch
Interessant ist, dass nordische Sprachen (z.B. Schwedisch) 3 Varianten davon kennen. Durch den Vokal variiert.

schwedisch "ja" = ja
schwedisch "jo" = doch! (wie in "Du hast deine Hausaufgaben nicht gemacht" "Doch! Ich habe sie gemacht" (Jo! Jag har gjort de.)
(o wie u gesprochen)
schwedisch "ju" = ja (in Kontexten wie "Ich habe ja gesagt, dass..." (Jag har ju sagt att...)
(u wie ü gesprochen)

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Kommentar von OlliBjoern
03.08.2017, 19:41

"nein" hat ein sehr altes Element, das sog. "negative n" (Greenberg), man findet ähnliche Verneinungen auch in nicht-germanischen Sprachen

kroatisch "ne" (slawisch)
litauisch "ne" (baltisch)
hindi "nahin" (indo-iranisch)

ungarisch "nem" (finno-ugrisch!)
(finnisch jedoch anders "ei")
ungarisch "nincs" (= kein/keine)

Daneben ist das sog. "negative m" häufig. Man sehe z.B.
"mais" (französisch "aber")
"maar" (niederländisch "aber")
"men" (schwedisch "aber")

(Das war nicht meine Idee, ich habe nur ein paar Dinge von Joseph Greenberg gelesen)

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Ich bin nicht ganz sicher, ob du dies meinst:

Es gibt einige Wörter, die man aussprechen kann, ohne dabei den Mund im geringsten zu öffnen. Dazu gehört auch ein "aha", das eben nicht mit "a" und offenem Mund, sondern mit geschlossenen Lippen etwa als "mh-" gesprochen wird, wobei ich das Strichlein für einen ausklingenden Summlaut schreibe. Dieses "mh-"  ist also als ein "aha" zu verstehen, welches das zustimmende Kopfnicken unterstützen kann.

Wenn ich aber ein Nein ausdrücken will, kann ich dies mit einem Kopfschütteln (links-rechts-links-rechts) tun und dieses vielleicht auch noch mit einem ebenfalls mit geschlossenem Mund gesprochenen "h-g-" (oder ä-ä) unterstreichen.

Eigentlich irgendwie schade, dass wir für solche in der Mundart durchaus gängige Phoneme keine richtige Schreibweise haben. 

Effektiv habe ich mir schon mal überlegt, eine kleine Audio-Aufnahme mit solchen Ausdrücken zu machen. Dazu würde dann sicher auch das "mmmh" gehören, das anzeigt, wie gut uns eine Speise schmeckt ...

Auch Zweifel und fragende Haltung kann man so ausdrücken. 

Nebenbei:  In Indien war ich erstaunt zu lernen, dass dort ein seitliches Kopfschütteln oder -wiegen nicht ein Nein, sondern Zustimmung signalisiert ! Am Anfang war dies recht verwirrend, war doch dieses "Kopfschütteln" meist mit einem Lächeln verbunden.

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Wenn Menschen auf eine Frage mit Ja antworten Nicken sie

Nicht überall auf dieser Welt! Also sind es Verhaltensmuster, die innerhalb eines Kulturkreises erlernt und weitergegeben werden. Mit den "Begleitgeräuschen" wird es also vermutlich genauso sein.

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Das ist nicht so.

Hör und schau dir mal an, was passiert, wenn ein Grieche "ochi" (nein) sagt.

Da hörst du vielleicht ein kleines Schnalzen der Zunge, der Kopf hebt sich vorn leicht - und sinkt wieder herunter.

Das könnte man als Nicht-Wissender glatt für ein zustimmendes Kopfnicken halten. Ist aber das Gegenteil.

(Ich nicke übrigens meist ohne Begleitgrunzen und schüttele ohne Geräusche den Kopf. Bis auf den Kalk, der schon rieselt.)

Gruß, earnest


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Kommentar von Malavatica
03.08.2017, 16:58

Was, ohne grunzen?  Das ist gegen die Regeln :)

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Kommentar von suziesext1237
03.08.2017, 20:49

oder wenn ein Türke den Kopf rauf und runter hebt, yok sagt und mit den Lippen sowas wie zwitschert, dann ist das ein vollständiges unwiderrufliches Nein.

Ich  hab schließlich 12 Jahre im Berliner Orient gelebt und kann besser Türkisch als Englisch, kannste glooben. Nur Chinesisch kann ich inzwischen noch besser :D

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