Wieso "loben" (=Hals klopfen)?

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5 Antworten

Über das Thema mache ich mir auch viel Gedanken. Nun, mit einer wissenschaftlichen Ausarbeitung kann ich nicht aufwarten, aber falls meine eignen Gedanken, Erfahrungen und Beobachtungen interessieren...?
Vor allem komme ich auch da wieder zum Schluss: " Richtig reiten reicht!" ( wie lobte Stecken eigentlich?)
Das mag auf den ersten Blick provokant klingen, und ich sehe den Leser in diesem Zusammnehang verständnislos, ja , gar empört, den Kopf schütteln.
Aber, diese Erkenntnis ist mir nicht so gedankenlos zugefallen, sondern allmählich gewachsen. Beginnt damit, dass eine mir persönlich bekannte Grand prix Reiterin mal seufzte: " ein Pferd zur Grand prix Reife zu bringen, ist gar nicht das Problem - viel schwieriger ist es, es dann auf Dauer bei Laune zu halten." Einer weiteren, die auf diesem Niveau reitet, erzählte ich dies, und es wurde von ihr auch bestätigt.
Nun habe ich das Vergnügen, diese Leute ab und zu beim Training beobachten zu dürfen. Und wenn der Trainer sagt:" loben!", dann vermißte ich anfangs auch dieses großartige Geklopfe, Mähnenkraulen, Zucker füttern oder ahnliches. Die einzige sichtbare Reaktion der Reiterin auf die Anweisung zu loben ist meist ein leichtes Vorgehen der Hand, ein kurzes öffnen und wieder schließen der Finger mit eventuell einer kleinen Berührung am Wiederrist.
Die Pferde dieser Reiterin sind hochmotiviert. Und genau wie Du traue ich mich gar nicht, ein Pferd mal so zwischendurch zu klopfen, weil ich merke, dass dies mehr stört als hilfreich ist.
So denke ich, wenn es einem gelingt, von vornherein den Bewegungsdrang, die Neugier und den Spieltrieb des Pferdes beim Reiten zu wecken und zu erhalten, wird ein Lob, eine Belohnung, unnötig. Wen muss man schon mit einer Belohnung zum begeisterten Spiel anreizen...?
Also wenn die Hilfe vom Pferd als willkommene Anregung empfunden wird, ist es doch völlig natürlich, dass es willig darauf eingeht, und braucht kein Lob, dass es dieser nachgeht.
Das Pferd kennt nur 2 Seiten: angenehm oder unangenehm. Ist es ihm angenehm, seine Aufgabe auszuführen, hat es sich schon selber belohnt. Gehen wir etwas weiter: ich störe das Pferd durch eine Gewichtsverlagerung. Das Pferd bringt sich wieder ins Gleichgewicht, indem es seitwärts tritt ind fühlt sich dabei wieder wohl, hat sich also auch da selbst belohnt.
Nun will der Reiter aber, dass das Pferd 30m seitwärts tritt - das artet in Arbeit aus. Mag das Pferd nicht mehr mitspielen, macht der Reiter etwas mehr Druck ( mit dem Schenkel). Das Pferd weicht dem Druck, der Druck läßt nach, das nachlassen des Drucks wird vom Pferd als angenehm empfunden, also: weiter seitwärts treten ist angehm.
Dieses Prinzip funktioniert natürlich nur, so lange man sehr sorgsam darauf achtet, dass das Pferd sich nie überfordert fühlt. Und genau da kommt meines Erachtens das Thema Talent ins Spiel - um dies zu erspüren.
Nun lernet das Pferd vielleicht Piaffe. Das ist sehr anstrengend, so wohl muskulär als auch für den Kopf. Es muss ja erst mal kapieren, was man von ihm will, und muss sich genau wie der Reiter sehr konzentrieren. Hier kommt jeztz das Klopfen zum Zuge: hat das Pferd die ersten richtigen Tritte getan, wird es unter befreiendem Geklopfe in die Pause entlassen.
Das Prinzip ist also das gleiche wie beim Klickern: Lohn durch Annehmlichkeit. klicker = Lohn durch Futter, Klopfen= Lohn durch Pause.
Von daher wäre es natürlich völlig unsinnig, im Parcours zu klopfen. Da muss der Spiel- und Bewegungsdrang aufrecht erhalten bleiben, damit das Pferd aus freien Stücken mitmacht. Hier spielt meiner Vermutung nach auch Adrenalin eine große Rolle.
Stimmlob gebe ich auch sehr dezent. Ein kurzes, leises Wort mit tiefem Ton, läst die Ohren drehen und motiviert das Pferd. Ein brummelndes " guut" oder " braaav". Wobei ich mit brav aufpasse, wann es passt, weil dies Wort auch schon etwas von Pause hat . - den " brrrrr...." hat nicht umsonst eine bremsende Wirkung, das hat was mit Atemtechnik zu tun.
Nun bin ich gespannt, ob meine schwer zum Ausdruck zu bringenden Gedanken irgendwie einleuchten 😊

beim klickern wird zunächst, um den klicker zu vermitteln, durch futter vorkonditioniert, diese konditionierung mit lob verbunden und dann auf das futter verzichtet. dadurch wird dann der klicker nicht mit futterlob in verbindung gebracht, sondern der klicker selbst ist die belohnung.

klicker = lohn durch lob und motivation zu weiterer guter mitarbeit.

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genau. feierabend ist für das pferd ein lob.

in der LPO von 1982 steht genau das. zum beispiel in der a dressur ganz am ende: "zügel aus der hand kauen lassen, pferd loben."

übrigens wird mit der rechten hand die LINKE halsseite des pferdes geklopft. bei dieser bewegung entlastet der reiter nämlich den pferderücken.

statt (leicht) zu klopfen, kann man auch möglichst weit oben über den mähnenkamm streichen. das hat den selben effekt.

bei beidem werden die zügel lang gelassen und in der linken hand gehalten.

ich glaube, es gibt heute nicht mehr viele reitlehrer, die in der lage sind, reitschülern das korrekte "loben" beizubringen. ehrlich gesagt bin ich erstaunt, dass du als berufsreiter nicht weisst, wie das geht und warum man das macht.

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mit der "klopperei", die viele reiter im parcours veranstalten, hast du natürlich völlig recht. das ist nicht schön für die pferde und idiotisch für die reiter.

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allerdings stösst mir etwas ganz arg auf. nämlich deine äusserung über den "klicker kram" und das sich damit zum "deppen machen". klickern ist ein ganz hervorragendes belohnungssystem.

um zu verstehen, was da wie passiert, sollte man allerdings SEHR damit vertraut sein, wie pferde ticken und wie man sie motivieren kann. es ist klassische positive konditionierung, mit der man sich und dem pferd das leben und vor allem das lernen immens erleichtern kann und dass man damit als "leader" für das pferd interessant ist.

man braucht dafür allerdings nicht zwingend einen knackfrosch, sondern kann das einfach mit einem leisen "klickern" mit der zunge "erledigen", das im umkreis eigentlich nie wer mitbekommt.

ich brauche dafür auch kein künstliches target, sondern benutze als target einfach meine hand.

ein an das handtarget gewöhntes pferd kann man am ende der reitreprise auch mit dem handtarget belohnen. der effekt ist derselbe: der reiter entlastet den pferderücken, indem er die hand nach vorn streckt und dem pferd erlaubt, diese mit der nase zu berühren.

und in der tat: das empfindet das pferd als belohnung.

und gerade pferde, die sonst eher "schwierig" zu sein scheinen, sind auf diese art sehr viel einfacher zu arbeiten. jedenfalls wenn man weiss, wie das geht.

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als berufsreiter neigt man manchmal ein bissel dazu, betriebsblind zu werden.  wenn es um eine solide ausbildung junger pferde oder eine zuverlässige korrektur geht, sind manchmal bestimmte prioritäten gesetzt.

"durchdrücken" geht da, wo erfahrene und starke reiter auf einem solchen pferd sitzen, die sich mittels hilfengebung auch mal wirklich durchsetzen können (ohne auf ungerechtfertigte strafen zurückzugreifen). 

wenn du allerdings mit pferden zu tun hast, die anfänger, menschen mit berhinderung oder kleine kinder tragen sollen und mit denen diese menschen umgehen, die also schlichtweg "funktionieren" müssen, musst du ganz anders vorgehen.

klar - du bist einen mehr rationalen umgang mit pferden gewöhnt. ich auch. aber bei aller rationalität darf man eins nicht vergessen: sich selbst, seine körpersprache, seine fähigkeit, sich so mittels mimik und gestik auszudrücken, dass das pferd einen versteht. ich arbeite mit der methode, dass das pferd eigentlich schon alles kann und dass ich lernen muss, mich so auszudrücken, dass das pferd mich versteht.

das berühren des targets "hand" als belohnung versteht eigentlich jedes pferd von anfang an. manchmal nur, dass MEINE hand berühren eine belohnung ist (weil leider so wahnsinnig viele menschen die dämliche angewohnheit haben, pferde ins gesicht zu "klapsen" oder am halfter oder gar von unten am zügel zu rucken)

um ein pferd kennenzulernen, arbeite ich mit wortloser kommunikation - mit ausnahme eines lobwortes oder dem leisen klickern mit der zunge. wahrscheinlich habe ich mich damit schon mehrmals "zum deppen" gemacht. aber bloss auf den ersten blick.

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um so zu schreiben, wie du es heute in deiner frage getan hast, musst du dich schon ziemlich aufgeregt haben - oder es ist einfach heute der angestaute "dampf" rausgekommen. beim lesen der frage konnte ich erst mal gar nicht glauben, dass du das bist. es las sich eher so wie "selbsthilfetherapiemässig" von der backe geschrieben... ;-))

wenn du dich wieder eingekriegt hast, lege ich dir sehr ans herz, dir von vivian theby das buch "so lernen pferde" zuzulegen. kein idealistisches geschwafel, sondern wissentschaftlich findiert und hochanspruchsvoll.  eine lektüre für interessierte profis und leute, die sich für wissenschaftliche verhaltenslehre von pferden interessieren.

ich habs dir mal verlinkt - die 10 euro dafür lohnen sich.

http://www.buecher.de/shop/buecher/so-lernen-pferde/theby-viviane/products_products/detail/prod_id/33357418/

Halt! Klicker-Kram und Volldepp stand in keinerlei neg. Zusammenhang, sondern mit nem positiven, ich habs mit der lobenden Stimme verglichen, die man ebenso schnell "zur Hand" hat. Zum Deppen machen meinte das übertrieben laute stimmliche loben, das viele veranstalten und dabei ein halbes Lob-Konzert singen.

Ne, hab nicht nach der LPO von 1982 gelernt (da war ich noch Quark im Schaufenster). Ich finde das jetzt nicht sooo ne Schande, das nicht zu wissen. Dann Schande über zig Olympioniken, wenns so wäre ;)

Nein, Selbsttherapie nicht, aber ich erlaube mir (selten, weil meine Meinung ist oberstes Gebot :P) manchmal, über Dinge nachzudenken...Sonntags zb., da hab ich nicht so viel zu tun, wenn kein Turnier-WE ist.

Danke trotzdem ;)

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@Unwissend123321

gerne.

ich würde mich sehr freuen, wenn du das LEICHTE überkreuz klopfen wenigstens mal gedanklich nachvollziehen würdest oder mal in einer unauffälligen situation probierst, wie ein pferd, dass dich noch nicht so gut kennt, darauf reagiert.

der olympionike, der mir spontan einfällt ist dr. reiner klimke auf ahlerich... und das hat der ali mit sicherheit richtig verstanden - die ganze anspannung, die vom REITER abgefallen ist, weil der bub trotz des so angespannten reiters derartig toll war...

pferde reagieren auch auf pheromone - und mit einer wedelbewegung gehen die ganz bestimmt bis in die pferdenase.

lobwortmässig kommt bei mir auch nur "brav bub" in nicht allzu lauten tönen.

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Klopfen ist veraltet. Kommt wahrscheinlich noch aus der Armee, wo wahre Männer halt draufgehauen haben.

Aber, was man einmal über viele Jahre gelernt hat, ist halt schwer abzugewöhnen. Ich mache es selten, aber manchmal erwische ich mich noch dabei.

Loben soll man das Pferd sofort. Und ein Feiiiin ist schon ganz in Ordnung, wenn das Pferd es gelernt hat, dass Feiiiin was Gutes bedeutet.

Streicheln, am Mähnenkamm kratzen etc... empfinden die meisten Pferde als angenehm, aber das kann man halt nicht immer anwenden. Leckerlis erst recht nicht. Aber Feiiiin geht halt immer und sofort. Man kann natürlich auch "Prüüüüma" sagen. ;-)

Man kann auch "Fliegensch.....e" sagen, klar, alles ne Sache der Betonung :D 

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Was man sagt, ist ziemlich schnuppe. Wobei ich glaube, dass Pferd findet iiiiii und üüüüü nicht so angenehm wie aaaaa und oooooo.

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@Urlewas

Glaube mir, ich kenne Leute, die auch aaa und oooo unangenehm quietschen können, sodass sogar ich für einen Moment glaube, spontanen Tinnitus bekommen zu haben.

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Ich reite seit 20 Jahren 

Das Pferd wird normal sofort gelobt wenn es etwas gut gemacht hat, nicht erst nach ner viertel Stunde - das hab ich so noch nie erlebt. 

Auch in unserer Reitschule (Reiten, Voltigieren, Springen) kennen und  machen wir das so und es wird auch so unterrichtet 

Komisch, dass dir das so merkwürdig gezeigt wurde, und streicheln spüren Pferde übrigens (fast) nicht, das kann eher irritieren - aber jetzt bitte nicht voll draufdreschen 😀

Die Viertelstunde war ein Beispiel. Ich meinte eher das Loben am Ende des Reitens, wo ja eh alles vorbei ist.

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@Unwissend123321

Klopfen IST eine Belohnung, komisch, dass hier angebliche Experten sich so anstellen 😕

Denn dann dürften sie ja auch nicht reiten und schon gar nicht springen, das ist nämlich mit Reiter völlig unnatürlich! 

Gelobt wird sofort - dann lieber ne Karotte oder nen Apfel am Schluss 

Ich würde aber nie Feiini oder so einen Schwachsinn zu einem Pferd oder nen anderen Tier sagen, ich finde das total peinlich 😉

Auch "ata gehen" bei einem Kind, da muss ich echt den Kopf schütteln 

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Klopfen ist einfach DÄMLICH hoch 10, denn

Pferde untereinander können sich nur mit den Hufen gegeneitig "klopfen" und DAS ist immer agressiv gemeint - die dummen  oder ignoranten Menschen, die diesern Blödsinn mit dem Klopfen immer noch entgegen jedweder Jahrzehnte alter Verhaltensforschung machen, können nur froh sein, daß Pferde sich dann denken - "ok, dieser Idiot da oben weiß es wohl nicht besser und wird es wohl nett meinen... ! "

mit Worten kann man dem Pferd "störungsfrei" und zeitlich genau passend viel besser ein Lob geben; soll es Körperlich sein: dann eben kraulen wie beim Fellchenkraulen am Widerrist

aber NICHT klopfen:
geklopft wird nur das tote Steak - und dein Pferd lebt doch noch - ODER?

such lieber mal den liebsten Kraulpunkt deines Rosses....

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