Wieso liest fast niemand mehr Gedichte?

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7 Antworten

Ich könnte mir vorstellen, dass es auch an der Art liegt, wie man Jugendlichen vermittelt (oder eben auch nicht vermittelt), wie schön Gedichte sein können. Ein interessanter Weg wurde mit dem "Rilke-Projekt" gewagt. Hier handelt es sich um Gedichte, die mit populären Künstlern (von Peter Maffay über Ben Becker, Laith Al-Deen, Xavier Naidoo und Lindenberg bis Nina Hagen) vertont wurden. Wer sich diese CD's anhört und dann die Texte von Rilke mag, greift vielleicht auch mal zu 'nem Gedichtband.

Es gab auch ein amerikanisches Projekt, wo u. a. Personen wie Madonna und Samuel L. Jackson Gedichte von Pablo Neruda vortrugen.

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@Reimbeutel

interessant - wusste ich nicht - such ich mir aber mal raus .... danke für den tipp und liebe grüße - boniche

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Da sollte man zunächst mal unterscheiden, wie viele "fast niemand" sind, und wie man Gedichte definiert.

Ich schreibe selber Gedichte, genauer gesagt: Komische Reimlyrik. Das bedeutet, ich halte mich an Vorgaben wie Reim, Versfuß und Versmaß. Und ich trete damit auf Kleinkunstbühnen und bei sogenannten Poetry Slams auf.

Ein Poetry Slam ist eine Art Dichterwettstreit, bei dem die Autoren innerhalb einer Zeitbegrenzung ihre Prosa oder Lyrik vortragen, und das Publikum über den Sieger entscheidet. Doch: Gedichte, richtig präsentiert, und zwar nicht als elitäre Lesung, sondern als Sprachkunst, die Menschen mitreißt wie ein Rockkonzert, sind cool.

Und Poetry Slams gibt es in jeder größeren Stadt. Allein in Darmstadt hören in der Zentralstation alle drei Monate um die 700 (!) zum Großteil junge Leute den Texten der Autoren zu. Mittlerweile sendet der WDR einen eigenen Poetry Slam im Fernsehen:

http://www.wdr.de/tv/poetryslam/

Unterhaltsame Gedichte werden durchaus gelesen und gehört. Das gilt für traurige, komische und lyrische Gedichte. Unterhaltsam heißt nicht zwingend brüllkomisch, sondern den Leser/Hörer auf irgendeine Weise ansprechend.

Natürlich werden Gedichte von mehr Menschen gelesen, je zugänglicher sie sind. Kunst um der Kunst willen stößt meist auf Unverständnis.

Es gibt nicht umsonst das negative Klischee der unverständlichen, verquasten Kunst, die Kritiker erfreut, aber uns, die Leser, nicht im mindesten interessiert. Hinzu kommt, daß Gedichte im Verständnis der heutigen Dichter zumeist form- und regelfrei sind. Diese "freien Verse" mögen durchaus gut formuliert sein, sind aber im Grunde Fließtexte mit willkürlichen Zeilenumbrüchen.

Bilden sie doch mal einen Satz mit "Formaldehyd":

Wie man an freien Versen sieht, sind Versmaß und Form alde Hyd.

Diesen Zweizeiler im Stil von Robert Gernhardt habe ich nicht umsonst geschrieben. Ich selst bin ein Verfechter des Reimes.

Robert Gernhardt übrigens hat es durchaus geschafft, mit Gedichten viele Menschen zu erreichen UND von den Feuilletons wargenommen zu werden.

Dennoch lassen sich mit Lyrik nicht die Verkaufszahlen einer Biographie Bohlens erreichen. Warum? Weil man sich für Lyrik an sich interessieren muß, um sie zu kaufen, während aktuelle Bestseller gekauft werden, um mitreden zu können.

Das Eva-Prinzip wirft man möglicherwesie nach dem ersten Durchlesen in den Müll, Lyrik liest man mehr als einmal, selbst, wenn man den Band oder die einzelnen Gedichte bereits kennt. Lyrik wird also zumindest ÖFTER gelesen.

Zuammenfassend läßt sich also sagen:

Ein nicht unerheblicher Teil, der aber nicht mit der Menge der Belletristik-Konsumenten konkurrieren kann, liest Gedichte. Das zeigen u. a. diverse Lyrik-Foren.

Gedichte werden immer wieder gelesen und anderen vorgelesen. Belletristik wird höchstens von den Autoren vorgelesen, ansonsten liest man sie meist in der Bahn.

Nach dem Grad der Aufmerksamkeit, die man dem Buch widmet, könnte man daher sagen:

Viele Menschen konsumieren Bücher, aber wenige lesen Gedichte.

Leider funktioniert der angegebene Link nicht (mehr?) - denn was Du darüber geschrieben hast, hatte mich neugierig gemacht.

Die fehlenden Reime, Versfüsse und -masse sind es ja, die "moderne" Gedichte für mich unattraktiv machen.

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@demosthenes

Bei mir funktioniert der Link noch, sind tolle Sachen drauf, kannte ich noch gar nicht.

Gruß engelhaar!

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Naja Gedichte sind doch der renner im Augenblick, sie haben sich nur verändert. Den Hip-Hop Texte sind Gedichte aber halt gesungen und nicht erzählt Die meisten Hip-Hop Künstler hab haben vor dem Rappen Gedichte geschrieben und diese dann in ihren Songs benutzt. Also Gedichte sind voll angesagt sie haben sich wie alles nur der Zeit angepasst.

Die alten Gedichte kennen die meisten aus der Schule und finden sie eher langweilig, die neuen sind meist kaum zu interpretieren und haben keine "Satzmelodie" mehr, weil moderne Dichter das offensichtlich für unter ihrer Würde halten - was sollte daran reizvoll sein, diese Elaborate zu lesen ?

Vielleicht verstehen viele Menschen den Sinn nicht mehr von Gedichten oder haben keine Lust darüber nachzudenken.

Ist halt nicht "cool". Vielleicht werden sie nicht interssant genug verpackt.

Wieso niemand mehr Gedichte liest?

Das sehe ich anders...Seiten wie z. B.

http://www.PhantasieRaum.de

sind doch total gefragt...

Liebe Grüße Kathi

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