Wieso ist 'Qu' & 'X' entstanden?

3 Antworten

Von Experte OlliBjoern bestätigt

Das ist eine komplizierte Geschichte, die letztlich auf das erste Alphabet überhaupt zurückgeht, das der semitischen Sprachen, das von den Phöniziern dann verbreitet worden ist. Die Phönizier hatten drei verwandte Knacklaute in ihrer Sprache und für jeden einen eigenen Buchstaben:

  • Gimel (g, stimmhaft)
  • Kaph (k, stimmlos und wie bei uns am hinteren Gaumen gebildet)
  • Qoph (q, weiter hinten im Rachen mit dem Zäpfchen gebildet)

Die Griechen haben alle drei Buchstaben übernommen, obwohl sie den q-Laut gar nicht hatten. Wie in den meisten Sprachen klang aber das griechische k vor o und u etwas dunkler und ähnelte dort am ehesten noch dem phönizischen Laut, den sie daher immer als k-Variante vor o und u benutzten.

Von den Griechen haben wiederum die Etrusker das Alphabet übernommen. Die kannten nicht mal einen Unterschied zwischen G und K, haben aber trotzdem alle 3 Buchstaben übernommen, und das G eben vor i und e verwendet, wo es die "weichste" Variante von k ausdrückte. Das K wurde also nur noch vor a benutzt, das Q vor u und o.

Von den Etruskern haben die Römer das Alphabet übernommen. Die haben sich zunächst der Schreibweise der Etrusker angepasst, obwohl es im Lateinischen im Grunde auch nur einen k-Laut gab. Im Lauf der Zeit sind K und Q daher immer mehr verdrängt worden. Q wurde nur noch vor u benutzt, alles andere mit C geschrieben.

Nun unterschieden die Römer aber in ihrer Sprache sehr wohl g und k, hatten aber kein eigenes Zeichen für g von den Etruskern geerbt. Daher kam ein römischer Schreibstubenbetreiber im 3. Jh. v. Chr. auf die Idee, mit einem kleinen Zusatzstrich das k (C) auch in der Schrift vom g (G) zu unterscheiden. Nur in traditionellen Namen blieb die alte Schreibung erhalten. Gajus wurde daher immer noch mit C. abgekürzt (s. den "Vornamen" von Caesar).

Wir hatten im Deutschen für einen Unterschied zwischen den verschiedenen k zwar eigentlich keine Verwendung, und nutzen v.a. das griechische K. Das C benutzen wir in Buchstabenkombinationen für Laute, für die es im Lateinischen keinen Buchstaben gibt (Ch und Sch) und als Verstärkung in CK. Das QU benutzen wir für kw, weil eben auch für unsere Schreibung das Lateinische Vorbild war, und schleifen so eine Schreibtradition mit, die im Grunde seit fast 3000 Jahren nicht mehr so recht sachlich begründbar ist. Aber so ist das oft mit Traditionen.

Beim X ist das Ganze auch nicht viel einfacher. Im Phönizischen stand der Buchstabe noch für ein s. Die Griechen verwendeten ihn für eine im Griechischen sehr häufige Kombination ks. Dort gibt es auch eigene Buchstaben für ps und ts. Für die Griechen war das X=KS also praktisch. Die Römer kannten den Buchstaben ursprünglich gar nicht, haben ihn aber später direkt von den Griechen übernommen, für ihren Laut gs, der im Lateinischen recht häufig war (z. B. Rex von regere, herrschen - oder maximus, die Steigerung von magnus).

koenntest Du dafuer vielleicht eine Quelle angeben? v.a. der Schreibstubenmitarbeiter wuerde mich SEHR interessieren - woher weiss man das so genau? klingt jedenfalls sehr interessant!!

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@phil71

Zuhause habe ich Hugo Kastner: Das Alphabet. Die Geschichte der Schrift. marix wissen Wiesbaden 2012.

Man findet die Informationen aber auch in der Wikipedia. Für die Antwort habe ich u.a. folgende Artikel benutzt:

C, K, Koppa, X, Geschichte des Alphabets

Beim Ursprung des G ist es tatsächlich verblüffend, dass man den Erfinder noch kennt. Von daher gut, dass du genauer nachfragst. Dass das G von Spurius Carvilius Ruga um 230 v. Chr. entwickelt wurde, berichtet der griechische Schriftsteller Plutarch - immerhin etwa 300 Jahre danach, von daher würde ich das nicht auf die Goldwaage legen. Vielleicht war der auch nur ein besonders einflussreicher Verbreiter des neuen Buchstabens.

Dazu siehe die folgenden Wikipediaartikel:

https://de.wikipedia.org/wiki/C
https://de.wikipedia.org/wiki/Spurius_Carvilius_Ruga
oder auch Kastner 2012, S. 91.

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Weiß man denn, wie Latein tatsächlich gesprochen wurde? Vielleicht hatten die Laute Q und X auch andere Nuancen. Ich frage mich das aus der Erinnerung, dass manche "Cäsar" "Zäsar", andere "Käsar" sagen. Das Y z. B. bräuchte aus unserer heutigen deutschen Sicht ja auch niemand (ersetzbar durch I oder Ü) oder das V (F/W). Sprache entwickelt sich mit der Zeit, lebt und bildet Un-Logiken.

Weiß man denn, wie Latein tatsächlich gesprochen wurde?

An sich schon. Linguistiker können sowas rekonstruieren und dann mit großer Wahrscheinlichkeit sagen, wie das damals wahrscheinlich war. Vlt kann man das mit Dinoforschern vergleichen, die es schaffen zu "erraten" wie die Muskulatur eines ausgestorbenen Dinoskeletts war. Nun hab ich nicht überprüft wie diese Buchstaben ausgesprochen wurden, aber ich meine ich hätte schon mal was davon gehört, wenn sie anders ausgesprochen worden wären als sie es heute werden, wie ich auch mitbekommen habe, dass 'ae' von den Römern wahrscheinlich "aj" ausgesprochen wurde. Wobei, wenn ich falsch liege, jemand mit Ahnung über das Feld mich wahrscheinlich korrigieren wird.

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Beide Buchstaben wurden nicht von den Lateinern erfunden, sondern aus früheren Alphabeten übernommen. Es gab also nie einen Punkt des Erfindens.

Warum hätten sie also ein funktionierendes System ändern sollen?

Dann verschiebt sich die Frage. Warum haben die Etrusker dann X anstatt Cs genutzt und Qu anstatt Cv. Und klar gab es einen Erfinder. Anders als Sprache as sich, werden Buchstaben nämlich tatsächlich erfunden.

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Oh, und noch was:

Warum hätten sie also ein funktionierendes System ändern sollen?

Warum nicht? Die Japaner haben auch nicht alle chinesischen Symbole übernommen, sondern nur so viele, wie sie selbst Laute hatten.

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