Wieso ist Prostitution eigentlich in einigen Staaten verboten - das ist doch Beschneidung der Menschenrechte?

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5 Antworten

Prostitution und wie der Staat bzw. die Gesellschaft damit umgeht, hängt von der jeweils geltenden Moral ab - und die kann sich ändern und ist von sozialer Gruppe zu Gruppe unterschiedlich. Da der Mensch dazu tendiert anderen (zu deren "eigenem Wohl") die eigene Moral aufzwingen zu wollen, werden auch sexuelle Handlungen in religiöse Vorschriften und Gesetze gepackt.

Das Geschäft "Sex gegen Vorteile" ist das älteste Geschäftsmodell der Welt - und die Grenzen sind fließend. Von der Versorgungsehe bis zum Strassenstrich gibt es eine rießige Bandbreite.

Frauen ist Prostitution schon immer suspekt, denn leicht verfügbarer, unverbindlicher Sex beraubt sie einem wichtigen Steuerungs- und Belohnungsinstrument. Ein "Sexentzug" als Erziehungsmaßnahme wird damit entwertet. Daher setzen sich Frauen (und die von ihnen dazu gedrängten Männer) gerne für ein Prostitutionsverbot ein. 

Religionsvertreter sehen Sex ohnehin als unerwünschte Konkurrenz zu göttlichen Erfahrungen und würden diesen am liebsten ganz verbieten, wenn man ihn nicht zur Vermehrung der Gläubigen bräuchte. Dass man heutzutage auf der Matratze häufiger ein "Oh Gott" hört, als in der Kirche, ist ein deutliches Indiz... .

In Frankreich und Schweden versucht man Prostitution quasi ganz zu verbieten - vornehmlich unter dem Vorwand "die Frauen zu schützen". Gleichzeitig wird den Sexworkerinnen unterstellt sie würden diese Tätigkeit ohnehin nicht freiwillig ausüben und müssten daher die Geschäftsgrundlage entzogen bekommen indem man (wie in Schweden) zwar nicht die Sexworkerin, dafür aber den Kunden bestraft... .

Trotzdem gibt es in allen Ländern Prostitution - selbst in streng konservativen oder muslimischen Staaten - dann allerdings nur im Untergrund. Die organisierte Kriminalität hat dort dann ein reichhaltiges Betätigungsfeld, denn die Frauen sind erpressbar (da sie ja eine verbotene Tätigkeit ausüben), brauchen Schutz vor Behörden, müssen versteckt und mit Kunden versorgt werden. Selbst wenn sich eine Frau unter diesen Bedingungen freiwillig prostituiert, wandert ein großer Teil ihres Umsatzes in die Taschen der Zuhälter, Bordellbetreiber, korrupten Beamten usw.

In Deutschland hat man sich dagegen dazu entschlossen den Sumpf auszutrocknen indem man Prostitution nicht mehr als sittenwidrig einstuft, die "Förderung der Prostitution" (z.B. durch Zimmervermietung, Werbung usw.) legalisiert hat und lediglich die Ausbeutung der Prostituierten (durch Zuhälter...) verfolgt. 

In Deutschland braucht eine Sexworkerin daher niemand, der sie "beschützt", "versteckt", "mit Kunden versorgt" oder Ähnliches. Die allermeisten Prostituierten in Deutschland üben ihre Tätigkeit freiwillig und selbstbestimmt aus, der Rest fällt leider immer wieder auf "Loverboys" herein, die ihnen die "große Liebe" vorgaukeln und das von dem Girl für die "gemeinsame Zukunft" angeschaffte Geld für den eigenen Vorteil bei Seite schaffen. Da in diesen Fällen oft nicht einmal den Mädels klar ist, dass Ihr "Freund" eigentlich ihr Zuhälter ist, ist diesen Subjekten auch nur schwer beizukommen... .

In Deutschland hat sich daher eine facettenreiche Sexindustrie etabliert, die offen für diese Dienstleistung wirbt, von den Behörden kontrolliert und den Finanzämtern besteuert wird. Man sollte allerdings nicht alle Prostituierten in einen Topf werfen, denn von der verzweifelten Drogensüchtigen auf dem Straßenstrich bis zum Edel-Escort gibt es eine rießige Bandbreite. Die verschiedenen Geschäftsmodelle sind unterhaltsam und informativ z.B. in "Wir sehen uns im Puff!" (Amazon) beschrieben - das sollte man mal Lesen, bevor man sich an Diskussionen über dieses Thema beteiligt...

Seid nett aufeinander!

R. Fahren 

blöde Frage:  umgekehrt ist ja wohl eher nachzuvollziehen, also, warum gibt es überhaupt Länder, in denen es erlaubt ist (- + in anderen eben nicht)? Willst du jetzt, daß Frauen sozusagen überall legal(isiert) für Geld zur Verfügung stehen? Dies Sodom und Gomorrha gibts schon reichlich + für Geld ist alles zu haben... Alledings versteh `ich auch deinen Kontext nicht, daß du noch nie gev***lt hast usw.. Was willst du uns damit sagen?

Sind Frauen Gebrauchsgegenstände?

Ein sehr hoher Prozentsatz dieser Frauen geht diesem Gewerbe nicht freiwillig nach. Also zum Schutz der Frau.

HouseOfRetards 24.05.2016, 18:14

Und was soll ein Verbot bringen, wenn sie bereits vorher dazu genötigt werden? Denkst du, dass der Zuhälter dann sagt "Mist, jetzt kann ich dich leider nicht mehr gegen deinen Willen zwingen, weil es da so ein Gesetz/Verbot gibt."?!

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wilees 24.05.2016, 18:16
@HouseOfRetards

Heimliche Prostitution wird sich damit nicht grundsätzlich verhindern lassen. Aber sie ist doch leichter " einzudämmen ", als ohne ein solches Gesetz.

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Strrephanie 24.05.2016, 19:15

die Mädels, die es freiwillig machen wollen sollen es doch auch dürfen. Nur weil es Mädchen gibt, die zwangsverheiratet werden, verbietet man doch noch lange nicht den Ehestand.

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Strrephanie 24.05.2016, 19:26

In der BRD wurden junge Männer zum Wehrdienst gezwungen,in anderen Staaten werden sie es noch und müssen gegebenenfalls andere Menschen töten! Wenn das Gewerbe nicht in eine Schmuddelecke gedrängt ist, dann dürfte illegales Vorgehen seitens der Zuhälter zurück gehen, denke ich

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Speculoos 24.05.2016, 19:49

Woher nimmst du die Zahlen? Es gibt dazu keine wirklich belastbaren Studien. Und wenn es verboten ist, werden die, die gezwungen werden, auch weiter gezwungen. Haben Sexarbeitende Rechte und können sie einklagen, sind sie stärker und Ausbeuter haben weniger Chancen.

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Grautvornix 25.05.2016, 09:45
@Speculoos

In USA ist es verboten, und deswegen würde ich es dort nicht machen.

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Da es meistens illegal geschieht und man es nur im Notfall macht ( normalerweise)

Speculoos 24.05.2016, 19:47

Viel mehr Sexarbeiter*innen machen den Job freiwillig, als man denkt.

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1900minga 24.05.2016, 19:48

Quelle?

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Speculoos 25.05.2016, 15:49
@1900minga

persönliche Bekanntschaften, Besuche von Konferenzen mit mehreren hundert Sexarbeitenden im Publikum :-)

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Speculoos 25.05.2016, 15:51
@Speculoos

Allein, dass es eine Hurenbewegung gibt, deren Anhänger*innen für ihre Rechte kämpfen und darum, den Beruf weiter ausüben zu dürfen, zeigt, dass es eben nicht grundsätzlich Zwang ist, sondern zu einem großen Teil einfach ein Beruf.

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in vielen ländern gibt es zwangsprostitution d.h die frauen werden gezwungen mit anderen männern gegen geld zu schlafen deswegen gibt es verbote. 

HouseOfRetards 24.05.2016, 18:13

Wenn sie sowieso gezwungen werden, ist ja allein das schon gegen das Gesetz. Dann bringt auch ein Verbot der Prostitution nichts.

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Speculoos 24.05.2016, 19:48
@HouseOfRetards

Ganz genau das! Zwang ist nicht mehr Sexarbeit, sondern sexuelle Nötigung - und die ist zum Glück strafbar.

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