Wieso ist man sich beim Flug MH370 so sicher, dass der Transponder absichtlich abgeschaltet wurde?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo,

sicher ist gar nichts! Deshalb ergeht man sich in Vermutungen (hier in Europa - um Zeitungsseiten bzw. Sendezeiten zu füllen) oder Hypothesen (in Asien), um zu sehen, welche am wahrscheinlichsten ist.

Der Transponder liefert Kurs, Höhe, Kennung und Geschwindigkeit bei einer Abfrage über das Sekundärradar an den Lotsen. Erscheint es nicht mehr, gibt es nur noch das Echo des Primärradars. Jetzt setzt sich ein Prozess in Gang, der weltweit standardisiert ist (sollte man glauben):

Der Lotse ruft das Flugzeug, weil er plötzlich keine Daten mehr bekommt. Das Flugzeug antwortet nicht, also ist erst einmal von einem Unglück auszugehen. Daraufhin werden Rettungskräfte alarmiert und die Suche beginnt. Vermutet man einen Angriff, wird natürlich auch das Militär alarmiert. Zumindest bei uns in Europa ist das durch die enge Verzahnung der militärischen und zivilen Flugsicherung kein Problem.

Nun ist es aber so, dass man bei einem Flugunfall immer Teile findet, egal was, egal wie groß. Und ein Unglück über dem Meer hinterlässt auch immer Spuren: Eine Schwimmweste, ein Sitzbezug, ein Trolley, eine Leiche oder auch Leichenteile, eine Wandverkleidung und manche Dinge halten sich ganz schön lange an der Oberfläche.

Da man aber bis jetzt nichts hat, was mit einiger Sicherheit auf einen technischen Defekt oder einen Terroranschlag in der Luft hindeutet, ist eine der Spuren eben die Vermutung, dass der Transponder absichtlich abgeschaltet wurde. Das kann man einfach durch Ziehen einer Sicherung an der Hinterwand des Cockpits machen (muss ja für Wartungs- oder Instandsetzungsarbeiten möglich sein) oder durch einen mechanischen Input, sprich durch Zerstörung mit Gewalt. Jedes technische System oder Gerät lässt sich auf irgendeine Weise überlisten, ausschalten, zerstören.

Sherlock Holmes, der - literarische - Detektiv, sagte einmal zu seinem Freund Watson, dass das, was übrig bleibt, wenn man alle anderen Möglichkeiten mit Sicherheit ausschließen kann, die Wahrheit sein muss, egal, wie seltsam sie sich anhört. Auf diesem Weg scheinen die Flugunfallermittler und sonstigen Behörden zu sein, obwohl ja nichts wirklich sicher ist. Das macht die Sache umso unheimlicher.

Warum aber niemand mal Abfangjäger losgeschickt hat, als man nur noch das Primärziel zu haben glaubte, ist mir ein Rätsel.

Primärradare sind in der zivilen Luftfahrt sehr selten und wenn vorhanden, dann decken die nur das Gebiet direkt rund um den Flughafen ab um z.B. Heißluftballons und andere Eindringlinge ohne Transponder in den Anflugschneisen zu erkennen. Zivile Radars mit hoher Reichweite werden kaum eingesetzt, dafür ist das Militär zuständig. In Europa und in den USA kann die zivile Flugischerung auf militärradardaten zugreifen um so zumindest noch den Absturzort genau lokalisieren zu können.

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@Commodore64

Das ist nicht korrekt. Primärradare sind immer bestandteil eines zivilen Radarsystems, sofern es nicht auf ADS-B basiert. Es werden die Informationen von mehrere Radarstationen zusammengeführt.

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Danke für den Stern!

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Das ist man nicht. Man ging davon aus, weil in etwa zur selben Zeit auch das ACARS-System ausgeschaltet wurde. Alle Bedieneinheiten für Sprechfunk, ACARS und für Transponder sitzen in der Mittelkonsole. Wenn es z.B. dort einen Schmorbrand gegeben hat, wäre die erste Maßnahme, alle Sicherungen der Systeme dort zu ziehen, um dann anhand von vorgegebenen Prozeduren herauszufinden, was genau defekt ist. Entführung klingt halt viel spektakulärer (und lässt sich medial leider auch besser verkaufen...).

Der Transponder sendet leider kein "Abschaltsignal" oder etwas dergleichen.

Wie sieht es denn mit der Stromversorgung der Geräte aus? In wie weit gibt es Notstromversorgung? In wie weit arbeiten die Geräte unabhängig voneinander, also in unabhängigen Stromkreisen z. B.?

Nichts genaueres weiß man nicht, aber ...

1.) aus dem Bauch heraus: wieviel wahrscheinlicher ist eher ein Notfallszenario, in dem der Pilot verzweifelt versucht hat umzukehren und dabei aber nichts mehr senden / funken und wg. der Dunkelheit sehen konnte? Oder ist es gefühlt eher 100x wahrscheinlicher, dass irgendwas hätte für ein Notfallsignal o.ä. funktionieren müssen?

2.) Die USA haben alle Weltmeere mit Sonarstationen zugepflastert. In wie weit könnte ein Absturz ins Wasser von einem Sonar registriert werden? Kenn mich leider weder mit Radar noch Sonar gut genug aus. Es ist schon interessant, dass gerade dort wo nun (am 20.03.) Satellitenaufnahmen entstanden sind auch Trümmerteile gefunden wurden und das, obwohl der Fundort nun doch gar nicht in die bisherigen Flugrichtungstheroien passen. Oder hat man zwischenzeitig einfach genügend Satellitenkapazitäten? Wahrscheinlich, oder?

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@RaupeImmerplatt

Die Geräte hängen an verschiedenen Stromkreisen. Aber wenn es dort schmort, stellt man ja nicht die gesamte Spannungsversorgung ab, sondern nur die von den Geräten, die in Frage kommen. Da ist es egal, an welcher Spannungsquelle sie hängen. Es gibt insgesamt fünf Spannungsversorgungs-Bussysteme: AC, AC Backup, DC, DC Standby und DC Flight Control Power. Jeder Bus kann von mehreren Quellen gespeist werden. Ein Totalausfall aller Busse ist so gut wie ausgeschlossen (zumal es immer noch Batterien und ein kleines Windrad gibt, dass bei Ausfall der Spannungsversorgung ausklappt (Ram Air Turbine, RAT).

Zu 1): Es gibt in jedem Cockpit Taschenlampen, falls gar nichts mehr geht. Mit Wahrscheinlichkeiten sollte man bei Flugzeugunfällen lieber nicht rechnen. Es zeigt sich, dass oft Dinge passieren, die man sich nie hätte vorstellen können. Fliegen ist vor allem deswegen so sicher, weil alle (!) Vorfälle untersucht werden. Aus den Ergebnissen entstehen dann Verbesserungen. Aber zu spekulieren bringt leider nichts.

zu 2): Ich denke, bei so einer Suche ist auch einfach viel Zufall dabei. Man muss sich mal die Dimensionen vor Augen führen: Man sucht Gegenstände, die maximal so groß sind wie ein LKW auf einer Fläche die so groß ist, wie Australien...

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@maussuam

Danke für die Antworten! (noch kurz: Zwecks Dunkelheit und mangelnde Sicht meinte ich die Sicht nach draußen und somit die mangelnde Orientierung auf dem möglicherweise beabsichtigtem Rückweg, nicht die Sicht im Cockpit (Taschenlampe) :)

Aber ja, will eigentlich auch nicht groß spekulieren (.. ein klein wenig aber schon). Nur hat es mich schon als Laie gestört, dass es in den Nachrichten so dargestellt wurde, dass es quasi als erwiesen gilt, dass der Transponder absichtlich abgestellt wurde. Deswegen die Frage hier.

Danke nochmals an alle für die vielen guten Antworten!

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100% sicher ist sich da natürlich keiner, aber da gibt es viel zu viele Dinge die da zeitgleich passiert sind, dass eine einfache Fehlfunktion nicht mehr in Frage kommt.

Flugüberwachungssysteme sehen nämlich keine Flugzeuge, die Sender der Radaranlagen sind einfach viel zu schwach. Die "leuchten" einfach ein Flugzeug an und der Transponder funkt dann nach einer festgelegten Zeit Daten zurück. Aus der Zeitdifferenz kann dann die Entfernung zum Flugüberwachungsradar ausgerechnet werden. Flugkennung, Flughöhe, Kompasskurs usw. werden dabei übertragen und im Radarsystem der Flugüberwachung angezeigt. Schaltet man den Transponder ab, dann kann kein ziviles Radarsystem mehr das Flugzeug sehen.

Nur die Militärischen Radarsysteme können Flugzeuge direkt sehen, aber nur bis zu einer bestimmten Entfernung, darüber hinaus können auch die nur noch den Transponder sehen.

Fällt der Transponder durch defekt aus, hätten 3 Dinge passieren müssen:

  1. Der Pilot häte sofort den Reservetransponder eingeschaltet
  2. Der Pilot hätte den Ausfall per Funk gemeldet und wäre per Funk im Kontakt mit der Flugsicherung geblieben um seine Position ständig bekannt zu halten damit die Flugsicherung ihren Job machen kann, also ihn und andere Flugzeuge vor möglichen Kollisionen warnen.
  3. Das Flugzeug hätte automatisch Fehlermeldungen gesendet. Das Flugzeug hatte ja immer noch Satellitenkontakt und hat normalen Betrieb gemeldet. Ein Fehler der verhindert hätte, dass die Fehlermeldungen abgesetzt werden konnten ist damit so gut wie ausgeschlossen.

Es gibt ziemlich gute Hinweise, dass das Flugzeug seinen Kurs geändert hat. Das sieht also schwer nach Sabotage aus, warum sollte sich der Pilot sogar höchstwahrscheinlich bewusst "verfliegen" und dann fällt auch noch der Transponder ohne Fehlermeldung aus?

Berichten zufolge bewegte sich das Flugzeug am Randbereich der militärischen Radaranlagen - und das ist genau das was man macht wenn man das Flugzeug "verschwinden" lassen will. Man schaltet den Transponder ab und hält sich fern von militärischen Radaranlagen die das Flugzeug ohne Transponder noch sehen können. Genau das machen Drogenschmuggler mit kleinen Maschinen schon seit Jahrzehnten um unbemerkt ihre Ladung ans Ziel zu bringen. Aber eine so große Maschine kann man nicht wirklich vor militärischem Radar verstecken, daher hat es wohl eine Spur hinterlassen.

Was da jetzt wirklich passiert ist, kann keiner sagen bis man die Trümmer und damit die Blackbox gefunden hat, die zeigt an was die Piloten da genau gemacht haben.

Kleine Flugzeuge mit Drogen an Bord verschwinden ziemlich oft, die fliegen weit weg von militärradar besonders tief, sind also nicht auf zu spühren wenn der Transponder aus ist. Die landen dann irgendwo, löschen ihre Ladung und dann fliegt das Flugzeug wieder hemlich zurück oder es wird zerlegt und die Teile landen auf dem Flugzeugteile Schwarzmarkt.

wie heißt es doch:

erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Du beschreibst, was sich die Entwickler der Sicherheitstechnik so gedacht haben. Welche Redundanz die Geräte "idiotensicher" machen.

Sollte man sich heute, wenige Tage vor der Einstellung von Updates für Windows XP, nicht fragen, warum das ein Problem ist? Nach 12 Jahren werden noch immer Updates zum Schließen von Sicherheitslücken bereit gestellt. Sind die Entwickler bei Microsoft wirklich so unfähig und wussten nicht was sie taten und tun?

Auch wenn ich Windows nicht mag, die Entwickler sind in den wenigsten Fällen schuld. Die Dinge sind viel zu komplex, als dass man alles beachten kann.

Bei so einem millionenfach ausgelieferten Betriebssystem gibt es auch Millionen an unabhängigen mehr oder weniger freiwilligen "Testern". Wie viele "Tester" testen die Elektronik eines Flugzeugs?

Warum sollte nicht genau so ein bisher nicht erkannter Bug in diesem Flugzeug aufgetreten sein?

Ich kann von Software berichten, die 8 Jahre in mehreren hundert Anlagen völlig korrekt funktionierte und plötzlich trat in einer Anlage ein fataler Fehler auf. Selbstverständlich war der Fehler in allen Anlagen, er zeigte sich jedoch nur in der einen.

Der Grund war sehr simpel, eine Variable wurde beim Start falsch initialisiert. Was aber, wenn die nach einem Update richtige Initialisierung bei anderen Anlagen .....

erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

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@guenterhalt

Wie gesagt, genau wissen wir das wohl nur, wenn die Blackbox auftaucht.

Aber wenn da ein Softwarebug der Auslöser war, warum hat dann der Pilot dann nicht reagiert?

Bei Autos sind die Systeme weitgehend unabhängig, ein kaputter Drehzahlmesser darf halt nicht verhindern, dass man bremsen kann oder das der Airbag auslöst - und im Flugzeug sind diese Trennungen noch strenger.

Wie sollte Transponder, Funkausrüstung, Navigationscomputer/Autopilot und dann auch noch alle Handys der Passagiere sowie das Boardtelefon (viele Flugzeuge haben sogar Internet) alles gleichzeitig so spinnen, dass der Flieger einfach so verschwindet?

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@Commodore64
Aber wenn da ein Softwarebug der Auslöser war, warum hat dann der Pilot dann nicht reagiert?

so einfach ein Softwarefehler wird`s wohl doch nicht sein. Mit meinem Kommentar wollte ich nur darauf hinweisen, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass Fehler auftreten, an die niemand im Traum gedacht hat. Hinterher ist dann jeder klüger.

Du erwähnst die Handys der Passagiere. Welcher Sendemast sollte über einem Ozean dafür zuständig sein und wie groß ist die Reichweite eines Handy, das sich in einem Flugzeug-Rumpf befindet.

Ich habe vor langer Zeit einen Bericht über einen A300-Flug gelesen, bei dem die Piloten versuchten die Elektronik auszuschalten. Nicht um das Flugzeug zu entführen oder abstürzen zu lassen, nein, die wollten es nur landen lassen und waren der Meinung, dass sie bereits viel zu niedrig und zu schnell sind ...

Die haben in der Eile wohl glücklicherweise nicht die "richtige" Sicherung gefunden.

Zufälle, menschliches Versagen, technisches Versagen. Manchmal kommt alles zusammen.

In alle Richtungen zu denken, ist dabei immer geboten. Leider wird das Ganze oft nicht wissenschaftlich betrachte. Mit Spekulationen kann man schließlich Zeitungen füllen und Geld machen.

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@guenterhalt

Sieht ganz danach aus als wäre das Flugzeug geflogen bis der SPrit alle war, das geht aus der Zeit der Satellitenverbindung hervor.

Klar kann da eine Fehleinschätzung passiert sein wie bei dem Air France Flug mit dem vereisten Geschwindigkeitsmesser. Da hat sich bei den Piloten die Logik festgefressen die sozusagen ist wie "Wenn bei meinem Auto der Tacho aus fällt, muß ich Vollgas geben um nicht geblitzt zu werden!".

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Ich habe diesen Transponder nur mit einem Messer rausbekommen, wo bedauerlich die kleine Glaskapsel um den Transponder kaputt gegangen ist.

Nun stell ich mir die Frage, ob der ganze Transponder defekt ist, oder ob dieser noch funktioniert.

Und wenn er je kaputt sein sollte, wo bekomme ich so einen her?

MfG RobbyL

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