Wieso ist ein Physikstudium so schwer? Was sind die größten Schwierigkeiten?

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Hallo NerfFreak,

in einem Physikstudium wirst Du auf naturwissenschaftliches Arbeiten vorbereitet. Und Forschungsarbeit heißt, dass man versucht, etwas herauszufinden, was noch niemand weiß, was noch niemand geschafft hat und wovon auch niemand eine Ahnung hat, wie man es denn rausfindet.

Um Dich auf so eine Berufssituation vorzubereiten, wirst Du im Studium praktisch permanent "ins kalte Wasser geworfen". Will sagen: Die Hausaufgaben und Übungen gehen weit über das in der Vorlesung gehörte hinaus. Während in der Schule die Aufgaben den vom Lehrer durchgekauten Stoff wiederholen und einüben sollen, vertieft man das Gehörte an der Uni in den Aufgaben und wendet es an.

Das ist also viel schwerer als in der Schule, weil man sich diese Vertiefung des Stoffes selbst erarbeiten muss. In der Praxis sitzt man oft an einer Hausaufgabe mehrere Stunden, versucht verschiedenste Ansätze und weiß hinterher, wie es _nicht_ geht. Das ist frustrierend. Man fühlt sich überfordert, verunsichert (gerade, dann wenn man an der Schule gewohnt war, die Aufgaben Ratfatz zu lösen) und weiß oft einfach gar nicht _wie_ man ein Problem lösen soll.

Das ist also eine ganz andere Art von Stress, als wenn man nur ein gigantisches Lernpensum zu bewältigen hätte. Klar? Erst, wenn man sich einigermaßen an diese Arbeitsweise gewöhnt hat, versteht man, warum diese Form des Studiums nötig ist. In der Forschung muss man sich eben auch oft neuen Stoff selber beibringen. Deshalb wird man im Studium in Situationen gebracht, wo man in die Bibliothek rennen muss und schauen muss. Und ausprobieren muss etc. Auch in der Forschung weiß man monatelang/jahrelang nicht, ob man auf dem richtigen Weg ist. Deshalb wird man im Studium darauf vorbereitet, mit dieser Situation umzugehen.

NerfFreak, es gibt eine Faustregel, ob Du geeignet bist: Wenn der Gedanke, etwas Anderes studieren zu müssen, Dich mehr frustriert als die Aussicht auf das eben Beschriebene, dann solltest Du Physik studieren. Wenn Physik einfach das Tollste ist, was man machen kann und alles Andere langweilig erscheint, dann lass Dich nicht abschrecken. Im Gegensatz zu den Anderen weißt Du immerhin, was auf Dich zukommt. ;-)

Es ist nicht waaahnsinnig schwer, man muss nur lernen, es sich selbst zu erarbeiten und damit zu leben, dass man andauernd nicht weiß, wie's eigentlich weitergeht. - Und bilde Dir nicht ein, dass es den anderen besser geht, _das_ frustriert nämlich nur unnötig.

Grüße und don't panic!

VIelen, vielen, vielen... Dank. In der Schule war ich immer zu faul seitenweise Ordner durchzulesen und alles auswendig lernen nur um Dinge zu erfahren die 1. unlogisch (Religion!!!) sind 2. nicht sonderlich bedeutend für die Zukunft (Geschichte) oder 3. einfach erfunden sind (Deutsch, Englisch). Ich verstehe aber dass machen dieser Fächer enorm wichtig sin. Ich wollte aber immer Probleme lösen und Dinge lernen die eigentlich noch zu schwer sind/waren, ich wollte einfach nur verstehen warum etwas so ist/funktioniert wie es eben ist/funktioniert.

Und wegen der Faustregel...so geht es mir auch wenn ich darüber nachdenke irgendwas anderes zu machen, weil ich einfach Physik will und nichts anderes (außer vielleicht Mathe :D). Nochmal vielen, vielen Dank deine Antwort ist für mich unheimlich wichtig, denn jetzt weiß ich noch mehr was ich will.

Danke.

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Du musst gut in Mathematik sein, sehr genau arbeiten können, ein gutes Abstraktionsvermögen besitzen und dazu Durchhaltevermögen. Mit "Auswendiglernen" -wie in der Schule- kommt man da nicht weit. Viele scheitern bereits an zu geringen Mathematikkenntnissen, die sie aus der Schule mitbringen. Dort gehen viele den "Weg des geringsten Widerstandes", um gute Noten zu ergattern (Abwahl "schwerer Fächer").. Das rächt sich später.

Das selbe wie unten. Danke.

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Das ist ganz einfach zu beantworten.

In vielen akademischen Fächern wie Philosophie, Pädagogik etc. kannst du den größten Unsinn verzapfen und trotzdem ein geachteter Universitätsprofessor sein.

Als Physiker werden deine Aussagen in Experimenten überprüft und du kannst dich ganz schön blamieren. Noch nie was von der Sache mit dem Superwasser gehört?

Eine sehr qualifizierte Aussage. Nach deiner eigenen Definition bist du jetzt ein Philosoph, weil du den grössten Unsinn erzählst und es noch für wahr hältst. :D Ich glaube, du hast noch nie etwas von akademischer Philosophie oder anderen Geisteswissenschaften gehört. Wenn du in Philosophie einen Unsinn erzählst, kann das genau überprüft werden und du bist genauso weg vom Fenster wie ein Physikprofessor. Sagt dir das Stichwort Logik etwas? Wenn ja, dann solltest du merken, dass ein akademischer Philosoph auch an Spielregeln gebunden ist und nicht einfach Unsinn erzählt. Wenn du sagen würdest, dass es kaum reale Anwendungsbereiche für diese Disziplinen gibt, würde ich dir 100% zustimmen. Aber innerhalb dieser Disziplin kann ein Philosoph sicher keinen Unsinn erzählen und Uniprofessor sein.

Viele Geisteswissenschaftler haben auch Fakten als Grundlage für ihre Forschung (Geschichte, Kulturen, Sprachen,...) oder Experimente zur Überprüfung. Ein Pädagoge, der behauptet, dass Kinder am besten lernen wenn sie dabei ausgepeitscht werden, wird sehr schnell von der Realität eingeholt wenn er es ausprobiert. Und ist dann auch seinen Job los.

Ich halte Naturwissenschaften auch für die schwierigsten und zugleich fürs Überleben und den Wohlstand für die bedeutendsten Wissenschaften. Aber das was du sagst zeigt vielmehr deine absolute Ahnungslosigkeit und Ignoranz gegenüber allen Nicht-Naturwissenschaften als dass es eine ernst zunehmende Antwort auf die gestellte Frage geben würde.

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@Fjodor95

Eine sehr qualifizierte Aussage. Nach deiner eigenen Definition bist du jetzt ein Philosoph, weil du den grössten Unsinn erzählst und es noch für wahr hältst.

Ich kann deshalb kein Philosoph sein, weil ich meine Aussage NICHT für wahr halte und du solltest sie auch eher als kabarettistischen Beitrag nehmen.

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Mathe. Es ist aber nicht wie an der Schule (Kindergarten). Satz, Beweis, Satz, Beweis. Ätzend.

Eignung, Hürden, Irrtümer

Viele Unis bieten Studienanfängern Vorkurse in Mathe an, in denen sie ihr Wissen auffrischen können, bevor es losgeht. Denn in den Vorlesungen ist man schnell über den Schulstoff hinaus. »Eine mathematische Begabung und logisches Denken helfen beim Physikstudium«, sagt der Kasseler Professor René Matzdorf. Aber für den Beginn seien gute Schulkenntnisse ausreichend. Wer allerdings bei den Übungsaufgaben schlampt, verpasst rasch den Anschluss und tut sich am Ende des Semesters schwer. Wer sich durch die Anfangssemester durchbeißt, hält normalerweise auch bis zum Ende des Studiums durch. »Die ersten zwei Semester sind hart, da darf man sich nichts vormachen«, sagt Felix Schleifer. Vielen sei nicht klar, wie sehr sich die Klausuren an der Universität von den Tests in der Schule unterscheiden. Sein Tipp: »Mit Kommilitonen, die schon weiter sind, sprechen und alte Arbeiten bei der Fachschaft einsehen.« Inken Hofbauer hat sich eine Lerngruppe gesucht – und prompt verbesserten sich die Noten. »So habe ich auch den Spaß am Studium wiedergefunden, der zwischendurch etwas gelitten hat.« Der Bachelorstudiengang Physik ist in der Regel zulassungsfrei. Für die Master-Eignung zählt die Bachelornote. Viele Unis erwarten hier mindestens eine Drei, einige setzen zudem auf Auswahlgespräche oder Motivationsschreiben.

Quelle - Studienführer 2013/14

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