Wieso ist die Zeit der Erfinder in Deutschland vorbei?

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10 Antworten

Hi,- da gibt es eine Antwort von Vanelle, die ich für treffend halte. Was du nach meinem Verständnis ansprichst ist das deutliche Übergewicht der Anwendungsforschung gegenüber der Grundlagenforschung.

Und das ist im Kern das Ergebnis einer weitestgehenden "Ökonomisierung" von Gesellschaft und Politik und eigentlich ein dankbares Thema für Systemtheorien.

Warum Systemtheorie? - Ganz einfach: dort gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen kybernetischen, also rückkoppelungsbasierten Prozeßsteuerungen und sog. Offenen Systemen. Und hierin liegt das Problem und die Gefahr und m. E. auch die Antwort auf deine Frage. - Ein Beispiel:

An der Gentechnologie ist das eigentlich Gefährliche nicht die Frage nach Gesundheitsrisiken sondern die drohende Verknappung des Genpools. - Warum? Weil ein Manager eines börsennotierten Unternehmens der Gentechnologie kein Interesse an Vielfalt hat. Das ist für ihn Verschwendung aufgrund eines Entwicklungsfehlers durch ungeplante Abweichungen. Was er braucht ist ein Produkt, daß er vermarkten kann und dieses Produkt versucht er durch anwendungsorientierte Prozeß-Forschung herzustellen. Anzahl und Eigenschaften dieser Produkte richten sich also nach der Vermarktungsstrategie des Unternehmens. Der Rest ist Ausschuß.

Die Natur hingegen produziert Vielfalt - sozusagen auf Vorrat auch unter Zuhilfenahme des Zufalls und der Diversitätsressourcen. Sollte es also z. B. mal einen Schädling geben, der die bekannten Getreidesorten bedroht gibt es in der Natur IMMER einen Trumpf im Ärmel, der bislang zwar nicht wichtig war aber dann. - Der Manager von Monsanto etc. sattelt um und verdient sein Geld mit der Beseitigung der Folgen.

Also: Offene Systeme sind darauf ausgelegt in der Interaktion mit Umwelt Varianten zu erzeugen, die das auslösende System dann wieder verarbeitet (integriert) und daran wächst. Das gilt auch für die Grundlagenforschung. In diesem Sinne ist sie dem Wesen des Begriffes nach "ökologisch". (der Begriff bedeutet eben nicht nur Windräder und so).

Prozeßgesteuerte /kybernetische Systeme müssen, dem Wesen ihres Begriffes nach bereits auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet sein, um dies in einer Ist-Soll - Zustandsrückkoppelung zu erreichen und um auf dem Weg dort hin Abweichungen zu vermeiden. - Das ist Ökonomie.

Ökonomie hat also - volkswirtschaftlich gesehen - eigentlich die "Intelligenz" eines Roboters an einer Bandstraße von VW im Auftrag eines betriebswirtschaftlichen Plans.

Es gäbe noch viele Beispiele zum Gegensatz dieser Systeme. - In der Psychologie wäre Variante 1 "Offenes System" ein Mensch, der frei agiert, entscheidet, in seine Pläne die ungeplanten Ergebnisse seiner Entscheidungen einbauen kann und auch vorher schon weiß, das ein Plan nur der Anfang von etwas ist bei dem immer mehr herauskommt als der Plan vorgesehen hatte. - Offenens System bedeutet ja nicht Planlosigkeit.

Variante 2 wäre ein Beispiel für einen kranken Menschen, der mit Abweichungen und Überraschungen nicht umgehen kann und von zwanghaften Eingrenzungen durch einen Tunnel getrieben wird. - Alles andere wäre für ihn eine Krise.

Letztlich ist es eine politische Entscheidung ob und wieviel Geld man in eine Grundlagenforschung stecken möchte, deren Wert die Produktion von Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten - nicht der von Produkten ist.

Wenn aber die Politik sich selbst dem Paradigma der Ökonomie unterworfen hat und glaubt, eine Gesellschaft rein betriebswirtschaftlich führen und entwickeln zu können erhalten wir das was wir haben: ein vergleichsweise "dummes" System der Nachverwertung von Wissen, dass aus Zufällen /Varianten entstanden ist im Sinne eines Marktwertes.

Und dieses Paradigma beherrscht ja mittlerweile nicht nur Forschung und Technik sondern unser ganzes Denken und Verhalten.

Und wen wunderts wenn nach "Bologna-Prozeß" an den Universitäten und G8-Abi an den Gymnasien unter Bildung eigentlich nur noch Ausbildung verstanden wird - bis hin zur U3-Förderung in Kindertagesstätten.

Und alle machen mit.

Gruß

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Zunächst bin ich gar nicht mal sicher, dass "die Zeit der Erfinder in Deutschland" tatsächlich vorbei sind - ich denke, dass es durchaus einiges z. B. an innovativer Grundlagenforschung gibt, wovon man als "Laie" aber einfach nicht viel mitbekommt.

Aber falls es tatsächlich so sein sollte:

Ich denke, das ist einfach normal, dass es da ein "auf und ab" gibt - in der Antike waren Römer und Griechen "das" Erfindervolk, davor waren es die Ägypter und Sumerer, im Mittelalter waren es die Araber, dann mal eine Weile England, dann eben Deutschland und nun eben wieder andere.

Wobei man aber auch feststellen muss: Die Asiaten, insbesondere die Chinesen, waren immer schon ein erfindungsreiches Volk - nur hat das antike und mittelalterliche Europa das damals nicht mitbekommen ...

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Weil du in Deutschland "Erfindungen" nur noch in Firmen machen kannst und du an den Gewinnen, die die Firma mit deiner Erfindung macht, nicht beteiligt wirst. Ergo lohnt es sich nicht, da, wenn du etwas erfindest, du nichts dafür bekommst, wohl aber dein Boss oder sonstwer auf der Vorstandsetage die fette Prämie kriegt, die eigentlich dir zusteht.

Genau das ist mir mal passiert, als ich noch in einem Chemiebetrieb im Labor arbeitete und ein neues Verfahren entwickelte. Als das nach einigen Monaten stand, heimste der Betriebsleiter, der nichts, absolut nichts, beigesteuert hatte, Lob und Prämie ein, sowie die Publikation des Ergebnisses. Wobei er einfach komplett meine Auswertungen sowie meine technischen Zeichnungen übernahm - selbstvertändlich ohne mich zu nennen, stattdessen gab er alles als seine Arbeit aus. Machen konnte ich nichts, denn in meinem Arbeitsvertrag stand, dass alle Rechte etc meiner Arbeiten an die Firma gingen, die darüber verfügen kann.

Super, Deutschland, hast du gut hingekriegt - so sorgt man dafür, dass jede Kreativität zum Deibel geht.

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Kommentar von Frage76mal6
12.05.2016, 02:04

Dass man sowas nicht einklagen kann...erbärmlich, das Land der Dichter und Denker geht vor Verbrechern und Gauklern in die Knie..

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Heutzutage kommt praktisch alles aus China, oder Südostasien, da die Produktion dort weitaus billiger ist. Nichtsdestotrotz gibt es verdammt gute Produkte "Made in China", meist stammen diese von großen Marken. Gleichzeitig gibt es aber auch verdammt schlechte Produkte "Made in China".
Kennst du den Unterschied zwischen diesen "guten" und "schlechten" Produkten? Die Ideen und Designs der guten Produkte kommen meist aus dem Westen, Korea oder Japan. Die Ideen und Designs der schlechten Produkte kommen meist aus China. "Made in China" sagt mittlerweile gar nichts mehr über die Qualität eins Produktes aus, stattdessen sollte dieser Schriftzug lieber durch "Designed in China" ersetzt werden.

Wenn du jetzt aber auf die Forschung anspielst, so habe ich vor kurzem einmal einen Artikel gelesen, indem es um die Wiederholung von angeblichen "Erkenntnissen" chinesischer Wissenschaftler ging. Am Ende kam dabei heraus, dass viele angebliche Durchbrüche nicht replizierbar sind. Das würde bedeuten, dass sich diese Wissenschaftler bestimmte Dinge einfach aus den Fingern saugen, denn schließlich ist diese Replizierbarkeit ja eine der wichtigsten Aspekte in wissenschaftlichen Experimenten.

Nichtsdestotrotz gibt es auch in China hervorragende Wissenschaftler. China hat genug Geld um es in seine Forschungseinrichtungen zu investieren und sollte dabei gleich, oder sogar vor westlichen Ländern liegen. Da China mehr als ein Siebtel der Weltbevölkerung stellt ist es nicht verwunderlich, dass aus China auch ein großer Teil der Erfindungen dieser Welt kommt.

Als aktuellstes Beispiel für "europäische Ideen" würde ich einfach mal den Wendelstein 7-X nennen. Weiterhin haben wir in Europa das Kernferschungszentrum CERN mit dem weltweit größten Teilchenbeschleuniger. Deutsche Automobilfirmen sind weltweit führend. Weiterhin sind deutsche Firmen im Klimaschutzbereich und bei den erneuerbaren Energien zwar nicht führend, aber zumindest an der Spitze mit vertreten.

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Das stimmt so nicht. Deutschland ist mit der Zahl der Patentanmeldungen nach wie vor Europameister.

Weltweit gesehen liegen lediglich Japan und USA noch weiter vorne. China holt allerdings mächtig auf und liegt inzwischen auf Platz 4.

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Kommentar von Frage76mal6
13.05.2016, 02:15

China, oder Japan ist relativ relativ, Tatsache ist, dass wir überholt wurden und werden.

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Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht, allerdings denke ich, dass es so ist wegen der Asier... Das soll jetzt auch nicht böse gemeint sein oder so aber sie bringen so viele Produnkte raus auf den Markt, dass die deutschen so gut wie keine Chance mehr haben etwas zu entwickeln...

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Kommentar von Frage76mal6
12.05.2016, 02:06

ganz ehrlich, ich glaube, dass es die Mischung aus einem strickten System, verbunden mit einer gewissen Armut liegt. Not macht erfinderisch und Disziplin bringt Struktur.

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Kommentar von Walkin
12.05.2016, 15:16

Kann auch sein

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im 19. und im 20. Jahrhundert legten deutsche Erfinder die Grundsteine für alle modernden großen Erfindung

War das so? Da unterschlägt mir meine Literatur zur Geschichte der Wissenschaft, Forscher und Entdecker wohl etwas ...

Für einen nicht geringen Teil der "großen" Erfindungen war gar nicht absehbar, dass sie das Potenzial dazu hatten. Und nicht zuletzt hängt es auch davon ab, ob sich jemand findet, der bereit ist, zu investieren.

Diverse "Erfindermessen" belegen, dass es keinesfalls ein Ideen mangelt, nur ohne Gegenliebe vergammeln auch die "größten" Erfindungen in irgendeiner Schublade ...

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Kommentar von Frage76mal6
13.05.2016, 00:03

Deine Quellen belegen etwas anders? Auto: Benz; Flugzeug: Weißkopf; Computer: Zuse; Glühbirne: Göbel; Telefon: Reis Stickstoffysnthese: Haber; bedeutende Grundlagen der Physik liefernten außerdem: Meitner, Hahn, Schrödinger, Heißenberg, Hund und die beduetensten Einstein und Planck

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Kommentar von Frage76mal6
13.05.2016, 00:11

ohne von Braun wäre Armstrong vermutlich nie auf dem Mond spaziert

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Gerade auf dem exorbitant bedeutsamen Gebiet der digitalen Technologie ist die Zeit "großer deutscher Erfindungen" absolut nicht vorbei, sondern innovativer denn je.

Vergleichsweise nehmen sich die "Ideen, die in Asien sprühen" jedenfalls auf dem Gebiet der digitalen Technologie eher bescheiden aus.

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Kommentar von Frage76mal6
12.05.2016, 02:08

China hat es geschafft ein Quantennetzwerk aufzubauen. Wie das gehen soll, wissen selbst die Amerikaner nicht mal (offiziell) 

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Ich denke weil die ideen hier nach dorf verkauft werden weil die produktion günstiger ist
aber Vllt auch einfach weil große Konzerne auch hier in deutschland mehrere erfinder zusammen bringen um besondere ziele zu erreichen. Erfinder die zuhause im keller oder der garage experimentieren oder was zusammen basteln gibts heut nicht mehr weil man das ja auch irgenwie finanzieren muss


nur meine meinung kein fundiertes wissen


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Kommentar von Frage76mal6
12.05.2016, 02:01

Entschuldige, deine Theorie hakt  an ein paar Stellen. 1. Konrad Zuse hatte keinen Pfennig in der Tasche, als er im Keller seine Z1 und Z2 gebastelt hatte, erst die Z3 wurde von den Nationalsozialisten unterstützt. 2. sind die Erfindungen aus China wirklich Erfindungen aus China, kein kopiertes Design, keine geklauten Ideen (die gibts zu Haufen keine Frage) aber die meisten angemeldeten Patente aus China wurden von Chinesen erdacht.

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Deine Frage geht offensichtlich an der Realität vorbei. Ich empfehle eine gründlichere Recherche.

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Kommentar von Frage76mal6
12.05.2016, 03:23

Meine Frage geht an der Realität vorbei? Könntest du das bitte näher erläutern? 

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