Wieso ist die Geburt so schwer?

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Bei keinem anderen Tier ist die Geburt ein derart komplexer Vorgang, dass die werdende Mutter dabei Hilfe bräuchte. Nur beim Menschen ist die Anwesenheit eines Mediziners oder einer Hebamme vonnöten. Selbst bei unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen und Bonobos, schafft das Weibchen die Geburt völlig allein, meist innerhalb kurzer Zeit und komplikationslos. Warum ist die Geburt ausgerechnet bei uns so ein komplikationsreicher Vorgang?

Schuld daran ist die Größenzunahme des Gehirns beim Menschen infolge seiner gestiegenen Intelligenzleistungen. Das Gehirn eines erwachsenen Menschen wiegt etwa 1400 g. Im Vergleich dazu ist das Gehirn eines Schimpansen viel leichter, es wiegt etwa 400 g. Ein größeres Gehirn kann man sich jedoch nur leisten, wenn der Schädel dafür den erforderlichen Platz bereitstellen kann. Im Zuge der menschlichen Entwicklung wurde der Gesichtsschädel (Viscerocranium) deutlich kürzer. Vergleicht man den Schädel eines Schimpansen mit dem eines Menschen, wird der Unterschied offensichtlich: beim Schimpansen springt die Schnauzenregion deutlich hervor, beim Menschen hingegen nicht. Gleichzeitig nahm der Gehirnschädel (Neurocranium) stark an Volumen zu.
Der Kopf ist bei dem Neugeborenen die kritischste (weil breiteste) Stelle und bestimmt daher die Weite des Geburtskanals, insbesondere den durch das Becken gebildeten Teil.

Nun klingt es im Prinzip recht einfach: wenn der Kopf größer wird, muss eben einfach auch das Becken breiter werden. Genau das ist auch passiert. Das Becken einer menschlichen Frau ist sehr weit, gerade im Vergleich mit dem Becken eines Schimpansenweibchens. Aber die Beckenbreite kann nicht beliebig zunehmen. Es gibt natürliche Beschränkungen (constraints), die diese Entwicklung limitieren. Ab einem gewissen Punkt würde das Becken instabil werden, es würde anfällig für Brüche oder die Fotbewegung unmöglich machen, weshalb das Becken der Frauen nicht noch breiter werden konnte als es heute ist. Die Natur ist hier an die Grenze dessen gekommen, was anatomisch möglich ist. Um die Geburt zu erleichtern, sind die einzelnen Schädelknochen des neugeborenen Menschen noch nicht miteinander verwachsen, sondern gegeneinander verschieblich. Auf diese Weise ist der Kopf des Babies quasi verformbar. Zusätzlich verändert sich auch das Becken der Mutter. Während der Schwangerschaft schüttet der Körper verstärkt das Hormon Relaxin aus und die elastischen Bänder des Beckens werden weicher, auch die knorpelige Verbindung der beiden Schambeine, die Beckensymphyse, wird dadurch weicher und elastischer und der Geburtskanal noch ein kleines bisschen weiter.

Die besonderen Geburtsverhältnisse sind übrigens auch der Grund, weshalb Babies direkt nach der Geburt so hilfsbedürftig sind. Vergleicht man nämlich den Entwicklungsstand eines neugeborenen Schimpansen mit dem eines neugeborenen Menschenkindes, ist der Schimpanse in seiner Entwicklung schon sehr viel weiter. Er kann sich schon selbstständig im Fell der Mutter festhalten, kann den Kopf von allein heben und aktiv die Zitze der Mutter aufsuchen. Ein Baby kann all das noch nicht und es würde ohne die Hilfe seiner Mutter auf jeden Fall sterben. Um all die Dinge leisten zu können, die ein Schimpansenjungtier nach der Geburt schon zu tun vermag, müsste es dafür in seiner Entwicklung viel weiter sein, was aber ein größeres Gehirn und somit einen größeren Kopf voraussetzen würde. Dadurch wäre die Geburt aber unmöglich, also kommt der Mensch in einem viel unreiferen, ja geradezu noch fetalen Zustand auf die Welt.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Wie schon angesprochen ist das becken das problem nicht die vagina.

Das mit dem Minimalen stimmt so nicht ganz wie du das Interpretierst.

Da selektion der entsprechende faktor ist ist hier mit minimal der punkt gemeint an dem Weniger energie zu verbrauchen keinen wirklichen Selektionsvorteil mehr bringt.

Wenn man als beispiel bei einer sache weniger energie verbrauchen könnte. Aber es nicht dazu führt das man sich besser vermehren kann. Dann ist das eine sache die sich nicht entwickeln wird.

Und was die geburt angeht ist es für den Menschen entsprechend ausreichend weil wir eh durch die gruppe geschützt sind und uns das leisten können das es länger dauert. Deswegen können wir uns auch Unfertigen hilflosen nachwuchs leisten. Im gegensatz bei z.b. Rehen oder dazellen bei denen eine schnelle geburt und die fähigkeit zu laufen ein sehr großer evolutionärer vorteil sind.

Entgegen der populären Auffassung ist die menschliche Geburt kein fauler Kompromiss. Das wurde erst vor ca. 10.000 Jahren zum Problem, als die Menschen im Zuge der neolithischen Revolution sesshaft wurden. Die Frauen verbrachten nun den Großteil des Tages bei der Feldarbeit in der Hocke, als Jäger und Sammler wanderten sie viel umher und hatten mehr Bewegung. Schon die biblische Paradiesgeschichte reflektiert diesen Umbruch, man beachte den ,,Strafenkatalog" für Adam und Eva. Die Geburt wird nicht nur anstrengender, die Geburtenrate verdoppelt sich auch noch, weil Arbeitskräfte für den Ackerbau benötigt werden. Laut dem österreichischen Bibelexperten Paul Hengge geht es aber nicht ausschließlich um den Geburtsschmerz, sondern auch um den emotionalen Schmerz, den Frauen die Kinderaufzucht bereitet.

Buchtipps: ,,Das Tagebuch der Menschheit - Was die Bibel über unsere Evolution verrät" von Carel v. Schaik

,,Die Bibelkorrektur - Auch Adam hatte eine Mutter" von Paul Hengge

Woher ich das weiß:Recherche

Der Mensch ist da ja speziell wenns um Junge großziehen geht. Unser Nachwuchs ist völlig Hilflos und das für viele Jahre.

Unsere Stärke ist das socialisen. Als Gruppe stärker sein, planen, kommunizieren, usw. Deshalb brauchen wir ein sehr großes Gehirn (im Verhältnis zu unserem Körper). Gehirne sind so ne Sache, die können nicht nach der Geburt erst wachsen, die müssen vorher schon da sein. Deshalb haben unsere Neugeborenen verhältnismäßig große Köpfe mit einem Großteil des Gehirns, dass aber noch alles lernen muss.

Auf der anderen Seite kann man sich ja andere Tiere angucken. Ein Pferd zb steht schon ein paar Minuten nach der Geburt auf seinen eigenen Beinen. Weil es verhältnismäßig weniger können muss, kann es das auch schon früher.

Hoffe das war verständlich.

Liegt zb daran daß Menschen relativ große Babys bekommen. Selbst die Kälber von Elefanten und Walen sind im Verhältnis zum Muttertier kleiner als Menschenbabys. Und bei Tieren wie Bären oder Raubkatzen zb Tiger sind die Jungen bei der Geburt sogar viel kleiner als Menschenbabys obwohl eine Tigerin oder Braunbärin viel größer als eine Menschenfrau ist. Die schwere Geburt ist eine Art Preis den Menschen für das relativ große Gehirn und den dadruch recht großen Kopf auch schon bei Babys zahlen müssen. Menschenbabys könnte sogar einen Monat länge im Körper bleiben um etwas weiter entwickelt zu sein aber dann wäre der Kopf so groß daß er schon im Geburtskanal stecken bleiben wurden . Darum bekommen Menschen sehr große und dennoch sehr hilflose Babys die lange brauchen um zu wachsen

ne es liegt an der größe vom gehirn. trotzdem danke.

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