Wieso ist Dalai Lama für die Buddhisten heilig?

5 Antworten

Ich selbst bin Buddhist der Soto-Zen-Tradition und helfe dir gerne weiter

Wieso ist Dalai Lama für die Buddhisten heilig?

Diese Aussage stimmt so pauschal nicht, weil der Buddhismus kein gemeinsames Oberhaupt aller Anhänger kennt.

Der Dalai Lama hat eine wichtige Position innerhalb der tibetischen Gelugpa-Tradition des Vajrayana-Buddhismus inne.

Für die Buddhisten anderer Traditionen hat er dagegen kaum Bedeutung - er wird respektiert, aber das gilt genau so für den katholischen Papst.

In meiner Tradition ist zB der jeweilige Abt des Klosters Daihonzan Eiheiji in Japan die größte religiöse Autorität und nicht etwa der Dalai Lama.

Der Dalai Lama ist also nicht für alle Buddhisten von Bedeutung - unter anderem, da ihn nicht alle als Verkörperung des Bodhisattvas des Mitgefühls ansehen.

Der Dalai Lama ist nicht heilig.

Und schon garnicht für alle Buddhisten.

Er ist kein buddhistischer Papst wie viele denken, sondern lediglich das Oberhaupt der Gelugpa Schule (Gelbmützen Orden) = von einer der 4 Traditionen des tibetischen Buddhismus.

Er gilt als höchster Trulku = Wiedergeburtslinie von Lamas, beim Dalai lama nun die 14te "Inkarnation".

Was auch viel zum Mystizismus und zur Verehrung durch die Tibeter (und anderer) beitragen dürfte.

In allen anderen buddhistischen Traditionen, tibetisch oder nicht-tibetisch hat er strenggenommen keinerlei Führungsrolle, die haben jeweils ihre eigenen geistigen Führer.

Er wird zwar landläufig von den Tibetern als "Gottkönig" angesehen und sehr verehrt und fungierte vor der chinesischen Okkupation auch dementsprechend  (und das leider nicht nur positiv!), aber das heißt nicht das er der "Oberbuddhist" ist für alle anderen ist.


Seine zahlreichen Bücher sind durchaus sehr fundierte Lektüre mit hohem philosophischem Anspruch, aber diese geben auch exakt nur die Lehrtradition seiner Schule wieder, maximal den Konsens aller tibetischen Schulen.

Es gibt aber durchaus sehr kritische Stimmen die kein gutes Haar an ihm
lassen und manchen Praktiken die anscheinend generell im tibetischen
Buddhismus praktiziert werden.

Das möchte ich hier nicht vertiefen, sollte aber mal gesagt werden.


Gruß


Das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus entstammt den Gelugpa und vertritt diesen zunächst politisch nach außen und als oberste Lehrinstanz nach innen. Da der Name mongolischen Ursprungs ist, wird der Dalai Lama von den Tibetern selber nicht so genannt. Erstmals wird im 16. Jhd. der Name verwendet, um die Ehrerbietung des Khans vor dem großen Lehrmeister Sönam Gyatso auszudrücken, den er als “ozeangleichen Lehrer” bezeichnet. Dies ist in Anlehnung an das tibetische “Gyatso”, also “Ozean” entstanden, das sich in allen tibetischen Ordensnamen des jeweiligen religiösen Führers wiederfindet. Bereits der erste Dalai Lama galt als verwirklichter Bodhisattva, ein erleuchteter Buddha, der aus Mitgefühl zu den Wesen der Welt die bewusste Wiedergeburt wählt, anstatt ins Nirvana einzugehen. Dies tut er, um allen Mitwesen, die alle die Buddhanatur in sich tragen, zur Befreiung zu verhelfen. Dabei handelt es sich um den Bodhisattva Chenrezig oder Avalokiteshvara, den Bodhisattva des grenzenlosen Mitgefühls. Neben seiner religiösen Funktion war der heutige 14. Dalai Lama lange die Symbolfigur der Exiltibeter in der Hoffnung auf ein freies Tibet. Dafür erhielt er 1989 den Friedensnobelpreis. Sein heutiger Kurs beschränkt sich dagegen auf ein Bewahren tibetischer Kultur in einem chinesischen Autonomiegebiet. Zwar gilt er hierfür noch heute als geistig-moralische Instanz, jedoch hat er seine politischen Ämter bereits vor 10 Jahren an eine demokratische Exilregierung abgegeben und fungiert als “einfacher Mönch”, der selber das Fortbestehen der Tulku-Linie der ununterbrochenen Wiedergeburten in Frage stellt. “Vielleicht komme ich auch als Frau zur Welt? Die müsste aber sehr hübsch sein..” Für diesen Scherz eines im Zölibat lebenden Mönches hagelte es harsche Kritik. 

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