Wieso investieren den die jungen Leute ihr Geld nicht mehr?

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13 Antworten

Stimmt definitiv. Aber hat sicherlich mehrere Gründe, ich glaube nicht, dass junge mehr oder weniger Risiko nehmen als andere Generationen vor ihnen. Aber ich glaube einfach, dass es mehr Skepsis gibt gegenüber Finanzmärkten und auch Finanzprodukten. Zudem ist Investieren mit all dem Finanzjargon nicht gerade unkompliziert und voll von versteckten Kosten. Also kein Wunder dass keiner investieren will. 

Wir haben eine kleine Studie dazu gemacht. Zusammenfassung gibt's hier: https://blog.selma.io/deu/4-dinge-die-millennials-am-geldanlegen-hindern

Wer die ganze Studie will, der kann sie hier kostenlos downloaden: https://www.selma.io/de/millennials-und-investieren-2016

Hoffe das hilft weiter :) 

Wenn die Leute ihr Geld früher angelegt haben, dann war das in Festgeldern, Sparbriefen, Bausparen, Sparkonten, Lebensversicherungen. In Fonds oder Wertpapieren haben die Leute auch früher schon nicht angelegt (Ausnahme: Bundesschatzbriefe).

Die genannten Anlageformen waren ja früher auch in Ordnung (ich erinnere mich noch an 3% Sparbuchzins oder 9% Festgeldanlage).

Bei den jetztigen Zinsen ist es tatsächlich egal, ob das Geld auf Spar- oder Girokonto liegt, man ist ja fast schon froh, dass die Banken sich noch nicht trauen, die Negativzinsen weiterzugeben.

"Vernünftigen" Anlagen wie Wertpapiere traut man aber immer noch nicht über den Weg. Besten Dank an die Verbrauerschützer, die nicht müde werden, den Anlegern immer wieder die Möglichkeit eines Totalverlustes unter die Nase zu reiben.

NoHumanBeing 29.03.2017, 19:37

"Vernünftigen" Anlagen wie Wertpapiere traut man aber immer noch nicht über den Weg.

... und das auch aus gutem Grund.

An den Börsen werden Aktien teilweise im Mikrosekundentakt gehandelt. Da hat derjenige "Investor" bereits einen Vorteil, dessen Glasfaserkabel, das von seinem Rechner zum Server der Börse führt, etwas kürzer ist, als das eines anderen. Diese schnellen Transaktionen führen zu extrem geringen Gewinnen, aber mit vielen Millionen Transaktionen pro Tag von jedem "Investor" kommen dann langfristig doch nennenswerte Summen zusammen.

Dieses Geld kommt natürlich nicht "aus dem Nichts". Es stammt letztlich von vielen anderen ("normalen") Anlegern, die zumindest langfristig gesehen kumulativ Verluste einfahren müssen, um die durch den Mikrohandel generierten Gewinne auszugleichen. Als normaler Mensch hast Du überhaupt keine Möglichkeit, auch nur ansatzweise auf ein solches Level zu gelangen und gehörst so langfristig immer zu den Verlierern.

Es ist tatsächlich ein bisschen, wie in einer Spielbank. Kurzfristig gesehen kann jeder gewinnen oder verlieren, aber die Chance, dass die Bank gewinnt, ist bei jedem Spiel zumindest ein wenig größer, als diejenige, dass die anderen Teilnehmer gewinnen. Auf diese Weise generieren Spielbanken ihren Gewinn. Wenn Du nur lange genug spielst, wirst Du also insgesamt Geld verloren haben. So ähnlich ist es auch an der Börse.

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DinoSauriA1984 30.03.2017, 11:01
@NoHumanBeing

Das mit den Microtradern mag ja sein. Das ist aber kein Grund nicht in Aktien zu investieren. Das hindert nämlich niemanden daran selbst Gewinne zu machen.

Wer am 30.12.2000 jeweils max 1.000 EUR in die 30 Dax-Werte investiert hätte, hätte mit einem Kapitaleinsatz von 26.930 EUR zuzüglich geschätzter Spesen von ca. 500 EUR. Sein Geld super angelegt: Obwohl das Depot bis März 2003 fast 3/4 des Wertes verloren hätte und trotz der weiteren Finanzmarktkriese 2008/2009, wo nochmals fast 50% Wertverlust entstand, hätte dieses Depot heute einen Kurswert von 78.112 EUR (ich habe die Werte in einem Musterdepot, daher weiß ich´s). Hinzu kommt, dass die meisten Werte jedes Jahr eine Dividende ausgeschüttet haben, womit sich der Einsatz in gut 16 Jahren in etwa vervierfacht hätte.

Mit dem Startwert 30.12.2000 habe ich bewusst einen Termin gewählt, der als ungünstiges Einstiegsdatum angenommen werden kann. Die "Internetblase" war geade geplatzt und die Kurse kannten nur noch den Weg nach unten.

Sicher, 9 der Werte sind heute immer noch im Verlustbereich (z. B. Commerzbank, E.ON und RWE) aber die anderen Werte haben das mehr als wett gemacht.

Wer also in der Zeit einen beliebigen, durchschnittlich laufenden Dax-Fonds gekauft hätte, hätte sich damit trotz aller Krisen und selbst mit horrenden Fondskosten eine goldene Nase verdient!

Der nächste Crash kommt bestimmt? Soll er! Selbst wenn sich die Kurse halbieren würden, was sehr selten passiert, auch wenn es in den letzten 20 Jahren gleich 2 mal passiert ist, hätte sich mein Einsatz mehr als verdoppelt.

Wo bitte ist Misstrauen angezeigt? Dein Mikrohandel kratzt mich da nicht die Bohne (sicher sollte man da gesetzliche Maßnahmen ergreifen, ich bin auch ein Gegner dieser Systemverar***e).

Die ganzen Skeptiker und Angsthasen setzen weiter auf ihr goldenes Sparbuch - sollen sie! Ich setze auf "konservative" Aktienanlagen (Standartwerte) und schaue zu, wie mein bescheidenes Vermögen von alleine wächst.

Dein Vergleich mit der Spielbank is hanebüchen!

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Das ist nicht nur bei den jungen Leuten so. Die Alten können es auch nicht besser. 

Ehrlich betrachtet, konnten die meisten Deutschen noch nie gut mit Geld umgehen. Entweder sie haben es in den Konsum gesteckt, in Lebensversicherungen und Bausparverträgen gebunkert oder eben im Eigenheim angelegt. 

Wirkliche Geldanlagen wie z.B. in Aktien oder anderen Beteiligungen werden in Deutschland von der breiten Masse gemieden. 

Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass wir Deutschen ein übersteigertes Sicherheitsbedürfnis haben und Risiken in finanziellen Dingen eher scheuen. 

Wenn ich die Antworten hier lese, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Allianz Aktien haben vergangenes Jahr knapp 5% Dividende ausgeschüttet.

Man flüchtet sich einfach nur in die Gegenwart, wenn man heute junge Menschen fragt, wo sie in 2 Jahren arbeiten werden, und mit welchem Lebenspartner sie dann zusammen sein werden, werden die meisten nur ein kurzes Achselzucken üprig haben.

Also das Leben ist also nicht mehr so "Planbar".

Auch der Wirtschaftliche Hintergrund ist ein ganz anderer, dieses "Angstsparen" der Kriegsgeneration ist heute einfach nicht mehr so erforderlich.

Außerdem das reine Horten von Geld das funktioniert einfach nicht. Viele Menschen haben viel Geld verloren bei irgendwelchen Anlagegeschichten. Unterdem Stichwort "Altersvorsorge" wird auch noch der letzte Schrott verkauft.

Und normale Anlageprodukte wie damals auf der Bank die funktionierne einfahc nicht. Momentan gibt es Null Komma Null 1 Prozent ZUinsen. Wer 10.000 Euro Anlegt bekommt jedes jahr 10 Euro Zinsen !!!! Sorry wegen 10 Euro lasse ich doch dan lieber mein Geld auf dem Girokonto.

Momenta ist es einfach viel günstiger wenn man einfahc nur sein Geld klug aussgibt und einfach sein Geld stehen lässt.

Apfelkind89 29.03.2017, 14:29

Ist das nicht widersprüchlich - du sagst die Leute würden nicht mehr aus Angst sparen, aber dass sie das Geld auf der Bank lassen, zeugt doch eher von Angst, während die mutigen es in riskantere Investments einbringen. Was das "Horten von Geld" angeht, so sehe ich diese Verhaltensweise auch eher darin erfüllt, wenn man das Geld auf der Bank hortet und nicht wenn man es investiert.

Ich investerere u.a. in Aktien, gerade weil das Leben nicht planbar ist, und man nur eine Chance hat, wenn man im Notfall über große Geldmengen verfügt. Aus meinen 10.000 Euro sind innerhalb von einem Jahr theoretisch 20.000 geworden (habe die Aktien aber noch nicht verkauft).

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Früher hat man doch noch die Zinsen von Sparkonten bei den Banken mitgenommen. Heutzutage lohnt sich das nicht mehr. Wo sollte man denn noch Geld investieren, wo man sicher mit Gewinn rausgeht? Sowas gibt es einfach kaum noch.

Mosgerb 29.03.2017, 13:31

Naja, ich dachte eher über Aktien und Anleihen nach. Irgendwie kommt mir es so vor das sich die heutige Jugend nicht mehr traut in den Finanzmarkt zu investieren. 

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SebVegas 29.03.2017, 13:33
@Mosgerb

Die Jugend hat doch gar keine Ahnung von Aktien und Anleihen. Mit gefährlichem Halbwissen kann man dabei nur Verluste machen. Das Risiko ist einfach zu hoch.

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GanMar 29.03.2017, 14:02
@Mosgerb

sich die heutige Jugend nicht mehr traut in den Finanzmarkt zu investieren

Nun, der heutige Finanzmarkt ist vielleicht auch nicht mehr so vertrauenswürdig wie damals. Die DotCom-Blase ist geplatzt, die Hypotheken-Blase ist geplatzt und der nächste "Puff" läßt sicher nicht mehr lange auf sich warten. In was willst Du investieren? In die KFZ-Industrie, die Normen mißachtet und Käufer verarscht? In Unternehmen wie Instagram, die einen gewaltigen Börsenwert haben aber nicht erklären können, wie sie irgendwann mal Geld verdienen wollen? In die Anleihen hoffnungslos verschuldeter Staaten? Oder in diese "Derivate", die letztendlich aus "nichts" bestehen und nur der Umverteilung von Vermögen dienen?

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Apfelkind89 29.03.2017, 14:34
@GanMar

In Unternehmen, die die große Mauer an Mexikos Grenze aufbauen ;-) Was die Kfz-Industrie angeht, könnte Tesla interessant sein und noch ein großes Wachstum vor sich haben.

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DinoSauriA1984 30.03.2017, 11:20
@SebVegas

Das Risiko wird überschätzt! Ehrlich! Berater müssen ständig vor der Möglichkeit des Totalverlustes warnen. Bei einer vernünftigen Risikostreuung ist die aber tatsächlich ausgeschlossen! Natürlich wäre es theoretisch möglich. Aber wenn die 30 Daxkonzerne tatsächlich nahezu gleichzeitig über Nacht pleite sein sollten, dann sind Kapitalverluste auch nicht mehr unser Problem.

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Erstmal betrifft das nicht nur junge Leute, sondern auch ältere. Das würde ich garnicht einschränken.

Und der Grund ist, wie ich finde man hier in diesem Thread schön sehen kann:
- Angst
- Unsicherheit
- Keine Ahnung von den verschiedenen Anlageformen
- Keine Ahnung, mit Risiko umzugehen
- Zu wenig finanzielle Bildung
- Und wahrscheinlich spielt da auch Konsum eine Rolle

Momentan lohnt es sich ja auch schlichtweg nicht Geld anzulegen, was hat man denn davon?

Noch dazu befinden wir uns in einer subjektiv unsicheren Zeit - wenn ich höre, dass in anderen Ländern Banken gesperrt werden, habe ich nicht unbedingt das Bedürfnis mein Geld fest anzulegen.


Und dazu kommt, gerade bei jungen Menschen - die meisten haben ja gar nicht unbedingt viel Geld.

Welche "junge Generation" hat ihr Geld angelegt? Früher bekam man noch Sparzinsen und die ohne Risiko.


Mosgerb 29.03.2017, 13:32

Definieren wir mal als jung 20-35. Die Generation die eigentlich viel Geld verdient. Früher hatte man einen guten Sparplan und hat auch in den Finanzmarkt investiert. 

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Novos 29.03.2017, 13:39
@Mosgerb

Da gab es auch Finanzprodukte, die ohne großes Risiko einen einigermaßen guten Ertrag erbrachte, heute ist nur noch mit großem Risiko ein einigermaßen Ertrag zu erwirtschaften.

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Weil sie bei "riskanten Anlageformen" (verständlicherweise) Angst haben, ihr Geld zu verlieren und weil es bei "sicheren Anlageformen" heutzutage ohnehin kaum Rendite gibt.

Meine Bank gibt mir derzeit 0.1 % p. a. auf Festgeld. Na toll! Da kann ich's auch auffm Girokonto lassen.

thatpoppy 29.03.2017, 14:53

Ja lohnt sich nicht, bei momentaner Inflation gibt's wenigsten 2%

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DinoSauriA1984 29.03.2017, 16:51

Riskante Anlageformen sind für mich Optionsscheine, sonstige Hebelprodukte oder Papiere vom "grauen Markt".

Eine gute Mischung von Standartaktien hat langfristig nachweislich nur theoretische Risiken.

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Mosgerb 29.03.2017, 18:17
@DinoSauriA1984

auf lange Sicht rentiert sich Investieren immer. Egal obs dem Markt grad gut geht oder nicht. Am besten deckt man viel vom Markt ab dann hat man weniger Risiko wenn es mal bergab geht. Aber lieber investiere ich mein Geld als das ichs am Konto hütte. 

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In meinem Bekanntenkreis ist es ähnlich, ich kenne nur wenige, die auch in Aktien anlegen. Selbst Bankkaufleute sind da zum Teil recht zögerlich.

Ich vermute, dass die Leute einfach in den Tag hineinleben und sich nicht viele Gedanken machen möchten. Das betrift auch die Haltung bezüglich Politik und Flüchtlingskrise. Diejenigen, die investieren sind in meiner Umgebung auch genau dieselben, die sich auch für Politik interessieren und über die Zukunft nachdenken.

Mangelndes Wissen, Lifestyle (Yolo), kein Interesse, Angst vor Dingen wie Aktien etc.

größerer und luxoriöserer Konsum ? oder das Immobilien immer teurer werden und man oft keine Kredite bekommt?

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