Wieso hieß die DDR DDR wenn sie nicht demokratisch war?

10 Antworten

Die Aufassung, was demokratisch ist, wird wohl auch zukünftig unterschiedlich betrachtet. Dies beeinflusst durch einen historisch oder auch kulturellen Hintergrund.

In unserer westlich orientierten Welt wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass eine Demokratie vorliegt, wenn die Entscheidungsgewalt durch die Bürger gesichert ist. Dies im Normalfall durch Wahlen. Dies ist natürlich nur ein grober Überblick.

Allerdings sind noch andere Bereiche zu betrachten, um ein Staatsgebilde einschätzen zu können. So bspw. Rechtsstaatlichkeit, wirtschaftliche Aspekte, Menschenrechtsschutz usw. Diese werden häufig im allgemeinen Sprachgebrauch mit Demokratie gleichgesetzt.

Die DDR war nicht rechtsstaatlich und hat auch nicht freiheitlich, politische und justizielle Menschenrechte geachtet.

Im Gegenzug kann man aber sagen, dass soziale Menschenrechte per Definition höher ausgestaltet waren (z.B. Recht auf Arbeit (wohl gemerkt nicht freie Wahl der Arbeit) durch staatliche Vollbeschäftigung).

Grundsatz: Kapitalistische oder sozialmarktwirtschaftliche Ausrichtungen wahren mehr die freiheitlichen, politischen und justiziellen Menschenrechte. Kommunistische und sozialistische Ausrichtung wahren mehr soziale Menschenrechte. Natürlich nur in der Reindefinition der einzelnen Rechte (siehe Beispiel oben), die Frage ist, was man selbst will.

Demokratie heißt "Volksherrschaft" und wie das Volk herrschen kann, darüber herrschten halt im Osten und im Westen verschiedene Auffassungen.

So verstand sich die Bundesrepublik deshalb als Demokratie, weil es verschiedene Parteien gab, die man wählen konnte. Die DDR verstand sich als Demokratie, weil das Privateigentum an den Produktionsmitteln abgeschafft war und es entsprechend keine Kapitalisten gab, die die Politik mitbestimmten.

Richtig. Die DDR war "offiziell" demokratisch, insgeheim wurden Wahlen aber gefälscht und falsche Tatsachen absichtlich propagiert. Die Bürger sollten das Gefühl haben, mit ihren Wahlen in einem demokratischen Staat zu leben. In Wahrheit hatten die Bürger aber genau Null Einfluss auf die Regierung.

Das kommt mir irgenwie bekann vor.

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@PublicTroll

Möchtest du auf gewisse politische Misstände unserer Zeit oder zwischen 1933 und 1945 anspielen? ;)

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@Locuthos

Ich spiele damit schon auf unsere neuzeitlichen Verhältnisse an. In Amerika werden immer wieder Neuauszählungen der Stimmzettel beantragt oder es werden häufige Namen aussortiert, um tausende Stimmen, von "angeblichen Doppelwählern" zu eliminieren. Auch werden dort ganze Wählerschichten von den Wahlen ausgeschlossen, weil sie sich irgendwann einmal eine Vorstrafe eingehandelt haben. Wir brauchen jedoch nicht bis nach Amerika blicken, auch hier in Deutschland durften polnische Erntehelfer wählen, wenn sie sich länger als drei Monate in Deutschland aufgehalten haben. Es würde mich auch nicht wundern, wenn im Saarland einige Tausend unserer neuen Fachkräfte aus Nordafrika, gewählt hätten.

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