Wieso hat sich die Kirche im Mittelalter (und früher) sich so oft verändert? Damit meine Ich vom Basilika zu Romanische. Und von da zu Gotische zu Renaissance?

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6 Antworten

Die verschiedenen Baustile waren und sind auch ja immer Ausdruck einer bestimmten kulturgeschichtlichen Epoche.

In den Baustilen spiegeln einerseits die technischen Möglichkeiten der Epoche wieder. Zur Zeit der Romanik hätte man die gotischen Kathetralen technisch garnicht bauen können, an ein Gebäude aus Stahl und Glas, wie heute war noch nichtmal zu denken.

Außerdem sind die jeweiligen kulturgeschichtlichen Epochen auch immer von verschiedenen Fragen und Vorstellungen bestimmt. Die Fragen, Hoffnungen und Sehnsüchte, die sich für die Menschen besonders in den Vordergrund drängen, ändern sich mit der Zeit. Damit ändert sich auch, was die Menschen vom christlichen Glauben erwarten und wie sie den Gottesdienst erleben. Man darf auch nicht vergessen, dass es seit der Neuzeit immer wieder radikale Brüche in der christlichen Religionsgeschichte gab und gibt, die jedes mal, viel vom überlieferten Glauben aufgegeben haben.

Zur Zeit der Gothik waren die Kirchen die größten Gebäude der Stadt. Zimmer in normalen Häusern, waren so klein, dass Leute mit 1,80 m darin nicht aufrecht stehen können. Alles ist dreckig, es gibt kaum Kanalisation. Das Leben ist kurz und mühsam. Der Tod ist ein ständiger Begleiter. Die Sehnsucht ist das Ewige Leben. Doch die Menschen haben Furcht vor der Hölle, in der alles noch schlimmer ist, als im ohnehin schon beschissenen irdischen Leben. Betritt man eine gothische Kathetrale verlässt man die normale Welt. So geht es einem auch heute noch, selbst wenn die meisten Gebäude um die Kirche herum größer sind. Der Raum ist scheinbar unendlich hoch. Die spitzen Bögen zeigen dierekt in den Himmel. Es standen keine Bänke in den Kirchen. Es ist zwar lebhaft und wuselig, aber anders als auf dem Marktplatz. Der Gestank, der sonst überall in der Stadt gegenwärtig ist, wird überdeckt vom Weihrauch, der täglich verbannt wird. An den Seitenaltären stehen Messpriester und halten die Heilige Messe - auf Latein, um etwas vom Segen Gottes in die graue und gefährliche Welt hereinzubeten. Die Leute schauen stauenend und andächtig die erhobenen Hostien an, in denen Leib und Blut des Heilandes gegenwärtig ist. Sie trauen sich aber nicht häufiger als einmal im Jahr davon zu essen. Überall sind Heiligen Statuen. Gott scheint so unendlich weit weg, weiter noch als das hohe Kirchendach. Das ist eine Vorstellung, die den Menschen Hoffnung macht, dass es etwas jenseits ihres elenden Lebens gibt. Andererseits wird Gott damit unerreichbar. Doch die Heiligen waren Menschen, wie du und ich. Aber Gott hat seine Gnade an ihnen erwiesen. Das weckt Hoffnung. Wenn Gott zu ihnen gut war, kann er auch zu uns gut sein. Mit ihnen kann man auch besser reden, als mit dem sündlosen Erlöser selbst. Sie bittet man um ihre Fürbitte und Wunder für die alltäglichen Dinge, mit denen man Gott nicht belasten will. Hinter dem Lettner halten die Kleriker und Mönche das tägliche Gebet stellvertretend für das ganze Volk - auf Latein. Man hört gregorianischen Gesang, während die Messpriester leise die Messe murmeln. Die Melodien klingen ganz anders, als die weltlichen Gesänge, außerhalb der Kirchmauern. Fast alles ist auf Latein. Irgendwo steht eine Kanzel auf der einmal täglich ein Dominikanermönch in verständlicher Volkssprache über das Evangelium predigt. Doch die meisten Leute gehen da nicht hin.

Geh einfach mal eine in eine gothische Kirche und überlege, wie das wirkt - und wie das im Mittelalter gewirkt haben muss.


Nun ein Gegenbeispiel: Ein im 21. Jh. gebautes Gemeindehaus einer pentekostalen oder fundamentalistischen Gemeinschaft Man kommt rein und irgendwo sind Stehtische und ein Tresen, an dem es Kaffee gibt. An der Seite gibt es Flyer und einen Tisch, an dem man Bibeln und irgendwelche Hefte kaufen kann. Es sieht aus, wie auf einer Messe, auf der neue Produkte beworben werden. Wenn Du Sonntag Vormittag kommst, werden Dich Leute ungefragt begrüßen und mit Dir reden. Kommst Du zum zweiten mal, werden Dich junge Mädchen ungefragt umarmen, weil Sie dich von letzter Woche kennen. Manche Leute werden Dir Komplimente machen. Fühlt sich gut an. Kommst Du an einem anderen Wochentag, an dem keine Veranstaltung ist, ist die Tür jedoch verammelt. Geschlossen. So war es in der gothischen Kathetrale einige Jahrhunderte vorher nicht. Da war immer offen. Aber niemand hat dich umarmt. Im Gemeindehaus sind Toiletten - alles sauber. Es stehen vielleicht grüne Pflanzen rum. Es gibt extra Spielzimmer für die Kinder. Dann gehst Du in den Gottesdienstraum. Eine größere Halle. Es gibt keine Heiligenbilder, keine Altäre, keinen Weihrauch. Alles sieht aus und riecht, wie jede andere Veranstaltungshalle auch. Es gibt in Reihen aufgestellte Stühle. Es gibt keine Symbole, bestenfalls ein einziges Kreuz ohne Korpus. Am Ende des Raums ist eine Bühne. Die Stuhlreihen sind alle so aufgestellt, dass man die Pop-Band und den Prediger gut sehen kann. Wenn Gottesdienst ist, wird auch nicht mehr die Eucharistie gefeiert. Es fängt an, wie ein Schlagerkonzert - nur dass die Leute beim Tanzen beten. Danach wird die Show vom Prediger moderiert. Am Ende gibt es wieder Musik. Die Liedtexte machen deutlich, dass Jesus nicht mehr der unnahbare göttliche Erlöser ist, sondern unser bester Freund, der (fast) genauso ist, wie wir. Das Wort "heilig" fällt zwar oft, aber eben in Popsongs, zu denen man tanzt. Die Leute bitten nicht mehr die Heiligen um Fürbitte, für beruflichen Erfolg oder um Heilung bei Krankheit, sondern bitten gleich ihren besten Freund Jesus.

Die Menschen haben nicht nur einen Geschmack - sondern der Glaube hat sich verändert.

Gruenkohl28 28.06.2017, 13:48

Ich habe jetzt zwei extreme Beispiele genommen eins aus dem Mittelalter (das war die Frage) und eins von heute. Aber man könnte das Spiel auch mit den verschiedenen Epochen innerhalb des Mittelalters spielen. Es wird dann nur nicht ganz so deutlich.

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Ganz einfach weil man mit der Mode gehen wollte, bzw zeigen, dass man bei den neuesten Trends dabei ist. 

Daher haben viele Städte oft eine große Kirche in dem Stil stehen während dessen Zeitraum die Stadt eine wirtschaftlich gute Periode hatte.

Die Renaissance gehört nicht mehr zum Mittelalter sondern ist wie der Name andeutet die Wiederbelebung der Antike, diese Einstellung hat zB auch noch einen zusätzlichen Boom ausgelöst.

Ich denke mal weil sie soweit wie möglich mit an der Macht bleiben wollen. Obwohl man sagen muss das sie heutzutage höchstens noch mitreden.

KnightStriker 27.06.2017, 23:56

Danke für die Antwort aber leider kann ich mit dieser die Leitfrage meiner Gfs nicht beantworten.....

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Zwischen den einzelnen Kirchenbezirken gab es oft die Konkurrenz, wer hat den schönsten, wer hat den höchsten. Das führte dann zu dieser Entwicklung. Ab etwa 1200 gings innerhalb der Gotik vor allem darum, die größte Innenhöhe und die größte Turmhöhe zu haben.

Weil sich der Baustil ebenso wie die Mode / Kleidung immer ändert und geändert hat.

Wobei eine Basilika die Art des Gotteshauses ist - kein Baustil.

Die Anfänge der Basilika ist der profane Königsbau, in der Audienzen, Gerichtsverhandlungen abgehalten oder auch als Markthalle verwendet wurde.

Die christliche Kirche übernahm dann die Architektur für ihre ersten bedeutende Kirchen.

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