Wieso hat die Gesellschaft so viel Einfluss auf die Wissenschaft?

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6 Antworten

Gesellschaft hat weniger Einfluß auf Wissenschaft (auf die Ergebnisse) als man so denkt. Die beiden Einflußfaktoren sind Geld (welche Forschung wird stärker gefördert, was wollen Politik, Wirtschaft und am ende auch "die Gesellschaft" vorantreiben) und Umsetzung, also was läßt man Ingenieure und Techniker mit dem Wissen, daß wir Atome spalten können dann bauen.

Worauf Du vermutlich anspielst ist, wie Gesellschaft mit Wissen umgeht (es annimmt, ablehnt) und wie Politik, Wirtschaft und einzelne Interessengruppen die Gesellschaft, unabhängig von unserem wissenschaftlichen stand manipulieren:

Es wurden z.B. bekannte Atomphysiker von der Tabakwirtschaft bezahlt, um auf die US-Regierung Einfluß zu nehmen in der Debatte ob Rauchen gesundheitsschädlich ist. Nicht, weil die besonders viel Wissen um Biologie und Medizin haben, sondern weil sie hoch angesehen waren in Regierungskreisen im kalten Krieg. So zog sich - verschleppt durch Milliardeninteressen - eine Debatte über Jahrzehnte. Wissenschaftler wissen seit den 1930er Jahren, das Inhaltsstoffe von Zigarettenrauch Geschwüre und Krebs erzeugen (heute wissen wir natürlich viel mehr und kennen Details). Dennoch wurde das in der Gesellschaft klein geredet und von den Konzernen Jahrzehntelang bestritten. Es gibt auch heute noch einige Menschen, die diesen Argumenten aufsitzen.

Das gleiche passiert jetzt aktuell mit dem Klimawandel. Wenn man sich anschaut, wer sich laut ausspricht, das es keinen gibt (oder wenn man ihn nicht abstreiten kann sagt, er sei nicht Menschengemacht), dann sind das keine Klimaexperten, sondern bezahlte Journalisten und Wissenschaftler anderer Fachgebiete die auf Gehaltslisten bei Ölkonzernen, etc. stehen.

Ein (erschreckend) gutes Buch dazu ist "Merchants of Doubt" ("Die Machiavellis der Wissenschaft" auf Deutsch). Beschreibt wo das herkommt, wie das funktioniert und gibt hunderte von Referenzen und Quellen dazu an, wie Wissenschaft kleingeredet wird, wenn es nicht in die Stoßlinie der Politik oder Industrie paßt!

Was die Homosexualität als Krankheit angeht, scheinst Du sogar solcher gesellschaftlichen Propaganda von rechten/konservativen/religiösen Gruppen die sich gegen neue Erkenntnisse der Wissenschaft stellen aufgesessen zu sein. Die Streichung aus dem Schlüssel der Krankheitsbilder war überfällig, die Beweislaßt zu Gunsten eines natürlichen Vorgangs ist überwältigend. Diese Art sexuellen Verhaltens scheint zum großen Teil angeboren und ist in über 3000 anderen Tierarten gezeigt worden und nichts "unnatürliches" oder "krankhaftes".

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Kommentar von genetics2
22.01.2017, 12:57

Ich weiß, aber Pädophilie tut es ebenfalls nicht. Ich wollte darauf hinweisen, dass Pädophilie noch immer als Krankheit abgesehen wird. Ich hätte es lieber so formulieren sollen: "Und die perfide Beibehaltung von Pädophilie als psychische Störung im ICD-Katalog."

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hi,

genetics2,

Gesellschaften sind Veränderungen unterworfen.

Du führst z.B. G.Galilei an. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse wurden so unterdrückt, weil die Kirche einen großen Einfluß auf die Gesellschaften hatten.

Heutzutage schwindet der Einfluß der Kirchen. Das sieht man daran, daß Homosexualität in verschiedenen Gesellschaften anerkannt wird, öffentlich ausgelebt wird. Aber längst nicht in allen Ländern., wieder sieht man den Einfluß der Religion(en).

Mit der Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung (Horkheimer/ Adorno) verhält es sich ähnlich: Werturteile lassen sich nicht aus der Forschung heraushalten, Forschende selbst unterliegen bestimmten Postionen, Interessen, Hintergrundannahmen, religiösen oder nicht-religiösen Prägungen usw.

Insofern kann Wissenschaft nur bedingt als gesellschaftl. Teilsystem  dem Zugriff von Staat und Kirche entzogen werden.

Sexuelle Freiheiten sind auch immer mit Veränderungen in diesen Bereichen zu verstehen.

Insofern konnte Homosexualität, früher ein gesellschaftliches  Tabu, weil  die Kirche größeren Einfluß hatte, heute durch das Schwinden der kirchlichen Autorität und auch der Gottleugnung , als erlaubte Praktik von Gesesellschaften toleriert werden.

Es sind Grenzen, die durch diese Veränderungen verschoben werden.

Früher galt Homosexualität als Tabu. 

Heutzutage gilt Pädophilie als Tabu.Heute noch gilt es als "Grenzüberschreitung" vom Erwachsenen zum Kind, als etwas Unnatürliches.

Was wird morgen sein, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, daß z.B. die Genetik und damit nicht mehr der Mensch an sich für diese sexuelle Verhaltensweise verantwortlich ist?

Was wird passieren im Namen der "Sexuellen Freiheit", daß jeder sich nehmen darf, was er möchte?

Wird es morgen noch Tabus geben?

Ich sehe es so, daß Menschen oft nicht wissen, worauf sie hinsteuern. So ähnlich ist es mit der Umweltverschmutzung: "ein wenig geht noch" - und dann?


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Die Gesellschaft besteht aus Menschen.

Diese Menschen betreiben Wissenschaft.

Und das, um die Menschheit vorranzubringen.

Es wäre ja mal interessant, was die Wissenschaft eigentlich bewirken könnte, wenn sie sich nicht an den Bedürfnissen der Menschen orientiert.

Würde es eine solche Wissenschaft überhaupt geben können, die sich nicht am Menschen orientiert?

Wenn Du Dich mal in der Geschichte der Menschheit etwas umschaust wirst Du sehen, daß es alles schonmal irgendwann irgendwo gegeben hat.

Es wird also auch mal wieder eine Zeit kommen, in der Pädophilie ganz normal ist.

Und dann auch wieder nicht normal.

Menschen sind eben bipolar. ;)

warehouse14

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Naja, woher soll man als Außenstehender/nicht-Wissenschaftler wissen, ob das, was ein "Wissenschaftler" sagt, richtig oder falsch ist? Die Glaubwürdigkeit der Person/en, damals wahrscheinlich auch ihre Kontakte und ihr Einfluss und vor allem Beweise sind da wichtig. Es gab auch schon Millionen Fehltritte oder falsche Vermutungen im Bereich der Wissenschaft... Man kann nicht sofort alles für richtig oder garantiert nehmen. Und dass die Erde sich um die Sonne dreht, war eben eine ziemlich krasse "Behauptung" damals. Menschen stempeln einen (denke ich) eher als irren ab und behalten ihre eigene Meinung, statt sich alles anzuhören und jemandem vielleicht Recht geben zu müssen/sich anzustrengen und Gegenbeweise bringen...

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Kommentar von matmatmat
22.01.2017, 10:54

Es gibt ganz einfache Regeln, sowas auf Glaubwürdigkeit zu prüfen:

- Wer sagt mir das? Ist er in diesem Feld kompetent? Hat er ein (z.B. Wirtschaftliches) Interesse, daß ich ihm glaube?

- Gibt es Gegenstimmen? Falls ja, wie sieht es um deren Glaubwürdigkeit aus?

- Wie schlüssig sind die Belege? Sind es außergewöhnlich gute Belege, die eine außergewöhnliche Behauptung hinreichend erklären?

...

Schau mal nach Carl Sagan "Balooney Detection Kit". Man kommt mit ganz einfachen Fragen, höflich vorgetragen schon in kurzer Zeit bei den meisten Behauptungen sehr weit...

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Kommentar von kuchenschachtel
22.01.2017, 11:13

Stimmt schon, aber ich kenne eine Menge Leute in meinem Umfeld die lieber auf ihre Argumente bestehen und nicht daran rütteln lassen... Oder es interessiert sie gar nicht erst...

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Kommentar von kuchenschachtel
22.01.2017, 11:19

Danke für den Tipp btw :D lese das jetzt, ist wirklich interessant, danke!

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Die Änderung der Sicht der Gesellschaft auf gewisse Dinge ändert natürlich auch die Sicht der Wissenschaft, denn die Gesellschaft ist allumfassend und auch die Wissenschaft ist Teil dieser, auch wenn Wissenschaftler*innen teilweise komplett andere Ansichten als der gesellschaftliche Mainstream haben.

Über den zweiten Punkt könnte ich jetzt mit dir objektiv und ohne Beleidigung diskutieren, denn eine Krankheit ist ein physischer oder psychischer Zustand, der Menschen irgendwie schadet und das tut Pädophilie im Gegensatz zur Homosexualität. 

Aber für so was bin ich gerade zu verkatert zu.

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Kommentar von genetics2
22.01.2017, 10:35

Eine Krankheit muss nicht anderen schaden um als solche zu gelten.

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Kommentar von genetics2
22.01.2017, 10:39

Ich bin nicht bestrebt, Homosexulität als Krankheit abzustempeln, sondern Pädophilie als Sexualpräferenz anzuerkennen. Diese Kontroverse wurde hochgeschaukelt durch die Gesellschaft´.

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Kommentar von kuchenschachtel
22.01.2017, 10:44

Ich denke nicht, dass man sich seine Sexualität aussuchen kann. Was kann also ein Mensch, der auf Kinder steht, dafür? Es gibt auf jeden Fall Leute da draußen, die auf Kinder stehen. Aber so lange sie denen nichts antun und sich ihnen nicht "nähern", ist alles okay...

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Kommentar von genetics2
22.01.2017, 12:59

Das ist der erste Schritt dafür. Du darfst ja deine Sexualität ausleben. Die Puppe dient als Überbrückung bis Pädosexualität erlaubt ist.

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Bekannt ist:
Der Mensch hat Angst vor allem Unbekanntem, also wehrt er sich psychisch wie physisch.

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